Kriege

Wo war die Friedensbewegung in den letzten 20 Jahren?

In Berlin haben 100.000 Menschen gegen den russischen Militäreinsatz in der Ukraine demonstriert. Das ist gleichzeitig löblich und verlogen. Warum lässt sich die Friedensbewegung politisch instrumentalisieren?

Dass in Berlin 100.000 Menschen gegen den russischen Militäreinsatz demonstriert haben und Deutsche endlich wieder gegen Krieg auf die Straße gehen, ist eigentlich eine gute Nachricht, denn Kriege sind immer zu kritisieren. Allerdings wird das unglaubwürdig, wenn nicht alle Kriege gleichermaßen kritisiert werden. Daher stellt sich die Frage, wo die Friedensbewegung in den letzten 20 Jahren war, als der Westen wesentlich blutigere Kriege geführt hat (und immer noch führt), die nach amerikanischen Schätzungen zu Millionen Toten und zu 59 Millionen Flüchtlingen haben.

Jugoslawienkrieg

1999 hat die NATO Jugoslawien völkerrechtswidrig angegriffen und wochenlang bombardiert. Nach offiziellen Angaben sind dabei „nur“ 528 serbische Zivilisten getötet worden. Nach der Argumentation der NATO ist das wenig, weil damit angeblich ein Völkermord am Kosovaren mit weit mehr Opfern verhindert wurde. Das darf man bezweifeln, denn sogar die ARD hat nur wenig später in einer Reportage belegt, dass die westlichen Meldungen über einen angeblichen Völkermord von Serben an Kosovo-Albanern eine Lüge und damit reine Kriegspropaganda waren.

Was medial praktisch nie thematisiert wird, ist der Einsatz von Uranmunition durch die NATO-Bomber. Die haben weite Gebiete Serbiens und des Kosovo radioaktiv verseucht und seit dem Krieg ist die Krebsrate dort stark angestiegen. Betroffen davon sind nicht nur Serben und Kosovo-Albaner, sondern auch NATO-Soldaten, die danach dort eingesetzt waren. Im Jahr 2021 haben mehr als 2.000 Serben und Albaner deshalb eine Klage gegen die NATO eingereicht.

Die Zahl dieser zivilen Opfer des NATO-Krieges geht in die Tausende und die Krebsraten in den betroffenen Gebieten werden noch sehr lange stark erhöht sein. Man fragt sich, warum die Friedensbewegung nie ernsthaft gegen den Einsatz von Uranmunition demonstriert hat, die die USA auch in ihren anderen Kriegen einsetzt.

Afghanistan-Krieg

Zuverlässige Schätzungen über die zivilen Opfer des Afghanistan-Krieges lassen sich nur schwer finden. Die amerikanische Brown-University hat per Stand 2021 über 71.000 bestätigte Todesopfer des Krieges gezählt, wobei die wirkliche Zahl bedeutend höher sein dürfte.

Auch der Krieg gegen Afghanistan war illegal, denn es gab dafür keine Resolution des UNO-Sicherheitsrates. Die USA berufen sich auf das in den UN-Charta festgeschriebene Recht auf Selbstverteidigung nach 9/11, was die USA als afghanischen Angriff auf die USA werten. Aber diese Argumentation ist nicht überzeugend, denn an 9/11 waren keine afghanischen Bürger beteiligt und auch den Taliban, die damals in Afghanistan die Macht hatten, wird nicht vorgeworfen, an 9/11 beteiligt gewesen zu sein.

Den Taliban wird stattdessen vorgeworfen, Bin Laden in ihrem Land beherbergt zu haben, der offiziell für 9/11 verantwortlich gemacht wird. Nach dieser Argumentation hätte man auch Deutschland für 9/11 verantwortlich machen können, denn viele der von den USA als verantwortliche Attentäter bezeichneten Männer haben vorher jahrelang in Deutschland gelebt.

