Teil 9 der Artikelserie über die 90er

Der Verfall und der Wiederaufbau der russischen Armee

Hier veröffentliche ich eine Artikelserie über die 90er Jahre in Russland, weil in Deutschland viele Menschen wissen gar nicht wissen, was die 90er Jahre für Russland bedeutet haben.

Die russische Nachrichtenagentur TASS hat eine Artikelserie über die 90er Jahre in Russland veröffentlicht, die ich hier auf Deutsch veröffentlichen werde. Der Grund dafür ist, dass viele Deutsche nicht wissen, wie die 90er Jahre in Russland tatsächlich waren und wie die Menschen und das Land gelitten haben.

Hier veröffentliche ich einen Artikel über den Verfall der russischen Armee und ihren anschließenden Wiederaufbau. Es wird es täglich zwei Artikel geben, die die Zeit überbrücken sollen, während ich als Wahlbeobachter unterwegs bin und nur wenig Zeit zum Schreiben haben werde.

Russland in den 90er Jahren: die Armee am Rande des Zusammenbruchs

Der Zusammenbruch der UdSSR und die darauf folgende Krise brachten die Streitkräfte des Landes an den Rand einer Katastrophe

Unerfüllte Hoffnungen

Die tiefe Systemkrise, in der sich die Sowjetunion seit Mitte der 1980er Jahre befand, endete mit der Auflösung des Landes und dem Entstehen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Mit dem Ende der Sowjetunion verschwand auch die Sowjetarmee.

Mit dem Ausbruch der Krise wurden die objektiven Voraussetzungen für Reformen der Streitkräfte geschaffen. Die außen- und innenpolitische Landschaft veränderte sich rasch. Im Jahr 1985 wurde Michail Gorbatschow Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern verkündete der energische Reformer eine Politik des „neuen politischen Denkens“, was eine Ablehnung der Konfrontation mit den Ländern des kapitalistischen Lagers und einen Abrüstungskurs bedeutete. Im gleichen Zeitraum wurden internationale Verträge über die Verringerung der konventionellen und nuklearen Waffen unterzeichnet.

Die UdSSR rechnete nicht mehr mit einem Großangriff durch eine Koalition westlicher Länder. Daher konnte die Militärdoktrin nun ausschließlich defensiv ausgerichtet sein. Gleichzeitig wurde es notwendig, die Konzepte für den Einsatz der Streitkräfte der Verbündeten des Warschauer Paktes zu überarbeiten. Das 1987 in Berlin vom Politischen Konsultativausschuss der Alliierten verabschiedete Dokument zeigte die Bereitschaft, den Warschauer Pakt bei gleichzeitiger Auflösung des NATO-Blocks zu beenden. Doch in den osteuropäischen Ländern bahnten sich bereits Veränderungen an; 1990, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, trat die DDR, in der die UdSSR zu diesem Zeitpunkt eine Truppengruppe von über 300.000 Soldaten, 7.700 Panzern und operativ-taktische Raketen unterhielt, aus dem Vertrag aus.

Der Warschauer Pakt hörte 1991 auf zu existieren, als die Teilnehmer die Budapester Erklärung veröffentlichten. „Sie bezieht sich sowohl auf die Charta von Paris, die ‚eine neue Ära der Demokratie, des Friedens und der Einheit in Europa‘ proklamierte, als auch auf die Grundsätze der Helsinki-Akte, auf den ‚Übergang von blockbasierten zu gesamteuropäischen Sicherheitsstrukturen‘ und auf die Tatsache, dass ‚die Länder Europas sich von dem Erbe der Vergangenheit befreien, das mit der Ära der Konfrontation und der Teilung des Kontinents verbunden ist'“, schrieb Alexej Gromyko, Direktor des Europa-Instituts an der Russischen Akademie der Wissenschaften. „Betrachtet man die weitere Geschichte, so stellt sich heraus, dass nur die Länder des Warschauer Paktes versuchten, sich von dem schlechten Erbe zu befreien und an die Idee der gesamteuropäischen Sicherheit glaubten. Doch auch sie selbst, mit Ausnahme Russlands, warfen all diese gut gemeinten Slogans schließlich auf den Müllhaufen und traten dem einzigen Militärblock bei, der aus der Zeit des Kalten Krieges übrig geblieben war – der NATO“.

Rückzug auf unvorbereitete Positionen

Angesichts der veränderten geopolitischen Lage Ende der 1980er Jahre beschloss die Sowjetunion, ihre Streitkräfte erheblich zu reduzieren, ihr Militärkontingent aus Afghanistan abzuziehen sowie Truppen und taktische Nuklearwaffen aus den Gebieten der verbündeten Länder abzuziehen.

Ende 1991 zählte die sowjetische Armee 3,7 bis 3,8 Millionen Mann, ohne das zivile Personal. Als der russische Präsident Boris Jelzin im Mai 1992 den Erlass „Über die Aufstellung der Streitkräfte der Russischen Föderation“ unterzeichnete, wurde die Armee bereits auf 2,5-2,8 Millionen Mann geschätzt. Der Erlass sah eine weitere „Reduzierung der Zahl und der Kampfzusammensetzung der Streitkräfte der Russischen Föderation sowie der Unterhaltskosten unter Berücksichtigung eines schrittweisen Übergangs zu einer Berufsarmee“ vor. Gleichzeitig sollte das Verteidigungsministerium Maßnahmen für den sozialen und rechtlichen Schutz der entlassenen Militärangehörigen entwickeln.

„Zunächst lief die Militärreform im Wesentlichen auf eine einfache Reduzierung der Streitkräfte der UdSSR und insbesondere der Bodentruppen hinaus“, heißt es auf der Website des russischen Verteidigungsministeriums. „So wurde ihr Personal beispielsweise von 1989 bis 1997 um mehr als 1.100.000 Soldaten reduziert“.

Der Mitte der 1990er Jahre begonnene Übergang zu einer Berufssarmee wurde durch das Fehlen einer soliden finanziellen und wirtschaftlichen Grundlage für derartige Umgestaltungen verlangsamt.


Wirtschaft vs. Armee

Eines der Hauptprobleme, unter denen die Armee zu leiden hatte, war die schwierige wirtschaftliche Lage in Russland: die Politik der „Schocktherapie“, die Hyperinflation und der Rückgang des BIP des Landes um 14,5 Prozent allein im Jahr 1992 (insgesamt sank das Bruttoinlandsprodukt in der Russischen Föderation in den 90er Jahren um etwa die Hälfte des Wertes von 1991). Infolgedessen wurden nicht nur die Forderungen des Verteidigungsministeriums nicht erfüllt, sondern auch die im föderalen Haushalt hinterlegten Beträge nicht vollständig genutzt. So wurden beispielsweise 1994 nur 45 Prozent des Bedarfs des Verteidigungsministeriums im Haushalt genehmigt, während 30 Prozent finanziert wurden. Die Höhe der Mittelzuweisungen für die Landesverteidigung ging im Laufe des Jahrzehnts zurück und betrug 1998 nur noch ein Drittel des Niveaus von 1992 (in Preisen von 1992). Die Situation wurde durch den Zahlungsausfall von 1998 noch verschärft: Zu diesem Zeitpunkt erreichte die Auslandsverschuldung des Landes 40 Prozent des BIP, 30 Prozent der Ausgaben des Bundeshaushalts wurden für den Schuldendienst aufgewendet, und die jährliche Inflation betrug 84 Prozent.


