"Konstruktive Neutralität"

Wie und warum Indien zwischen Russland und den USA laviert

Die geopolitische Rolle Indiens im Ost-West-Konflikt ist ein sehr interessantes Thema. Hier zeige ich auf, welche Motive und Interessen die indische Politik leiten.

Der Westen hat in diesem Jahr so ziemlich alles versucht, um Indien auf seine Seite zu ziehen und zu einer anti-russischen Politik zu bewegen. Alle diese Versuche waren erfolglos, zuletzt hat sich Annalena Baerbock in Indien bei ihrem Besuch unbeliebt gemacht.

Der Indien-Korrespondent der russischen Nachrichtenagentur TASS hat die Gründe für die indische Politik in einer sehr interessanten Analyse aufgezeigt, die ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Zwischen den USA und Russland: Indiens „konstruktive Neutralität“ im Ukraine-Konflikt

Die neutrale Haltung Indiens zum Konflikt in der Ukraine und die demonstrative Weigerung Neu-Delhis, Russland zu verurteilen, hat im Westen Kritik und im Land selbst eine gemischte Reaktion hervorgerufen. Dennoch ist es der indischen Regierung bisher recht gut gelungen, sich von den Geschehnissen in der Ukraine fernzuhalten, aber niemand kann sagen, wie lange diese Politik ihren Interessen entsprechen wird.

„Historische Blockfreiheit“

Diese Position wurde in der UN-Generalversammlung offen zum Ausdruck gebracht, wo sich Indien einerseits bei der Abstimmung über die Resolutionen zur Verurteilung Moskaus der Stimme enthalten hat, ihr offizieller Vertreter andererseits aber in seinen Reden nicht müde wurde, die Notwendigkeit der „Achtung der territorialen Integrität von Staaten“ zu betonen und dazu aufgerufen hat, das Problem durch Verhandlungen und nicht mit militärischen Mitteln zu lösen.

Eine dem indischen Außenministerium nahestehende Quelle kommentierte die Position Neu-Delhis in einem Gespräch mit der TASS und sagte, der Kern der „konstruktiven Neutralität“ bestehe darin, „die Zusammenarbeit mit Russland fortzusetzen und gleichzeitig zum Frieden in der Ukraine aufzurufen.“

Diese Position erinnert an den heute vergessenen Begriff der „aktiven Neutralität“, den Neu-Delhi während der Ära seiner Blockfreiheit im Kalten Krieg ausgiebig verwendet hat. Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 war es Indien, das die Bewegung der Blockfreien Staaten mitbegründete, in der sich 120 Nationen zusammenschlossen, und das Konzept der Blockfreiheit wurde zum Kernstück der indischen Außenpolitik.

Im Rashtrapati Bhavan (dem Präsidentenpalast in Neu-Delhi) meint man, dass das Land dank dieser Politik ausgezeichnete Beziehungen zur UdSSR aufbauen konnte, die die Inder beispielsweise bei den Diskussionen im UN-Sicherheitsrat über Kaschmir unterstützte und die bei der Durchführung verschiedener Projekte zur Entwicklung der nationalen Metallurgie und anderer Industrien half. Die beiden Länder entwickelten auch eine enge Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich: Während des Kalten Krieges war Moskau Indiens wichtigster Lieferant von Waffen und Verteidigungstechnologie.

Gleichzeitig wurden die Beziehungen zu Washington aktiv entwickelt, wenn auch nicht ohne Probleme. Wie ein politischer Beobachter vor Ort anmerkt, bezeichnet sich Indien ständig als Freund Moskaus, aber die Inder sind eher bereit, in die USA zu gehen, wo es eine riesige indische Gemeinschaft – bis zu fünf Millionen Menschen – gibt, um dort Geschäfte zu machen oder zu studieren. Im Jahr 2021 belief sich der Handel Indiens mit den USA auf 113 Milliarden Dollar, verglichen mit etwa 13,6 Milliarden Dollar mit Russland.

Es überrascht nicht, dass in Indien niemand bereit ist, die Beziehungen zu den USA zu riskieren. Gleichzeitig will Indien die bewährten und vielversprechenden Kontakte zu Russland nicht verlieren. Es ist kein Zufall, dass Neu-Delhi eine so entschiedene Haltung zum Kauf russischer Boden-Luft-Raketensysteme vom Typ S-400 eingenommen hat. „Die Position der Neutralität hat sich in der Zeit des Kalten Krieges bewährt, sie erlaubt es uns, mit niemandem zu streiten und nützliche Beziehungen zu allen verfeindeten Parteien zu unterhalten. Mit anderen Worten: Indien reproduziert jetzt eine Politik, die es seit Jahrzehnten verfolgt und die es für nützlich und erfolgreich hält“, ist die diplomatische Quelle überzeugt.

Die chinesische Warnung

Ein weiterer Grund, der Indiens neutrale Haltung zum Konflikt in der Ukraine untermauert, ist China, zu dem Indien in letzter Zeit äußerst schwierige Beziehungen unterhielt. Es sei daran erinnert, dass es im Mai 2020 in der Bergregion Ladakh an der Grenze zwischen den beiden Ländern zu Zusammenstößen kam, bei denen es auf beiden Seiten Tote gab. Nach einer Reihe von Gesprächen im vergangenen Jahr begannen Peking und Neu-Delhi mit einem gegenseitigen Truppenabzug von der Grenzlinie. Die Situation bleibt jedoch angespannt. Am 9. Dezember dieses Jahres kam es in der Nähe des indischen Bundesstaates Arunachal Pradesh erneut zu Zusammenstößen, die auf beiden Seiten Opfer forderten.

In der Auseinandersetzung mit China sucht Indien Unterstützung sowohl in Moskau, das gute Beziehungen zu Peking unterhält, als auch in Washington, das offen bereit ist, den Indern in ihrer Konfrontation mit China zu helfen. Nach Ansicht indischer Experten hat die Ukraine-Krise die Partnerschaft zwischen Russland und China belebt, so dass Neu-Delhi nicht die Absicht hat, sich mit Moskau zu streiten, das China bei Streitigkeiten mit Indien gegebenenfalls beeinflussen kann.