Irak seit 2003

Laut Schätzungen haben allein die ersten sieben Monate des auf der Lüge über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak basierenden (und gleichfalls illegalen) Krieges gegen den Irak 60.000 zivile Opfer gefordert. Die wissenschaftliche Zeitung The Lancet hat schon 2006 655.000 Tote als Folge des Krieges gemeldet. Seitdem ist das Morden im Irak weitergegangen und hat bis heute nicht aufgehört, wahrscheinlich liegt die Zahl der Toten inzwischen über einer Million.

Der illegale und mit einer Lüge herbeigeführte US-Krieg im Irak hat auch die Gründung des IS erst möglich gemacht, der den Terror im Nahen Osten weit verbreitet hat. Überhaupt kann man ganz objektiv festhalten, dass der von den USA ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ den islamistischen Terror erst in viele Länder gebracht hat. In Europa gab es vor dem „Krieg gegen den Terror“ keinen islamistischen Terrorismus, der ist danach nach Europa gekommen.

Auch damals hat die Friedensbewegung weitgehend geschlafen, an eine Demonstration gegen den US-Krieg mit 100.000 Menschen kann ich mich jedenfalls nicht erinnern.

Syrien-Krieg

Der Syrien-Krieg hat laut Schätzungen bis zu über 600.000 Tote gefordert. Viele Leser werden sich nun fragen, was die USA oder die NATO damit zu tun haben, denn der Syrien-Krieg wird im Westen als Bürgerkrieg dargestellt.

Das Problem ist, dass die westlichen Medien die wahren Ursachen für den Krieg verschweigen. Der Krieg wäre nie ausgebrochen und die über 600.000 Opfer könnten noch leben, wenn die USA die radikalen Islamisten, die gegen den syrischen Präsident Assad in den Krieg gezogen sind, nicht bewaffnet hätten. Übrigens sind diese Islamisten aus dem Irak nach Syrien eingesickert, was ohne den Irak-Krieg ab 2003 gar nicht möglich gewesen wäre.

Wer die Behauptung, die USA hätten den Syrien-Krieg mit der Bewaffnung von radikalen Islamisten erst ausgelöst, für eine böse Verschwörungstheorie hält, den muss ich enttäuschen. Das haben die USA selbst zugeben müssen, nachdem die USA die Existenz der CIA-Operation Timber Sycamore eingestehen mussten. Im Rahmen dieser (und anderer ähnlicher) Operationen haben die USA den Islamisten Waffen im Wert von über einer Milliarde Dollar geliefert, damit sie Assad stürzen.

Dass die Friedensbewegung gegen diese Aktionen der USA nicht demonstriert hat, kann man ihr nicht einmal übel nehmen, denn die deutschen Medien verheimlichen der deutschen Öffentlichkeit die Existenz von Timber Sycamore bis heute weitgehend.

Libyen ab 2011

Die Zahl der Opfer des Libyen-Krieges, den ebenfalls die NATO-Staaten ausgelöst haben, indem sie Aufständische mit Luftangriffen und Bodentruppen unterstützt und Präsiden Gaddafi gestürzt haben, ist schwer zu schätzen. Der Krieg wird in Phasen eingeteilt, für die jeweils Opferzahlen geschätzt werden. Halbwegs fundierte kumulierte Angaben über die Zahl der Opfer in Libyen seit 2011 sind kaum zu finden.

Aufgrund der Verwüstung Libyens und der Zahl der Flüchtlinge – inklusive der Flüchtlinge der Folgekriege in umliegenden Ländern wie Mail – lassen aber vermuten, dass die Opferzahlen des Libyen-Krieges ebenfalls in die hunderttausende gehen.

Auch im Falle von Libyen war die deutsche Friedensbewegung erstaunlich schweigsam, was auch daran liegen kann, dass die Medien den Fokus nicht auf den Krieg, sondern auf den bösen Diktator Gaddafi gelegt haben. Überraschend ist das Schweigen der Friedensbewegung zum Thema Libyen allerdings, weil längst klar ist, dass der Krieg einer der Gründe für die Flüchtlingskrise von 2015 ist. Das Elend, das der westliche Angriff gegen Libyen ausgelöst hat, ist also nicht nur in den Medien zu sehen, sondern ist 2015 über das Mittelmeer nach Europa gekommen und für jeden sichtbar geworden.