Der rasche Rückzug aus den ehemaligen Verbündeten des Warschauer Paktes war mit vielen Problemen verbunden. Der Militärexperte, Oberst a.D. Wiktor Litowkin, vertrat die Meinung, dass keine andere Armee der Welt jemals eine so gewaltige Aufgabe in kürzester Zeit bewältigt habe. In dreieinhalb Jahren sollten allein aus Deutschland 5.000 Panzer, 10.000 gepanzerte Fahrzeuge und 2,5 Millionen Tonnen Fracht abgezogen werden. „Es muss betont werden, dass das zu einer Zeit geschah, als die Sowjetunion zusammengebrochen war, als nicht nur die Verbindungen zwischen den Republiken, sondern auch zwischen den Bahnhöfen unterbrochen waren, als es keine Zollposten gab, als überall, auch an den Grenzen, Chaos herrschte“, schrieb Litowkin.

Als die Sowjetunion Deutschland verließ, hinterließ sie eine entwickelte Infrastruktur, die neben Kasernen, Militärparks und Militärlagern auch Wohnstädte von europäischer Qualität, Handelsnetze, Krankenhäuser, Schulen, Pionierlager, Sanatorien, Fernsehzentren, Offiziershäuser, Heizungshäuser und andere Einrichtungen umfasste – 21.000 Gebäude in 777 Städten mit einem Gesamtwert von bis zu 28 Milliarden Dollar.

Helmut Kohl, Bundeskanzler der BRD, erinnerte daran, dass die Sowjetunion „hundert Milliarden“ für geopolitische Zugeständnisse in Bezug auf Ostdeutschland hätte verlangen können, aber die beiden deutschen Staaten haben sich „für den Preis eines Brötchens“ wiedervereinigt.

„Der Abzug der Truppen aus Osteuropa und ihre Verlegung auf russisches Territorium war eindeutig schlecht durchdacht“, so Nikolaj Makarow, ehemaliger Generalstabschef der russischen Streitkräfte, in seinem Buch „Armee an der Bruchlinie“. „Menschen und Ausrüstung wurden abgezogen, neue Garnisonen wurden auf dem freien Feld errichtet, und der Bau von Militärlagern begann. Fünf Jahre später kam jedoch die Anweisung, die Einheit aufzulösen. Man hat es geschafft, eine Menge finanzieller Mittel in den Aufbau der Truppen und die Schaffung der entsprechenden Infrastruktur zu investieren – und alles war umsonst.“ Makarow stellte fest, dass die aufgelösten Einheiten die kampfbereitesten waren, was die Verteidigungsfähigkeit des Landes beeinträchtigte.

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurde die ehemals einheitliche Armee auf die ehemaligen Sowjetrepubliken aufgeteilt, die damit ausgerüstete Militärlager, Bildungseinrichtungen, Flugplätze, Lagerhäuser, Stützpunkte, Ausrüstung, Waffen und Munition erhielten. Auf ihrer Grundlage schufen die neu gebildeten Staaten nationale Streitkräfte.

Ein weiteres Problem war das plötzliche Auftauchen neuer, nuklear bewaffneter Staaten im postsowjetischen Raum. Am 1. Januar 1992 verfügte Russland auf seinem Territorium nur noch über 73 Prozent der Abschussrampen der Strategischen Raketentruppen der UdSSR. Die Ukraine erbte von der Sowjetunion 176 Silo-Raketenwerfer, und was die Anzahl der nuklearen Sprengköpfe anbelangt, wurde das Land innerhalb seiner neuen Grenzen zum drittgrößten der Welt nach den USA und Russland. Die Strategischen Raketentruppen waren auch in Weißrussland und Kasachstan stationiert. Nach schwierigen Verhandlungen wurden die Atomwaffen in die Russische Föderation verlegt.

Die eigentliche Schlacht entbrannte um die Schwarzmeerflotte, die die Ukraine nach ihrer Unabhängigkeitserklärung (noch vor der Unterzeichnung der Belowescher Vereinbarungen) als ihr Eigentum betrachtete. Der entsprechende Erlass wurde am 5. April 1992 vom ukrainischen Präsidenten Leonid Krawtschjuk unterzeichnet und klang wie ein Ultimatum: Die ehemalige Schwarzmeerflotte der UdSSR-Marine wurde Kiew überlassen, und die ukrainische Marine wurde auf ihrer Grundlage gegründet. Zuvor hatte Krawtschjuk ein Dokument unterzeichnet, in dem die Schwarzmeerflotte als Teil der strategischen Streitkräfte der GUS anerkannt wurde. Zwei Tage später erließ der russische Präsident Boris Jelzin einen gegenteiligen Erlass: Die Schwarzmeerflotte gehörte nun zu Russland. Die Länder nahmen Verhandlungen auf, die durch einseitige Aktionen der Ukraine erschwert wurden. So leistete beispielsweise im März 1992 ein Teil der Besatzung des modernen U-Boots B-871 „Alrossa“ den ukrainischen Eid. Die geplante Beschlagnahmung wurde von zwei Matrosen vereitelt, die sich im Batterieraum einschlossen und ankündigten, das Schiff in die Luft zu sprengen, wenn sie keine Verbindung mit dem Kommandanten erhielten. Im April 1994 beschlagnahmte die ukrainische Seite die 318. Division der Reserveschiffe der Schwarzmeerflotte in Odessa. Gleichzeitig degenerierte die Flotte, und die Matrosen wussten nicht, welchem Staat sie dienten. Erst 1997 konnten sich die Parteien über das Schicksal der Schwarzmeerflotte einigen.


Der widerspenstige Flugzeugträger

In Nikolajew befand sich die Schwarzmeerwerft, deren erste Werft unter Katharina der Großen gegründet wurde. Während der Sowjetzeit wurden dort alle sowjetischen Flugzeugträger gebaut. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine befand sich der schwere Flugzeugträger „Admiral der Sowjetflotte Kuznetsow“, der bereits der Nordflotte zugeteilt war und vor der Küste der Krim getestet wurde, im Schwarzen Meer. Im November 1991 sandte der damalige Vorsitzende der Werchowna Rada, Leonid Krawtschjuk, ein Telegramm an den Kommandanten des Schiffes, in dem er die Admiral Kusnetsow zum Eigentum der Ukraine erklärte und anordnete, dass sie auf der Reede von Sewastopol bleiben sollte. Am 1. Dezember traf Vizeadmiral Jury Ustimenko, stellvertretender Befehlshaber der Nordflotte, auf dem Schiff ein und befahl ihm, den Anker zu lichten und in die Meerenge des Schwarzen Meeres zu fahren. Gleichzeitig blieb ein Teil der Besatzung und der Luftflotte an der Küste. Man ging davon aus, dass die Matrosen den künftigen Einsatzort auf dem Landweg erreichen würden und die Flugzeuge „von alleine“ ankommen würden. Im Morgengrauen des nächsten Tages erreichte der riesige Kreuzer mit einer Verdrängung von 55.000 Tonnen den Bosporus. Es gab keine Erlaubnis für die Durchfahrt durch die Meerenge, aber auch kein kategorisches Verbot. Daher legte die türkische Seite keine Hindernisse in den Weg. Die Passage zum Polarkreis dauerte 27 Tage, die Seeleute wurden wie Helden empfangen. Später wurde der Kreuzer mehrfach modernisiert, sein Luftgeschwader flog Angriffe auf Terroristen in Syrien und führte 2016-2017 420 Kampfeinsätze durch. Im Jahr 2021 wurde die Schwarzmeerwerft, die an die Ukraine abgetreten und zuvor für bankrott erklärt worden war, liquidiert.


