Ost-West-Konflikt

Welche neuen Russland-Sanktionen im Westen diskutiert werden

In den Medien ist täglich die Rede von neuen Russland-Sanktionen. Daher finden Sie hier eine Zusammenfassung dessen, was die USA und die EU planen, wo es Einigkeit und wo es Streit gibt.

In der russischen Nachrichtenagentur TASS hat ein Analyst den Stand der Diskussionen im Westen über neue Russland-Sanktionen zusammengefasst. Da ich eine so umfassende Zusammenfassung bisher nirgends gesehen habe, habe ich den Artikel der TASS übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Keine Dollars und keine Smartphones? Mit welchen neuen Sanktionen die USA und die EU Russland drohen

Washington und Brüssel verhandeln weiterhin über Einzelheiten möglicher Sanktionen.

Die Spannungen zwischen Moskau und den westlichen Ländern wegen der Ukraine erhöhen die Wahrscheinlichkeit neuer anti-russischer Sanktionen. Sowohl Washington als auch Brüssel bereiten sich bereits aktiv auf die Verhängung neuer Sanktionen vor. Bisher sprechen wir nur über hypothetische Maßnahmen, aber einige davon werden mit Sicherheit ihren Weg in die Hände der Gegner Russlands finden.

Europäische Maßnahmen

Am Montag erklärte die Europäische Union, sie sei bereit, „massive“ Sanktionen anzuwenden. Zum Abschluss des Treffens der 27 Außenminister der Gemeinschaft hat der Block jedoch keine konkreten Maßnahmen vorgestellt.

Vor dem Treffen erklärte der dänische Außenminister, es handele sich um „beispiellose“ Sanktionen, während sein litauischer Amtskollege sagte, die Sanktionen seien „unerträglich“. In der abschließenden Erklärung des EU-Rates heißt es, dass jede „weitere russische Militäraggression“ gegen die Ukraine erhebliche Konsequenzen und einen hohen Preis haben würde.

„Dazu gehört ein breites Spektrum an sektoralen und individuellen restriktiven Maßnahmen, die in Abstimmung mit unseren Partnern ergriffen werden. Die EU beschleunigt die Vorbereitungsarbeiten in dieser Richtung“, stellt der Rat fest.

Später am Abend berichtete der Spiegel, dass Bulgarien, Dänemark, Litauen und Rumänien von der EU eine Erweiterung der Sanktionen gegen Russland fordern, die im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung mit der Krim verhängt wurden. Die EU-Sanktionsliste soll angeblich noch fünf weitere Personen oder Einrichtungen umfassen, aber vor der offiziellen Entscheidung sind keine Einzelheiten bekannt. Auch im Vereinigten Königreich wurde ein separates Sanktionsgesetz vorbereitet. Allerdings wurde auch das noch nicht der Öffentlichkeit vorgestellt.

Was die einheitliche Antwort der EU betrifft, so schrieb der Spiegel, dass eine Entscheidung über ein mögliches neues Paket von Sanktionen gegen Russland im Falle eines Konflikts mit der Ukraine noch nicht gefallen sei. Die USA koordinieren ihre Maßnahmen mit Europa und versuchen, ihre eigenen Verluste zu minimieren.

Die amerikanischen Sanktionsprojekte

Laut US-Außenminister Anthony Blinken sind die Vereinigten Staaten der Ansicht, dass anti-russische Maßnahmen nur im Falle aggressiver Handlungen gegen die Ukraine verhängt werden sollten, aber nicht bevor diese beginnen.

Obwohl die Einzelheiten der Sanktionen noch mit den Europäern besprochen werden, sind die anti-russischen Maßnahmen insgesamt „bereits fertig“, wie Washington betonte. Bereits am 12. Januar brachte eine Gruppe von Demokraten unter der Leitung des Vorsitzenden des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Robert Menendez, einen eigenen Gesetzentwurf mit dem Titel „The Ukraine Sovereignty Protection Act of 2022“ in den Senat ein, der Folgendes vorsieht:

  • Verhängung von Sanktionen gegen staatliche russische Banken und Finanzinstitute, darunter Sberbank, VTB, Gazprombank und der Russische Direktinvestitionsfonds;
  • Begrenzung der Beteiligung ausländischer Unternehmen an russischen Ölprojekten;
  • Verbot von Investitionen in Neuemissionen russischer Staatsanleihen;
  • den Ausschluss Russlands aus dem SWIFT-System in Erwägung zu ziehen;
  • Verhängung persönlicher Sanktionen gegen Präsident Wladimir Putin sowie gegen Militär- und Regierungsbeamte, einschließlich des Ministerpräsidenten, des Außenministers, des Verteidigungsministers, des Stabschefs der russischen Streitkräfte und anderer militärischer Führungskräfte;
  • möglicherweise Sanktionen gegen Nord Stream 2 verhängen.

