Stilblüten der Propaganda

Wenn die eigene Propaganda zu dreist wird: EU-Chefdiplomat Borrell löscht Tweet

Die Hysterie der westlichen Politiker kennt derzeit keine Grenzen mehr. Nun hat EU-Chefdiplomat Borrell sogar einen eigenen Tweet gelöscht, was in Russland mit Sarkasmus kommentiert wurde.

Josep Borrell, der Chefdiplomat der EU, hat in einem Tweet geschrieben, dass die russischen Abgeordneten, die für die Anerkennung der Donbass-Republiken gestimmt haben, nun nicht mehr in die EU einreisen dürfen, um zu shoppen, Partys zu feiern und Diamanten zu kaufen. Dieser Unsinn war anscheinend sogar für Borrell zu dick, jedenfalls hat er den Tweet wieder gelöscht, was in Russland sarkastische Reaktionen ausgelöst hat. Darüber hat die russische Nachrichtenagentur TASS berichtet und ich habe die TASS-Meldung übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Borrell löscht Tweet über Einreiseverbot in die EU für russische Abgeordnete

Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, hat den Chef der europäischen Diplomatie zuvor in ihrem Telegram-Kanal für die Nachricht kritisiert.

Der Chef der EU-Diplomatie, Josep Borrell, hat wahrscheinlich seinen Twitter-Post gelöscht, in dem er mitgeteilt hatte, dass russische Abgeordnete aufgrund von EU-Sanktionen daran gehindert würden, sich in Europa aufzuhalten. Der Tweet, der am Dienstag gepostet wurde, ist derzeit nicht mehr an seiner früheren Adresse zu finden und taucht auch nicht in Borrells Twitter-Feed auf. (Anm. d. Übers.: Aber im Internetarchiv ist er noch zu finden, hier ist der Link)

Zuvor hatte Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, den Chef der europäischen Diplomatie in ihrem Telegram-Kanal für die Nachricht kritisiert: „Herr Borrell, während des Krieges im Donbass sind (nach OSZE-Schätzungen) mehr als 13.000 Menschen gestorben. Nicht ein einziges Mal gab es einen Tweet oder einen Post in Ihrem Namen, in dem Sie die Eltern der ermordeten Kinder unterstützt, eine sichere Existenz für Minderjährige in Donezk und Lugansk gefordert und das Kiewer Regime aufgefordert haben, die Nationalisten zu zügeln. Jetzt verstehen wir, warum: Einkaufen und Feiern sind das, was Sie wirklich bewegt. Ein solches Verhalten der ‚zivilisierten Länder‘ grenzt an den Verlust der Menschlichkeit“, schrieb sie.

In dem gelöschten Beitrag schrieb Borrell, dass die EU-Sanktionen 351 Abgeordnete der Staatsduma, die für die Unabhängigkeit der DNR und der LNR gestimmt haben, daran hindern würden, in Mailand einkaufen zu gehen, in St. Tropez zu feiern und in Antwerpen Diamanten zu kaufen.

Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte am 21. Februar, er erkenne die Souveränität der Volksrepubliken Donezk und Lugansk an. Mit ihren Führern wurden Verträge über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung unterzeichnet. Putin wies das russische Außenministerium an, diplomatische Beziehungen zu den Volksrepubliken Donezk und Lugansk aufzunehmen, und das russische Verteidigungsministerium, für die Aufrechterhaltung des Friedens in diesen Gebieten zu sorgen. Die USA, das Vereinigte Königreich und die EU kündigten Sanktionen gegen Finanzinstitute und Einzelpersonen an.

Ende der Übersetzung

Ich übersetze der Vollständigkeit halber auch den kompletten Telegram-Post von Maria Sacharowa, vor allem der letzte Satz sollte aufhorchen lassen.

Ich wusste, dass Josep Borrell seine sozialen Accounts nicht selbst führt und dass er nicht einmal weiß, was für ihn geschrieben wird.
Das kommt vor. Aber solche Dinge sollten nicht ungebildeten Mitarbeitern überlassen werden.
Herr Borrell, während des Krieges im Donbass sind (nach OSZE-Schätzungen) mehr als 13.000 Menschen gestorben. Nicht ein einziges Mal gab es einen Tweet oder einen Post in Ihrem Namen, in dem Sie die Eltern der ermordeten Kinder unterstützt, eine sichere Existenz für Minderjährige in Donezk und Lugansk gefordert und das Kiewer Regime aufgefordert haben, die Nationalisten zu zügeln.
Jetzt verstehen wir, warum: Einkaufen und Feiern sind das, was Sie wirklich bewegt. Ein solches Verhalten der ‚zivilisierten Länder‘ grenzt an den Verlust der Menschlichkeit“
Eine kleinere, aber ebenfalls interessante Frage: Ist es normal, dass ein europäischer Offizieller sich darüber freut, dass die Unternehmen der EU-Mitgliedstaaten Verluste machen?

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.