Wiktor Litowkin wies darauf hin, dass sich während des Abzugs der russischen Truppen aus dem Gebiet der ehemaligen DDR in den Medien eine regelrechte Anti-Armee-Propaganda entwickelte. „Es gab Geschichten über Schikanen, über ‚Datschen von Generälen, in denen Wehrpflichtige arbeiten‘, über ‚Korruption in der Armee‘, die es in der Gesellschaft nicht zu geben schien und nur in der Truppe existierte“, schrieb der Oberst a.D. und fügte hinzu, dass die Soldaten keine sechs Monatsgehälter, keine gesetzlich vorgeschriebenen Wohnungen und keine Abfindungen für diejenigen erhielten, die aus der Reserve ausschieden. „Wenn man sich das vor Augen führt, wird klar, warum die Armee sich zu zerstreuen und zu reduzieren begann“, erinnerte sich der Experte.

„In den zentralen Regionen des Landes gab es für die Ehefrau eine Möglichkeit, einen Job zu bekommen. Unter den Bedingungen, unter denen Offiziere monatelang nicht bezahlt wurden, lebten viele Offiziersfamilien nur von der Arbeit ihrer Ehefrauen. Es ist allgemein bekannt, dass eine Reinigungskraft in einem Geschäft oder einer Bank in jenen Jahren mehr verdiente als ein Offizier“, erinnert sich Nikolaj Makarow an die 1990er Jahre.

„Sie haben der Armee die Seele geraubt“

1988 trat der INF-Vertrag in Kraft, was eine Reduzierung der strategischen Raketentruppen zur Folge hatte. Die Sowjets begannen mit der Zerstörung von Raketensystemen, einschließlich des neuesten operativ-taktischen Oka-Komplexes, der formal nicht unter den Vertrag fiel, aber die sowjetische politische Führung beschloss, dies freiwillig zu tun.

„Nach der erfolgreichen Durchführung der ersten Serie von Starts von Pionier-Raketen [zu ihrer Entsorgung] in Transbaikalien kehrte ich mit gemischten Gefühlen nach Moskau zurück“, erinnert sich Generaloberst Georgy Malinowsky, stellvertretender Chef der russischen strategischen Raketentruppen für Operationen. „Einerseits freute ich mich über die hohe Zuverlässigkeit unserer Raketen, andererseits schämte ich mich für meinen Staat, der seine Macht leichtfertig aufs Spiel setzt. Der Beifall der amerikanischen Inspektoren schmerzt mein militärisches Ego noch immer. Mein ganzes bewusstes Leben lang habe ich daran gearbeitet, die Kampfbereitschaft der Streitkräfte zu stärken. Und jetzt werden meine Erfahrung und mein Wissen dazu benutzt, diese Macht zu schwächen, zu beseitigen. Ich konnte nicht mehr dienen und habe unter Verweis auf mein Alter einen Bericht mit der Bitte geschrieben, mich in den Ruhestand zu entlassen.“

„Unter den aus Deutschland abgezogenen Militäreinheiten waren 139 Gardeeinheiten, 127 trugen Ehrentitel, 214 wurden mit den höchsten Auszeichnungen des Vaterlandes bedacht“, erinnerte sich Wiktor Litowkin. „Bis zu dem Zeitpunkt, als die Leitung des Verteidigungsministeriums von Sergej Schoigu übernommen wurde, war niemandem klar, dass diese Ehrentitel, Fahnen und Orden zusammen mit den ruhmreichen Kampftraditionen feierlich an die Militäreinheiten in den europäischen und östlichen Teilen Russlands übergeben werden könnten, die keine hatten. <…> Es ist wahrscheinlich für einige Zivilisten schwer zu verstehen, aber sie haben der Armee die Seele geraubt. Denn für einen echten Offizier und Soldaten gibt es nichts Heiligeres als den Stolz auf seine verherrlichte Einheit, die Bereitschaft, sich des Ruhmes und der Leistung seiner Kameraden würdig zu erweisen…“

Trotz aller Probleme führten russische Soldaten weiterhin ehrenhaft friedenserhaltende Missionen sowohl im postsowjetischen Raum als auch außerhalb der ehemaligen Sowjetunion durch. Aufgrund der Unterbesetzung der Einheiten wurden während der Operation zur Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung in Tschetschenien 1994-1996 kombinierte Einheiten eingesetzt, die aus den kampfbereitesten Einheiten rekrutiert wurden.

„Anfang der 2000er Jahre hatten die Streitkräfte in ihrer Entwicklung einen kritischen Punkt erreicht, über den hinaus die Gefahr des drohenden Zusammenbruchs sichtbar war“, schrieb Nikolaj Makarow. „Das konstruktive Potenzial des sowjetischen Erbes war faktisch erschöpft, was blieb, waren vor allem Probleme, die wie ein Schneeball wuchsen und wie eine Lawine drohten, uns zu überrollen. Entscheidende Veränderungen waren nötig. Wir mussten handeln.“

Eine neue Seite der Geschichte

In den 2000er Jahren begann sich die Situation zum Besseren zu wenden. Dank der Wirtschaftsreformen stabilisierte sich die finanzielle Lage des Landes, und die Streitkräfte begannen eine umfassende Umgestaltung. Die Anti-Terror-Operation in Tschetschenien, mit der Wladimir Putin im Jahr 2000 die Macht im Land übernahm, endete mit dem Sieg der föderalen Streitkräfte. Im April 2000 wurde die Militärdoktrin Russlands – die erste, die veröffentlicht wurde – angenommen. Darin wurden mögliche Gebietsansprüche von Nachbarn, die Einmischung in innere Angelegenheiten, Versuche, Russlands Interessen in internationalen Sicherheitsfragen zu ignorieren oder zu verletzen, die Ausdehnung von Militärblöcken, die Konzentration von Militärverbänden in der Nähe der Landesgrenzen und viele andere negative Trends, die sich in den folgenden Jahren noch verstärkten, als externe Bedrohungen für das Land bezeichnet.

Infolge der Armeereform hat sich die Struktur der Streitkräfte seit 2008 verändert (die Zahl der Armeen und Divisionen wurde reduziert, der Übergang zu Militärbrigaden wurde vollzogen, was die Entscheidungskette verkürzt hat). Die Armee, die Luftwaffe und die Marine wurden allmählich mit der neuesten Ausrüstung ausgestattet. Der Anteil moderner Waffen hat sich allein bei den Bodentruppen von 2012 bis 2020 vervierfacht, bei den strategischen Raketentruppen liegt dieser Indikator nun bei 88 Prozent.

Die Dauer des Wehrdienstes wurde von zwei Jahren auf anderthalb und später auf ein Jahr verkürzt.