Ähnliche Maßnahmen wurden – mit einigen Vorbehalten – vom republikanischen Lager vorgeschlagen. Der republikanische Senator Mark Rubio hat den „Authoritarian Military Containment Act 2022“ verfasst, der weitere Länder dazu auffordert, Nord Stream 2 zu boykottieren. Ein weiteres Paket (der „Putin Accountability Act“) erschien am 20. Januar, initiiert vom republikanischen Kongressabgeordneten Jim Banks und mit verfasst von seinen Parteikollegen. Es schlägt vor, Russland als staatlichen Sponsor des Terrorismus und die Rebellen im Donbass als Terroristen anzuerkennen.

Viele Punkte in all diesen Entwürfen wiederholen sich, wie z. B. die Abkopplung von SWIFT, das Verbot von Transaktionen mit russischen Staatsschulden, persönliche Sanktionen gegen russische Würdenträger und Geschäftsleute sowie gegen Wladimir Putin persönlich. Der Kreml hat diese Maßnahme übrigens als empörend bezeichnet und sie mit einem Abbruch der Beziehungen verglichen.

Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, Emily Horn, erklärte, die US-Regierung unterstütze die Initiative der Demokraten. Das heißt, das Projekt von Menendez.

Was die neuen Sanktionen androhen

Die USA versprechen, dass eine russische Invasion in der Ukraine für Moskau „eine Katastrophe“ wäre (die russische Regierung bestreiten solche Pläne – Anmerkung der TASS). Gleichzeitig wies Präsident Biden darauf hin, dass das Ausmaß möglicher Sanktionen Washingtons und seiner Verbündeten von den konkreten russischen Maßnahmen abhängen wird.

Es geht um die mögliche Einführung von Sanktionen im Zusammenhang mit Dollar-Transaktionen, die laut Biden einen „negativen Einfluss auf die Volkswirtschaften der europäischen Länder“, aber einen „zerstörerischen Einfluss auf Russland“ haben werden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Weiße Haus US-Finanzinstituten verboten, russische Staatsanleihen direkt von staatlichen Stellen zu kaufen. Die Sanktionen haben jedoch den Sekundärmarkt nicht berührt, so dass dieser als nächster Schritt in Frage kommt.

Darüber hinaus schlug CIA-Chef William Burns laut Bild-Zeitung Mitte Januar den Verbündeten Sanktionen vor, die sich auf Rohstoff- und Waffenexporte aus Russland auswirken könnten. Darüber hinaus wurde vorgeschlagen, die Zahl der Mitarbeiter in den russischen diplomatischen Vertretungen in den westlichen Ländern erheblich zu verringern.

Verbot der Lieferung von Halbleitern

Die Vereinigten Staaten sprechen auch über mögliche Beschränkungen für die Lieferung von Halbleitern nach Russland, was einen Schlag für die High-Tech-Industrie in der russischen Wirtschaft bedeuten würde. Diese Bauteile sind in praktisch allen modernen elektronischen Geräten vorhanden. Medienberichten zufolge hat das Weiße Haus die Chiphersteller bereits gewarnt, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten. Neben den USA wird dieser Markt von Taiwan, Südkorea, Europa und Japan beherrscht, mit denen Washington angeblich auch über mögliche gemeinsame Beschränkungen berät.

Ein Verbot der Ausfuhr amerikanischer Hightech-Produkte nach Russland könnte von Luftfahrtelektronik und Werkzeugen bis hin zu Smartphones, Spielkonsolen und Fernsehgeräten reichen. Nach Angaben von Offiziellen, die von der Washington Post zitiert werden, könnten die Maßnahmen den Russen bestimmte Modelle von Smartphones, Tablets und Spielkonsolen vorenthalten.

Darüber hinaus könnten die Beschränkungen kritische Sektoren der russischen Industrie, einschließlich der Verteidigungs- und Zivilluftfahrt, beeinträchtigen, was Russlands „High-Tech-Ambitionen“ schaden würde.

„Die Regierung hat noch nicht entschieden, ob sie Ausfuhrbeschränkungen für strategische Sektoren verhängen oder auf alltägliche Geräte ausweiten will“, schreibt die Washington Post.

