Nahrungsmittel

Wie der Westen die weltweite Nahrungsmittelknappheit fördert

Wegen "Corona-bedingten" weltweiten Ernterückgängen sind die Lebensmittelpreise seit 2020 gestiegen, hinzu kommt nun ein Mangel an Düngemitteln, der auf die Energiekrise geschoben wird. Das Problem dabei: Beide Probleme sind hausgemacht.

Wenn Politik und Medien uns erzählen, dass die Pandemie schuld an den Problemen der Lieferketten sei, dann ist das schlicht nicht wahr. Es ist nicht die Pandemie, sondern es sind die Maßnahmen, die die Staaten im Kampf gegen die Pandemie beschlossen haben, die die Lieferketten gerade (zer-)stören. Die Schließung von Produktionsstätten wegen der angeblich von Covid-19 aufgehenden Gefahr hat dafür gesagt, dass Lieferketten unterbrochen wurden. Dass Hafenarbeiter massenhaft in Quarantäne sitzen, anstatt Schiffe zu entladen, hat dazu geführt, dass sich die Schiffe vor großen Containerhäfen stauen. Grenzschließungen haben Erntearbeiter daran gehindert, Ernten einzubringen. Die Liste ließe sich fortführen.

Gerade bei Lebensmitteln hat das massive Folgen. Die höheren Preise für Lebensmittel sind für die meisten Europäer nur ein Ärgernis, in armen Ländern führen sie jedoch dazu, dass Menschen sich kein oder nicht mehr genug Essen leisten können. Schon im Sommer 2021 hat die Welternährungsorganisation FAO gemeldet, dass 2021 70 bis 161 Millionen Menschen mehr unter Hunger leiden, als ein Jahr zuvor. Die Corona-Maßnahmen haben also weltweit allein beim Hunger zu mehr Kollateralschäden geführt, als sie eventuell Menschen vor dem Virus gerettet haben.

Ein weiterer Baustein der Situation auf den Lebensmittelmärkten ist die Frage der Düngemittel. Wenn es weniger Düngemittel gibt, gehen die Ernteerträge zurück. Genau darüber hat der Spiegel am 21. Januar unter der Überschrift „Düngemittelknappheit – Welternährungsorganisation befürchtet weltweit großflächige Ernteausfälle“ berichtet. Der Spiegel schiebt die Knappheit an Düngemitteln auf die hohen Energiepreise, denn die Herstellung von Düngemitteln ist energieintensiv, weshalb viele Düngemittelfabriken die Produktion eingestellt haben, weil Energie entweder zu teuer oder nicht ausreichend vorhanden ist.

Und wieder verschweigt der Spiegel, dass der Mangel an Düngemitteln zu einem Großteil von den Staaten des Westens selbst verursacht wurde. Weißrussland ist einer der weltweit führenden Düngemittelproduzenten und der Westen hat die weißrussische Düngemittelindustrie unter Sanktionen gestellt. Damit hat der Westen die Situation auf dem Düngemittelmarkt ohne Not verschärft. Oder anders gesagt: Dem Westen ist es wichtiger, Lukaschenko zu bekämpfen, als den weltweiten Hunger.

Die Gründe für die Energiekrise

Und auch die Energiekrise – zumindest in Europa – ist hausgemacht.

Über die Gründe für die Energiekrise in Europa habe ich oft berichtet, daher fasse ich sie hier der Vollständigkeit halber nur noch einmal kurz zusammen.

Erstens: Der letzte Winter war kalt, weshalb viel Gas verbraucht wurde. Pipelines und Tanker reichen nicht aus, um im Winter genug Gas nach Europa zu bringen, weshalb die Gasspeicher normalerweise im Sommer aufgefüllt werden. Das ist in diesem Jahr ausgeblieben und während die Gasspeicher normalerweise zu Beginn der Heizsaison zu fast 100 Prozent gefüllt sind, waren es in diesem Jahr nur knapp 75 Prozent.

Zweitens: Die Energiewende hat zu einem zu großen Anteil von Windenergie am Strommix geführt. Da der letzte Sommer aber außergewöhnlich windstill war, fehlte die Windkraft und es wurde unter anderem Gas zur Stromerzeugung genutzt, das eigentlich in die Speicher hätte geleitet werden müssen.