Aber Proteste oder gar Forderungen, die Verantwortlichen für die humanitäre Katastrophe in Libyen ab 2011 zur Verantwortung zu ziehen, gibt es bei der Friedensbewegung nicht.

Jemen-Krieg

Der Jemen-Krieg ist ein weiterer Krieg, an dem die USA aktiv teilnehmen. Dieser Krieg wird in den Medien ausgesprochen zurückhaltend behandelt und am liebsten totgeschwiegen. Daher dürfte kaum jemandem bekannt sein, dass die Zahl der Opfer von der UNO auf über 350.000 geschätzt wird.

Der Jemen-Krieg hat die Friedensbewegung jedoch nie interessiert.

Drohnenkrieg der USA

Ein weiterer, in vielen Ländern geführter Krieg, ist der sogenannte Drohnenkrieg der USA. Die New York Times hat Ende 2021 gemeldet, dass das Pentagon bei dem Krieg kaum darauf geachtet hat, zivile Opfer zu vermeiden. Die Zahl der Opfer des ebenfalls illegalen Drohnenkrieges, bei dem die US-Geheimdienste ohne Gerichtsurteil beschließen, wen sie im wahrsten Sinne des Wortes zum Abschuss freigeben, geht nach verschiedenen Schätzungen in die Tausende, wobei nach den vorliegenden Informationen die Zahl der „Kollateralschäden“ die Zahl der von den US-Geheimdiensten zum Abschuss freigegebenen Menschen übersteigt.

Laut der New York Times waren (und sind) dem Pentagon die zivilen Opfer ziemlich egal. Demnach wurden die Zahlen der zivilen Opfer künstlich nach unten korrigiert und auch wenn es klar war, dass man durch eigene Fehler Zivilisten ermordet hat, wurden weder Konsequenzen gezogen, um solche Fehler in Zukunft zu verhindern, noch wurden Verantwortliche zur Verantwortung gezogen.

US-Kriege haben 59 Millionen Flüchtlinge verursacht

Ich habe vor einiger Zeit über eine Studie der Brown-University berichtet, die im September 2020 zu dem Schluss gekommen ist, dass die US-Kriege seit 2001 folgende Folgen hatten (Hervorhebungen wie im Original):

  • Die Kriege der USA nach 9/11 haben mindestens 37 Millionen Menschen in und aus Afghanistan, Irak, Pakistan, Jemen, Somalia, Philippinen, Libyen und Syrien vertrieben. Das übertrifft die Zahl Vertriebenen aller Kriege seit 1900, mit Ausnahme des Zweiten Weltkriegs.
  • Millionen weitere wurden durch andere Konflikte nach 9/11 unter Beteiligung von US-Truppen unter anderem in Burkina Faso, Kamerun, Zentralafrika, Republik, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Mali, Niger, Saudi-Arabien und Tunesien zu Vertriebenen.
  • Die 37 Millionen sind eine sehr konservative Schätzung. Die Gesamtzahl der durch die USA nach 9/11 in Kriegen Vertriebenen könnte eher bei 48 bis 59 Millionen liegen.
  • 25,3 Millionen Menschen sind nach ihrer Vertreibung zurückgekehrt, obwohl das nicht das Trauma der Vertreibung behebt oder bedeutet, dass die Vertriebenen in ihre ursprüngliche Heimat oder in ein sicheres Leben zurückgekehrt sind.
  • Keine Zahl kann etwas über die Schäden von Vertreibung vermitteln. Die Menschen hinter den Zahlen sind nur schwer zu erkennen und Zahlen können nicht vermitteln, wie es sich anfühlen muss, sein Zuhause, sein Hab und Gut, sein soziales Umfeld und vieles mehr zu verlieren. Die Vertreibung hat Einzelpersonen, Familien, Dörfern, Städten, Regionen und ganzen Ländern nicht-zählbares physisches, soziales, emotionales und wirtschaftliches Leid zugefügt.