Kompromisse mit der BRD

Noch verhandeln die USA und die EU über die Maßnahmen. Trotz der Bereitschaft des Westens, notfalls eine einheitliche Sanktionsfront zu bilden, wird in der Presse berichtet, dass die BRD über die Folgen einiger Maßnahmen besorgt ist.

Einem Bericht von Bloomberg zufolge soll die deutsche Regierung beispielsweise darauf bestanden haben, dass der russische Energiesektor keinen finanziellen Beschränkungen unterworfen werden sollte. Die deutsche Regierung befürchtet, dass ohne eine solche Ausnahmeregelung die Energielieferungen nach Europa gefährdet wären und ein Verbot von Geschäften mit russischen Banken den EU-Finanzinstituten schweren Schaden zufügen würde.

„Die gleiche Begründung gilt für die Abkopplung russischer Banken vom SWIFT-System“, zitiert die Agentur einen Auszug aus dem Dokument. Verschiedenen Experten zufolge würden auch die USA und Deutschland unter der Maßnahme leiden, da ihre Kreditinstitute das System der russischen Banken häufig nutzen.

Bereits am 17. Januar schrieb das Handelsblatt unter Berufung auf Quellen in der deutschen Regierung, dass die Regierungen der USA und der EU angeblich nicht mehr erwägen, Russland von SWIFT abzukoppeln. Offizielle sagen jedoch, dass keine Maßnahmen ausgeschlossen sind.

Ein weiteres heikles Thema sind Sanktionen gegen Nord Stream 2, das bereits gebaut wurde und sich im Genehmigungsverfahren befindet. Berlin hat den USA zugesichert, dass im Falle eines Einmarsches in die Ukraine kein russisches Gas durch die Pipeline fließen wird. Die Führung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und das Bundeskanzleramt sind laut Bloomberg jedoch nicht bereit, die Pipeline grundsätzlich aufzugeben, was in Washington Verärgerung hervorruft. Darüber hinaus ist Berlin nach wie vor gegen Waffenlieferungen an die Ukraine.

„Jedes Land hat seine eigenen Ansichten und Prioritäten, aber ich glaube nicht, dass es in dieser Frage zu besonderen Reibereien mit Berlin gekommen ist“, sagte Karen Donfried, stellvertretende US-Außenministerin für europäische und eurasische Angelegenheiten. Ihr zufolge unterscheidet sich Berlins Meinung zu den Entwicklungen an der russisch-ukrainischen Grenze nicht von der der europäischen Verbündeten und der Vereinigten Staaten.

Was der Kreml über die Sanktionen sagt

Zuvor hatte der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow in einem Interview mit CNN erklärt, die vorgeschlagenen US-Sanktionen gegen die russische Führung könnten zu einem Ende der Beziehungen zwischen den beiden Ländern führen.

Davor hatte er auch darauf hingewiesen, dass Moskau die Entwürfe für verschiedene Sanktionen äußerst negativ beurteilte. „Insbesondere vor dem Hintergrund der, wenn auch erfolglosen, aber wenigstens laufenden Verhandlungen“, betonte er. Das heißt, die diplomatische Linie hat nach wie vor Priorität.

Nach Ansicht des Präsidentensprechers ist die Sanktionsrhetorik der weiteren Suche nach für beide Seiten vorteilhaften Lösungen und der Schaffung einer konstruktiven Atmosphäre nicht förderlich. Peskow zufolge ist es auch in Bezug auf mögliche Sanktionen besser, sich nicht von Spekulationen in den Medien, sondern von offiziellen Erklärungen europäischer und amerikanischer Beamter leiten zu lassen.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

34 Antworten

  1. „den Ausschluss Russlands aus dem SWIFT-System in Erwägung zu ziehen;“: schon interessant, dass genau dieser Punkt von Herrn F. Merz so vehement abgelehnt wird (Rede vor dem Bundestag). Da wissen wohl einige BlackRock-trainierte, dass Schüsse ins eigene Knie sehr schmerzhaft sein können bzw. die Bewegung stark einschräken!

    1. Auf zum Boykott!!! Laßt die Russen bluten!!!

      Sollen sie ihre Bodenschätze doch behalten, wir hier, im besten Deutschland aller Zeiten, haben doch genug eigene Bodenschätze. Z.B. Kohle und …. ???

