Wirtschaftskrieg

Russland wird ausländische Firmen notfalls übernehmen

Das derzeit größte Risiko für Russland im Wirtschaftskrieg ist die Schließung ausländischer Firmen in Russland und die dadurch drohende Arbeitslosigkeit. Russland hat nun darauf reagiert.

Viele weltweite Konzerne haben in den letzten Tagen angekündigt, den russischen Markt vorübergehend oder endgültig zu verlassen. Das würde bedeuten, dass Millionen Russen, die in diesen Firmen gearbeitet haben, arbeitslos werden. Das will die russische Regierung verhindern, indem sie diese Firmen notfalls übernimmt und weiter arbeiten lässt. Darüber – und über Reaktionen darauf – hat das russische Fernsehen berichtet. Ich übersetze hier drei kurze Beiträge des russischen Fernsehens dazu.

Zunächst der Artikel des russischen Fernsehens über die russische Entscheidung, ausländische Firmen notfalls zu übernehmen.

Beginn der Übersetzung:

Putin befürwortet externes Management von scheidenden ausländischen Unternehmen

Die Nachfrage nach bestimmten Gütern habe zugenommen, aber es bestehe kein Zweifel daran, dass dies nur vorübergehend sei, sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstag bei einer Sitzung des Kabinetts.

Die Produktionsanlagen ausländischer Unternehmen in Russland werden nicht still stehen.

Das Ziel der seit 2014 kontinuierlich verhängten Sanktionen der USA und der EU ist es, Russland größtmöglichen Schaden zuzufügen. Das Ziel der jüngsten Sanktionen war es, Schockwellen auszulösen, das Finanzsystem zu zerstören, einen Abfluss von Kapital zu provozieren und ein Warendefizit zu verursachen.

„Es ist klar, dass in solchen Zeiten eine erhöhte Nachfrage der Menschen nach bestimmten Warengruppen besteht. Aber wir haben keinen Zweifel daran, dass wir all diese Probleme im Zuge der Arbeit in aller Ruhe lösen werden, und allmählich werden sich die Menschen orientieren und verstehen, dass es keine Ereignisse gibt, die wir nicht lösen können“, betonte der russische Präsident.

Er wies die Regierung an, die Interessen der Bevölkerung zu schützen, den Wohnungsbau und Hypotheken zu unterstützen.

Der Westen hat einen Wirtschaftskrieg gegen Russland angezettelt und versucht, eine Warenknappheit im Land zu erzeugen, so Finanzminister Anton Siluanow. Aber, so sagte er, die Regierung, das Finanzministerium und die Zentralbank würden alle Maßnahmen ergreifen, um den Preisanstieg, den Hype, zu löschen.

Die russische Regierung wird die Unternehmen beim Aufbau neuer Lieferketten unterstützen, sagte der russische Ministerpräsident Michail Mischustin.

„Die Regierung wird die Importsubstitution ausweiten und einheimischen Herstellern helfen, ausländische Produkte in den Lieferketten zu ersetzen“, sagte Mischustin.

Ausländische Unternehmen stellen ihre Tätigkeit vorübergehend ein, aber die Regierung wird diese Produktionsanlagen erhalten oder gegebenenfalls wieder in Betrieb nehmen. „Die meisten Unternehmen erklären eine vorübergehende Aussetzung unter Beibehaltung von Arbeitsplätzen und Gehältern und wir werden diese Situation sorgfältig beobachten“, betonte Mischustin.

Es dürfe nicht sein, dass russische Zulieferer durch den Rückzug ausländischer Unternehmen aus dem russischen Markt und die Einführung eines externen Managements in den von ausländischen Investoren errichteten Produktionsstätten Verluste erleiden, so der Staatschef. Putin gab die Anweisung, die Interessen der verbliebenen ausländischen Investoren zu schützen.