Der Standpunkt Neu-Delhis wurde von Heppimon Jacob, Professor an der Jawaharlal Nehru University School of International Studies in Delhi, kurz und bündig formuliert: „Russland ist ein Problem für die USA und den Westen, nicht für Indien. Die NATO-Erweiterung ist ein Problem für Russland, nicht für Indien. Das Problem für Indien ist China, und es braucht die USA, den Westen und auch Russland, um das China-Problem zu lösen. Ich würde Indiens Reaktion auf die Ukraine-Krise im Lichte dieser recht einfachen Logik betrachten“, so der Professor.

Das Öl und das Gesetz

Die vielleicht schärfste Kritik, der sich Indien im Westen ausgesetzt sieht, betrifft seine Käufe von russischem Öl. Außenminister Subramaniam Jaishankar muss die Position Neu-Delhis jetzt oft verteidigen. Auf einer Pressekonferenz nach Gesprächen mit der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock am 5. Dezember in Neu-Delhi wies er offen darauf hin, dass die EU selbst russische Energie und Waren kauft, Indien aber davon überzeugen will, das nicht zu tun: „Die Ölimporte der EU sind sechsmal so hoch wie die Indiens und die Gasimporte sind unendlich viel höher als die Indiens, weil wir keines importieren“, erklärte der indische Außenminister auf eine Frage zu Energieträgern aus Russland.

Der wachsende Anteil russischen Öls am indischen Ölkorb ist in der Tat beeindruckend: Bis zum 31. März dieses Jahres entfielen nur 0,2 Prozent der gesamten indischen Öleinfuhren auf Russland, aber im November überholte Russland den Irak und Saudi-Arabien als Hauptlieferanten. Laut dem wöchentlichen „Outlook“ haben die russischen Lieferungen 909.403 Barrel Rohöl pro Tag erreicht. Das entspricht mehr als 20 Prozent der indischen Ölversorgung.

Wie der indische Journalist Pandey Prakash gegenüber der TASS erklärte, ist es für Indien nicht vorteilhaft, sich den Sanktionen gegen Moskau anzuschließen, aber es ist vorteilhaft, Öl von Russland, „das es jetzt zu einem reduzierten Preis an uns liefert“, zu kaufen. „Das ist wirklich eine Angelegenheit von nationalem Interesse, es ist profitabel, auch wenn Neu-Delhi einige Aktionen Moskaus nicht gutheißen mag“, sagte er.

Indiens ständige Interessen

Indiens Position der „konstruktiven Neutralität“ scheint im Moment ziemlich stark zu sein. Niemand wagt jedoch eine Prognose über die langfristige Entwicklung dieser Politik. Wie der politische Journalist Pandey Prakash gegenüber der TASS erklärte, „werden globale Werte, der Schutz der Demokratie oder jahrzehntelange Freundschaften sicherlich berücksichtigt – in dem Maße und so lange, wie es den Interessen Indiens entspricht“. Mit anderen Worten: Indien will sich auf seine nationalen Interessen konzentrieren, und das ist das einzige Kriterium für seine politische Haltung.

Für Moskau und Washington steht außer Frage, dass die „konstruktive Neutralität“ so lange gewahrt wird, wie sie den politischen Zielen Indiens entspricht. In den 1970er Jahren paraphrasierte Premierministerin Indira Gandhi eine berühmte britische Maxime aus dem 19. Jahrhundert auf ihre Weise: „Indien hat keine ständigen Verbündeten, keine ständigen Freunde oder ständigen Feinde – Indien hat nur ständige Interessen.“ Seitdem folgt die Politik Neu-Delhis konsequent diesem Grundsatz.

Ende der Übersetzung


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

42 Antworten

  1. Kein Land missbraucht den Handel so sehr für seine politischen Geschäfte wie die USA. Die Inder werden das wissen. Ihre Aussagen zum Ukraine-Konflikt unterscheiden sich nicht wesentlich von denen Chinas, das sollte Russland zu denken geben.

    Man mag es bedauern oder nicht, aber die Blockfreien waren einmal eine Macht, an der kaum jemand vorbeikam. Dass sie immer weiter schrumpfen und unbedeutender werden, ist ein Indiz dafür, dass sich die Welt in die falsche Richtung entwickelt. „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ Mit diesem blöden Spruch, seiner Sanktions- und Erpresserpolitik haben die USA ihr Ziel fast erreicht. Mit großer Unterstützung der korruptesten und dümmsten aller Politiker, wie man sie an der Spitze der EU findet.

    Den chinesisch-indischen Gegensatz gibt es nicht erst seit ein paar Jahren, sondern seitdem ich mich für Politik interessiere, also seit über 50 Jahren. Dass es nie gelungen ist, dort zu einer verträglichen Lösung zu kommen, zeigt, wie schwach der eurasische Block und insbesondere Russland ist. Es war bis heute nicht in der Lage, zwischen Indien und China zu vermitteln, obwohl es da wirklich als „ehrlicher Makler“ auftreten könnte. Um sich die Gunst Indiens zu erkaufen, muss es Öl unter dem Marktpreis anbieten. Mit China wird es kaum anders sein. Sollte die sehr lockere Allianz der eurasischen Großmächte demnächst keinen gemeinsamen Gegner (USA) mehr vorfinden, kann es sehr schnell wieder zu einer Menge lokaler Konflikte von der arabischen Halbinsel bis zum Osten des Kontinents kommen. Ob dann die Shanghai-Organisation oder BRICS irgendeine Bedeutung haben werden, darf bezweifelt werden.

        1. „Die Inder werden das wissen. Ihre Aussagen zum Ukraine-Konflikt unterscheiden sich nicht wesentlich von denen Chinas, das sollte Russland zu denken geben.“
          Was sollte da RF zu denken geben? Es wurde doch im Artikel mit Zitaten belegt, dass Indien SEINE Interessen vertritt!
          Jeder, der Krieg gut findet oder das verbal unterstützen würde – völlig egal wo auf der Welt – sollte zu denken geben!
          Die Aussagen sind voll auf der Linie Russlands – Partnerschaft auf Augenhöhe.

          Man wird sehen ob die organisierte Kriminalität gegen die Menschen dieser Welt größere Bedeutung bekommen könnte oder vielleicht doch übertrieben hat & nun zum Rückzug gezwungen wird…..
          Nur wird so etwas nie über Nacht passieren. Da ist harte Arbeit gefragt & so wie es aussieht, wird da schon seit Jahren dran gearbeitet – abseits des Medienrummels der Wertloswestens….