Bereits Ende Februar 2000, weniger als zwei Monate nach seinem Amtsantritt als amtierender Präsident Russlands, nannte Wladimir Putin auf einer Tagung über die soziale Sicherheit der Soldaten deren soziale Probleme landesweit. „Jetzt bauen wir eine neue Armee auf. Verteidigungsminister Igor Sergejew, der Generalstab, die Spitzen der Streitkräfte und ich haben viel Zeit auf die Erörterung dieser Frage verwendet. Aber im Mittelpunkt dieses Problems muss natürlich der Mensch stehen – der Soldat, der Offizier, der General“, sagte er. Gemäß einer Reihe von Beschlüssen aus dem Jahr 2011 haben sich die Gehälter der Soldaten im Durchschnitt verdreifacht und werden weiterhin regelmäßig indexiert. Die Militärrenten wurden überarbeitet: 2012 stiegen sie im Durchschnitt um das 1,6-fache und übertrafen damit die durchschnittlichen Arbeitsrenten um 40 Prozent. Zwischen 2009 und 2011 erhielten 132.000 Militärfamilien eine Eigentumswohnung.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

12 Antworten

  1. Dazu ein interessanter Artikel über die belorussische Armeereform. Lukaschenko war Russland in dieser Hinsicht bereits weit voraus: Weisrussland hat seine Armee im Gegensatz zu Russland und anderen GUS Ländern nach dem Ende der Sowjetunion sofort modernisiert bzw. auf ein effizientes Maß verkleinert. Somit wurde eine gut funktionierende und schlagkräftige Truppe aufgebaut.
    Auch die als „Dedowtschina“ bekannten Mißhandlungen von Rekruten gab es in Weissrussland nicht.

    Teil 2: Die belorussische Armeereform

    Es gehört zum Job eines Verteidigungsministers, sein Ressort und die Truppen, die er führt, in der Öffentlichkeit zu preisen. Generaloberst Leonid Malzew aus Belarus macht da keine Ausnahme. Trotzdem dürfte das Interview, das er am 1. März diesen Jahres der zentralen russischen Armeezeitung Krasnaja Swesda gab, nicht nur seinem Moskauer Amtskollegen Sergej Iwanow verdeutlicht haben, daß der Nachbar offensichtlich das einzige postsowjetische Land ist, in dem eine Militärreform nicht nur auf dem Papier vorgesehen ist.

    Für Eingeweihte ist es schon lange kein Geheimnis mehr, daß der bislang treueste Verbündete der Russischen Föderation und das aktive Mitglied des »Vertrages über die kollektive Sicherheit« [1] von der Öffentlichkeit fast unbemerkt vollbringt, wovon in Rußland meist nur geredet wird: Die Schaffung von Streitkräften, die den politischen, wirtschaftlichen und ökonomischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts – jedenfalls nach Minsker Verständnis – gewachsen sein sollen. Bemerkenswerterweise übernahmen die Belorussen vom sowjetischen Erbe nur, was in ihre Konzeption paßte und ahmten auch die westlichen Streitkräfte nicht nach. Die chaotische und bislang weitgehend erfolglose Militärreform in Rußland (von den anderen postsowjetischen Staaten ganz zu schweigen) mag den Akteuren in Minsk immer als warnendes Beispiel vor Augen gestanden haben.

    Gewaltiges Waffenarsenal

    Als der Oberste Sowjet der Belorussischen Sozialistischen Sowjetrepublik am 25. August 1991, nach dem »Augustputsch« in Moskau, die staatliche Souveränität beschloß und das Land sich ab dem 19. September 1991 Republik Belarus nannte, befand sich dort im belorussischen Militärbezirk eine der gewaltigsten Truppenkonzentrationen der Welt. Diese Einheiten bildeten einen Hauptteil der zweiten Staffel der strategischen Verteidigung. In Insiderkreisen sprach man auch vom »gepanzerten Militärbezirk«, und das war keineswegs eine Übertreibung. Zu ihm gehörten unter anderem die 5. Gardepanzerarmee, die 7. Panzerarmee, die 28. Armee, ein Großteil der 2. Luftabwehrarmee und die 28. Luftarmee. Am 17. Juli 1992 dienten in der am 20. März 1992 [2] gegründeten Armee von Belarus immer noch über 170 000 Soldaten und Zivilbeschäftigte. Man besaß ein unglaubliches Waffenarsenal: 3 457 Panzer, 3 824 Schützenpanzer, 1 562 Artilleriesysteme, 390 Kampfflugzeuge, 79 Kampfhubschrauber.

    Anders als in den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken verlief der Prozeß des Militärumbaus, der zunächst vor allem ein Abbau war, relativ geordnet, transparent und unspektakulär. Im November 1992 wurden mit dem »Gesetz über die Verteidigung« und dem »Gesetz über die Allgemeine Wehrpflicht« weitere wichtige rechtliche Grundlagen geschaffen.

    Die Impulse zum Militärumbau gingen zu Beginn der 1990er Jahre jedoch weniger von der politischen und militärischen Führung des Landes aus – sie kamen vielmehr von außen, wie etwa aus dem »Vertrag über die konventionelle Bewaffnung in Europa«, der 1992 den Umfang der konventionellen Bewaffnung der Nachfolgestaaten der UdSSR reglementierte. Danach wurden Belarus als Obergrenze 1 800 Panzer, 2 600 gepanzerte Fahrzeuge, 1 615 Geschütze, 260 Kampfflugzeuge und 80 Kampfhubschrauber zugestanden. Diese Obergrenze wurde Anfang 1996 erreicht. Nach zwei großen Kampagnen der Auflösung von Truppenteilen und der Verschrottung von Militärtechnik zählten die dortigen Truppen 1997 schließlich noch 83 000 Mann. Die vormals auf dem Staatsgebiet vorhandenen Kernwaffen und deren Einsatzmittel überführte man bis 1996 vollständig nach Rußland; Belarus ist seither kernwaffenfrei. Erst nach 1995 traten immer stärker originelle Züge und Eigenheiten einer spezifisch belorussischen Militärreform zutage, zunächst vor allem in den Organisationsstrukturen.

    Die Allgemeinen und Panzerarmeen wurden aufgelöst und in das 28. und 65. Armeekorps umgewandelt. 2001 bildeten diese schließlich den Kern der neu geschaffenen Westlichen und Nordwestlichen Operativen Kommandos. Seit Dezember 2001 besteht die Armee aus zwei Teilstreitkräften, den Landstreitkräften und den Truppen der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung. Gegenwärtig zählen diese 65 000 Angehörige (davon 15 000 Zivilangestellte), 1 778 Panzer, 2 513 Schützenpanzer, 1 515 Artilleriesysteme, 152 Kampfjets und 44 Kampfhubschrauber. Ein großer Teil der Technik und Bewaffnung ist allerdings nicht im Einsatz, sondern langfristig konserviert.