Drittens: Der Wunsch vieler europäischer Politiker, russisches Gas durch vor allem amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen, hat dazu geführt, dass in Europa nun Gas fehlt. Der Grund: In Asien sind die Gaspreise noch höher als in Europa und die fest eingeplanten amerikanischen Tanker fahren nach Asien, anstatt nach Europa.

Viertens: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission hat den Handel mit Gas an den Börsen freigegeben. Dadurch wurde Gas zu einem Spekulationsobjekt. Während Gazprom sein Gas gemäß langfristiger Verträge für 230 bis 300 Dollar nach Europa liefert, ist es für die Importeure ein gutes Geschäft, das Gas an der Börse für 1.000 Euro weiterzuverkaufen und diese Spekulationsgewinne in Höhe von mehreren hundert Prozent in die eigene Tasche zu stecken.

Warum Gazprom trotzdem langfristige Verträge möchte? Die Antwort ist einfach, denn das war auch in Europa so, als in Europa noch Gasfelder erschlossen wurden. Der Produzent von Gas muss Milliardeninvestitionen planen und das geht nur, wenn er weiß, wie viel Gas er langfristig zu welchem Preis verkaufen kann. Daher möchte ein Gasproduzent langfristige Verträge, auch wenn der Preis zeitweise möglicherweise viel niedriger ist als der, den er an der Börse erzielen könnte.

All das bedeutet, dass es die Energiekrise in Europa nicht geben müsste, wenn die EU weiterhin langfristige Verträge mit Gazprom (und anderen Produzenten) abgeschlossen hätte. Russland kann – vor allem, wenn man Nord Stream 2 hinzurechnet – genug Gas liefern, es müsste also keinen Gasmangel in Europa geben. Und wenn der Börsenhandel mit Gas in der EU nicht erlaubt worden wäre, gäbe es die hohen Preise für Gas in Europa nicht.

Aber Spiegel-Leser müssen das ja nicht wissen…

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

11 Antworten

  1. Zentralismus endet immer wie der Ostblock mit Versorgungsmängeln und Zulieferungsproblemen Autonome Selbstversorger sind dem allen meilenweit überlegen. Statt nach dem Zerfall von UdSSR und Jugoslawien die Länder sich weiterentwickeln zu lassen, schuf die globale Satanskraft die künstliche EU, aus der alle nur eines wollen: Raus!!!!

    1. Weitestgehend einverstanden, aber – nur autonome Versorger lösen nichts, das wäre Chaos vom Feinsten. Zentral gesteuerter und nach Möglichkeit staatlicher Handel (um ungerechtfertigte Preiserhöhungen abzufangen) wäre ein Ausweg, aber er darf kein Befehlshandel werden – das war eines der Probleme damals im Osten.

      1. Die Aufgabe staatlicher Einrichtungen (in einer Demokratie) ist die Regulierung des freien Handels im Sinn einer Balance und ausschließlich im Interesse der Bevölkerung.

        Zentralverwaltungswirtschaft scheitert, wenn der Staat sich damit beauftragt, das sah man an der UDSSR.

        Zentralwirtschaft scheitert auch dann, wenn megalomane Kapitalisten die Versorgung ins gentechnisch-Digitale verlagern und übernehmen. Das ist, was man gerade erleben wird. Wobei die Transhumanen ja durchaus wissen, dass sie noch in der Testphase sind und mit reichlich „Schwund“ rechnen.

  2. Ich habe es schon an anderer Stelle mal erwähnt. Die künstliche Verknappung von Waren und die damit einhergehende Preissteigung scheint eine neue Form der Gewinnmaximierung im Kapitalismus zu sein. Verknappe das Angebot bei gleichbleibender oder sogar steigender Nachfrage und verdiene dich an den Preissteigungen dumm und dämlich.

    1. Nur am Rande: Solche Methoden staatlicher Willkür haben mit Kapitalismus = Freier Marktwirtschaft + sicheren Eigentumsverhältnissen nichts zu tun. Davon sind wir jedoch leider weltweit Lichtjahre entfernt.

      1. Nur am Rande: Das hat mit stattlicher Willkür nichts zu tun. Das ist reine Gier der Wirtschaft/Konzerne, die die Politik nur benutzen, um sich die Regeln so hinzubiegen, wie sie sie brauchen und um das Wahlvolk davon abzulenken, wer hier wirklich das sagen hat.