        2. Wieso seltsam, und was sind Ihre „Realitäten“? Ich kann nicht in Ihren Kopf gucken.
          Muss man auch nicht. Nur eben mal einfach beginnen, die Fakten zusammenzählen…….

          Ihre Aussage „ist ein Indiz dafür, dass sich die Welt in die falsche Richtung entwickelt“ hat nun mal den klitzekleinen Fehler bei der Gesamtbetrachtung, dass man nunmehr eben schon sagen kann…. dass die Welt sich in die falsche Richtung entwickelte… eben in eine „regelbasierte Weltordnung“, welche eben die größte Gefahr für den Weltfrieden darstellte- uind solange darstellt, bis man das ändert.

          Und gerade die Russen- welche sie als den schwächsten Punkt ansehen sind es, welche das Ding: “ https://www.hintergrund.de/politik/welt/multipolare-weltordnung/ zum Abschluss bringen werden.

          Dies, eben OHNE die „Blockfreien“ zu einem Block zu bündeln in dem jeder sein Ding machen kann.

          Mehr Fakten müssen erst mal gar nicht sein…

    1. @„Sollte die sehr lockere Allianz der eurasischen Großmächte demnächst keinen gemeinsamen Gegner (USA) mehr vorfinden, kann es sehr schnell wieder zu einer Menge lokaler Konflikte von der arabischen Halbinsel bis zum Osten des Kontinents kommen.“

      Erst einmal muss es so weit sein, dann kann man sich weiter kümmern. Interessanter wäre, wie Indien sich die Entwicklung vorstellt? Ein Hinweis dazu:

      https://web.de/magazine/politik/indien-china-tricksen-europa-klimapolitisch-36350448

      Mit anderen Worten – die ermutigen den Westen zum Suizid, um Industrien zu übernehmen – nicht unbedingt den Wohlstand eigener Bevölkerung reduzierend. Nicht unbedingt Trost für uns in Europa – würden die offen zu eigener Strategie stehen, könnte man wenigstens diesen Teil des Great Resets begraben.

      Die EU hält stur an „Klimazöllen“ – spätestens zum weiteren Wirtschaftskrieg wird sich Indien erklären müssen. Vermutlich eher im BRICS-Rahmen als im Alleingang.

      „… Indien folgt zwar einer Rhetorik des Klimaschutzes, doch die Kohleverstromung wird auch dort massiv ausgebaut. Indiens Kohlekraftwerke generieren zwei Drittel des Stroms. Im Rahmen des Corona-Wiederaufbauprogramms hat die Regierung gerade die Erschließung von 40 neuen Kohlegruben beschlossen. Der staatliche Konzern Coal India baut im ganzen Land neue Kohlekraftwerke, schon jetzt sind 280 davon im Vollbetrieb. Erneuerbare Energien würden Indiens wirtschaftliche Zukunft nicht ermöglichen, heißt es in Delhi. …“

      Ja, das wird bereits jetzt gesagt…

    2. Die Konflikte in Asien sind doch nicht neu, die Spannungen zwischen China und Indien, China und Vietnam (Beispiel als China nach dem Sieg Vietnams über die USA in Nordvietnam einmarschiert ist) oder Indien und Pakistan, die Spannungen im arabischen Raum, Nord und Südkorea. Die Liste ist lang und der Westen war stehts bemüht, diese Konflikte am köcheln zu halten. Auch zwischen Russland (der Sowjetunion) und China gab es Spannungen. Wenn man sich das Ganze ansieht, ist es zur Zeit relativ ruhig auf dem Kontinent.
      Man hat erkannt, das man zusammen arbeiten muss. In einem Klima der ständigen Feindseligkeiten einen Weg der Zusammenarbeit zu finden, ist nicht einfach. Ich habe aber den Eindruck, man versucht es. Dieses „Bist Du nicht mein Freund, bist du mein Feind“, ist doch die typische westliche Politik, mit der man in Asien Jahrzehntelang schlechte Erfahrungen gemacht hat. Vor allem im arabischen Raum schwebte das Schwert eines Einmarsches der USA über den Köpfen. Da die USA eigene Probleme hat, lässt dieser Druck nach und die Staaten können sich von den USA lösen.
      Die Politik, die wir jetzt betreiben ist eine einfache Politik, wer nicht gegen Russland ist, ist gegen uns. Die Länder Asien müssen sich aus dieser Konfliktpolitik lösen, einen eigenen Weg finden und sich in einer neuen globalen Welt zurecht finden, man kann nur hoffen, sie haben dazu nicht Politiker wie Baerbock oder von der Leyen an den Schaltstellen der Scheinmacht.
      Kurz zu Indien: Es muss sich endlich auf den Weg in die Gegenwart machen. Diese Politik der Stände ist schädlich. Seit Jahren redet der Westen davon, das Indien eine Parallelmacht zu China ist, aber die Realität ist eine andere, aber das liegt nicht an äußeren Zwängen, sondern daran, das die größte Demokratie der Welt Probleme mit der Demokratie hat (Ich meine jetzt nicht die Scheindemokratie, die wir im Westen mit richtiger Demokratie verwechseln)

    3. Chinesisch-Indische Grenzkonflikte dürfte es schon so lange geben wie es China und Indien gibt.
      Solange aber hier niemand inhaltlich darauf eingeht um was es dabei aktuell geht, ist es müßig darüber zu spekulieren wie eine Einigung zustande käme. Weshalb hier der RF eine Vermittlerposition zukommt ist fraglich. Allenfalls könnte Russland seine guten Beziehungen zu beiden Nationen anbieten um als neutraler Mediator zu fungieren.
      Was der Artikel sehr gut beschreibt ist, dass Indien nicht bereit ist, seine eigenen Interessen aufzugeben, wie es die EU gerade tut.
      Uns Endverbrauchern tut Indien damit einen sehr großen Gefallen. Würden Länder wie Indien am Boykott Russischer Energieträger teilnehmen würde es unmittelbar zu einer weltweiten Energieknappheit kommen und die Preise ins unendliche katapultiert werden. So aber kommt es nach anfänglichen Lieferengpässen lediglich zu einem Umsortierungsprozess. Das Öl das Indien jetzt von Russland importiert steht dann langfristig bei arabischen Anbietern zur Verfügung um dann von der EU gekauft zu werden.