    Auffällig sind die geringen belorussischen Militärausgaben von bisher nur etwa 1,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Rußland wendet dafür 3,06 Prozent auf. Von den postsowjetischen Staaten hat nur Turkmenistan mit 0,6 Prozent niedrigere Militärausgaben als Belarus (Stand 2005). Allerdings sollen die Mittel für die belorussischen Truppen künftig jährlich um etwa 0,1 Prozent des BIP steigen. Weil das belorussische BIP in den letzen fünf Jahren zwischen 3,4 (1999) und elf Prozent (2004) zulegte, wachsen die Militärausgaben jedoch stärker, als es zunächst erscheint. Allerdings liegt die Wirtschaftskraft von Belarus, nicht zuletzt infolge des rasanten Niederganges in den ersten Jahren nach 1991, noch unter dem europäischen Durchschnitt.

    Auf den ersten Blick haben wir es also mit einer kleinen Armee zu tun, deren Kernausrüstung dem Stand von vor 30 Jahren entspricht. Was ist es also, das russische Militärs, die wohl besten ausländischen Kenner der Streitmacht von Belarus, immer wieder mit Hochachtung, ja Bewunderung von ihren westlichen Waffenbrüdern berichten läßt?

    Die Ursache dafür liegt offensichtlich nicht (nur) in der materiellen Ausstattung und Struktur der belorussischen Armee. Es sind auch deren Akzeptanz bei der Bevölkerung, die soziale Lage der Militärangehörigen, das System der personellen Auffüllung und der Ausbildung, die Leistungen des »kleinen Bruders« bei den gemeinsamen Übungen, die viele russische Soldaten nachdenklich stimmen. Wenn es um die Militärpolitik geht, müssen sich russische Politiker daher zu Hause auch den Vergleich mit ihren belorussischen Amtskollegen gefallen lassen.

    Auch denjenigen, die mit der hoch überlegenen Militärmacht der NATO immer weiter an Rußlands Grenzen heranrücken und dabei vorgeben, nichts Böses im Schilde zu führen, ist die Militärpolitik von Belarus und dessen Kooperation mit Rußland ein Dorn im Auge. Noch immer wird eine »Gefahr aus dem Osten« suggeriert, obwohl diese nicht einmal von Rußland ausgeht, vom militärischen Zwerg Belarus ganz zu schweigen. Warum also blicken manche Militärs und Politiker im Westen mit Argwohn und voller Unruhe auf Belorußland und dessen Armee?

    Gesellschaftliche Akzeptanz

    Zunächst fällt eine außergewöhnlich positive Einstellung der weißrussischen Bevölkerung zu ihren Streitkräften ins Auge. Das ist einerseits historisch bedingt: Für die meisten Belorussen ist der Sieg der Sowjetarmee gegen die faschistischen Okkupanten nach wie vor ein wertvolles und behütenswertes historisches Erbe.

    Darüber hinaus hat die belorussische Führung seit über zehn Jahren, im Gegensatz zu Rußland, weitgehend verhindern können, daß die Armee in politische Fraktionskämpfe verwickelt oder an den gesellschaftlichen Rand gedrängt wird. In Belarus wurden nicht nur Ärzte und Lehrer, sondern auch Soldaten und Offiziere – anders als beim östlichen Nachbarn – selbst in den 1990er Jahren regelmäßig und vergleichsweise gut bezahlt. Die Gehälter der weißrussischen Militärs lagen etwa 25 Prozent über denen ihrer russischen Kollegen. Der »Mann mit dem Gewehr« wurde in Belarus der Gesellschaft nicht als Bettler vorgeführt, die Armee nicht pauschal als Lumpen- und Diebesgesindel verunglimpft, wie es in vielen postsowjetischen Staaten häufig der Fall war und ist.

    Nicht weniger bedeutsam ist, daß die Kompetenzen in Minsk klar abgegrenzt sind. Das Verteidigungsministerium hat die politischen Vorgaben von Präsident und Parlament umzusetzen, und der Generalstab ist diesem nachgeordnet, fungiert als operatives Führungsorgan und hat das Zusammenwirken mit anderen Staatsorganen zu koordinieren. Während sich in Rußland Verteidigungsministerium und Generalstab mitunter erbittert bekriegen und gegenseitig blockieren, um dann wieder gemeinsam die egoistischen Gruppeninteressen der mehrtausendköpfigen Generalität beider Institutionen durchzusetzen, ist Derartiges aus Belarus nicht bekannt.

    Weder dem Verteidigungsminister Generaloberst Leonid Malzew noch dessen erstem Stellvertreter, Generalstabschef Sergej Gurulew, käme es wohl in den Sinn, gegen das Primat der Politik öffentlich zu opponieren, wie es sich ihre ehemaligen Kameraden der Sowjetarmee und jetzigen Spitzenmilitärs der russischen Armee immer wieder herausnehmen. Das mag teilweise auf den autoritären Führungsstil des Präsidenten Lukaschenko zurückzuführen sein, letzteres reicht aber zur Erklärung bei weitem nicht aus. Belarus hatte 1992 einfach das Glück, weder den UdSSR-Generalstab noch das sowjetische Verteidigungsministerium mit dessen aufgeblähtem Bürokratenapparat zu erben. Die Generale des belorussischen Rotbanner-Militärbezirkes, aus denen sich die jetzige Führung der Armee von Belarus vorrangig rekrutiert, waren im Gegensatz zu vielen »Lamettaträgern« in der Moskauer Zentrale erprobte Truppenführer und hatten ihr Handwerk von der Pike auf gelernt.

    Reine Verteidigungsarmee

    Aber auch im Hinblick auf die militärpolitischen Grundsatzkonzeptionen überrascht Belarus. Besonders der Krieg der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien 1999, aber auch die Vorbereitung und Durchführung des Irak-Krieges haben in Belarus das konzeptionelle militärtheoretische und -politische Denken geprägt und die Formulierung einer eigenständigen Militärpolitik sichtlich beschleunigt.

    Am 12. Dezember 2001 wurde die neue Militärdoktrin von Belarus vom Parlament angenommen, nachdem dort vorher bereits die »Konzeption der nationalen Sicherheit der Republik Belarus« erneuert und vom Präsidenten abgesegnet worden war. Im November 2001 unterschrieb Lukaschenko die »Konzeption des Aufbaus der Streitkräfte der Republik Belarus bis 2010« und weitere Vorgaben für die Streitkräfte. Schaut man sich diese und die nachfolgenden Grundsatzdokumente an, dann ist unstrittig, daß es sich hier um reine Verteidigungskonzeptionen handelt. Kampfeinsätze außerhalb des eigenen Territoriums sind nicht gestattet. Im Bündnis mit der Kernwaffenmacht Rußland sieht man die Garantie dafür, daß auch vielfach überlegene Staaten und Staatengruppierungen wie die NATO eine militärische Aktion gegen Belarus als aussichtslos beurteilen müssen. Die militärische Allianz mit Rußland ist ein wichtiger Kernpunkt der Sicherheitspolitik der jetzigen Minsker Regierung, während Teile der rechten Opposition eine Annäherung an die NATO bevorzugen. Die Republik Belarus bekennt sich nachdrücklich zum Völkerrecht und zur Rolle der UNO bei der Regelung strittiger Fragen. Dabei werden die Machtverhältnisse in den internationalen Organisationen realistisch bewertet.