  3. Zu 4: Die Reform des Gasmarktes der letzten EU-Kommission …Gas ist nun Spekulationsobjekt:

    An den Universitäten Trier und Brüssel zeigte man, dass die aktuellen Probleme des Gashandels und Transports kaum beherrschbar sind. „Man sollte sich etwas Neues überlegen“.
    Gasnetz-Betreiber müssen für den Tageshandel eine höchstmögliche Transportkapazität für jeden Einspeise- und Entnahmepunkt ermitteln und veröffentlichen.
    Käufer und Verkäufer können bis zu jener Maximalgrenze Kapazitäten buchen. Netzbetreiber müssen bei der Ausweisung der maximalen Kapazitäten garantieren, dass jede mögliche Ein- und Ausspeisung als Nominierung technisch realisiert werden kann. Damit ergeben sich TÄGLICH UNENDLICH viele Nominierungsoptionen.

    „Wir stellen infrage, ob das EU-System optimale Gastransporte ermöglicht.
    Da es kaum beherrschbar ist, empfehlen wir eine Neuregelung, die mit den Plänen zum H2-Transport in Gasnetzen an Brisanz gewinnt“.

    Den Text zeichnete das Journal „Optimization and Engineering“ mit dem Howard-Rosenbrock-Preis für die beste 2020 veröffentlichte Arbeit aus.
    Martine Labbé, Fränk Plein, Martin Schmidt: Bookings in the European gas market: Characterization of feasibility and computational complexity results. Optimization and Engineering 2020.
    https://idw-online.de/de/news776746

  4. Für Menschen, die sich nicht nur für Gründe, sondern für Hintergründe interessieren:

    Das Transnational Institute
    xhttps://en.wikipedia.org/wiki/Transnational_Institute
    xhttps://www.tni.org/en/page/history
    wusste schon im Jahr 2016, dass sich die Ideen des Klaus Schwab und seine Äußerungen auf die Zerstö-rung von Demokratie richten:
    xhttps://www.tni.org/en/article/davos-and-its-danger-to-democracy

    Sie haben nun ein Buch – The Great Takeover – online gestellt, das die Akteure zu unterschiedlichen SDGs analysiert und darstellt. Das Buch kann frei heruntergeladen werden – ohne Kosten oder Anmeldung. Meinem Eindruck nach eine der vollständigsten und fundiertesten Analysen wesentlicher SDG-Themen (Ernährung ist SDG 2 in der Agenda 21) die auf dem Markt sind:
    xhttps://www.tni.org/files/publication-downloads/great_takeoverbook_-_14_jan_2022.pdf

    Druckfrisch sozusagen, aber leider nur auf englisch.

    Herrn Röper und Mr. X wärmstens zur Orientierung (und für künftige Buchprojekte) empfohlen!

    (das x bei den Links vorher rausnehmen)

  5. Ich lese gelegentlich bei ihnen, Herr Röper, und muss bisweilen Kommentare zu mir nehmen, die Sie sicher so sehr amüsieren wie mich. Das westliche Bildungssystem ist wirklich der Meister der Einbildung. Da werden Phrasen gedroschen, die jeden Stammtisch ins Dunkle verschieben.
    China und viele sozialistische Staaten, gehen einfach konsequent gegen Viren vor. Die Großfressen hier in Europa, eher nicht. Dazu haben die eine Forschung, die schon bei Widerspruch zu den angesagten Doktrin, still gelegt wird. Natürlich gehört bei einer angehenden Epidemie, sofern man sie überhaupt feststellt!(das waren keine Europäer!) oder bei einer Masseninfektion, sämtliche Kontakte verboten.
    Das inkludiert natürlich auch Arbeitsplätze und Tourismus. Was hat der Großmaulwesten getan? Genau das Gegenteil. China hat diesen Zirkus binnen 90 Tagen überstanden. Europäer lassen sich mit einem Impfstoff besudeln, der ausnahmslos von Massenmördern, Kriegsverbrechern und Völkermördern hergestellt und vertrieben wird. Wie war das gleich mit dem Arzt des Vertrauens?
    Ist das Vertrauen weg, gehe ich dort nicht mehr hin:-)) Und diese Großfressen lassen sich erpressen und tun, was man ihnen befiehlt. „Ich hab von Nichts gewußt“.

