Zerfallserscheinungen in Kiew

Der Machtkampf zwischen Selensky und Saluzhny eskaliert

Der Machtkampf in der Ukraine zwischen Präsident Selensky und Armeechef Saluzhny wird immer offener ausgetragen. Der Riss geht sogar durch Selenskys eigene Regierungspartei.

Vor einigen Tagen habe ich bereits über den Streit zwischen Präsident Selensky und Armeechef Saluzhny in Kiew berichtet, der immer offener ausgetragen wird. Inzwischen gibt es eine Fortsetzung der Geschichte.

David Arahamiya, Fraktionsvorsitzender der Pro-Präsidentenpartei „Diener des Volkes“ in der Werchowna Rada, hat in einem Interview erzählt, dass Boris Johnson bei seinem Besuch am 9. April 2022 in Kiew Selensky dazu gebracht hat, den schon ausgehandelten Frieden mit Russland abzulehnen. Das war auch Thema in der letzten Folge von Anti-Spiegel-TV, in der wir gezeigt haben, zu welchen günstigen Bedingungen Kiew damals einen Frieden hätte bekommen können. Viel mehr als einen Verzicht auf die NATO-Mitgliedschaft wollte Russland nicht, es war sogar bereit, den EU-Beitritt der Ukraine zu fördern.

Was Arahamiya mit dem Eingeständnis bezweckt hat, ist Spekulation, aber sollte der ukrainischen Öffentlichkeit bewusst werden, dass es bereits im April 2022 einen Frieden zu guten Bedingungen hätte geben können, die heute nicht mehr realistisch sind, was bedeuten würde, dass hunderttausende ukrainische Soldaten noch leben könnten, und dass es Selensky war, der das abgelehnt hat, dann dürfte es viele Ukrainer geben, die ganz und gar nicht gut auf Selensky zu sprechen sind. Das Eingeständnis von Arahamiya war also entweder dumm oder gegen Selensky gerichtet.

Die ukrainische Abgeordnete Mariana Besuglaja, ebenfalls von Selenskys Partei, forderte wegen eines „fehlenden Aktionsplans für 2024“ den Rücktritt von Armeechef Saluzhny. Wenn die militärische Führung kein Konzept für 2024 vorlegen könne und alle ihre Vorschläge zur Mobilmachung darauf hinausliefen, dass mehr Leute gebraucht würden, ohne Vorschläge für Änderungen im System der ukrainischen Streitkräfte zu machen, „dann sollte diese Führung gehen“, schrieb sie auf Telegram.

Arahamiya hatte sich einige Tage zuvor ähnlich geäußert und erklärt, es sei Sache der Armeeführung, einen Plan für die Mobilmachung und auch für die Rotation der teilweise seit anderthalb ununterbrochen kämpfenden ukrainischen Soldaten zu erarbeiten. So einen Plan gibt es jedoch nicht.

Interessanterweise verurteilte Fjodor Venyslavsky, Selenskys Vertreter in der Werchowna Rada, Besuglajas Äußerungen und erklärte, dass ihre Anwesenheit im Rada-Ausschuss für nationale Sicherheit und Verteidigung „die nationale Sicherheit der Ukraine gefährden könnte“. Da auch Venyslavsky von der Präsidentenpartei Diener des Volkes ist, wird offenbar, dass es offenbar auch innerhalb der Selensky-Partei Streit gibt.

Vor dem Hintergrund des katastrophalen Scheiterns der Gegenoffensive, der ausgelaufenen und nun fehlenden US-Finanzierung, der Ungewissheit über die Finanzierung aus der EU für 2024, der Blockade ukrainischer Lastwagen an der polnischen Grenze, der Wahlsiege von Gegnern der Hilfen für Kiew in der EU – es sei nur an die Wahlen in der Slowakei und den Niederlanden erinnert – und den anstehenden Europawahlen scheint Selenskys Team auseinanderzubrechen. Offenbar machen sich dort schon viele über die Zeit nach Selensky Gedanken und testen aus, was machbar ist, um auch nach einem Machtwechsel in der Nähe Macht und den Futtertrögen zu bleiben.

Arahamiya hat erklärt, dass es im Falle von Friedensverhandlungen mit Russland, bei denen die Ukraine zu Gebietsabtretungen gezwungen ist, seiner Meinung nach ein Referendum über diese Frage abgehalten werden solle. Wenn wir das zu seiner aktuellen Äußerung über den abgelehnten Frieden vom April 2022 hinzunehmen, dann könnte das der Versuch sein, die Verantwortung für die von ihm mit getragenen Entscheidungen, die die Ukraine in die Katastrophe Katastrophe geführt haben, allein auf Selensky abzuwälzen.

Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates der Ukraine, Alexej Danilow, gilt in Kiew als einer der mächtigsten Leute hinter den Kulissen. Er verhält sich in dem Streit in der Öffentlichkeit bisher neutral und erklärte im Gespräch mit der Times, dass die Spaltung zwischen Selensky und Sluzhny das Werk von „Putins schlafenden Spionen“ sei. Demnach „versuchen russische Agenten“, die „sogenannten Spannungen zwischen Selensky und Saluzhny auszunutzen“. Sie würden „falsche Erzählungen verbreiten, um einen Keil zwischen die politische und die militärische Führung zu treiben“.

Man kann wohl derzeit nur eines über die politische Lage in Kiew sagen: Die Lage ist vollkommen chaotisch und es ist schwer zu prognostizieren, wie es ausgeht. Aber es ist offensichtlich, dass in Kiew ein Machtkampf entbrannt ist und dass einige anscheinend vorsichtshalber schon mal versuchen, die Schuld für die hunderttausenden sinnlos gestorbenen Soldaten alleine auf Selensky zu schieben, während andere versuchen, Saluzhny kalt zu stellen.


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

17 Antworten

  1. Was für ein Machtkampf ?
    Das ist ja wohl eher eine Streitshow !
    Hier geht es um einen ehemaligen Komiker , Der geglaubt hat Er könne im richtigen Leben Präsident der Ukraine sein und das mit null Ahnung .
    Nachdem man Ihm die Spielregeln der Politik dort erklärt hat , ist der Spinner immer noch nicht aufgewacht , selbst als Er gemerkt hat was Er als Präsident für eine kleine Lampe ist , hat Er nicht hingeschmissen , sondern sich für das Hand aufhalten entschieden !
    Der kleine Spinner hatte niemals die Macht in der Ukraine , mehr wie Sprechpuppe war nicht drin !
    Jetzt wird Ihm seine Dummheit den Präsident in der Ukraine gespielt zu haben zum Verhängnis und den Sündenbock gibt es gratis dazu , Sprechpuppe hat fertig und wird entsorgt .
    Für das ahnungslose Dummvolk nennt man es dann Machtkampf und Streit , Sein Abgang muss ja medial sauber vorbereitet werden , auch dabei wieder nur Propaganda anstatt Klartext .

    1. Die Zeit wird eng, weil wenn Biden weg ist, kann Selenski ihn auch nicht mehr erpessen! Sollte Biden aber bleiben, muss er seinen Erpresser schnell loswerden. Gefährlich wäre dann aber wenn sein Nachfolger auch über das Material verfügt. Saluschni könnte einfach zu stark sein und ein Schwachkopf würde auch untergehen. Bleibt noch ein Mann, der sich gegen die USA stellt, mit Rückendeckung der Russen. Wenn die Ukrainer ihren Dreck erfahren, werden sie ihre Wut in eine neue Richtung lenken!
      http://freigeldpraktiker.de/weltenaufgang/blog/article/politik-im-untergang

  2. „Das Eingeständnis von Arahamiya war also entweder dumm oder gegen Selensky gerichtet.“
    Es gibt da noch wesentlich mehr Möglichkeiten. Eine davon wäre, dass wenn der Westen die Ukraine fallen lässt und nicht die geforderten Mengen an Geld und Waffen liefert, man in der Ukraine auch noch ganz andere Sachen aus dem Nähkästchen plaudern würde. Allerdings funktioniert solcherat Erpressung nie lange. Eher führt sie zur Beschleunigung der Entwicklung halt in diese oder jene Richtung.
    Interessant wäre, wer sich eigentlich hinter Salushny versteckt. Ich bleibe dabei, dass er tot ist…
    Das scheinbare Chaos spiegelt halt nur die weltweiten Machtkämpfe der Eliten wieder. Wäre es nur RAND und seine Strategie, dann wäre alles geordneter und einfacher. Aber so ist es halt nicht. Verschiedene Strömungen von außen unterstützen verschiedene Gruppen innerhalb der Ukraine. Das entsprechende Bild sieht man … mal schauen, wer sich durchsetzt. Selenski wird es auf Dauer nicht sein.

  3. Wollen wir hoffen und wünschen, der Machtkampf in der Todeszone, in der sich die Ukraine als Staat und Volk befindet, spült ein geistig geniales wie gutherziges und handelndes Wesen an die Spitze, die das Ruder dieser Titanic an sich nimmt, die Irren von Bord oder in die Gefängniszellen wirft und in Moskau vorstellig wird, um das Beste für den gutartigen Teil der Besatzung und alle sonstigen Insassen herauszuholen. Und Moskau ist der einzige Ort, wo das gelänge, vonstatten gehend vor aller Augen der Welt, damit niemand sagen kann, hier wurde wieder still in einem dunklen Hinterzimmer jemand über den Tisch gezogen, wie dies im „Wertewesten“ insbesondere in Mode ist.