      Was das Gesetz betrifft bleibt der Artikel uns schuldig uns zu erklären um was es dabei geht.
      Jahrhunderte lang hat der Westen damit argumentiert, dass es Gesetze des Marktes gibt und hat die Wirtschaft vom Rest der Welt mit sogenannten „Freihandel“ unterdrückt. Mit den Outsourcen der Produktion in Drittländer, was landläufig auch als „Globalisierung“ bezeichnet wird, haben sich die westlichen Profitoptimierer aber langfristig selbst ins Knie geschossen.
      Sowohl China als auch Indien werden es sich nun nicht mehr nehmen lassen ihre Produkte auch selbständig zu vermarkten. Das führt dann dazu, dass der Westen seine Argumentation umkehrt. Plötzlich werden die Marktgesetze auf den Kopf gedreht. Und hier hat dann der Westen sehr schlechte Karten sich langfristig durchzusetzen, denn es bleibt als Durchsetzungsmittel nur noch die militärische Macht übrig und hier beweist Russland gerade, dass man als große eigenständige Nation durchaus Chancen hat gegenüber der Nato zu bestehen. Russland muss in der Ukraine nur für eine Pattsituation sorgen, damit die Pläne des Westens ins Leere laufen. Für den Rest sogen dann schon die „freien Märkte“ die nicht mehr von den USA sondern von China und Indien aus beherrscht werden.

      1. Chinesisch-Indische Grenzkonflikte dürfte es schon so lange geben wie es China und Indien gibt.

        Hmmm… also, so wie ich mal denke, ohne das jetzt mal zu googeln, hatten China und Indien vor der Einverleibung von Tibet in den 5oer Jahren keine gemeinsame Grenze…

        1. Die Einverleibung Tibets war in den 40er Jahren, 1244 oder welches Jahr man da nimmt, durch die Mongolen. Damit kam es zum China der (mongolischen) Yüan-Dynastie, dann Ming und Qing. Allerdings hatte sich lange vorher bereits die tibetische Tufan-Dynastie China angeschlossen, ist aber durch eine Reihe von Ereignissen, letztlich Zerfall des chinesischen Reiches, wieder abgefallen.

          Nachdem Sturz des Kaisers von China haben die Briten bei der Konferenz von Simla (ich glaube 1914) gegenüber der neuen Republik ihre Ansprüche auf Tibet geltend gemacht. Deren Gesandter hat die aber nicht akzeptiert. Nach dessen Abreise haben die Briten zusammen mit einigen Tibetern, die noch da waren, Tibet unter die Suzeränität von Britisch-Indien gestellt.

          Den Grenzkonflikt gibt es seit dem 19. Jahrhundert, zunächst zwischen Rußland und dem Empire, die beim Abknapsen chinesischer Randgebiete im Bereich Xinjiang-Tadschikistan-Pakistan mit ihren Ansprüchen und Plänen ins Gehege kamen. China selber war zu schwach, um dabei nennenswerten Einfluß zu haben.

          Jedenfalls haben die Briten Nepal von China abgetrennt und in den Bergen überall ihre „Linien“ gezeichnet, teils ohne den Chinesen davon überhaupt Mitteilung zu machen. 1947 haben die Inder die Landkarten mit den kolonialen Ansprüchen geerbt.

          Über die meisten „Linien“ hat man sich inzwischen geeinigt. Über ein riesiges Gebiet in Xinjiang und Xizang (Tibet), von dem die Chinesen gar nicht wußten, daß es zu Britisch-Indien gehört haben sollte, allerdings nicht. Nach indischer Sicht gehört es zu Ladakh, und dort gibt es die Prügeleien an den „Linien der tatsächlichen Kontrolle“.

          Heute machen die Chinesen Dampf, damit die Grenze endlich geklärt wird und dieser Streit der Zukunft nicht mehr entgegen steht. Die Inder müßten dafür den Anspruch auf ein großes Gebiet aufgeben, das sie allerdings noch nie kontrolliert haben und realistisch auch nie bekommen werden. Da zieren sie sich.

          In Wirklichkeit ist die Sache natürlich komplizierter als so ein kurzer Text.

    4. Karl.dalheimer setzt seine nüchterne Analyse an. Er fügt an: ‚habe ü. 50-jährige Preferenz fürs Thema!‘ Ich scheine genau diese Preferenz auch zu besitzen, somit stimme ich – im Zwang der Geschichte – K.Dh 100-pro in dessen Beurteilung zu. Er betrachtet Eurasien geopolitisch ‚mit noch gewissen unerschöpften Reserven‘. Setzt Russland in eine Mitschuld. Was solle da seltsam sein? Indiens Haltung ist verständlich. Aber ein: ‚jeder-seins‘ bringt einen geopolitischen ‚Leistungsraum‘ nicht voran. Und macht gewisse Organisationen irgendwann unglaubwürdig. So scheint dalheimer es zu meinen, und da stimme ich ihm zu. Ausdrücklich!

  2. Nun so ist das nun mal mit der multipolaren Welt, die wird auch kein ewiges Zuckerschlecken …
    Und wenn man darüber nachdenkt, wie da was zu organisieren oder zu regeln wäre, wird man einen Königsweg nicht finden, der da Garantie sein könnte – letztendlich kondensiert alles um solche Begriffe wie „Ethik“, und wir werden Darwin, der das (neo-)liberale Denken des Westens beherrscht, ein Stück weit in die Schranken weisen müssen – ob das gelingt … wir werden sehen, und eine andere Weltwirtschaftsordnung wird der Dreh-und Angelpunkt sein ….

    1. Diese große Idee braucht nunmehr das letzte Bild, dass man weltweit versteht ohne es in die verschiedenen Sprachen übersetzen zu müssen. Dann geht das „RuckZuck“ mit dem Verstehen.

      Und wieder sind es die Russen, welche dieses Bild malen müssen. Alle Augen schauen auf Putin, ob er das in der Ukraine gegen die Nato – und im speziellen eben gegen die Amerikaner schafft- oder eben nicht. Desweiteren, wie die Russen in Gänze mit der Situation umgehen….