Das wäre doch ein Grund für die Friedensbewegung gewesen, zehntausende Menschen auf die Straßen zu rufen, um gegen die Kriege der USA zu demonstrieren, oder nicht? Aber das ist nicht geschehen.

Die Ukraine

Auch der Krieg im Donbass, der seit 2014 tobt und den Russland mit seiner Militäroperation beenden will, hat in Deutschland kaum zu Protesten gegen das Vorgehen Kiews geführt, obwohl die OSZE berichtet, das 75 Prozent der zivilen Opfer des Krieges auf das Konto der ukrainischen Armee gehen. Auch die Tatsache, dass Kiew – inzwischen unbestritten – die Umsetzung des Minsker Abkommens verweigert und so den einzigen bisher vorhandenen Friedensplan für den Donbass verhindert, hat keinerlei Proteste in Deutschland provoziert.

Auch hier gilt, dass die Rolle der Medien eine wichtige Rolle spielt, denn über diese Dinge wurde in Deutschland schlicht nicht berichtet. Wie wichtig die Rolle der Medien ist, zeigt sich bei der aktuellen russischen Militäroperation, denn die Medien kennen kein anderes Thema mehr und selbst bei der Demo in Berlin mit geschätzten 100.000 Teilnehmern hat niemand nach Abständen oder Masken gefragt. Die Ukraine hat in den Medien alle anderen Themen zur Seite gefegt.

Die Rolle der Medien

Warum haben die Medien bei all den oben genannten Kriegen nicht genauso emotional und intensiv berichtet, wie sie es jetzt tun? Die Frage ist wichtig, denn egal wie schlimm die Ereignisse in der Ukraine sich entwickeln können, mit dem, was die USA in Syrien, dem Irak oder Libyen angezettelt haben, werden die Ereignisse in der Ukraine nicht mithalten können.

Auch wenn die westlichen Medien emotional berichten und behaupten, Russland habe viele zivile Opfer auf dem Gewissen, fehlen die Belege dafür. Die Medien schreiben zwar, Russland bombardiere Wohnviertel und der russische Angriff fordere viele zivile Opfer, aber wo sind denn die Bilder von zerstörten Wohngebieten in ukrainischen Städten? Jeder kann sich die Webcams der ukrainischen Städte im Netz anschauen, von Zerstörung und Bombardierung ist da nichts zu sehen.

In den US-Kriegen konnte man schon vom ersten Tag an Bilder davon sehen, wie die USA gezielt Wohngebiete, Stromkraftwerke und Wasserwerke bombardiert haben. Aus der Ukraine gibt es dazu bisher keine einzige, von unabhängiger Seite belegte Meldung, die eine solche gezielte Bombardierung ziviler Infrastruktur bestätigen würde.

Aus Kiew werden zwar Schießereien gemeldet, aber ob die mit einem russischen Angriff zusammenhängen, wie die Ukraine behauptet, oder ob der Grund ist, dass in Kiew 20.000 Waffen an jeden ausgegeben wurden, der einen Ausweis vorlegen konnte, ja sogar an extra für die Kriegsteilnahme entlassene Sträflinge, die nun Autos ausrauben und Geschäfte plündern, wie in Russland berichtet wird, werden wir wohl erst später erfahren.

Wer wie Krieg führt

Wenn die USA einen Krieg angefangen haben, dann haben sie als erstes die Stromversorgung des Gegners ausgeschaltet, also zivile Ziele angegriffen. In den meisten ukrainischen Städten gibt es aber noch Strom, Russland geht ganz offensichtlich nach Möglichkeit nicht gegen zivile Ziele vor.

Ein russisches Vorgehen gegen zivile Ziele wäre auch unlogisch, denn – wie sogar ein Berater des ukrainischen Präsidenten vor der Presse gesagt hat – will Russland zivile Opfer vermeiden und greift keine zivilen Ziele an, weil es die Loyalität der ukrainischen Bevölkerung gewinnen will. Das waren seine Worte, nicht meine.

