Geopolitik

Wie in Russland über den Versuch der EU, China gegen Russland in Stellung zu bringen, berichtet wird

Letzte Woche hat die Führungsspitze der EU in einer Videokonferenz versucht, China gegen Russland in Stellung zu bringen. Das russische Fernsehen hat über das klägliche Scheitern der EU berichtet.

Der Versuch der EU-Spitze, China dazu zu bewegen, sich den Russland-Sanktionen unterzuordnen, ist gescheitert. Der chinesische Staatschef hat die EU-Führung kühl lächelnd auflaufen lassen. Darüber hat das russische Fernsehen am Sonntag in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick berichtet und ich habe den russischen Bericht übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Der russische Außenminister Sergej Lawrow ist am Dienstag im Rahmen seiner Asientournee in China eingetroffen. Die Gesprächsthemen in Peking beschränkten sich keineswegs auf die Ukraine – es ging um die Schaffung einer neuen Sicherheitskontur in der Welt. China kann und will das nicht ohne Russland tun. Gleichzeitig wurde das RIC-Format – Russland, Indien, China – wiederbelebt und parallel bekräftigte der Iran seine Bereitschaft, mit Russland in Rubel zu handeln und sogar seine Erfahrungen bei der Überwindung von Sanktionen zu teilen. Mit anderen Worten, wir sind Zeugen der Schaffung einer neuen Plattform, die von den USA mit ihren offen gesagt lächerlichen Aktionen unfreiwillig geschaffen wurde.

Für die EU-Führung verlief das Gespräch mit Xi Jinping eindeutig nicht nach dem Drehbuch, auf das sie sich so sehr vorbereitet hatte, und sie saß sogar zwei gegen einen vor dem Bildschirm. Aber mit jedem neuen Satz des Führers der Volksrepublik China verfinsterten sich die Gesichter von Michel und von der Leyen mehr als die Wolken. Sie sollten den chinesischen Staatschef doch davon überzeugen, wenn schon nicht offen gegen Moskau zu opponieren, so doch zumindest dessen Vorgehen zu verurteilen. Und selbst der abgedroschene Plan, anti-chinesische Sanktionen zu verhängen, falls Peking Moskau unterstützt, hat nicht funktioniert. China gab nicht klein bei und wünschte den Europäern mehr Unabhängigkeit in ihrem Urteilsvermögen.

„Chinas Politik gegenüber der EU bleibt stabil und beständig, und wir hoffen, dass die EU ihre eigene Sicht auf China entwickeln, eine unabhängige Politik gegenüber China verfolgen und mit China zusammenarbeiten kann, um die chinesisch-europäischen Beziehungen auf dem Weg zu einer gesunden und nachhaltigen Entwicklung zu fördern“, sagte Xi Jinping.

Der chinesische Ansatz ist pragmatisch wie immer: Wenn es einen Nutzen gibt, ist es dumm, darauf zu verzichten. Und im vergangenen Jahr belief sich der Handel mit Europa auf mehr als 828 Milliarden Dollar; China ist seit zwei Jahren in Folge der größte Handelspartner der EU. Und es ist Europa, nicht China, das bereits unter den gegen Russland verhängten Sanktionen leidet. Und jeder neue anti-russische Schritt wird es noch härter treffen.

„Die durch die Krise verursachte Getreideknappheit, die steigenden Öl- und Gaspreise, die schwankenden Rohstoffpreise – all das wird die Wiederbelebung der Weltwirtschaft behindern und die Entwicklung verschiedener Länder beeinträchtigen. Wir müssen diese Probleme angehen. Insbesondere sollten wir uns vor einer Wiederbelebung der Mentalität des Kalten Krieges hüten und diese verhindern“, sagte der chinesische Außenminister Wang Yi.

Das ist auch der Grund, warum Chinas Position in der Ukraine-Krise unverändert bleibt: Es ist notwendig, einen Dialog mit Russland zu führen, anstatt händeringend darauf zu warten, dass Peking Moskau beeinflusst.