      Das alles geht jetzt Schlag auf Schlag…. Krieg – Ölpreisbremse – usw.usw.usw.

      Sobald dieses BILD verstanden wurde auf den Kontinenten , wird die andere- oder neue- Weltwirtschaftsordnung einfach nur noch die logische Folge sein.

      Doch- PUTIN muss liefern, sonst war alles für die Katz…

    2. Wo du Darwin schon erwähnst.
      Die Vielfalt des Lebens ist eben nicht allein mit Konkurrenz zu erklären sondern damit, dass sich die unterschiedlichen Lebensformen gegenseitig stützen. Das fressen und gefressen werden ist eben nur eine von sehr vielen Möglichkeiten mit der in der Natur eine Art vielen anderen das Dasein ermöglicht.
      Im von der USA propagierten neoliberalen Monopolkapitalismus bleiben am Ende nur noch die Haifische übrig. Die sind aber alleine auch nicht überlebensfähig.

      1. Monopolkapitalismus, das ist wohl S.P.E.C.T.R.E (nicht die Filmversion, sondern die echte) – zunehmend öffentlich kritisiert:

        „… Das WEF verbringt Ende 2022 damit, alle seine Kritiker als Desinformationsagenten zu bezeichnen. …“

        https://uncutnews.ch/davoser-mann-in-der-verteidigung-das-wef-wehrt-sich-gegen-desinformationskampagnen-gegen-seine-tyrannischen-ideen/

        „… Was einst eine schattenhafte Ideenschmiede der herrschenden Klasse war, ist ins Rampenlicht gerückt und hat sein mächtiges Netzwerk der unerwünschten Aufmerksamkeit des einfachen Mannes ausgesetzt. Die extremistische Agenda des WEF, die unter anderem globale Narrative wie „The Great Reset“ und „Build Back Better“ sowie „You’ll Own Nothing And You’ll Be Happy“ propagiert, stößt auf immer heftigeren Widerstand. In den Vereinigten Staaten und in einigen anderen Ländern gehen sowohl staatliche als auch private Akteure gegen die Agenda des Davos Man vor. …“

        „… Nur wenige Wochen vor seinem jährlichen Treffen in Davos, zu dem nur geladene Gäste Zutritt haben, hat das Weltwirtschaftsforum einen Artikel veröffentlicht, in dem es behauptet, es sei das Opfer von „Desinformationskampagnen“. … Die Website des Weltwirtschaftsforums verweist auf die angeblichen Desinformationsbemühungen der WEF-Gegner und verlinkt auf einen Artikel, der im August dieses Jahres in The Globe and Mail veröffentlicht wurde. … Aber das WEF schickt den Leser in eine Echokammer, denn dieser Artikel wurde von einem Mann … geschrieben, der jetzt als Kommunikationschef des WEF fungiert. …“

        Denkbar schwach von einem Verein, dem Billionen zur Verfügung stehen. Keine nicht so offensichtlich abhängigen Autoren gefunden?

        „… In dem verlinkten Artikel erklärt ein aufgebrachter Monck, dass „eine russische Propagandakampagne“ für die negative Wahrnehmung des WEF verantwortlich ist. … „Die Absicht war offenbar, Desinformationen zu verbreiten, um rechtsextreme Empörung über COVID-19 zu schüren und den Extremismus im Inland zu fördern“, schimpft der WEF-Kommunikationschef. „Das Mittel dazu waren oft Bots, die rechtsextreme Verschwörungstheorien in Foren wie 4chan verbreiteten.“ … Mit seiner Forderung nach einer Massenzensur und einem Überwachungssystem fährt Monck fort …“

        Kritisiert denn Russland wirklich WEF samt Zielsetzungen? (Von westlichen Oligarchen war kürzlich schon die Rede… was ist mit der Prämisse „you will own nothing“ zum Beispiel?) Wenn man das hier ganz genau klären könnte?

  3. Als Kernaussage verstehe ich, daß das Kolonialgebilde Indien kein zuverlässiger und seriöser Partner ist. Damit dürfte der Autor richtig liegen. Genauso nehmen die indischen Machthaber gerne die Klima-Ablaßhandel-Gelder die ihro Debilität des Äußerstens so gerne verteilt und lassen dann noch mehr Kohledreckschleudern in ihrem Land bauen. Das ist ja nichts Neues.
    Nachdem die Klimakirche in DoDoLand Wählerstimmen und somit politische Bedeutung gewonnen hat, wurden ja gewisse Industrien aus Umwelt- und Kostengründen ins Ausland verlagert. So konnten sich die deutschen Pol-Idioten als Umweltschützer feiern lassen und sich in ihrer ökologischen Selbstgerechtigkeit suhlen. Daß dabei das ökonomische Fundament des früheren Industriestandorts mit entfernt wurde, interessiert auch heute kaum jemand.
    Indien, China und die Tigerstaaten waren und sind somit dankbare neue Erfüllungsgehilfen des westlichen Kapitalismus.

    1. Als Kernaussage verstehe ich, daß das Kolonialgebilde Indien kein zuverlässiger und seriöser Partner ist. Damit dürfte der Autor richtig liegen.

      So sollte man das jedoch nicht sehen. Der Autor sagt uns „durch die Blume“ das der eingeschlagene Weg Russlands selbst, auch nicht so durchschlagend funktionieren könnte, wie geplant. Das hat nichts mit zuverlässig und seriös zu tun, sondern Indiens Handeln in Bezug auf die USA könnte sich eben wieder drehen, weil die Situation dann eben im Sinne des Staates Indien wieder ein anderes Handeln erfordert…

      Hilft alles nichts. Putin muss liefern

      1. Auf jeden Fall will Indien auf keinen Fall Flugreisen abschaffen – gerade jetzt bauen die den (in 30 Jahren) größten Flughafen Asiens mit 6 Landebahnen, der voll ausgebaut 60-120 Millionen Fluggäste pro Jahr schaffen soll:

        https://en.wikipedia.org/wiki/Noida_International_Airport

        Das wäre der umgekehrte Weg als Träume westeuropäischer Weltrettenden:innen, die private Flugreisen am liebsten verbieten würden – nur noch „Gleichere“ zu den Mega-Klimakonferenzen. Soweit ich mich entsinne, Indien hat vor etwa zwei-drei Jahren die Teilnahme an einem von der UNO organisierten System der CO2-Zertifikate für den Flugverkehr verweigert – in Schland gibt es mehrere Abgaben gleichzeitig.