  6. Alles hat mit allem zu tun. Nicht nur künstlich verknappte Lebensmittel sind eine der vielen globalen Schieflagen, sondern auch der Kleidungsmüll. Mich ekeln die Bezeichnungen, wie Poliester seit DDR-Zeiten an, damals hieß das Zeug Dederon. Ich werde nie verstehen, warum dort in Erangelung an Baumwolle kein Leinen, Hanf oder Brennesseln zu Stoffen verarbeitet wurden. Wohin gingen Wolle und Leder? Niemals in die Textilindustrie. Da gab es nur Wie-Waren, sah aus WIE Leder/Holz/Wolle ect.
    Und da seiern dieselben Kräfte von Klima und Umwelt.
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=80150

  7. Also ich persönlich begrüße es im Grunde, dass die Herstellung von synthetischem Stickstoffdünger bzw deren Verfügbarkeit außerhalb von Weißrussland, einen ordentlichen Dämpfer erfahren hat. Ich bin dennoch absoluter Kritiker jeglicher Coronoiaschikanen.

    Allein die Synthese jenes Stockstoffdüngers (Phosphat wird ja va bergbaulich gewonnen, wenn ich da noch richtig informiert bin) verbraucht jährlich insg ca 10% des globalen Energiebedarfs, was nun absolut keine Peanuts sind.
    Wenn man sich nun anschaut welche ökosystemaren Schäden dieser Stickstoffdünger bzgl Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und des Grundwasser/Trinkwasserschutzes, von all den Auswirkungen auf die Artenvielfalt noch ganz zu schweigen, nach sich zieht, ist ein deutlich weniger davon was jährlich in unsere Ökosysteme gelangt, grundsätzlich sehr zu begrüßen (viele dieser Auswirkungen sind heutzutage in unsrer Umwelt kaum zu übersehen, ich selbst hab Geoökologie, Naturschutz und ökologische Landwirtschaft studiert).
    Nun sind die konventionellen Landwirte endlich – ganz unabhängig von Biosiegeln oder irgendwelchen Fördertöpfen – gezwungen, statt mal eben ganz bequem den Düngersack überm Acker auszuschütten (bildlich gesprochen), sich u.a. mit dem Thema schnellstmöglichem Humusaufbau/Erhalt, Kompostierung zu beschäftigen. Und die, die bislang lieber eine Biogasanlage mit dem, was sie zb an Mais oder Ganzpflanzensilage vom Acker abfahren, befüttern, sollten sich drigend überlegen, ob sie stattdessen zumindest einen Teil ihrer Fläche nicht doch lieber (wieder) für den Nahrungsmittelanbau verwenden wollen.. Sehr eindrucksvoll hat das z.B. der Demeterhof Hollerbusch in Schleswig-Holstein mal dargelegt, der im Rahmen seiner Solidarische-Landwirtschaftskooperative damals (hab keine aktuellen Zahlen zur Hand) seit Jahren über 80 Haushalte wöchentlich mit nahrhaftem Gemüse und mehr versorgt, auf dessen benachbartem Ackerschlaf der fast genau gleichen Größe jedoch ausschließlich Mais für die Biogasanlage wächst, der kein bisschen zur Ernährung oder dem winterlichen Wärmebedarf der Bevölkerung beiträgt.

    Ausserdem sollte dringendst das Thema Lebensmittelverschwendung angegangen werden (der Film „Taste the Waste“ von Wagenhofer hat das bereits eindrücklich dargelegt) und Direktvermarktung weitmöglichst ausgebaut, dann wird auch nicht mehr länger die Ahälfte der verzehrsfähigen Ackeraufwuchses wieder untergepflügt nur weil er den Großhändlerrichtlinien nicht entspricht. Letzteres wird durch den Preisdruck der Supermarktketten noch zusätzlich angefacht. In Alternativen Kreisen sehe ich bzgl der genannten Zusammenhänge bereits einiges an Bewusstsein und Verantwortungsgefühl für die Rattenschwänze der eigenen alltäglichen Konsumentscheidungen, jedoch gehört das meiner Meinung nach dringendst noch viel weiter in die breite Masse hineingetragen! Möge dieser Kommentar ein kleiner Anfang/Beitrag hierzu sein. Vielen Dank fürs Lesen.

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