Wo war die Friedensbewegung in den letzten 20 Jahren?

Krieg ist immer Scheiße, keine Frage.

Aber wenn die Friedensbewegung nicht bei allen Kriegen auf die Straße geht, macht sie sich unglaubwürdig. Wenn die Friedensbewegung nicht gegen „die eigenen“ Kriege demonstriert, kostet das Menschenleben. Russland wird sich sicher nicht von Demos in Deutschland beeindrucken lassen, die deutsche Regierung hätte aber auf Kriege der USA und der NATO Einfluss nehmen und hunderttausende Tote verhindern können, wenn die Friedensbewegung bei den hier genannten Kriegen auch regelmäßig mit 100.000 Teilnehmern dagegen demonstriert und wenn die Medien genauso breit darüber berichtet hätten, wie sie es jetzt gerade tun. Dann wäre die deutsche Regierung unter Druck geraten und hätte vielleicht auf die USA einwirken können.

Man muss die Organisatoren der aktuellen Proteste der Friedensbewegung also fragen dürfen, warum sie in den letzten 20 Jahren nicht genauso aktiv zu Demos gerufen haben, wie jetzt. Geht es ihnen um Protest gegen Kriege, oder um einen Vorwand für Protest gegen Putin? Man sollte schon ehrlich sein…

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

25 Antworten

  1. Man muss sehen, wer diese Demonstration organisiert hat: Die Ampelkoalition, die Union, Gewerkschaften …
    Eine echte Friedensbewegung weiß doch, dass die genannten Organisationen zum Problem gehören, nicht zur Lösung.

    1. Es fehlt einiges.

      Griechischer Bürgerkrieg 1944 bis 1947

      1967 Putsch in Griechenland

      1973 Zypern

      Unterstützung der Frankodiktatur in Spanien

      Irischer Bürgerkrieg

      Drogenkrieg

      Das sind nur die Ereignisse in Europa die man gerne verschweigt .

    2. „Die Ampelkoalition, die Union, Gewerkschaften …
      Eine echte Friedensbewegung weiß doch, dass die genannten Organisationen zum Problem gehören, nicht zur Lösung.“

      😀 die organisieren den Zeigefinger gegen „Die Anderen“ …. das kennen wir noch von Zopfgretel aus 2019. Bei so viel Dummheit schlägt’s mir echt den Kolben aus dem Zylinder.

  2. Nun ich nehme an, die war im „Netz“.
    Nur dort findet man sich nicht, eher zerstreut man sich, und „im Netz“ ist man im Vergleich zu „auf der Straße“ ungefährdeter, aber auch ungefährlicher …

    1. „ungefährdeter, aber auch ungefährlicher …“

      Auf das ungefährlicher würde ich nicht wetten. Auch ‚Das Netz‘ ist zwar gehijacked, hat aber so seine Bubbles der Aufgeklärten, aber eben auch der Konformen und der Aluhutträger.

  3. ich frage mich, ob die Pandemie nicht die ideale Vorbereitung war, die Bevölkerung kriegsbereit zu machen. Meine erste Assoziation zu dieser Nachricht, dass 100 000 für Ukraine demonstrieren, sind die Jubelschreie zum ersten Weltkrieg gewesen. Zur Zeit zeigt sich das Dämonische ständig im Gewande erhabener Werte… Zur Friedfertigkeit gehört auch ernstahfte Information.

  4. @Smollaus

    Man konnte fast den Eindruck bekommen, da hätten 100 000 Friedensaktivisten für die 100 Milliarden Euro Rüstungsaufstockung geworben, die nur ein paar Meter weiter im Reichstagsgebäude beschlossen wurde.
    So dämlich und unreflektiert waren Friedensbewegte noch nie gewesen.
    Dazu ein Artikel der NDS: https://www.nachdenkseiten.de/?p=81305

    Moralische Entrüstung sollte immer mit der Bereitschaft verbunden sein, sich als Erstes an die eigene Nase zu packen. Alles andere ist Doppelmoral.