      Äh, vielleicht sollten wir doch noch mal darüber nachdenken, ob das so eine gute Idee mit den Sanktionen gegen Rußland wäre. Seit den letzten Sanktionen sind die Russen z.B. in der Landwirtschaft jetzt so gut wie autark. Sie haben in den letzten Jahren viel Know How aufgebaut und werden durch keine subventionierte Konkurenz aus dem Westen belästigt. Das nenn ich mal Wirtschaftshilfe.

      By the way. In der Zeit in der Deutschland durch die Sanktionen gegen Rußland wirtschaftlich geblutet hat, haben die Amis mehr Geschäfte mit Rußland gemacht als vor den Sanktionen.

      Führer befiehl, wir tragen die Folgen!

      1. Naja, weiter oben?
        Eier können unsere Politiker nicht treffen – da haben sie keine – und ein Schuß ins nicht vorhandene Rückgrat fällt auch weg!
        Nicht einmal Gehirn können sie rausblasen – denn, wo nichts ist ……

    1. Bei dem Link finde ich kein Video, die Seite ist gut aufrufbar.
      Interessant: „Quelle: AFP“ Also Agence France Press, die französische Nachrichtenagentur, was zegt, dass nch nicht alle 100% unter US-Kontrolle sind, wie z.B. DPA, die nur abschreiben.

  2. „Der Kreml hat diese Maßnahme übrigens als empörend bezeichnet und sie mit einem Abbruch der Beziehungen verglichen.“

    Ich habe das so in Erinnerung, daß Putin selbst (nicht nur Peskow) erklärt hat, man werde im Sanktionsfall alle Beziehungen zum Westen abbrechen. Daran ist nichts mißzuverstehen.

    1. nein, die wollen „nur“ eine Grund für neue Sanktionen und ein Szenario, bei dem die Westmedien einhellig von Angriff sprechen und sich keine EU-Länder mehr sträumen (können), z.B. Nordstream 2 zu begraben.

    1. Die USA befolgen konsequent die von der RAND Corp vor 2 Jahren vorgelegte Strategie zur Umzingelung von China und Russland. Lt. diesem Papier soll die Ukraine ein „Afghanistan“ für Russland werden. Nur, dass die Fanatiker eben keine Islamisten sind, sondern Nazis in Ukraine und baltischen Staaten, die politisch und militärisch und finanziell gefördert werden.
      Kurzfristiges Ziel ist, ein Umfeld zu schaffen, bei dem (zumindest) die westlichen Medien einhellig von einem Angriff sprechen und damit weitere Sanktionen (natürlich auch Sperre von Nordstream 2) von den Europäer mitgetragen werden, ungeachtet der wirtschaftlichen Beschwernisse, die sich die EU-Länder damit aufladen (denn das ist ein Nebenziel: Schwächung der EU-Wirtschaftsmacht und Erhöhung der Abhängigkeit.) Es geht nur um die Vorteile der USA, alles andere ist nur Rauch.
      Mit der jetzigen Regierung in Deutschland haben die USA (endlich) einen hörigen und willigen Gefolgsmann/Frau, was bei Merkel nicht der Fall war.
      Eigentlich steht alles in den Papieren der RAND Corp, schaut man genau hin, erkennt man,, dass praktisch alles 1:1 umgesetzt wurde/wird, plus etwas Propagandaneben und Ablenkungsaktionen.
      Als Nächstes kommt Kasastan und Transnistrien als Krisenorte (Transnistrien mit eifriger Hilfe der EU), wo Russland Kräfte und Finanzen binden muss.

  3. Tja, beim Thema Sanktionen von Halbleitertechnik wird Russland aber ziemlich stark ins Schwitzen kommen. Denn bis heute hat Russland es trotz viele klüger Köpfe nicht gebacken bekommen eine eigene „Made in Russia“ auf dem globalen Markt wettbewerbsfähige Halbleiterindustrie aufzubauen.
    Selbst China kam in den letzten Jahren ins Straucheln als die USA Sanktionen gegen China einführten – btw, sind es eben diese Sanktionen, die zur heutigen Chipkrise beigetragen haben und man davon heute nichts mehr hört, außer dass China immer noch Probleme hat mit der Entwicklung ihrer eigenen Halbleiterindustrie – trotz immens hohen Subventionen in die Entwicklung ihrer Halbleiterindustrie.