    Neuartiges Milizsystem

    Erwähnenswert sind das System der Auffüllung und Ausbildung der Streitkräfte von Belarus sowie ein völlig neuartiger Reservistendienst. Dieser wurde erstmalig 2004 erprobt. 820 Reservisten leisteten parallel zu ihrer zivilen Tätigkeit ihren Wehrdienst. In diesem Jahr sollen schon 3 000 Soldaten die neue Dienstart absolvieren. Vieles deutet darauf hin, daß Belarus ein bisher beispielloses Kader-Territorial-Milizprinzip für seine Armee erprobt. Belarus hat die allgemeine Wehrpflicht für alle männlichen Bürger im Alter von 18 bis 27 Jahren und will dieses Prinzip auch künftig beibehalten. Der Wehrdienst in Belarus dauert 18 Monate. Die Wehrpflichtigen werden nach dem Territorialprinzip einberufen und dienen in der Nähe ihrer Wohnorte. Das ist offensichtlich einer der Gründe, weshalb aus belorussischen Truppen kaum noch von der in Rußlands Armee nach wie vor grassierenden »Dedowtschina«[3] berichtet wird. Auch daß seit 1995 Soldaten und Unteroffiziere als Berufssoldaten freiwillig dienen können, mag zur Verbesserung des Klimas in der Truppe beigetragen haben. Viel wichtiger scheint jedoch, daß im ganzen Land schon seit geraumer Zeit gegen Korruption, Chaos und Kriminalität mobil gemacht wird und sich nicht nur in der Armee Erfolge dabei zeigen. Viele Belorussen sind davon überzeugt, daß dies erst durch die »harte und konsequente Gesetzlichkeit« der jetzigen Macht möglich wurde.

    Präsident Lukaschenko, der selbst einmal als Wehrpflichtiger diente und später zum Reserveoffizier ausgebildet wurde, läßt sich nicht nur oft in der Truppe blicken, er ist dort auch gern gesehen. Das hat er unter anderem auch mit einigen außergewöhnlichen Schritten erreicht. So wurde 1995 ein Konsultationsrat, der beachtliche Vollmachten besitzt und dem 49 Truppenoffiziere aller Dienstgradgruppen vom Leutnant bis zum Obersten angehören, ins Leben gerufen. Der Präsident begründete diesen Schritt mit der notwendigen demokratischen Kontrolle der Armeeführung von unten. Am 21. Mai 1997 konstituierte sich ferner die »Offiziersversammlung der Streitkräfte der Republik Belarus«. Im Beisein des Oberkommandierenden der Streitkräfte, Präsident Lukaschenkos, wurde nicht nur die »Verordnung über die Offiziersversammlung der Streitkräfte der Republik Belarus«, sondern es wurden auch die »Regeln der kollektiven Ehrengerichte der Offiziere der Streitkräfte von Belarus« verabschiedet. Das alles zeigt offensichtlich Wirkung. Die Offiziersstellen sind gegenwärtig zu 90 Prozent besetzt. Vor drei Jahren waren es erst 78 Prozent gewesen. Anwärter auf Unteroffiziers- und Fähnrichstellen finden sich ausreichend. Im Gegensatz zu Rußland verlassen junge Offiziere kaum mehr die Streitkräfte, sondern sehen in ihnen eine Zukunft für sich und ihre Familien. Stück für Stück entstand so eine Armee, die nicht nur der »Dedowtschina« die Stirn bieten kann, sondern selbst Militärfachleute in Erstaunen versetzt.

    Auf Angriff vorbereitet

    Das war spätestens im Herbst 2001 nicht mehr zu übersehen, als belorussische Soldaten zur operativ-taktischen Übung »Neman 2001« ausrückten. Diese war allerdings keine Medienshow, wie sie der russische Verteidigungsminister Iwanow von Zeit zu Zeit für sich, seinen Präsidenten und die Öffentlichkeit inszeniert. Hier eroberten nicht zwei Kompanien eine von Terroristen besetzte Brücke, hier waren mehrere komplette Truppenteile aller Teilstreitkräfte im »realen Gefechtseinsatz«. Man erprobte die neue Verteidigungsdoktrin in der Praxis, und die Anlage der Übung zeigte, daß der angenommene Gegner technologisch hoch gerüstet war und nicht aus einem rückständigen Land der »dritten Welt« kam. Den anwesenden Journalisten und internationalen Beobachtern wurde erklärt, daß Belarus kein Land als wahrscheinlichen Gegner betrachte, sich auf Grund der internationalen Entwicklung aber gezwungen sehe, seine Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen. Letztmalig konnte sich die Öffentlichkeit im Oktober 2004 davon überzeugen, daß Belarus die eingeschlagene Richtung hartnäckig verfolgt. Die Übung »Schtschit Otetschestwa- 2004« (Schild der Heimat) probte erneut den Verteidigungsernstfall. In den ehemaligen Sowjetrepubliken findet man keine andere Armee, die wie die belorussische zweimal im Jahr mit einem Großteil der Truppen ins Manöver zieht. Alexander Lukaschenko nahm kein Blatt vor den Mund, als er vor Journalisten den Zweck der Übung erläuterte: »Wir haben dem UN-Sicherheitsrat ganz offen gesagt, daß uns … die Osterweiterung der NATO … und die Schaffung von Militärstützpunkten an unserer Grenze beunruhigt. Es steht die Frage: Warum macht man das? … Um die Antwort drückt man sich … Deshalb üben wir! Zur Zeit wird zwar keiner einen militärischen Angriff gegen das gemeinsam mit Rußland auftretende Belarus wagen. Wir sollten trotzdem umfassend vorbereitet sein.«

    Belarus vermeidet aber alles, was NATO oder USA als Provokation auffassen könnten, ja, man ist durchaus zur Kooperation bereit. So überraschte es nicht, daß Minsk die Einladung zur Übung »Cooperative Best Effort 2005«, die unter NATO-Ägide vom 6. bis 16. Juni in der Ukraine stattfinden wird, angenommen hat.

    Kooperation mit Rußland

    Rußland hat mittlerweile längst erkannt, welch unschätzbaren strategischen Stellenwert Belarus für seine nationale Sicherheit hat. Das geplante und bisher nur zum Teil funktionierende System der gemeinsamen Luftabwehr Rußland–Belarus ist dabei eines der Kernstücke der Kooperation. Rußland besitzt nur noch ein äußerst lückenhaftes Luftabwehrsystem, und auch die kosmischen Streitkräfte haben den Ausfall der Stationen und Komponenten im Baltikum und anderswo niemals völlig verkraftet. In Belarus befinden sich zwei militärstrategische Komponenten Rußlands, deren Verlust für Moskau nicht absehbare Folgen hätte. Das sind zum einen die Radarstation »Wolga« in der Nähe von Baranowitschi und zum anderen der Führungspunkt der Atom-U-Boot-Flotte Rußlands in Wilejka.

    Mit der veränderten sicherheitspolitischen Lage und der rasanten militärtechnischen Entwicklung drängen sich folgende Fragen auf: Wie soll die kleine Verteidigungsarmee von Belarus ausgerüstet sein? Was scheint hinreichend und was kann man sich leisten?