Ende der Übersetzung

Wie es erreicht werden soll, dass ausländische Firmen in Russland auch dann die Arbeit nicht einstellen, wenn die ausländischen Mutterkonzerne das anordnen, hat der russische Ministerpräsident auch erklärt. Den Artikel des russischen Fernsehens darüber habe ich ebenfalls übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Russland verhängt Ausfuhrverbot für ausländische Geräte

Wie der Pressedienst des Kabinetts mitteilte, hat die russische Regierung eine Liste von Waren und Ausrüstungsgegenständen gebilligt, die zuvor aus dem Ausland nach Russland eingeführt wurden und das Land nicht mehr verlassen dürfen.

Das Verbot gilt bis Ende 2022 für Ausfuhren in alle Länder mit Ausnahme der Mitgliedsstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU), Abchasien und Südossetien.

Dabei handelt es sich um Technik, Telekommunikation, medizinische Geräte, Fahrzeuge, landwirtschaftliche Geräte und Elektrogeräte.

Die Liste umfasst mehr als 200 Warenpositionen. Dazu gehören schwere Industriegeräte wie Eisenbahnwaggons und Lokomotiven, Container, Turbinen, Werkzeugmaschinen, Monitore, Projektoren, Konsolen und Großbildschirme. Die vollständige Liste wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

„Diese Maßnahme ist notwendig, um die Stabilität des russischen Marktes zu gewährleisten“, so das Presseamt der Regierung.

Ende der Übersetzung


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

9 Antworten

    1. Besser wäre es ,Putin worde unsere Regierung übernehmen, denn mit der sterben wir eher.

      https://www.nachdenkseiten.de/?p=81874

      Auszug:Die Bundesregierung fördert jetzt wegen „Ukraine“ auch das umwelt- und menschenschädliche Fracking-Gas aus den USA, als Ersatz für das bisher aus Russland gelieferte Gas.
      Dass beim Fracking Grundwasser, Flüsse, Seen, Trinkwasser, Luft, Pflanzen, Tiere geschädigt, vergiftet und dass Menschen gesundheitlich geschädigt werden – alles seit Jahren weltweit bekannt. Tausende Bürgerinitiativen, Wissenschaftler, kommunale Räte organisieren seit zwei Jahrzehnten zwischen Kalifornien, Texas, New Mexiko, Louisiana und Wyoming Widerstand – meist vergeblich.

      Wer alt ist und näher an Fracking-Standorten wohnt, stirbt früher

      Das ist das Ergebnis einer aufwendigen Studie. Erstellt wurde sie von 10 ForscherInnen der School of Public Health an der Elite-Universität Harvard: Exposure to unconventional oil and gas development and all-cause mortality in Medicare beneficiaries, veröffentlicht am 27. Januar 2022 in der Zeitschrift Nature Energy. Haben das die deutschen Umwelt-Freunde bemerkt? Nee, unwichtig-

      Deutschland wählte seinen Metzger immer selbst!

      1. Warum wird seit dem 24. Februar 2022 Kriegsangst geschürt? Warum wird gleichzeitig die Angst vor dem Erfrieren geschürt? „Frieren für die Freiheit?“ Was für eine Gauckelei! Niemand sonst auf diesem Planeten liefert so viel so billig und so zuverlässig Erdgas, Erdöl und Steinkohle wie russische Anbieter. Trotzdem ist in der BRD die „German Angst“ vor dem bösen Russen tief verwurzelt! „Wir müssen nicht nur fossilfrei werden, sondern auch Putin-frei!“ So einen Stuss kann nur verzapfen, wer, eine „Spahnplatte“ vor dem Kopf hat!

  1. Ja und so soll es auch sein. Was ist denn bitteschön so toll daran wie es ist wo die Wirtschaft die Politik bestimmt? Garnichts!
    Monopole bilden sich und üben Druck auf die Regierungen aus, haben in gewisser Weise sogar mitzubestimmen. Meiner Meinung nach sollten alle Firmen verstaatlicht werden und nicht die Gewinnmaximierung anstreben sondern die eigenen Mitarbeiter zur Priorität Nummer Eins erklären.
    Konkurrenzdenken wie in unseren System bringt satte Gewinne nur der Chefetage, nicht den einfachen Arbeitern.

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