Krieg

Ukrainische Präsidialverwaltung bestätigt: Russische Armee greift keine zivilen Ziele an

Natürlich ist die russische Militäroperation in der Ukraine auch in Russland Thema Nummer 1. Daher habe ich einen Bericht des russischen Fernsehens übersetzt, um zu zeigen, wie in Russland berichtet wird.

Es gab im russischen Fernsehen natürlich sehr viele Berichte über den ersten Tag der russischen Militäroperation in der Ukraine und ich kann nicht alle übersetzen. Ich habe mir daher den aktuell neuesten Bericht als Beispiel für die russische Berichterstattung herausgesucht und ihn übersetzt.

Was ich bemerkenswert finde, ist, dass sogar in der Ukraine von offizieller Seite bestätigt wird, dass die russischen Truppen keine zivilen Ziele angreifen, sondern nur das tun, was Putin angekündigt hat: Sie „entmilitarisieren“ die Ukraine und greifen ausschließlich militärische Ziele an. Das ist keine russische Propaganda, das meldet die ukrainische Präsidialverwaltung.

Beginn der Übersetzung:

Am 24. Februar hat die Ukraine die diplomatischen Beziehungen zu Russland abgebrochen. Die Entscheidung wurde von Präsident Wladimir Selensky bekannt gegeben, der auch erklärte, dass im ganzen Land das Kriegsrecht verhängt werde. Die Rede löste in den Großstädten Panik aus und vor Geldautomaten, Lebensmittelgeschäften und Tankstellen bildeten sich Schlangen. Gleichzeitig haben sich auf den Autobahnen in Richtung Westen Staus gebildet, da die Menschen massenhaft aus Städten fliehen, obwohl die nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums nicht angegriffen werden. Ein Bericht aus der Ukraine.

Noch nie dagewesene, kilometerlange Staus in Kiew aus der Stadt heraus. Die Autokolonnen bewegen sich auf die Grenze zu, lange Warteschlangen sind an allen Tankstellen auf dem Weg dorthin.

Die Regale in den Supermärkten sind wie leergefegt, die Geldautomaten haben kein Bargeld.

„Ich renne seit 6 Uhr morgens zu Tankstellen und Geldautomaten. Ich kann nichts einlösen, nichts kaufen und mein Auto nicht volltanken“, sagt ein Anwohner.

Man kann die Menschen verstehen: Die ukrainische Regierung erklärt nichts – im Gegenteil, sie macht die Bevölkerung absichtlich nervös. In Kiew ertönt stündlich die Luftschutzsirene, obwohl keine Gefahr für Wohngebiete besteht, was sogar die Präsidialverwaltung zugeben muss.

„Sie müssen verstehen, dass Putin keine zivilen Objekte angreifen wird. Er muss sich die Loyalität der ukrainischen Bevölkerung bewahren, vor allem in den Gebieten, die eingenommen werden sollen. Sie greifen ausschließlich die Streitkräfte an“, sagte Alexej Arestovytsch, Berater des Leiters des ukrainischen Präsidialamtes.

Selensky hat sich bereits dreimal an die Nation gewandt und jedes Mal weitere Einzelheiten über die – von ihm selbst verschuldete – Verschlechterung der Beziehungen zu Russland genannt.

„Wir haben die diplomatischen Beziehungen zu Russland abgebrochen. Die Ukraine verteidigt sich selbst und wird ihre Freiheit nicht aufgeben, ganz gleich, was man in Moskau denkt“, sagte der ukrainische Staatschef.

Russische diplomatische Vertretungen wurden am Vortag aus dem Land evakuiert, da ukrainische Nationalisten fast täglich Mitarbeiter bedroht und sie mehrfach angegriffen, ihre Autos umgeworfen und Steine durch die Fenster geworfen haben.

In der Ukraine wurde das Kriegsrecht verhängt – die Werchowna Rada hat den Beschluss mehrheitlich gefasst.

„Wir haben mit verfassungsmäßiger Mehrheit die Verhängung des Kriegsrechts in der Ukraine beschlossen. Wir haben nicht aufgehört zu arbeiten, wir haben unsere Sitzung unterbrochen. Wenn notwendige Entscheidungen getroffen werden müssen, werden wir zusammenkommen und sie für das ukrainische Volk treffen“, sagte Ruslan Stefantschuk, Sprecher der Werchowna Rada der Ukraine.

Wie die ukrainische Presse versichert, zeigen diese Aufnahmen, wie die Familie des Parlamentspräsidenten Stefantschuk Kiew in aller Eile verlässt. Auf dem Bahnhof in Kiew herrscht Chaos, obwohl es keine Angriffe auf die zivile Infrastruktur gibt.

Das Militär und die Spionageabwehr verbrennen massenhaft Dokumente, was im ukrainischen Fernsehen nicht gezeigt wird.

„Verbreiten Sie Nachrichten darüber, wie mächtig unser Militär kämpft. Solche Informationen sind immer noch sehr spärlich, aber unser Militär braucht dringend die Unterstützung der Bevölkerung“, appellierte Selensky an die ukrainischen Journalisten.

Bisher liefern amerikanische Medien die Informationen. Der CNN-Korrespondent im Zentrum von Kiew, der während einer Live-Übertragung einen Knall hört, zieht sich sofort eine kugelsichere Weste an, die ihm der Kameramann, der bereits in voller Montur ist, bereitwillig reicht. Auch der CNN-Korrespondent Matthew Chance hat am Nachmittag bereits russische Truppen auf dem Flughafen Gostomel, 25 Kilometer von der ukrainischen Hauptstadt entfernt, entdeckt.

„Man sieht, dass es Russen sind: Alle haben ein orange-schwarzes Band auf der Schulter. Ich habe vor einigen Minuten mit ihrem Kommandeur gesprochen und er sagte mir, dass sie den Flughafen kontrollieren“, berichtete der amerikanische Korrespondent.

Die Kämpfer, die nur wenige Meter von dem Journalisten entfernt sind, schenken ihm aus irgendeinem Grund nicht die geringste Aufmerksamkeit, aber die Fernsehzuschauer sind erwartungsgemäß erschrocken.

Die einzigen, die zum Widerstand aufrufen, sind genau die Nationalisten, von denen Russland die Ukraine befreien will – sie haben nichts zu verlieren. Aber Biletsky steht allein auf dem Maidan, viele seiner bisherigen Unterstützer sind zu ehemaligen Unterstützern geworden. (Anm. d. Übers.: Biletsky ist einer der radikalsten Nationalisten in der Ukraine, hier finden Sie Informationen über ihn)

„Ich, Stepko Roman, ein ehemaliger Angehöriger des Nationalen Korps, und alle unsere Waffenbrüder haben ihre Waffen längst niedergelegt, weil wir wissen, dass es keine Chance gibt… wozu das? Für Selensky und seine Familie?“ Er spricht jetzt Russisch anstatt Ukrainisch und hat seine Ansichten über die ukrainische Nationalistenbewegung radikal geändert.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.