Propaganda

Militärmanöver und Kriegsgefahr: Was Spiegel-Leser nicht erfahren

Der Spiegel meldet, dass Russland ein großes Manöver in Atlantik, Arktis, Pazifik und Mittelmeer ankündigt. Wie immer ist es viel interessanter, was der Spiegel nicht berichtet.

Am 20. Januar hat der Spiegel in einem Artikel mit der Überschrift „In der Ukrainekrise – Russland kündigt Manöver in Atlantik, Arktis, Pazifik und Mittelmeer an“ recht entrüstet gemeldet, dass Russland ein großes Manöver plant:

„Russland hat inmitten der Spannungen mit der Ukraine und deren westlichen Partnern groß angelegte Marinemanöver in Atlantik, Arktis, Pazifik und Mittelmeer angekündigt. An den für Januar und Februar geplanten Übungen seien insgesamt mehr als 140 Schiffe, mehr als 60 Flugzeuge und etwa 1000 Stück anderer militärischer Ausrüstung beteiligt, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen am Donnerstag mit. Etwa 10.000 Soldaten sollen demnach teilnehmen.“

Der Spiegel hat die Meldung – wie man an der Überschrift schon sehen kann – in den Kontext der Eskalation rund um die Ukraine gestellt und damit seinen Lesern ein weiteres Mal suggeriert, wie aggressiv die bösen Russen doch sind, wenn sie in dieser Situation auch noch ein Manöver durchführen. Diese suggestive Art der „Berichterstattung“ kennt man vom Spiegel, der sich eigentlich „NATO-Spiegel“ nennen müsste, weil er sich als Pressestelle der NATO versteht. Daher kann es nicht überraschen, dass der Spiegel am gleichen Tag völlig vergessen hat, seinen Lesern von einer weiteren Nachricht zu berichten, die nicht so gut ins gewollte Bild passt.

Was Spiegel-Leser nicht erfahren

Einen Tag vor dem Spiegel-Artikel, am 19. Januar, hat die NATO gemeldet, dass sie auch ein großes Manöver abhalten wird. Die NATO wird im März das Manöver „Cold Response“ in der Arktis, also direkt vor Russlands nördlicher Küste, abhalten. Und im Gegensatz zu dem „kleinen“ Manöver der Russen macht die NATO keine halben Sachen, denn am NATO-Manöver werden 35.000 Soldaten aus 28 Staaten und der US-Flugzeugträger „USS Harry S. Truman“ teilnehmen, auf dem bis zu 85 Flugzeuge stationiert sind.

Aber dass die NATO direkt vor Russlands Küsten ein größeres Manöver als Russland durchführt, müssen Spiegel-Leser ja nicht wissen…