  5. Ich denke, dass man es der Friedensbewegung nicht unbedingt zum Vorwurf machen kann, dass sie nicht mehr über das Vorgehen der USA, des wertebasierten Westens wusste, als wir alle auch. Ich denke, jeder von uns wird seinen “Erwachungsmoment“ benennen können, zu dem er/sie feststellte, dass die Medien nicht wiedergeben, was wirklich Fakt ist. Schlimm finde ich nur, wenn eine Geschichte grundsätzlich nur einseitig erzählt wird. Und für mich steht halt fest, womit ich aber auch wenig open mind gelten dürfte, dass zum Ukraine-Konflikt/Krieg, alles nur eindimensional berichtet wird in unseren Mainstream-Medien. Und lediglich das werfe ich der Friedensbewegung vor, dass sie nicht bereit ist, beide Seiten einer Mediale anzuschauen. Wobei es in jedem Konflikt sicher mehr als zwei Seiten gibt.

    Ich frage mich in der heutigen Zeit immer, wie müsste der perfekte Staat für mich aussehen, denn allein auf irgendeiner kleinen Insel möchte ich ja auch nicht leben. Und ganz ehrlich, ich kann keine Antwort darauf geben. Darf nur mein idealisiertes Ich sprechen, würde ich mir natürlich einen Staat wünschen, der alles und jeden respektiert, für alle eine gute Grundsicherung schafft, ansonsten aber jeden und jede sein/ihr Leben leben lässt. Ist das realistisch? Ich kann es nicht beantworten. Ich möchte der Friedensbewegung nur eine Frage stellen: “Ihr geht auf die Straße, weil ihr das Vorgehen Russlands gegen die Ukraine verurteilt. Für euch ist das Krieg. Würde es aber zu einem Umdenken bei euch führen, wenn ich euch sage, der Krieg in der Ukraine ist notwendig, damit ihr weiter frei gegen Russland und den Krieg in der Ukraine demonstrieren könnt?

  6. Wo sie war? Sie stand 2014 Deutschland weit flächgendeckend auf der Straße. Sie wurde von der „alten“ Bewegung sogar bekämpft! Da ich dabei war, in forderster Front, kann ich darüber viel erzählen. Diese Demos wurden dann gespalten, in eine Links und in eine Rechtsfraktion, wobei die Letzter erfolgreich geblieben war. Daraus ging unter anderem die Pegida hervor, weil es dann zu einem politischen Themenwechel kam. Mir waren die Friedenssalbaterer in der eigenen Gruppe immer unangenehm, weil ich mehr für eine praktische Umsetzung von Frieden stand. Der Fried ist die Grenze, vernünftige Grenzen die eine durchlässige Intelligenz besitzen, sind die Basis des Lebens. Jede Zellwand funktioniert so! Krieg ist der Dualistische Konflikt, der in die Paradoxie abgeglitten ist und innerhalb des Dualismus nicht mehr zu lösen ist! Hätte der Westen gewollt, wäre der Donbass zwar unabhängig geworden doch seine Zusammearbeit mit der Ukraine hätte verstärkt werden können. Der Westen wollte aber Krieg, die USA will den Sperrriegel zwischen Russalnd und Europa.

    1. PEGIDA? Ernsthaft??
      Diese Spinner haben doch gegen die Einwanderung von Flüchtlingen (Flüchtlingspolitik) demonstriert.
      Eine richtige Friedensbewegung würde gegen die Fluchtursachen demonstrieren, also gegen die NATO Kriegsverbrechen. Und wer hat das getan? Leute die man mehr dem Linken Lager als dem Rechten zuordnen würde, Leute wie Ken Jebsen zum Beispiel die Demonstrationen vor der Ramstein Kaserne organisiert haben.
      Sarah Wangenknecht und Oskar Lafontaine waren die wenigen Politiker die von Fluchtursachen gesprochen haben, also auch Linke.