„Es funktioniert hier nicht, dass wir zu den Russen gehen und sagen: Ihr müsst diese Kampfhandlungen einstellen und dann wird Russland sie einstellen. So funktioniert das nicht. Der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt nicht in den Händen Chinas. Er liegt in Washington. Er liegt in Brüssel. Und möglicherweise in Moskau“, sagte Wang Lutong, Direktor der Abteilung für europäische Angelegenheiten des chinesischen Außenministeriums.

Europa – so betont China – betreibt selbst weiterhin Handel mit Russland. Und warum sollte China ihn einstellen? Die anti-russischen Sanktionen will China nicht absichtlich umgehen. Aber es wird auch niemanden unter Druck setzen.

Der chinesischen Presse zufolge bereiten sich kleine und mittlere Unternehmen darauf vor, die in Russland frei gewordenen Nischen zu füllen, während der große staatliche Sektor Chinas eine Pause einlegt. Nun, und die russischen Energieträger kann man hier durchaus in Rubel und Yuan bezahlen. Das ist ein weiterer chinesischer Gruß an die Europäische Union und eine Erklärung, warum gerade die USA an der Fortsetzung des Ukraine-Konflikts interessiert sind.

„Die USA brauchen einen Anstieg des Ölpreises, weil ihre Produktion hoch ist und sie ihre Lieferketten realisieren müssen. Sie versuchen also, Spannungen und Instabilität in anderen Regionen zu erzeugen, die Energieträger liefern“, meint Qiu Qiang, Forscher am Internationalen Währungsinstitut der chinesischen Renmin-Universität.

„Die Europäer werden verständlicherweise argumentieren, dass die USA der beste und zuverlässigste Lieferant sind, aber man muss auch den Preis berücksichtigen. Flüssiggas ist viel teurer als Pipelinegas. Und die Lieferungen sind riskanter, weil sie zumindest von den Wetterbedingungen abhängen. Ich hoffe, dass die europäischen Länder endlich zu dem Schluss kommen, dass es keinen dauerhaften Frieden in Europa geben wird, wenn sie Russland ausschließen. Und es wird keinen dauerhaften Frieden in der Welt geben, wenn man Russland ausschließt“, bemerkt Gao Zhikai, Professor an der Universität Suzhou.

Chinesische Analysten haben darauf aufmerksam gemacht: Selbst nach den ersten scheinbar positiven Entwicklungen bei den Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine in Istanbul hat der Westen erklärt, er werde den Druck nicht verringern. Und das ist ein weiteres Ziel der USA: den europäischen Energiemarkt unter ihre Kontrolle zu bringen: „Wenn der Forderung der Ukraine nach Sicherheitsgarantien stattgegeben wird, wird ein neues Modell internationaler Sicherheitsgarantien eröffnet, was eine Schwächung der Rolle der USA und der NATO bedeuten wird. Die USA sind eindeutig nicht an einem solchen Ergebnis interessiert. Man kann sagen, dass die USA der größte Zerstörer der Sicherheit in ganz Europa sind. Vor allem die USA wollen keinen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine.“

Außenminister Sergej Lawrow und sein chinesischer Amtskollege Wang Yi haben diese Woche in China über das neue Modell der internationalen Sicherheit gesprochen, das die Welt so dringend braucht. Das Gespräch, das am Fuße des berühmten Huangshan-Gebirges stattfand, war ein würdiger Tribut an die solide Freundschaft zwischen China und Russland.

„Wir befinden uns in einer sehr ernsten Etappe in der Geschichte der internationalen Beziehungen. Ich bin überzeugt, dass sich die internationale Lage nach dieser Etappe deutlich klären wird und wir uns gemeinsam mit Ihnen und anderen Gleichgesinnten auf eine multipolare, gerechte und demokratische Weltordnung zubewegen werden“, sagte Lawrow.

Deren Grundlage ist für das offizielle Peking nämlich das Fehlen des Blockdenkens, bei dem die NATO schon lange ein Relikt ist.