Werbung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

32 Antworten

  1. Ich stehe damit vermutlich ziemlich alleine, aber persönlich würde ich es lieber sehen, wenn Russland gar keine Manöver mehr abhalten würde und sich bei seiner Verteidigung ausschließlich auf die nukleare Abschreckung verlassen würde. Das würde nämlich erst gar keine Spannungen verursachen, es würde Russland auch die Möglichkeit geben einen ganz anderen Weg zu gehen, einen den noch nie eine Nation gegangen ist. Eine Armee, die auf globale Katastrophenhilfe ausrichtet ist und sich zusätzlich um die Beseitigung von Umweltschäden kümmert, für die sie niemand zuständig hält, würde der NATO richtig Probleme machen. Ihr Spielkamerad hat sich dazu entschlossen das Spiel der NATO nicht mehr weiter mitzuspielen. Russland wäre für innere Konflikte mit einer schnellen Eingreiftruppe und der nuklearen Bewaffnung genauso sicher wie jetzt auch. Mit solch einer internationalen Hilfstruppe, die mit militärischer Ordnung, nach Muster der französischen Fremdenlegion, für globale Hilfe steht, würde Russland von heute auf morgen in ungeahnte moralische Höhen bringen. Denn wenn die Idealisten dieser Welt eine starke Nation hinter sich haben, werden sie sich alle mit Stolz unter der Fahne der Russen vereinen und gemeinsam dem Wahnsinn dieser Welt entgegentreten. Zu idealistisch? Mit Nichten, sie werden in ihre Heimat zurückkehren und sich fragen, warum dort dieser Weg nicht auch gegangen wird. In einigen Jahren würde Russland ein Vorbild sein, ein Land vor dem niemand Angst haben muss, ein Land der Hoffnung und Träume. Es dürfte schwer werden das ins Gegenteil zu verdrehen. Was Russland sonst noch davon hat? Sie könnten auf russische Export Produkte eine Abgabe erheben. Jedes Produkt was aus Russland kommt, finanziert die globale Katastrophenhilfe. Wo werden die Nationen dieser Welt also in Zukunft kaufen, wenn sie damit gleichzeitig eine Art Versicherung für den Notfall erhalten? Zunächst wird jede Nation das ablehnen, weil sie alle sooo stark sind, aber bei der ersten Krise, wo die Hilfe von Russland abgelehnt wird und die Menschen im Dreck sitzen, werden die Menschen dafür sorgen, dass die Regierungen ganz schnell umlernen müssen, ansonsten werden sie mehr Probleme bekommen, als es eine Krise jemals könnte.
    Geht nicht in die Sackgasse, geht einen anderen Weg!
    Die Freiheit dafür haben sie! Mut und Entschlossenheit haben sie! Nur der Wille, der fehlt noch.

    1. Bereits in den 1960.er Jahren sah sich die NATO genötigt, zusätzlich zum totalen Vernichtungsschlag mit Kernwaffen eine „flexible Response“ aufzubauen, um nicht gegenüber einer „Salami-Taktik“ eines angriffslustigen Gegners den Kürzeren zu ziehen.
      Daß gemäß einer aktuellen Studie der US-RAND Corporation nicht nur Putin, sondern bereits die UdSSR seit Chruschtschow ausschießlich „Mütterchen Rußland“ verteidigt hatten, tut hier nichts zur Sache, denn Militärstrategen müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein..
      Bei der Salamitaktik eines Gegners ergibt sich für eine Verteidigungsstrategie nach Ihrem Vorschlag das Problem, daß einzelne kleine Rechtsverletzungen des Gegners eben nicht gleich mit einem totalen Atomschlag beantwortet werden können, daß andererseits viele solcher Rechtsverletzungen sich auf die Dauer zu einem gefährlichen strategischen Vorteil des Gegners ausweiten können.

      1. Es ist immer eine Frage des konsequenten Handels. Wer sich auf eine Salamitaktik einlässt hat bereits verloren. Eine konsequente Abwehrhaltung, was ausdrücklich den Einsatz einschließt, würde eine Nadelstichdiplomatie unmöglich machen. Es ist ganz einfach, gibt es eine Gefahr, dann wird diese Gefahr ausgeschaltet und selbst wenn es die Existenz kostet. Bislang hieß es, die setzen die Waffen doch nicht ein, wir können machen was wir wollen. Genau diesen Zahn muss man ihnen ziehen und ihnen unmissverständlich klar machen, dass diese Waffen auch eingesetzt werden, sobald die äußere Sicherheit gefährdet ist. Das würde bedeuten, bei einer Luftraumverletzung wird automatisch eine Nuklearwaffe abgefeuert, natürlich wird die nicht groß sein, aber davor wegfliegen geht auch nicht. Katz und Maus Spiele gibt es also nicht mehr. Der Welt wird das natürlich nicht gefallen, aber andererseits, diese Waffen kommen nur bei einer Bedrohung zum Einsatz. Also bedroht das Land nicht, somit haben die Aggressoren das Problem, weil sie es einfach nur in Ruhe lassen müssen.