    Minsk verfolgt offensichtlich zwei Strategien. Erstens werden die vorhandenen Mittel modernisiert, und zweitens sollen neue Waffen und Ausrüstungen entwickelt, gebaut und angeschafft werden. Auch hier sucht man die Kooperation mit Rußland. Allein wäre Minsk, trotz einiger Kapazitäten, dazu schwerlich in der Lage. Auch für Rußlands Rüstung ist die Bedeutung von Belarus größer als gemeinhin vermutet. Was die Modernisierung anbetrifft, so seien nur die gemeinsamen Weiterentwicklungen MIG 29BM und SU 27UBM1 als Beispiel genannt. Die Liste der Kooperationsprojekte ist lang. Auf ein neues Wettrüsten mit dem Westen aber kann und will man sich augenscheinlich nicht einlassen. Alles in allem also eine eigenartige Symbiose zweier durchaus verschiedener Partner, die in ihrem Streitkräfteumbau offensichtlich verschiedene Wege gehen.

    Abschreckende Wirkung?

    Sind die Truppen von Belarus nun aber ein neuer Typus von Armee, gar eine neue Volksarmee? Nicht angriffsfähig, aber abwehrstark, klein, modern, mobil, von der Bevölkerung nicht nur als notwendiges Übel gelitten oder als Arbeitgeber akzeptiert, sondern als erforderlich und wichtig angenommen? Ist eine milizartige Territorialverteidigung, die auch dezentralisiert handeln kann, in der Lage, einen überlegenen und modern ausgerüsteten Angreifer abzuschrecken? Sind gegen diese Truppen Präzisionswaffen, aus Tausenden Kilometern Entfernung abgefeuert, wirkungslos und muß der Angreifer wieder auf Nahdistanz gehen, bei der sich die technische Überlegenheit schnell relativieren kann, wie man im Irak sieht?

    Fußnoten

    Am 15. Mai 1992 von Armenien, Belarus, Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan, Rußland und Tadschikistan unterzeichnet. Später traten Aserbaidschan und Georgien bei.
    An diesem Tag wurde das Gesetz »Über die Streitkräfte der Republik Belarus« vom Parlament in Minsk beschlossen.
    »Dedowtschina« (von russ. ded, Großvater), umgangssprachlicher, beschönigender Begriff für ein inoffizielles System von Mißhandlung, Schikane und Ausbeutung junger Wehrpflichtiger durch »altgediente« Militärangehörige, einschließlich Offizieren, das bereits in den letzten Jahren der Sowjetarmee existierte

    * Der Beitrag erschien in zwei Teilen in der Tageszeitung „junge Welt“, Teil 1 am 20. April, Teil 2 am 21. April 2005

      1. @ RICO
        @ Wenn es um die Militärpolitik geht, müssen sich russische Politiker daher zu Hause auch den Vergleich mit ihren belorussischen Amtskollegen gefallen lassen.

        Ne Rico, gerade das müssen sich die russischen Politiker und vor allem der Präsident Putin eben NICHT. Die Weißrussen konnten vom Start an aus dem Vollen schöpfen. Inklusive der Bereitstellung von Energie in jeglicher Form.

        Also, lass mal die Junge Welt- Junge Welt sein und man mache sich anhand der Tatsachen ein eigenes Bild

        Strich drunter und GUT ist
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        Wer in diesen Jahren nach Russland fuhr, der musste es. ( Denke ich mal) Ich war dort.
        https://www.anti-spiegel.ru/2024/russland-am-sozialen-abgrund/#comment-260506
        Später noch relativ oft. Viel öfter jedenfalls als ich es beruflich gemusst hätte.Das meiste hätte man auch anders lösen können. Doch eben, wenn man nun mal in einer beruflichen Position ist die es erlaubt mit Dolmetscher zu reisen und es bezahlen andere, dann macht man das eben. Ein Heiliger ist man nun mal nicht.

        Der Erstbesuch war für mich der Beginn einer großen Freundschaft mit Land und Leute, der seit 2014 immer stärker wird.

        Die Gesamtentwickung von Russland kann man sicher nicht in einer Kurzperiode eines Jahrzehnts begreifen. Beginnen zu verstehen wird man es dann, wenn man versteht, was der Kranich für jeden Russen symbolisiert. Wie das Volk der Russländer seine Alten behandelt, speziell die Veteranen.

        Wer Putin’s Wirken wirklich verstehen will, der muss genau dort anfangen zu denken. Er ist der russischste Russe den ich mir vorstellen kann.

        Er begann sein Aufbauwerk genau dort, wo es die Russen am tiefsten traf. An der Reparatur des verletzten Stolzes des Volkes und der Ahnen mit seinen Veteranen.

        @ Rico ….Und nur wer genau an dem Punkt weiterdenkt kommt an das Ergebis des Russland2024 heran

        1. Junge Welt geschenkt. Noch etwas zum Autor:

          „Frank Preiß, Jahrgang 1957, war nach Offiziersausbildung bis 1986 im Truppendienst der NVA und studierte anschließend bis 1990 Philosophie an der Militärakademie „Lenin“ in Moskau. Danach bis 2018 Erwerbstätigkeit im Angestelltenstatus in der Wirtschaft – mit regelmäßige Geschäfts- und Studienreisen nach Russland und in Nachfolgestaaten der UdSSR. Der Autor lebt bei Halle an der Saale.“

          Für Interessierte: Hier gehts zum Gesamtartikel: http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Belarus/preiss.html

          1. @ Rico

            Ja. Junge Welt geschenkt. 🙂

            Natürlich ist mir Frank Preiss ein Begriff, wie die Website des nun leider doch verstorbenen
            Strutinski „Friedensforschung“ ( doch schon Jahre nicht mehr besucht) sowie mir viele der Publikationen von Preiss auch bekannt sind. Seine – ich sag mal „Liebe“ gilt Weissrussland. Das ist ja auch OK, weil alles was ich so las, auch zutrifft. Auch ich selbst kenne gerade die Umgebung von Witebsk mehr als nur gut wegen dem Marc-Chagall-Museum in Witebsk. Dort war ich oft. Auch die „Liebesromane“ an sein Belaruss mit dem Oberboss Lukaschenko gelesen ?

            Doch zurück zum Gesamttext des Links aus der Website von Strutinski:

            Teil 2: Die belorussische Armeereform
            Es gehört zum Job eines Verteidigungsministers, sein Ressort und die Truppen, die er führt, in der Öffentlichkeit zu preisen. Generaloberst Leonid Malzew aus Belarus macht da keine Ausnahme. Trotzdem dürfte das Interview, das er am 1. März diesen Jahres der zentralen russischen Armeezeitung Krasnaja Swesda gab, nicht nur seinem Moskauer Amtskollegen Sergej Iwanow verdeutlicht haben, daß der Nachbar offensichtlich das einzige postsowjetische Land ist, in dem eine Militärreform nicht nur auf dem Papier vorgesehen ist.

            Für Eingeweihte ist es schon lange kein Geheimnis mehr, daß der bislang treueste Verbündete der Russischen Föderation und das aktive Mitglied des »Vertrages über die kollektive Sicherheit« [1] von der Öffentlichkeit fast unbemerkt vollbringt, wovon in Rußland meist nur geredet wird: Die Schaffung von Streitkräften, die den politischen, wirtschaftlichen und ökonomischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts – jedenfalls nach Minsker Verständnis – gewachsen sein sollen. Bemerkenswerterweise übernahmen die Belorussen vom sowjetischen Erbe nur, was in ihre Konzeption paßte und ahmten auch die westlichen Streitkräfte nicht nach. Die chaotische und bislang weitgehend erfolglose Militärreform in Rußland (von den anderen postsowjetischen Staaten ganz zu schweigen) mag den Akteuren in Minsk immer als warnendes Beispiel vor Augen gestanden haben.