„Als ein Produkt des Kalten Krieges hätte die NATO nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion aufgelöst werden müssen. Anfang der 1990er Jahre gab der ehemalige Außenminister Baker dem damaligen sowjetischen Präsidenten Gorbatschow in Bezug auf die NATO-Erweiterung seine berühmte Zusicherung „keinen Zoll nach Osten.“ Und die NATO sollte über die Rolle nachdenken, die sie in der europäischen Sicherheitsfrage und der Ukraine-Krise gespielt hat“, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Zhao Lijian.

Die Tatsache, dass das Nordatlantische Bündnis und seine Ausdehnung nach Osten die Ukraine-Krise verursacht haben, wird in China in speziellen Ideologie-Seminaren für Hochschullehrer vermittelt, damit diese den Studenten diesen Standpunkt nahe bringen können. Es wurden Vorträge an marxistischen Schulen organisiert, worüber die bereits auf ihren Webseiten berichtet haben. Und in sozialen Medien stellen Blogger und Experten rhetorische Fragen: „Die Vereinigten Staaten haben sich nicht bei den Menschen im Irak, in Syrien und in Afghanistan entschuldigt. Welches Recht haben sie zu fragen, warum China keine Sanktionen gegen Russland verhängt?“

Die Taiwan-Frage stammt aus der gleichen Reihe. Peking beobachtet das Geschehen vorerst. Aber wie lange wird seine Geduld reichen? Dabei ist zu berücksichtigen, dass Wilson, der Leiter des National Endowment for Democracy, das offen erklärt hat, dass es „Farbrevolutionen“ in der ganzen Welt angezettelt hat, bereits im Tourneeplan amerikanischer Politiker und Beamter auf der Insel aufgetaucht ist und für Oktober eine große Konferenz in Taipeh vorbereitet.

All das ist nach Ansicht Pekings die praktische Umsetzung der neuen nationalen Sicherheitsstrategie der USA, die Russland und China zu den größten Bedrohungen erklärt hat. Dabei wurde Peking – im Gegensatz zu Moskau – von den Amerikanern zu einem langfristigen Gegner erklärt. Auch hier ist man darauf vorbereitet, gespiegelt zu antworten. Zunächst einmal wurden Visabeschränkungen für amerikanische Politiker eingeführt.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

24 Antworten

  1. Wie lustig…

    Aber es stand doch zu erwarten, daß China nicht mitspielt… – sind v.d.Lügen & Co. tatsächlich so dumm das nicht vorher gewußt zu haben?

    Was viel schlimmer ist – „europa“ als „union“ isoliert sich selber bzw. auf Befehl vom yankee immer mehr – sehenden Auges… – und das auf Kosten des Volkes – wie immer…. – haben die keine Angst vor den Folgen ihres Tuns? Ist die Arroganz schon soweit gediehen?

    1. Nun, die letzten 2 Jahre (Corinna) haben doch bewiesen, daß Propaganda funktioniert. Brüssel hat sich von einer eigenständigen Politik im Interesse Europas schon lange verabschiedet. Wo sollte das „brain“ auch herkommen, man sehe sich nur die Marionetten von der Sorte v.d.L. an. Mangels eigener Analysen/ Pläne wird das alte Roadbook abgearbeitet – „the show must go on“. Daß sich der globale Kontext gerade massiv ändert, haben die entweder noch nicht mitbekommen und/oder nicht verstanden – Stichwort: Petro-Dollar. Andererseits: so blöd kann man eigentlich nicht sein, das nicht zu merken. Insofern lautet meine aktuelle Interpretation: der „Westen“ ist ein Scheinriese, wir erleben Teile des Endspiels, auf Petitessen wie Bürger kann/muß man da keine Rücksicht mehr nehmen.

    2. Ich fand das absolut nicht klar. Es hätte auch sein können, dass China mitmacht, dann wäre Putin schnell weg vom Fenster und China und die USA hätten sich Russlands Rohstoffe einverleiben können. Das wäre das allerschlechteste Szenario gewesen. Zum Glück scheint das nicht einzutreffen. Aber wer weiß. Vielleicht ist ja alles show. Immerhin hat China die Regierungsform, die unseren Eliten ja so toll vorkommt. Sozialkredisystem und Überwachung.