    Jetzt schauen wir uns mal Russland an: Da ist gar nichts, außer vielleicht Sitronics. Es gab mal Zeiten ab den 70ern da hat die Sowjetunion gemeinsam mit der DDR wenigstens mal versucht eine eigene ernstzunehmende Halbleiterindustrie aufzubauen, die dann allerdings auf Kosten der alten Schwer- und Rohstoffindustrie wegrationiert wurde. Bis heute ist Russland darin gefangen.
    Das beste aktuellste Beispiel war ja die Entwicklung von Irkut MC-21, das als Made in Russia gepriesen wurde, aber anfangs fast ausschließlich aus westlicher Technik bestand. Seit den Sanktionen wurde dann auf russische Produzenten ausgewichen, aber die elektronischen Bauteile sind immer noch aus dem Westen bzw. Taiwan usw.

    Und was ist mit dem russischen „Silicon Valley“ Innovationszentrum Skolkowo in Moskau geworden? Davon hört man auch nichts mehr.

    Ich denke der Exportverbot westlicher Halbleitertechnik nach Russland wird Russland zurück in die Vergangenheit katapultieren. Das wird Russland Jahrzehnte zurückwerfen, wenn China es nicht schafft diese Lücke zu schließen. Russland alleine schafft das nicht mehr. Da ist die Zeit schon abgefahren. Denn weitere 10 Jahre bis zum Aufbau einer Halbleiterindustrie können die auch nicht mehr warten. Bis dahin gibt es schon die Sanktionen.

    Ich würde das also nicht so auf die leichte Schulter nehmen.

    1. Danke für die Info, ähnlich hatte es ja schon in den 80 ern funktioniert. Bleibt also China und für mich noch die Frage, ob dessen aggressiver Ton gegen Taiwan vielleicht auch mit TSMC zu tun hat

      1. Ach stimmt. Tja, wenn du nur Lobhudelei auf Russland und China hören willst, dann bist du bei mir falsch.
        Btw, das ist keine ernstzunehmende Debatte.

        Eigentlich sollte ich auf so etwas substanzloses gar nicht antworten…

        1. Soweit ich weiß, muß China zwar noch massiv Fertigungstechnik und Halbleiter-Chips importieren. Ich gehe jedoch davon aus, daß man mit Hochdruck an der Entwicklung eigener Technik arbeitet (interessant übrigens auch für Investoren). Zweitens hat dieses Land selber einige Asse im Ärmel gegenüber den Sanktions – Besoffenen.

          1. Das stimmt. China ist aktuell auf einem guten Weg. Das die all das auch tatsächlich ernst nehmen sieht man an ihrem 2015 verabschiedeten Wirtschaftsplan „Made in China 2025“.
            Da wird mit Hochdruck daran gearbeitet im Bereich High-Tech unabhängig vom Westen zu werden und es werden erfolgreich Entwickler aus dem Ausland angeworben.
            Die neue Seidenstraße und MIC2025 wird für den Westen als Bedrohung betrachtet und bekämpft.

            Wenn ich jetzt an etwas vergleichbares aus Russland denke, dann kommt mir zumindest das 2014 verabschiedete Programm „National Technological Initiative“ in den Sinn, aber da geht es nicht explizit um den Aufbau einer eigenen Chip- bzw. Halbleiterfertigungsindustrie.

        2. Da haben Sie sicher recht, nur Lobhudeleien sind fehl am Platz. Als jemand der in Russland lebt habe ich glaube ich einen recht nuechternen Blick auf dieses Land, das heisst, es gibt Sachen hier die ich sehr schaetze – und eben anderes. Und bezueglich der Wirtschaftskraft Russlands und deren Schwaechen haben Sie einen sehr guten Hinweis (Halbleiterindustrie) gemacht.

          1. Wer „lobhudelt“ denn hier?
            Aber wenn man natürlich meint, diese Sanktionen werden „Russland zurück in die Vergangenheit katapultieren. Das wird Russland Jahrzehnte zurückwerfen…“, dann träume man ruhig weiter …

            Ich meine, die haben einen Krieg hinter sich, der sie wahrscheinlich um mehrere Jahrzehnte zurück geworfen hat, und der Irrsinn von Gaidar und Co soll sie auch 30 Jahre gekostet haben, und was Sanktionen anbelangt, können die Russen auf mind. 60 Jahre Erfahrung zurück greifen, da erscheint die vorstehende „Prognose“ doch recht mutig … aber gut, „das Internet“ halt …

            1. Es immer wieder schön dieses fanatische schwarz-weiß Denken bzw. Freund-Feind-Denken zu sehen. Passt einem etwas nicht ins Weltbild ist man plötzlich ein Gegner und ein Feind und hätte nichts in der Birne.