  4. Selensky könnte einfach zurücktreten, mit der Begründung, dass er nicht mehr genug Unterstützung durch seine eigenen Leute hat. Da wäre er persönlich fein raus. Sein Nachfolger allerdings dürfte es schwerer haben: Denn es gibt weniger Geld aus dem Westen, und die Stimmung in der eigenen Bevölkerung ist von Siegesgewissheit meilenweit entfernt. Niemand glaubt mehr in der Ukraine, in Europa und sonstwo im Westen an einen Sieg der Ukraine über Russland. Der Nachfolger muss natürlich ebenso für den Westen arbeiten, nur für etwas andere Absichten. Wer bezahlt bestimmt die Musik – das bleibt auch ohne Selenski so.

  5. Ich tue mir mit dieser ganzen „Machtkampf“ Geschichte, wirklich schwer…
    Mir fällt spontan niemand ein egal wo der „da oben“ sitzt oder gesessen hat und das mit seinem Leben bezahlt hat…
    Alle werden sie gestürzt, behalten ihre Milliarden und Leben dann in Miami (wie zb Jazenyk) weiter …
    Und Selenzky hat die Band gesprengt ist binnen 5x Jahre zum mulluti Milliarderen aufgestiegen …
    Und ich kann mir nicht vorstellen das der so den Hals nicht voll bekommen das er unter Einheit seines Lebens weiter spielen will…

  6. So lange sich die Menschheit immer und immer wieder von den „Eliten“ teilen und aufeinander hetzen lässt (Teile und Hersche!!), so lange werden diese „Eliten“ diese Welt beherrschen und eine friedliche Welt bleibt ein Traum!

  7. In eigener Sache
    Könnte man künftig nicht auf Fotos von Selensky verzichten, der ist allgegenwärtig. Man könnte stattdessen eine Melone oder Weihnachtsbaum einblenden, als Sinnbild unserer Wünsche, dass der Krieg bald enden möge.

    1. Von Boris Johnson Besuch 2022 werden wir in den ÖR wohl nie etwas erfahren. Auch Putcha wird noch immer als Rus. Massaker genannt. Leute wie dieser David Arahamiya oder andere werden kaum vor der UNO aussagen.

  8. Selenzkis Tage sind gezählt. Sie werden ihn „umlegen“. Medial-Politisch, oder auch physisch. Er ist für niemanden mehr nützlich. Weder im Inland, noch im Ausland. Ganz im Gegenteil. Tot wäre er inzwischen ein sehr viel größerer Nutzen, da es für den Westen natürlich nur einen einzigen möglichen Schuldigen gäbe (Ich hoffe Putin hat noch genug Pässe, die er am Tatort verlieren kann) So könnte die USA die Mähr vom brutalen Russen aufrecht erhalten und im überwiegend dämlichen Teil der Bevölkerung den Willen der weiteren Unterstützung der Ukraine neu anfachen (in Europa).

    Es ist schon bezeichnend für den moralischen Zustand des Westens, dass Selenzki (trotz allem) in Russland sicherer wäre, als irgendwo sonst auf der Welt 😉

  9. Machtkampf oder nicht…..Egal, die Soldaten auf der ukrainischen Seite kämpfen weiter verbissen, statt sich von der Front zu verpissen.
    Das was dieser ehemalige Verhandlungsführer Arahamiya und jetzige Fraktionschef da von sich gibt hebt doch die Pattsituation an der Front nicht auf.
    Und es sind doch wohl die wenigsten der ukrainischen Soldaten Nazis, Banderistas oder wie man sie sonst noch nennen mag.
    Es ist doch wichtig, dass Russland diesen verbissen kämpfenden ukrainischen Soldaten ein Zukunftsangebot macht. Da kämpfen doch teilweise ethnisch russische Ukrainer gegen die Russen.
    Ich lese und höre nichts davon, dass die ukrainischen Soldaten en masse desertieren. Und die meisten gefangenen ukrainischen Soldaten sind dann nur Kraftfahrer, Essenausteiler, Zwangsmobilisierte etc.

    Die Militärführungsebene unterhalb von Saluzhny, also der Major und abwärts, die haben doch ganz andere Interessen im Kopf. Der Infanterist, der ohne Panzerung die russische Linie stürmen wil/soll…..

    Es ist ja bald Weihnachten und Jahreswechsel, Russland sollte wieder eine entsprechende Waffenruhe anordnen
    und dabei mal überlegen, warum die ukrainischen Soldaten zu zigtausenden in den Tod stürzen.

  10. „Ich lese und höre nichts davon, dass die ukrainischen Soldaten en masse desertieren.“
    Na dann mach Dir mal Gedanken darüber warum man Dir das medial nicht erzählen will !
    Einige ganz Wenige berichten darüber , aber Die musst Du suchen gehen !

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