      1. Nein, denn China weiß genau das man auf der Feindesliste der USA steht und man weiß genau was Verträge, Versprechen, Zusagen und Partnerschaften mit den USA „wert“ sind.
        Man muss sich nur irgend eine davon ansehen und schauen wie es für den „Partner“ ausgegangen ist.

        Man weiß außerdem das Russland sich stets als zuverlässiger und berechenbarer Partner verhalten hat und das es mega-viel Potential für eine erfolgreiche, enge Zusammenarbeit mit Russland gibt, ganz im Gegensatz zum Westen, der schon seit vielen Jahren auch einen Wirtschaftskrieg gegen China führt.

        Aus unter anderem diesen Gründen kann ich deine Sicht absolut nicht nachvollziehen.
        Außerdem hat es China längst nicht mehr nötig sich mit uns oder den USA gut zu stellen. Diese Zeiten waren nur kurz und sind nun wieder vorbei.

      2. China neigt nicht zu unvermittelten radikalen Richtungswechseln, die dazu die eigenen Pläne und Interessen massiv schädigen würden.

        „China and Russia agreed to upgrade their relations to a comprehensive strategic partnership of coordination for a new era. ‚Today, we really are strategic partners in the full sense of the word, and are implementing a comprehensive partnership that remains Russia’s unconditional foreign policy priority.’”
        (Vladimir Putin to Li Keqiang, 18.9.2019)

        Diese „umfassende strategische Partnerschaft zur Koordination für die Neue Ära“ wurde seitdem stets bekräftigt und weiter ausgebaut. Rußland setzt in Syrien und in der Ukraine chinesische Interessen mit militärischen Mitteln durch und hat dabei den gewaltigen ökonomischen und außenpolitischen Schirm zur Verfügung, den China bietet.

    1. Die Saarland Wahl hat gut gezeigt daß da niemand irgendwem auf die Finger klopfen wird. Selbst aus Corona haben diese Schafe nichts gelernt. Der Leidensdruck scheint noch nicht hoch genug zu sein.

  2. Ich habe einen Vorschlag für den Tittel von Ken Follets nächstem Buch. „Götterdämmerung“ Er kann dann seiner Trilogie noch ein weiteres Buch hinzufügen. Denn genau das erleben wir gerade. Die im ersten Buch beschriebenen Titanen sind ein nichts gegen die heutige USA. Die USA haben mit dem Dollar bislang alles kontrolliert, was auf diesem Planeten geschehen ist. Ohne die USA ging nichts. Handel zwischen 2 Nationen ist über den Dollar abgewickelt worden. Die Länder haben zur Stabilisierung ihrer Wirtschaft Devisenreserven vor allem in Dollar gehalten. Es ging nichts ohne Dollar.
    Die Ereignisse überschlagen sich und selbst „Wirtschaftsexperten“ haben noch nicht verstanden, dass sich der Wind gedreht hat und die Welt, wie sie sie noch vor ein paar Monaten war nicht mehr existiert. Diese Erkenntnis wird sich auch erst dann durchsetzen, wenn alles zu spät ist.
    Länder wie China, Indien und Russland haben keine Lust mehr von den USA diktiert zu bekommen, was sie zu tun und zu lassen haben. Und diese Länder wissen, dass der Handel mit anderen Ländern ohne Dollar einer Kriegserklärung mit den USA gleichkommt. Es ist denen vollkommen klar, wenn sie jetzt mit Washington zusammen gegen Russland vorgehen sie das nächste Ziel sein werden. Dass jetzt China, Indien und sogar Saudi Arabien sich nicht an den Sanktionen gegen Russland beteiligen ist ein Stinkefinger in Richtung Washington.
    Der Krieg in der Ukraine ist inzwischen nur noch ein Nebenschauplatz. Wir sind mitten in einem Weltweiten Wirtschaftskrieg. Dieser Krieg wird zwar nicht mit Waffen ausgetragen, aber er kann durchaus mehr Menschenleben fordern als ein herkömmlicher Krieg. Kein Gas mehr bedeutet, dass wir kalte Wohnungen haben, dass wir nicht genügend Lebensmittel haben, dass wir auch keinen Strom mehr haben. Die Menschen werden verhungern und erfrieren und es wird Morde um die letzten Ressourcen geben.
    Unsere derzeitige Führung ist nicht in der Lage dies zu erkennen und auch nicht die Krise zu managen.