              Kriege werfen jedes Land zurück. Um wie viele Jahre oder gar Jahrzehnte zurück ist immer eine Frage der Zerstörung. Da Russland bzw. die Sowjetunion ein riesiges Land ist konnte es damals vieles vor der Zerstörung retten und in den Osten umlagern und es gab bereits eine Ersatzhauptstadt für den Fall Moskaus (Samara). So etwas war im Dritten Reich unmöglich. Diese Zeit bis in die 70er war ohnehin geprägt von der Schwerindustrie von der die Sowjetunion am meisten profitierte. Demzufolge kann man diese Zerstörung des WWII an Sowjetunion nicht mit der Zerstörung durch die Jelzin-Truppe vergleichen.

              Du machst es dir wirklich sehr einfach.

              Die Catastroika in den 90ern zielt direkt auf die Schlüsselindustrien Russlands ab. Das war unabhängig von geographischen Hindernissen. Jede Fabrik und jedes Unternehmen war und konnte betroffen sein. Selbst Putin hat mehrmals gesagt, dass die Privatisierungswellen das Land weit zurück geworfen haben, da strategisch wichtige Fabriken und Unternehmen geschlossen oder verkauft wurden und kluge Köpfe sich auch verabschiedet haben. Wenn es zu kombinierten SWIFT (zu SWIFT haben die Alternativen) und Halbleitersanktionen kommen, sollen die ihre modernen Armata-Panzer dann mit auf Papier aufgemalten Chips verbauen, weil es keine eigene Halbleiterindustrie und Werke gibt?

              Und von all den verlorenen Menschenleben im WWII und auch während 90er will ich nicht mal reden. Von niedrigen Lebenserwartung während der 90er, die Russland EBEN GENAU um Jahrzehnte zurückgeworfen und zu einem nachhaltig demographischen Problem geführt haben?

              Jede neue Sanktion führt in Russland zu steigenden Preisen und Kaufkraftverlusten usw. Die Russen abseits von den Großstädten Petersburg und Moskau ächzen jetzt schon wegen den steigenden Lebensmittelpreisen.
              Aus diesen wächst Unzufriedenheit und ist ein perfekter Nährboden für Regime-Changes.
              Eine autarke Wirtschaft muss man sich leisten können mit Hilfe eines existierenden Fundaments. Dieses Fundament hat Russland in den 90ern vielfach verloren und ein Halbleiter-Fundament hatte es noch nie – eher so etwas wie eine Armierung auf dem der Beton noch fehlt.
              Merkst du das eigentlich selber nicht wie gefährlich diese Sanktionen noch sein können für Russland? Oder bist du einfach so naiv und träumst von deiner Überlegenheitstheorie?
              Russland ist nicht mehr die Sowjetunion. Es ist wirtschaftlich und militärisch ein Zwerg.

              Aber gut, schwärm weiter von der ,,Überlegenheit“.

              1. Ich habe neulich eine detaillierte Analyse über die Schwächen der russischen Wirtschaft und Industrie gelesen die man im Falle von Sanktionen schwer treffen könnte. Und das sind verdammt viele Punkte………

                Finde leider den Link nicht mehr.

            2. Ja, natuerlich, „das Jahrzehnte zurueckwerfen“ war uebertrieben, genau wie die Hoffnung des Westen 2014 nach den Sanktionen, das Russland einknicken wuerde, und man darf die russische Eigenheit, dass wenn man vermeintlich in die Enge getrieben wird, ploetzlich Sachen moeglich werden, die Jahrzehnte vorher nicht moeglich waren. Ex-Praesident Medwedev, der seine Leute gut kennt, meinte schon vor 2014, dass man den Russen manchmal die Pistole an die Stirn setzen muss, dass sie sich endlich bequemen, laengst Faelliges an die Hand zu nehmen.

  4. Man hat in den V.Staaten bereits im Juni 2020 ein Gesetz gegen Nordstream 2 erlassen (überigens auch gegen Türkstream). Das Gesetz wurde eingebracht von Demokraten und Republikanern zusammen, im besonderen den Senatoren Ted Cruz und Jeanne Shaheen. Hier ist die Quelle mit darin einem Link („aangescherpte sanctiewet“) zum Gesetzestext:
    https://nos.nl/artikel/2338823-strijd-om-gas-tussen-vs-en-rusland-treft-nederlandse-bedrijven

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