      2. Da fällt mir doch der Tanz um das goldene Kalb ein. Passt doch ganz gut für Hindustan und den heiligen Kühen. Ob das Kalb russische, chinesische oder usler Farben trägt ist da nicht so wichtig. Es liegt mir fern die indische Administration zu verurteilen, nichtsdestotrotz ist Indien in Bezug auf langfristige Zuverlässigkeit ein unsicherer Kantonist.
        Flexibel wie es gerade so passt. Funktioniert doch.
        Daß sich das russische Regime über die indische Staatsführung und deren anglo-zionistische Affinität Illusionen macht glaube ich nicht.

  4. Ein Blick nach Brasilien bei Gelegenheit, ebenso BRICS-Land:

    „Herkulesaufgabe für neuen Präsidenten Brasiliens Lula: Kampf gegen Armut und De-Industrialisierung und Aufbau von BRICS+“

    https://tkp.at/2022/12/23/herkulesaufgabe-fuer-neuen-praesidenten-brasiliens-lula-kampf-gegen-armut-und-de-industrialisierung-und-aufbau-von-brics/

    Es ist wohltuend, bei den anstehenden Aufgaben über Reindustrialisierung und den Wohlstand zu lesen – vor Jahrzehnten wirkte die Innenstadt von São Paulo laut Artikel wie Manhattan. Dafür nirgends „Klima“ als vordringliche Aufgabe – De-Growth und Hungererzeugung werden vornehm Westeuropa überlassen. Weiter oben schreibt jemand, Putin solle sich mehr erklären, da die Welt nach Russland schaut – Kampf gegen perverse Verarmung-Ideologien würde bei kritischen Bewohnern des Westens gut ankommen. Die unkritischen glauben eh alles der Woken Staatspropaganda.

  5. Der letzte Satz dieser Übersetzung bringt es doch insgesamt auf den Punkt. Gandhi: „Indien hat keine ständigen Verbündeten, keine ständigen Freunde oder ständigen Feinde – Indien hat nur ständige Interessen.“ Und ich füge hinzu: Nicht nur Indien, sondern jede Nation. Indien kauft russisches Öl – es ist billig angeboten, also wirds gekauft. Dasselbe gilt für China. Keine dieser großen Nationen – Schwellenländer – sagt sich von den USA los. Noch nicht! Man sollte nur nicht den Fehler begehen, und Außenpolitik so verstehen, wie diese durch Deutschland ausgeübt wird. Keine Nation zeigt so deutlich, dass sie Vasall der USA ist. KEINE. Aber auch mit der Baerbock/Habeck werden Geschäfte gemacht, so diese vorteilhaft für z.B. Indien sind. (Oder Katar) Auch wenn man völlig zu Recht die deutsche Politik als verwerflich, als kolonialistisch bezeichnet, Deutschland ist z.Zt. noch die fünftgrößte – dem BIP zugrunde gelegt – Nation der Erde und genau das macht Deutschland zu einem wichtigen Handelspartner. Also noch einmal: es geht um Interessen, alles andere ist im Kapitalismus zweitrangig.

  6. Ja, „Konstruktive Neutralität“ –
    sie kann mit Opportunismus übersetzt werden.
    Indien und China sowie Afrika (gelt?) werden in russophilen Propagandablogs wie diesem hier gern herangeführt, die Isolation Russlands zu bestreiten.
    Milliarden Menschen für oder zumindest nicht gegen Russland.
    Isoliert sei das überkommene Konzept des Westens, die goldene Milliarde.
    Mal davon ab, was erwünscht wäre – really?
    Was nützt es, sich gegen Realitäten theoretisch zu verschwören? Der privaten Befindlichkeit, den Klickzahlen der hotten Nische?
    Keine Ahnung, aber solange hier die Wahrnehmung der Wirklichkeit als feindlich betrachtet wird, bleibt mir nichts übrig, dies hier samt und sonders als Entertainment zu konsumieren.
    Ich warte und tue das ganz entspannt noch immer auf einen Blog jenseits von Kokain und Wodka …
    Sachdienliche Hinweise erwünscht.

    1. @Gartenlaube:
      Nein, mit Opportunismus würde ich es nicht übersetzen, denn ich bin trotz allem der Überzeugung, dass auch kapitalistische Nationen einen Funken – oder mehr – Selbstbestimmung als wichtig erachten. Deutschland scheint eine Ausnahme zu sein. Zweitens sieht es global auch so aus, dass gewisse Länder (Schwellen) abwarten, wohin das Pendel ausschlägt. Noch – wohlgemerkt – will man es sich mit dem kriminellen USA nicht verscherzen. Wer weiß, was diese Typen noch im Köcher haben. Erste Anzeichen weisen daraufhin, dass schon eine Anzahl an Nationen sich dem $ Druck nicht mehr beugen wollen. Alles ist auf Anfang. Der Ukraine-Krieg kann dazu beitragen, dass die USA/NATO endgültig die Arschkarte gezogen haben. Russland ist nicht der Irak oder Libyen, deren politischen Führer zuerst versuchten sich aus der $Dominanz zu befreien. Schon wurden sie ausradiert. Das geht – schön, das es so ist – mit Russland nicht. Noch ist es nicht entschieden, aber es deutet alles darauf hin. Ergo: Opportunismus, nein, das halte ich für nicht richtig.

    2. @gartentaube

      Wie wäre es mit Pragmatismus als Übersetzung anstelle von Opportunismus?
      Arme Länder können es sich wohl kaum leisten, günstige und zuverlässige Energielieferungen abzulehnen oder sich mit dem Lieferanten zu überwerfen.
      Das würde nämlich die Bevölkerung in größte Schwierigkeiten bringen.
      Menschen in ärmeren Ländern lesen auch Zeitungen und müssen immer wieder beobachten, dass der american way of life auch nicht das Gelbe vom Ei ist.
      Wozu sich also darauf festlegen?
      Zudem eine Entscheidung für die eine Seite (besonders gilt das für die Entscheidung für die russische Seite) bedeutet, die andere Seite als Feind zu haben, der beispielsweise günstige Energielieferungen notfalls auch durch Sprengungen beendet.
      Nicht festzulegen ist also nur Pragmatismus oder eben konstruktive Neutralität.