  3. Man muß China und seine politischen Langfristziele nicht mögen (bezüglich Taiwan zum Beispiel), doch die haben Zeit und halten einfach die Füße still. Dazu noch die Arroganz und Dummheit westlicher Politiker. Sowas kommt in der asiatischen Kultur nicht gut an.

  4. Ich möchte folgendes zu bedenken geben:
    Es sieht ja so aus, als ob die USA an Macht verlieren werden, und andere Staaten (z.B. Ru und China) an machtgewinnen werden.

    In dem WEF-Video (Du wirst nichts besitzen… z.B. YT-Nr. diGBYDcMjrU ist ja genau davon die Rede:
    “ The US won´t the world´s leading superpower“ „A handful of countries will dominate“.

    Werde wir nur ver…scht und das ist alles nur ein ein großes Schauspiel??

  5. „China gab nicht klein bei und wünschte den Europäern mehr Unabhängigkeit in ihrem Urteilsvermögen.“

    Ich frage mich ja warum man (China und Russland) mit uns immer noch soo viel Geduld hat.
    Wir sind ein lächerlicher Wurmfortsatz der USA, wir haben uns in den letzten Jahren unzählige male bis auf die Knochen blamiert, eine Fehlentscheidung nach der anderen getroffen und NICHTS gelernt.

    Ich kann mir das mit purer Menschenfreundlichkeit nicht erklären.
    Vielleicht wissen China und Russland ja wie die USA uns kontrollieren, vielleicht haben wir gar keine andere Wahl, zumindest unsere Entscheider nicht, warum auch immer. Vermutilch würde man sie persönlich „fertig machen“ und alle wissen Bescheid, außer die Bevölkerung.

    Ohne dieses grenzenlose Mitleid und ohne diese unendliche Geduld wären wir schon längst nur noch mit Überleben beschäftigt.
    Bleibt nur zu hoffen das man weiter so großzügig ist, das wir unsere Hochverräter endlich los werden und das man uns vielleicht sogar an die Hand nimmt und aus diesem Loch führt, in das wir uns (wie auch immer) manövriert haben.
    Die Alternative wäre unser Untergang, daran habe ich keinen Zweifel.

      1. Es fahren jährlich 15000 Güterzüge von China Richtung Europa (Normalspurnetz), was doppelt so vielen Gütezügen der hier üblichen Größe entspricht. Der Verkehr wurde von China subventioniert, derzeit noch mit 1000 $ pro Container.

        „Es besteht die Möglichkeit, daß die Zugsubventionen im nächsten Jahr enden, da sie im Jahresvergleich gekürzt wurden und nicht ewig dauern können, sagte ein hochrangiger Brancheninsider der Global Times am Freitag.
        Zusätzlich zu den Markttrends wäre die Reduzierung der Subventionen ein Signal für den sich ändernden Handelsfokus auf südostasiatische Länder, die in diesem Jahr voraussichtlich der wichtigste Handelspartner Chinas bleiben werden, insbesondere mit der Eröffnung der China-Laos-Eisenbahn…“

        – Global Times, 24.12.2021, Übersetzung
        https://www.globaltimes.cn/page/202112/1243314.shtml?id=11

        Die EU ist ein abnehmender Markt, dazu vielfältig blockiert und abgeschottet, unzuverlässig, unberechenbar. Die Bedeutung der EU für die chinesische Wirtschaft wird deshalb seit Jahren gezielt zurückgefahren.

        2020 eine strategische Partnerschaft mit dem Iran (Verträge über 400 Milliarden $), Pakistan, Zentralasien, Afrika, Lateinamerika, Inien, und die Laos-Bahn, die erstmals das chinesische Eisenbahnnetz mit dem des wichtigsten Handelspartners, Südostasien, verbindet.