  2. entweder es gibt eine schnelle Invasion oder es gibt gar keine. Die Nato bereitet bereits Gegenmaßnahmen vor. z.B. werden 2 F35 im April von Holland nach Bulgarien verlegt. Die Zeit arbeitet für die Nato. Ich halte von der Cowboyexpansionspolitik des Westens rein gar nichts. Es säht nur Hass und Verderben.

    1. Die Nato plant den Krieg gegen Russland als regionales Scharmützel unter Ausschluß der strategischen Waffengattungen. Das Kalkül ist, dass Russland um jeden Preis vermeiden wird diese Schwelle zu übertreten. Es ist aber fraglich, ob Russland die strategischen Waffen der Nato-Partner noch ernsthaft Sorgen bereiten. S-550 wurde lapidar vorgestellt als System welches bis in den Weltraum reicht und dort sowohl Satelliten wie auch ICBM bekämpfen kann. Wurden die Minutemen somit entschärft? Das feste Auftreten Putins legt das nahe.
      F-35 ist ein atomwaffenfähiger Jagdbomber. Seine Ankunft an der Front belegt das vermutete Szenario: Die Nato-Luftwaffen werden mit taktischen Atombomben angreifen. Die „Raketenabwehrsysteme“ in Polen und Rumänien werden sowohl Abwehr- als auch den Angriff unterstützende Funktionen übernehmen, nämlich die russische Luftabwehr sättigen damit die F-35 und F-16 möglichst ihre Ziele erreichen.

      1. Russland hat noch nie soviel wert auf so ein Manöver gelegt wie jetzt. Und der Pazifik ist groß. Wie wäre es denn, einfach mal ein U-Boot unbeachtet in den Pazifik vor die amerikanische Küste zu steuern und mit einer Hyperschallrakete Konfetti über dem Weißen Haus regnen zu lassen? Das wäre doch mal ein Bild, die Russen hätten den Präsidenten töten können, stattdessen lassen sie Konfetti regnen. Dass wäre ein echter PR Knüller.

      1. Die Invasion findet bereits statt. Die Nato stützt in der Ukraine ein durch einen Staatsstreich installiertes Regime, welches die russischsprachige Bevölkerung terrorisiert. Wegen solcher Verbrechen gegen die Menschlichkeit hat die Nato bereits ganze Staaten in Grund und Boden bombardiert.
        Die Herstellung der Verfassung auf dem Gebiet der Ukraine sowie der Wiederherstellung der Rechte der russischsprachigen Bevölkerung ist dringend geboten.
        Eine Regelung nach dem Vorbild Bosnien-Herzegowinas ist denkbar.

        1. Die NATO zieht sich sofort zurück wenn es da zu Gefechten kommen sollte. Die sind nicht offiziell da und haben sowieso Probleme fähiges Personal zu finden. Die verheizen doch nicht ihre Soldaten für die Ukraine. Wie man überhaupt auf diese Annahme kommt.

  3. Beängstigendes eröffnet sich dem Leser, ich hoffe Russland kommt alldem zuvor denn nur reagieren zu wollen wird schmerzhaft sein. Es wird Zeit dass Russland der Nato mal nonverbal aufzeigt dass die „Verteidigungsmanöver“ der Nato nicht vor Russland Grenzen durchgeführt werden sollten.
    Ich befürchte wenn Russland dies nicht bald tut, es zu spät sein wird.

        1. Na da sind wir doch mal richtig gespannt, wie die Meldung lauten wird, wenn da vielleicht dereinst Manöver vor den Küsten … humm …. Kubas oder Venezuelas oder Nicaraguas statt finden sollten …

          Übrigens – daß die Russen dort „Raketen“ stationieren könnten, ist – sagen wir – höchst unwahrscheinlich – aus verschiedenen Gründen. Da hat Rybkow wohl wirklich mal geblufft …

      1. und wie sie drum herum reden:
        Die Übung wird zwar nicht direkt an der russischen Grenze stattfinden, aber trotzdem ist Russland das Land, das dem am nächsten ist. Deshalb informierte der Chef des norwegischen operativen Hauptquartiers, Yngve Odlo, persönlich über Skype den Chef der russischen Nordflotte, Aleksandr Moisejew über Details, um Missverständnisse zu verhindern. Laut Barents Observer soll damit Stärke angesichts der neuen russischen Zirkon-Missiles demonstriert werden.
        Außerdem sind es 2 Flugzeugträger.