            So jetzt aber mal aus der Vergangenheit in die Gegenwart: Welche Truppe lernt die Belarussen denn heute kämpfen ?

            PMC WAGNER !!

            Mehr muss man doch gar nicht ausführen. Preiss sieht in all seinen Publikationen die Welt aus dem Tunnelblick eines Militärs. Nun war ich selbst eines und tue es ihm sicher oft gleich. Doch verschiedene Laufbahnswege bringen am Ende auch meist ganz andere Ergebnisse.

            Ohne die Einbeziehung des Menschen ( die gerade heute zu Millionen in Russland nun mal an den Wahlurnen stehen – Ich wills mal so sagen- um NICHT ZU WÄHLEN, sondern dem Präsidenten Danke sagen und ihm die ZUSTIMMUNG zu geben, genau auf dem Weg weiter zu machen, den er nun schon seit 24 Hahren geht…

            Und das Land von NULL auf 100 gebracht hat. In einem Zeitraum also in dem ein Arzt noch nicht behaupten kann, fertig studiert zu haben…

  2. Wenn man den Artikel, den Hr. Röper einstellte, mal aufmerksam liest, wird eigentlich auch deutlich, WARUM Weißrussland die Su verließ… Seit Gorbatschow die SU „regierte“ war zu erkennen, dass er Land & Leute verraten & verkauft hat. Nicht ein Bereich, den er auch nur annähernd mit gesundem Menschenverstand oder auch nur im tatsächlichen Interesse der Su & seiner Bevölkerung , veränderte…..
    Man konnte sich ausrechnen, dass er diesen Stil weiterführen würde……

    Gorbatschow konnte froh sein, dass er nur von der Macht entfernt wurde – ziemlich sanft sogar….

  3. Bis spät in die 2000er war die Armee in einem bescheidenen Zustand. Natürlich gab es immer ein paar wirklich starke und einsatzbereite Einheiten aber die allgemeine Wahrhaftigkeit existierte nur auf dem Papier. Die größten Probleme waren fehlender Zusammenhalt (Russen und andere Volksgruppen gerieten aneinander), Korruption und mangelhafte veraltete Ausrüstung.
    Durch die SWO wandelt sich die russische Armee aktuell wieder zur stärksten Landmacht. Der ganze Rost der letzten 40 Jahre wurde abgeschüttelt.

  4. Ich bewundere die Russen. Man möge sich vorstellen, das eines nur eines der Westlichen Staaten die sich immer rühmen was besseres zu sein als die Russen solche Veränderungen (Untergang und wieder aufrappeln) mit machen zu müssen. Da war der 2. WK (man kehrt gern unter den Tisch das hier mehr als 20 Mio. Sowjetbürger ihr Leben verloren haben, und das nicht freiwillig oder aus eigenem verschulden), dann der Kalte Krieg, dann das Zerfallen der UdSSR, dann die Übernahme durch die Gängster aus dem Westen. Und endlich kam da einer an die Macht das Land zu retten. Und schon stehen die selben Gängster die den WK zu verantworten haben mit denen die sich als die großen Befreier feiren liesen wieder auf der Matte und wollen denen wieder ans Leder. Das nur weil die Gängster das nicht ertragen können, das Russen ihr Land selbst gestalten wollen und das auch noch zu besten seiner Bürger. Und statt wie die Amis alles mit Krieg zu überziehen, sind Russen unter der Führung seiner Regierung höchst Geduldig und warnen immer wieder und wieder. Mal sehen wie lange noch Gewarnt wird bis die Gegenseite (die Gängster des Westens ~ auch Politiker genannt) denen die nicht hören wollen, das Fühlen (man sagt doch so schön→ wer nicht Hören will muss Fühlen) mit Kinshal und Kollegen bei bringen. Ich bin ehrlich, denn ich hätte die Geduld Putins samt Gefolge sicher nicht. Nun ja, deshalb ist er der Boss und ich nicht. Ich wünsche Putin viel Glück, gutes Gelingen und ein Hauch Nachsicht wenn der den Deutschen die Rechnung serviert, dabei hoffentlich nicht vergessend das der Kopf des stingenden Fisches abgeschlagen werden muss.

    1. Sehe ich ganz genauso! Wäre ich Russland, hätte es in den Westeuropäischen Hauptstädten schon längst gekracht. Nicht pauschal, aber personenbezogen. Diese Systemmarionetten müssen weg. Und wir sollten mithelfen.

      Ich bedauere jede russische Familie, die Angehörige durch diesen verdammten Krieg verliert. Ich hoffe sie werden die Verantwortlichen eines Tages zur Rechenschaft ziehe. Sibirien ist groß.

  5. Was mir zu DDR-Zeiten unangenehm aufgefallen ist, war die Tatsache, dass nahezu jeder Offizier der Sowjetarmee in der Öffentlichkeit mit seinem Stiefelputzer/Aktenkofferträger unterwegs war. Für mich war das ein Umstand, der mit einer kommunistischen/sozialistischen Weltanschauung nicht vereinbar war. Für mich war das ein Überbleibsel aus zaristischer Vergangenheit. In wie weit heutzutage notwendige Reformen in Struktur und Ausbildung voran gekommen sind, kann ich nicht einschätzen, aber ich hoffe mal, dass man auch diese alten Zöpfe abgeschnitten hat.

  6. Ich habe als Soldat der NVA und der Bundeswehr den Abzug der Westgruppe der Truppen (WGT) mit unterstützen dürfen.
    Eine im Krieg siegreiche und im Frieden geschlagene Armee. Geopolitisch und für jeden einzelnen Soldaten eine menschliche Tragödie. Bemerkenswert war die Disziplin der Soldaten, Sergeanten und Offiziere.
    Zu den hinterlassenen und an die Bundesfinanzverwaltung übergebenen Liegenschaften kann ich aber auch eine Menge Negatives berichten. Die Gebäude in den Kasernen wurde regelrecht geplündert und jede größere Kaserne hatte einen Schrottplatz und eine Mülldeponie. Gut und besenrein war da wenig.
    Ich stelle mir aber auch die Frage, hätte ich es anders gemacht?
    Die westlichen Alliierten sind im Zusammenhang mit Umweltschutz auch keine Engel.
    Wichtig war für mich damals, dass wir seit 1945 Frieden an einer der gefährlichsten Militärgrenzen der Weltgeschichte hatten 🕊️🕊️

  7. „dass wir seit 1945 Frieden an einer der gefährlichsten Militärgrenzen der Weltgeschichte hatten“

    DAS sollte man sich durchaus immer mal wieder in Erinnerung holen. Die Westbesatzer hatten es geschafft, dass im Ernstfall Deutsche auf Deutsche mutmaßlich geschossen hätten.

    Die 1948 einseitige Währungsreform in der Trizone legte den Grundstein dafür, zweiter Pfeiler Gründung BRD 1949, dritter Pfeiler Gründung Bundeswehr 1955 (Planung ab 1950)/NATO-Mitlgiedschaft usw. Rückblickend eigentlich alles nicht zu fassen.

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