        Die russische Eisenbahn RŽD, die ihr die meisten der 15000 Züge befördert, wird nun von der EU sanktioniert. Wenn Rußland und China sich entscheiden, die Sanktionen nicht mehr zu umgehen, sondern zu nutzen, so was wie Zahlungsumstellung auf Rubel, stehen sie still, mit unübersehbaren Folgen für Lieferketten und Versorgung.

        1. 95% des Handels zwischen China und EU wird auf dem Seeweg abgewickelt. Die Zugverbindung ist allerdings doppelt so schnell und 1-2% der Container werden deshalb wohl über die Schiene transportiert. Allerdings kann China die Lieferungen auch einfach so einstellen.

  6. Weder in diesem Artikel, noch in all den Artikeln der chinesischen Presse, die ich gelesen habe, erklärt die chinesische Regierung, dass sie Lücken füllen wird, die durch die Sanktionen in Russland entstehen. Sie erklärt nur, dass sie sich US-EU-Druck nicht beugen wird und Russland nicht verurteilen wird. Da sind die Erklärungen Indiens, des Iran und sogar der Türkei ehrlicher und klarer, die festlegen, dass sie sich den Sanktionen der Westmachthaber nicht beugen werden und zum Beispiel Gas einführen, wie es ihnen passt. Insbesondere die Haltung Erdogans (immerhin Mitglied der Nato) flößt Respekt ein, wenn er klipp und klar sagt: Ich werde mein Volk nicht frieren lassen! Das ist bekanntlich Figuren wie Baerbock, Schäuble und Scholz sch…egal. Etwas mehr „Haltung“ und weniger Diplomatie seitens der Chinesen wäre wünschenswert. Aber vielleicht geht denen der Handel über alles.

    1. „Lücken füllen“ ist ein vager Begriff. Ich könnte mir vorstellen, daß Rußland zur Zeit seine außenwirtschaftlichen Beziehungen durchcheckt und man gemeinsam nach kreativen Möglichkeiten für Technologie / Rohstoffe / Gold / Devisen etc. sucht – Interessenten dürfte es genug geben, China mittenmang.

      1. Habe es bewußt vorsichtig formuliert, aber natürlich meinte ich, dass das gewaltige China jedem klarmachen sollte, dass ihnen die privat verhängten (nicht durch die UN gedeckten) Sanktionen „schei.egal“ sind und sie tun werden, was sie für richtig halten.
        Ich gebe zu, ich war auch nie ein „Diplomat“.

    2. China spielt eine „neutrale“ Rolle, weil die deren Zielen dienlicher ist, ist aber ganz und gar nicht neutral, sondern Akteur, in auch dessen Auftrage Rußland in der Ukraine agiert. Man muß darauf achten, was die Chinesen tatsächlich tun, nicht nur, was sie reden. Das hier allerdings sagen sie seit Wochen immer und immer wieder:

      „Das chinesische Volk kann sich voll und ganz auf die Schmerzen und Leiden anderer Länder beziehen, weil wir nie vergessen werden, wer unsere Botschaft in der Bundesrepublik Jugoslawien bombardiert hat. China braucht keine Vorlesung über Gerechtigkeit vom Mißbraucher des Völkerrechts. Als Überbleibsel des Kalten Krieges und weltweit größtes Militärbündnis erweitert die NATO ihren geografischen Geltungsbereich und ihr Einsatzspektrum weiter. Welche Rolle hat es für den Weltfrieden und die Stabilität gespielt? Die NATO braucht eine gute Reflexion.“
      – Sprecher Zhao Lijian des Außenministeriums

      China füllt seit Jahren die Lücken, die infolge von EU-Sanktionen in Rußland entstehen. Viele davon auch informell und in aller Stille. Scholz, Baerbock, von der Leyen, Borell werden keine „Haltung“ von China bekommen, dazu sind die mehrere Nummern zu klein. Mit denen redet in China niemand mehr ernsthaft. Die wollten reden. Als Antwort bekamen sie eine Schallplatte, da sie offenbar immer noch nicht begriffen haben.