      Übrigens auch der Weg, der die Welt bisher vor einem üblen dritten Weltkrieg bewahrt hat.
      Die sogenannten Entwicklungsländer sind in bestimmten Fragen einfach weiter als die Europäer oder Amerikaner.

      Und wer sagt denn, dass die Menschen, die nicht ‚gegen‘ Russland sind, damit dem sogenannten Kapitalismus eine Absage erteilt haben?

      1. @ATLANTIK:
        Aus meiner Sicht ein sehr guter Beitrag. Zum letzten Satz möchte ich nur eines hinzufügen:
        In der gesamten Diskussion sollte, auch bei großen Sympathien gegenüber Russland, eines nicht vergessen werden: Russland ist ein kapitalistisches Land!! Nicht zu vergleichen mit der SU. Die Nationen, die sich nicht gegen Russland stellen, haben augenscheinlich die Faxen vom Hegemon USA dicke und hoffen, in einer multipolaren Welt wird es gerechter, ohne den großen Knüppel und bei nicht Befolgung Bombardements. Keiner weiß, was die Zukunft bringt, ich bin aber der Überzeugung, dass unter kapitalistischen Grundvoraussetzungen kein einziges Problem auf diesem Planeten zu lösen sein wird.

        1. @„Keiner weiß, was die Zukunft bringt, ich bin aber der Überzeugung, dass unter kapitalistischen Grundvoraussetzungen kein einziges Problem auf diesem Planeten zu lösen sein wird.“

          Da sollte man schon differenzieren – eine Sache ist die Marktwirtschaft mit etwas Wettbewerb, der anspornt, nicht den ganzen Tag auf fauler Haut zu sitzen wie einst im real existierenden Sozialismus – ich habe beide Varianten erlebt. Eine andere Sache ist Monopolkapitalismus im WEF-Stil – man beschließt von Oben eine kranke Nummer zum Abzocken wie Klimagedöns und zieht es mit totalitären Methoden durch.

          https://uncutnews.ch/davoser-mann-in-der-verteidigung-das-wef-wehrt-sich-gegen-desinformationskampagnen-gegen-seine-tyrannischen-ideen/

          1. Schön, Sie haben beides erlebt und sind Fan der sozialen Marktwirtschaft, die nur ein anderer Name für Kapitalismus ist und der ausschließlich in Deutschland verwandt wird. Wenn Sie natürlich der Überzeugung sind, dass im realen Sozialismus – nach Ihrer Überzeugung – nur auf der faulen Haut gelegen wird, was ja immer noch besser wäre, als im Kapitalismus zu vegetieren – dann lohnt keine weitere Diskussion. Ich wünsche Ihnen schöne faule Weihnacht.

    3. Sie vergessen wohl, daß Indien die Umstände gerade nutzt, um Weltmacht zu werden. Es gehört zu keinem Block, es ist sein eigener Block. Es tariert sein Verhältnis zu den anderen Mächten einzig nach seinen eigenen Interessen aus und reagiert äußerst empfindlich, wenn seine Souveränität, Neutralität und sein Status als Großmacht nicht respektiert werden. Deshalb hat Baerbock dort Ärgernis erregt, wie vorher auch Nuland.

      Dank Rußland hat Indien eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des neuen SOZ-BRICS-Währungs- und Zahlungssystem, federführend ist Glazjev von der EEK (Euroasietische Ökonomosche Kommission der EAWU).

      China hält sich zurück, da Indien ein „chinesisches“ System nicht akzeptieren würde, ist aber mit dabei. Hier und in der Frage der Sanktionen hat Indien eine Gegenposition zum westlichen Block. Und in der Arithmetik des Verhältnisses zu China ist Rußland für Indien unverzichtbar. In weiteren Angelegenheiten auch, aber das ginge hier zu weit.

      In der Frage eines ständigen Sitzes Indiens im UN-Sicherheitsrat ist Biden nicht abgeneigt, auch sonst sind alle dafür. Bis auf die EU, die einen für sich selber oder für Deutschland wünscht und damit verknüpft. Was faktisch eine Blockade für die indischen Ambitionen bedeutet.

      Am Verhältnis zum Westen ist Indien als Gegengewicht zu China interessiert, allerdings herrscht dort eine gewisse Enttäuschung wegen vieler Ärgernisse und da der Westen den indischen Interessen nur wenig zu bieten hat, ihnen teils sogar entgegensteht. Besonders sollte man hier einsehen, daß ein Krieg Europas nicht der Krieg der ganzen Welt ist und bitteschön auf Europa begrenzt bleiben soll. Dieses Tamtam und die Schäden durch die EU-Sanktionen belasten die ganze Welt.

      Was soll an der konstruktiven Neutralität bitteschön „Opportunismus“ sein? Indien tritt damit niemandem zu nahe.

    4. Indien rückt näher an die Einrichtung eines alternativen Zahlungssystems heran, um seinen Handel mit Rußland aufrechtzuerhalten

      … Die Sanktionen haben bereits Industrie- und Schwellenländer gleichermaßen getroffen, viele Währungen, einschließlich der Rupie, abgewertet, die Ölpreise in die Höhe getrieben, Lieferketten gestört und die Inflationssorgen verstärkt, die die Einkommen der Haushalte untergraben.