  7. Mein Nachbar kam vorgestern zu uns (ebenfalls Russlanddeutscher) und erzählte mir das er Putins Kurs nicht unterstützt. Er sei gegen Krieg und begreife nicht wie ich dafür sein kann.
    Es ist natürlich eine sehr bequeme Position „gegen den Krieg“ zu sein.
    Ich fragte ihn wo er denn die letzten acht Jahre gewesen ist als die ukrainische Armee den Donbass bombardiert hatte, dann wechselte er schnell das Thema und ging nach Hause. Seine Frau ist aus Weißrussland, musste mir schon vor einem Jahr anhören das der Lukaschenko aufjedenfall weg muss und solche wie Tichanowskaja die richtigen wären…
    Es gibt eben Leute die immer wieder die selben Fehler machen. Die NATO ist die größte Terrororganisation der Welt, gegen diese üblen und verlogenen Duckmäuser die von der USA angeführt werden braucht man keine Hetze betreiben, diese sind so schlimm das man sie mit der Wahrheit bloßstellen kann (wie es das russische Fernsehen tut). Die NATO hilft niemanden, überall wo sie gewesen sind oder immer noch sind ist es schlechter geworden.
    Die Ukraine ist komplett im @loch, mittlerweile das ärmste Land in Europa.
    Eigentlich sollten die sich darüber freuen das Russland sich endlich in Bewegung setzt und aufräumt, bald können die wieder ganz von vorne anfangen und das dann auch noch schuldenfrei.

  8. Mir ist da ein Sprichwort bekannt, woher kann ich heute nicht mehr sagen.
    „Wenn du eine Bewegung nicht kontrolieren kannst, unterwandere sie“
    So Oder so ähnlich wird das wohl in den letzten Jahren mit den Grünen, der Antifa und der Friedensbewegung passiert sein.

    1. Genau so ist es passiert!
      Wenn ich mich recht erinnere nannte es sich „Friedenswache“ – zumindest die letzte „Friedensbewegung“, die man in DE wahrnehmen konnte. Da waren auch hunderttausende unterwegs und wurden auf das Übelste – besonders in den Medien bekämpft!
      Auch da muss man wieder Ken Jebsen nennen, der damals schon gewarnt hat vor der Unterwanderung der Bewegung. Sie wurden als „Rechte“ diffamiert…so wie man es gewohnt ist inzwischen im „Wertewesten“.

      Diese Gesellschaft ist zutiefst psychisch krank gemacht & ist endgültig verloren……

  9. [Vorsicht, bitterste Ironie!] Es lebe das hedonische Fühlen, lieber Herr Verfasser! „Wir sind der GANZE Fortschritt in der Welt!“ (ganz, da passt nicht mehr viel rein, in den Karton) Da wäre „ein Loch im Karton“, eine Verunsicherung an der Selbstversicherung allerdings sehr schädlich. – Um den im Titel komprimierten Widerspruch aufzulösen, bedarf es eines Rassismus-Index (Anm.: der westl. Meinungsraum ist ja äußerst fasziniert und ‚zitier-begeistert‘, von solchen meist über Paris o. London fabrizierten Indices nach Demokratie, Korruption und Pressefreiheit). Also solch ein Rassismus-Index könnte vergleichbar machen: wieviel Aliens ist ein US-amerikanisches Wertwesen (‚human being‘) wert. Beginnen wir mal ganz unten: 1 Wertwesen = 950 Gazastreifen-Palästinenser, 650 Iraki, 600 Syrer, kommen wir weiter nach vorn: 45 ethnische Russen. Die Deutschen aus dem atlantischen Protektorat ‚rutschen hoch‘ derzeit – auch im Ranking etwa gewissermaßen ‚hoch‘ entlang des Rubel-Kurses. Sei es wegen der Nähe zur UKR oder dass wir im ‚alten Europa‘ nicht genügend parierten. So droht uns die Gefahr, „dass wir doch noch hinter den Russen landen!“ Unser Schatzkanzler Scholz interveniert ja gerade mit 100 Mrd. EUR, um meinen Kurs gegenüber dem amerikanischen Wertmenschen zu stützen. Dafür Danke, Herr Kanzler! Kolonial minderwertige Iraki, Libyer, Palästinenser bzw. Syrer – also Abu Ghraib bzw. Guantánamo – werden mich auch künftig kaum berühren. Aber ein direkter Krieg mitten in den fortschrittlichsten aller Gesellschaften, am heimischen Herde oder an Twin Towers ist sicherlich ganz was anderes und sehr sehr schrecklich „und muss jeden hier aufwecken“.