  7. Ich kann nicht nachvollziehen, was an Geostrategie so schwer sein soll. Ab und zu mal einen Blick auf die Weltkarte zu werfen, könnte doch sehr hilfreich dabei sein. Und dann fällt den Amis vielleicht auch selbst auf, dass sie, rein geographisch betrachtet, ziemlich abgeschnitten vom Rest der Welt liegen. Sie konnten diesen “Nachteil“ früher ja noch mit Dominanz und Militärmacht ausgleichen, aber die Zeiten sind jetzt vorbei. Jetzt stehen den USA Blöcke entgegen, Süd- und Mittelamerika, Asien, Afrika, die arabische Welt. Sie reiten gerade ihr Zugpferd Europa tot, das ihnen noch Türen zu diesen Regionen aufgetan hat. Und ich spreche hier aus eigenen Erfahrungen, denn die Menschen in Mittelamerika, wo Deutschland und damit Europa immer noch einen sehr guten Ruf haben, zu meiner eigenen Überraschung, haben mich immer ungläubig angeschaut, wenn ich ihnen sagte, dass Deutschland und damit Europa tot seien, sie nicht auf Europa setzen sollten. Wir schienen ihnen also noch der letzte Anker, die letzte Hoffnung zu sein.

    Und warum ist es so schwer verständlich, dass ein jedes Land erst einmal gute Nachbarschaften anstrebt und sich dann fragt, was sagen die weit entfernt liegenden USA dazu? Und dann kommt noch hinzu, dass wohl kein Land auf diesem Planeten so sehr wie die USA davon überzeugt sind, dass sie ihr Denken, ihre Lebensweise anderen Ländern aufzwingen müssen. Russland, China sind beides Länder, an denen es sicherlich auch einiges zu kritisieren gibt, aber sie haben niemals versucht, anderen Ländern ihre Lebensweise, ihre Kultur aufzuzwingen. Sie wollen Geschäfte machen, wachsen, aber nicht missionieren. Ich weiß, dass es nur Vorwände für die Kriege der USA sind, dass sie den Ländern Demokratie und blablabla bescheren wollen. Aber so lautet ja nun mal die offizielle Agenda, unter denen die Länder dann ausgeraubt und verarmt werden. Und das ist etwas, was China oder Russland nie tun würden, was wohl nun auch langsam der Rest der Welt erkannt hat.

    Wie ich schon sagte, ich glaube wirklich, dass man in der ganzen Welt Europa anerkennt, einen gewissen wirtschaftlichen, kulturellen Einfluss Europas zulassen würde, wenn er auf gegenseitigem Respekt beruhte. Aber leider tut Europa alles dafür, wirklich nur noch als Hühnerstall Amerikas wahrgenommen zu werden. Und ich denke, wenn Xi Jinping Europa eine eigenständige politische und wirtschaftliche Position anrät, er dies nicht aus Überheblichkeit, sondern aus ernst gemeintem guten Willen einer beständigen guten Zusammenarbeit sagt bzw. den EU-Politikern anrät. Aber, wie zu erwarten, sind die zu blöd, das zu verstehen. Selbst wenn er sagen würde, sagt euch endlich von den Amis los, entwickelt eure eigene Außen- und Wirtschaftspolitik und wir werden euch in der Zusammenarbeit treu verpflichtet sein, würden sie es nicht verstehen bzw. falsch verstehen wollen. Also bleibt wohl nur die Einsicht, dass Europa harte Zeiten bevorstehen, solange diese Politriege in unserem Land und in Europa das Sagen hat.

      1. Danke ChrisBaro, es freut mich, dass Sie Leser des Anti-Spiegels sind und Ihnen die vielen Beiträge, darunter dann wohl auch meiner etwas weiterhelfen, in diesen wahnwitzigen Zeiten den Über- oder Durchblick zu behalten. Aber was ist denn Ihre Meinung zu all dem? Es ist nicht leicht, sich zu positionieren, oder?

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