      … die Regierung werde den Import von Speiseöl und Düngemitteln priorisieren. Jeder Mangel an diesen beiden Rohstoffen, von denen Indien ein Nettoimporteur ist, kann die Nahrungsmittelinflation anheizen und den Agrarsektor vor der Sommer- oder Kharif-Saison stören. …

      Der Zahlungsmechanismus wird dem ähneln, den Indien eingerichtet hatte, um iranisches Öl zu importieren, als die USA Sanktionen gegen dieses Land verhängten. …

      By Zia Haq – Mar 13, 2022
      India finalising alternative payment system to carry on Russia trade
      https://www.hindustantimes.com/india-news/india-finalising-alternative-payment-system-to-carry-on-russia-trade-101647174800298.html

    5. NACH EINER ACHTMONATIGEN BLOCKADE LÄSST DIE EUROPÄISCHE UNION ZU, DASS AFRIKA RUSSISCHE DÜNGEMITTEL ERHÄLT.

      Unter dem Druck der afrikanischen Länder und der UNO hat die Europäische Union schließlich die Hindernisse für den Export von russischen Düngemitteln in afrikanische Länder aufgehoben. In den vorangegangenen acht Monaten hatte das antirussische Sanktionsregime den Handel mit Düngemitteln zwischen Afrika und Rußland stark beeinträchtigt. Dieser Fall zeigt, wie die Europäische Union in der restlichen Welt immer schneller in Verruf gerät.

      „Nach Angaben der Vereinten Nationen ist die weltweite Getreideernte in diesem Jahr bereits um 2,4 % zurückgegangen, weil es an Düngemitteln mangelt. Es wird erwartet, daß der Rückgang im nächsten Jahr noch größer sein wird, bis zu 20 %. Der Hauptgrund dafür ist, daß russische Düngemittel aufgrund der EU-Sanktionen nicht mehr an afrikanische Länder geliefert werden können. … “

      WIE DIE EUROPÄISCHE UNION DAS RISIKO EINGEGANGEN IST, HUNGERSNÖTE IN AFRIKA ZU VERURSACHEN.

      In ihrem fünften Sanktionspaket gegen Rußland hatte die EU am 8. April ein umfassendes Verbot für die Einfuhr russischer Düngemittel in die EU verhängt. In den Monaten nach diesem Verbot behauptete Brüssel, daß es formal nicht für Lieferungen an Drittländer, z. B. in Afrika, gelte.

      Solche Lieferungen wurden jedoch dadurch unmöglich gemacht, daß die EU-Sanktionen gegen den russischen Transport- und Finanzsektor diesen die notwendige logistische und finanzielle Basis entzogen. Noch am 10. August veröffentlichte die EU eine Erklärung, wonach der Transport russischer Düngemittel innerhalb oder außerhalb der EU einen Verstoß gegen die Sanktionen darstellen würde. …

      WIE DIE EUROPÄISCHE UNION DIE SYMPATHIEN ZERSTÖRT, DIE SIE IN DER WELT HATTE.

      Am 24. Mai 2022 beklagte sich der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz, daß auch Länder, die … nicht am Konflikt in der Ukraine beteiligt sind, ebenfalls unter den Sanktionen gegen Rußland leiden[.

      Anfang August fehlten dem afrikanischen Kontinent 2 Millionen Tonnen Düngemittel. Die Weltbank prognostizierte, daß der Mangel an Düngemitteln zu einem Rückgang der Nahrungsmittelproduktion in Afrika um mindestens 20 % oder mehr führen könnte. …

      Eine Folge des Ukraine-Konflikts ist nicht zu unterschätzen: Die Legitimität, die die Europäische Union in den Augen des Rests der Welt besaß, ist im Begriff zu schwinden.

      Die Europäische Union wurde als Kriegsfaktor angesehen. Sie beteiligte sich aktiv am Kampf der Ukraine gegen Rußland, nicht nur durch Sanktionen, sondern auch durch Waffenlieferungen und die kaum getarnte Intervention von Kämpfern aus EU-Ländern als Söldner und Freiwillige in der ukrainischen Armee.

      Die Europäische Union wurde als Wohlstandsfaktor gesehen, dessen Währung, der Euro, allmählich als mögliche Alternative zum Dollar gesehen wurde. … Wenn europäische Unternehmen nach dem Ende des Krieges wieder auf den Märkten in Rußland, Zentralasien, Asien, Lateinamerika oder Afrika Fuß fassen wollen, werden sie die Selbstzerstörung des Sympathiekapitals, über das die EU verfügte, wie einen Mühlstein mit sich herumschleppen.

      Par Bamada.net 22/12/2022 – Source: Le Courrier des Stratèges
      APRÈS UN BLOCUS DE HUIT MOIS, L’UNION EUROPÉENNE LAISSE L’AFRIQUE S’APPROVISIONNER EN ENGRAIS RUSSES
      https://bamada.net/apres-un-blocus-de-huit-mois-lunion-europeenne-laisse-lafrique-sapprovisionner-en-engrais-russes

  7. „Auf einer Pressekonferenz nach Gesprächen mit der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock am 5. Dezember in Neu-Delhi wies er offen darauf hin, dass die EU selbst russische Energie und Waren kauft, Indien aber davon überzeugen will, das nicht zu tun“

    Gab es je einen ungebildeteren Außenminister in?
    Eine Land wie Indien mit einen sehr hohen Bevölkerunganteil, der so richtig arm und zwar unterhalb dem Existenzminimum, wegen dem Einkauf von günstigen Rohstoffe kritisieren?

  8. Gab es je einen ungebildeteren Außenminister in?
    Eine Land wie Indien mit einen sehr hohen Bevölkerunganteil, der so richtig arm und zwar unterhalb dem Existenzminimum, wegen dem Einkauf von günstigen Rohstoffe kritisieren?

  9. …hier als Ergänzung noch einen Artikel aus der „Indian Punchline“.. ..von MK BHADRAKUMAR.. …ehemaliger indischer Diplomat !!.. …“Modi ignoriert West Sanktionen gegen Russland“…
    h t t p s ://www.indianpunchline.com/author/inpunchline/
    …der TRAUM; Indien würde an der Seite der Angelsachsen und Konsorten stehen, ist ausgeträumt !!..🤣😈

  10. „Wie und warum Indien zwischen Russland und den USA laviert“

    Es ist meine Überzeugung, die Positionierung Indiens – Westen oder BRICS – entscheidet über die wirkliche Stärke von BRICS. Es sind Bestrebungen im Westen, Indien wieder zurückzuholen, wie man an den immer verzweifelteren Besuchen/Kontakten sehen kann; ich möchte die WEF Schmeichelei hier besonders betonen. Der arabische Raum ist verloren, sehe erfolgreiche Annäherungen in Afrika zeigen Wirkung, und wenn nun auch Indien verloren wird, dann läuft der Westen endgültig auf die Zielgerade, die heißt „innere Zerstörung“.

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