        1. Natürlich ist dies eine Nato-Übung mit alleiniger Ausrichtung Russland. Daran gibt es keinerlei Zweifel und ich kann dem nichts Gutes abgewinnen. Das Manöver findet seit Jahren regelmässig statt, allerdings noch nie in dieser Dimension inklusive Flugzeugträgern. Aber sie kommt weder überraschend noch findet sie „direkt vor Russlands Küste“ statt und die neue Dimension ist wohl vielmehr ein Ausdruck der zunehmenden Spannungen, die hoffentlich nie eskalieren werden.

      1. „am 19. Januar, hat die NATO gemeldet“

        Ich mach lediglich darauf aufmerksam, dass Russland und alle, die darüber bescheiden wissen müssen, nicht total überraschend vor zwei Tagen auf dem falschen Fuss erwischt worden sind, was man aus oben stehenden Zitat durchaus ableiten könnte.

        1. Das kann man daraus m.E. nicht ableiten. Der russische Generalstab wird wohl nicht den SPIEGEL (das ehemalige Nachrichtenmagazin) für seine Informationsgewinnung benötigen. Im Artikel ging es um die Information der SPIEGEL-Leser und seine Meinungsbildung.

  4. Die vorgesehenen russischen Manöver würde ich durchaus als strategische Reaktion auf die eskalierenden Provokationen sehen und hoffe, daß dadurch bei den Amis ein echtes Aha-Erlebnis ausgelöst wird (anders geht es wohl nicht). Ist ein Zusammenspiel mit China zu erwarten?

  5. Schon in vor-testamentarischen Zeiten galt „Auge um Auge – Zahn um Zahn“ – warum sollte gerade Russland sich alles gefallen lassen? – Nur um ein paar Absatzmärkte nicht zu verschrecken?
    Der wertlose westen hat lange genug ausgetestet und freie Hand gehabt – nun ist es endlich Zeit für eine konkrete Antwort… 😤

    Ob ich mit dieser Bemerkung nun bei Allen auf Gegenliebe stoße ist mit ehrlich gesagt absolut „quiek“… 😋😎

    1. Meine Hoffnung, dass Einigkeit darüber besteht, dass bei aller Liebe zu Russland ein offener Konflikt mit Abstand die schlechteste aller Lösungen ist, hat sich damit zerschlagen.
      Da tröstet es auch nur wenig, dass der Absender der Kriegsaufforderung nicht überrascht.

        1. Tja, jetzt betteln sie um Frieden. Als die ukrainische Soldateska denn Donbaß bombardierte – ich zitiere die damalige „Barrikadenbraut“ des Ersten Großdeutschen Fernsehens – „kam das viel zu spät.“

  6. Habe gerade eine Artikel bei Tichys Einblick gelesen :https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/spahns-spitzwege/putins-pyrrhus-sieg/?register=true#wpcomm
    Das sowas russophobes auf diesem Medium zu lesen ist,hätte ich eigentlich nicht erwartet.Ein Ausschnitt-Zitat:Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim und der aus Moskau gesponserte Krieg in der Ostukraine sind einerseits ohne massiven Waffeneinsatz kaum zu korrigieren und tragen zum anderen dafür Sorge, dass die nach Westen orientierte, postsowjetische Republik in ihrer demokratischen Entwicklung gehemmt wird.
    Weiter konnt ich nicht,hab meinen Kaffee auf dem Läppi verschüttet.
    Kommentieren kann ich dort nicht,weil ich aus irgendeinem Grund keine Bestätigungsmail zur Anmeldung retour bekomme.Whatever,spenden tu ich für solche Propaganda nix;ich kauf mir lieber das neue Buch vom Röper (:

Schreibe einen Kommentar