  10. „Das wäre doch ein Grund für die Friedensbewegung gewesen, zehntausende Menschen auf die Straßen zu rufen, um gegen die Kriege der USA zu demonstrieren, oder nicht? Aber das ist nicht geschehen.“

    Und ich möchte noch anmerken, dass es wenig Sinn macht in Berlin gegen die Aktionen Russlands zu demonstrieren, oder in Würzburg (ist ja mittlerweile ne grüne Hochburg). Wenn, dann muss ich das schon in Moskau oder einer anderen russischen Stadt tun.

    Man kann natürlich auch gegen die Rolle der NATO demonstrieren. Aber dann kommt schnell wieder die Maulkorbpflicht.

  11. Mit diesen orchestrierten „Friedens-Demos“ hab ich so meine Probleme.

    Ich sehe in den letzten Tagen soviele Posts, in denen mehr oder weniger offen gefordert wird, daß die NATO gegen Russland in den Krieg ziehen soll, um die „arme“ Kiewer Regierung zu unterstützen.

    Man könnte diese Demos auch so verstehen, wenn man das möchte, daß Deutschland in den Krieg eingreifen soll.

    Diese elende Hetzerei besorgt mich doch sehr. Soll Deutschland schon wieder Russland angreifen? Echt jetzt? Wir hatten geschworen: Nie wieder Krieg! Aber seit Jahren ziehen die Deutschen immer wieder in Angriffskriege.
    War es nicht so, daß die Bundeswehr nur dazu da ist, die eigenen Grenzen und die eigene Bevölkerung zu schützen?
    Von Angreifen war nie die Rede!

    War das die „“Rote Linie“ die es nicht mehr gibt, wie der korrupte Scholz sagte?

    Ich hoffe inständig, daß die Soldaten sich an ihren Eid erinnern und ihn auch verstanden haben.

  12. Wo die Friedensaktivisten waren?
    Auf den Ostermärschen, im Internet, auf Mahnwachen, bei FFF.
    Und sie verlangen doch tatsächlich ‚Frieden schaffen ohne Waffen‘, ja auch von der russischen Regierung, aber auch von allen anderen, weil sie wissen, das ist die einzige Möglichkeit.
    Das ist aber im Moment nicht der ‚MedienHype‘, das hat einfach keinen Glamour.

  13. Die Vision von einer deutschen Friedensbewegung musste im besten Deutschland aller Zeiten einfach an Bedarfsmangel versterben. Jedoch bin ich mir sicher, dass sie demnächst eine großartige Renaissance erleben wird. Nach der Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine wird nämlich Russland im Weigerungsfall, dass bekannte Friedens-Ultimatum vom Dezember 2021 anzunehmen, die NATO entmilitarisieren und entnazifizieren (technisch -mlitärische Mittel, hieß es bei der Erläuterung der Friedensvorschläge). Dabei wird kollateral auf deutschem Boden eine Vielzahl militärischer Objekte zerstört sein. Dadurch beflügelt wird die deutsche Friedensbewegung vermutlich geschlossen zum NATO-Fanclub mutieren. Glückwunsch zur späten Wiederkunft!

  14. xhttps://twitter.com/SHomburg/status/1497819828471664640

    Ich bin nicht sicher …

    1. Kann die Ampel das Zwangsabo und den Sommer-Lockdown im Windschatten des Angriffs auf die #Ukraine leichter durchdrücken?

    2. Oder wird es schwerer, da die „Pandemie“ aus den Medien verschwunden ist?

    Was meinen Sie?

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