Bodenschätze oder Terrorbekämpfung – Wofür sterben deutsche Soldaten in Mali?

Haben Sie sich jemals gefragt, warum die Bundeswehr in Mali ist? Oder wo Mali liegt? Warum ist Frankreich dort militärisch aktiv, warum finanziert die EU dort Einheiten und warum ist die Bundeswehr dabei? Hier ein paar Gründe, die man nur ganz selten in den Medien liest.
 
Mali ist ein sehr rohstoffreiches Land, trotzdem ist es eines ärmsten Länder der Welt: Mali ist der drittgrößte Goldproduzent Afrikas nach Südafrika und Ghana. Jährlich werden bis zu 50 Tonnen Gold gewonnen, die Reserven werden auf 800 Tonnen geschätzt. Neben Gold lagern weitere Rohstoffe im Boden, dazu gehören geschätzte 20 Millionen Tonnen Phosphate, 40 Millionen Tonnen Kalk, 53 Millionen Tonnen Steinsalz, 1,2 Milliarden Tonnen Bauxit, 2 Milliarden Tonnen Eisenerz, 10 Millionen Tonnen Mangan, 10 Milliarden Tonnen Ölschiefer, 60 Millionen Tonnen Marmor, 5000 Tonnen Uran und 1,7 Millionen Tonnen Blei und Zink.
 
Nun sind die Bodenschätze von Mali aber wohl gar nicht der Hauptgrund dafür, dass Frankreich und die EU in Mali militärisch interveniert haben. Sie sind für sich genommen zwar ein interessantes Argument, aber das für Frankreich wichtigste Argument liegt nebenan, im Niger. Der Niger ist einer der größten Produzenten von Uran und steht in der Liste der weltweiten Reserven auf einem der obersten Plätze.
 
Frankreich wiederum ist mit seinem hohen Anteil von Atomstrom der zweitgrößte Verbraucher von Uran weltweit. Und das französische Uran kommt zu einem Großteil aus dem Niger. Dort kontrolliert die staatliche Firma Société du Patrimoine des Mines du Niger (SOPAMIN) den Uranabbau. Diese Firma gehört dem Staat Niger und sie vergibt die Abbaurechte an andere Unternehmen, an denen sie dann Beteiligungen hält. Jedoch ist sie bei fast allen dieser Firmen nicht der größte Aktionär, sondern das sind ausländische Investoren. Und wie der Zufall es will, sind das zu einem sehr großen Teil französische Firmen, allen voran Orano (früher Areva), ein französischer Staatskonzern.
 
Die Rebellion im Norden Malis kann auf den Nachbarstaat Niger überspringen und dann hätte Frankreich ein Problem, denn der Niger produziert im Jahr mehr Uran, als Mali an geschätzten Reserven hat. Und die Uranminen in Niger sind nur 100 bis 200 Kilometer von Grenze zu Mali entfernt.
 
Der Konflikt in Mali brach 2013 aus, damals wollte sich das Stammesvolk der Tuareg von Mali lossagen. Die Waffen bekamen sie aus Libyen, wo der Westen zwei Jahre zuvor Gaddafi weggebombt hatte und wo, nachdem das Land im Chaos versunken war, nun eine Unmenge an Waffen frei verfügbar war. Auch wenn die Tuareg sich nicht lange halten konnten und dann durch Islamisten ersetzt wurden, war nun die Gefahr groß, dass es zu einem Flächenbrand in der Region kam. Frankreich musste also eingreifen, bevor seine Uranlieferungen in Gefahr gerieten.
 
Im Ergebnis ist der Konflikt eine der vielen Folgen davon, dass man Gaddafi gestürzt hat, denn Gaddafi war der Stabilitätsanker der Region, egal wie extravagant er im Auftreten war. In Afrika genoss er eine enorme Autorität, weil der Lebensstandard in Libyen nicht schlechter war, als in den meisten europäischen Ländern, auch wenn die westliche Presse darüber nicht berichtet hat. Es gab eine gute und kostenlose medizinische Versorgung, Benzin war praktisch umsonst und durch Gaddafis Reformen gab es praktisch keine Analphabeten mehr im Land, dafür aber eine kostenlose Ausbildung und Stipendien für Libyer, die in Europa studieren wollten.
 
Dies soll kein Plädoyer für Gaddafi sein, es ist eine nüchterne Schilderung der Fakten.
 
Nachdem Gaddafi weg und Libyen im Chaos versunken war, übernahmen islamistische Gruppen die Macht, die sich auch untereinander bekämpfen, aber Waffen gab es ja genug. Und diese Probleme dehnten sich nach Süden aus und gelangten nach Mali.
 
In den Medien wird uns immer gesagt, es ginge neben der Stabilisierung von Mali und der Bekämpfung der Terroristen auch um eine Eindämmung der Flüchtlingsströme aus Afrika, denn die Flüchtlinge nähmen die Route über Niger nach Libyen. Im Spiegel kann man dazu heute lesen: „Dass die EU die Truppe unterstützt, dürfte auch an der Migrations- und Flüchtlingskrise liegen. Bis zu 90 Prozent der Migranten, die in Libyen ankommen, wählen nach Schätzungen von Experten die Route über die Region Agadez in Niger. Viele von ihnen bemühen sich anschließend, übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Die EU versucht deshalb, die Menschen so früh wie möglich schon in Afrika aufhalten zu lassen.
 
Das stimmt auch, nur wer sich die Landkarte anschaut, stellt fest, dass Mali gar keine Grenze mit Libyen hat, die hat tatsächlich der Niger. Um den Flüchtlingsstrom zu bekämpfen, müsste man also im Niger aktiv werden, und nicht in Mali. Und das wird auch ein bisschen versucht, in diesem Jahr zum Beispiel traf Merkel den Präsidenten des Niger und der Spiegel schrieb: „Für seine Zusammenarbeit bei der Eindämmung illegaler Migration will Deutschland Niger bei der Verbesserung der Entwicklungschancen und im Kampf gegen Terrorismus unterstützen. Das sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwochabend im brandenburgischen Meseberg dem Präsidenten des afrikanischen Staates, Mahamadou Issoufou, zu. (…) Nigers Präsident ist eine der Schlüsselfiguren im Kampf gegen illegale Migration und afrikanische Schlepperbanden. Der Sahel-Anrainer ist eines der wichtigsten Transitländer für afrikanische Migranten, die das Mittelmeer erreichen wollen. Teils durch Unterstützung, teils durch Druck aus Europa hat die Regierung des Landes die Reise nach Libyen für Migranten bereits deutlich erschwert.“
 
Diese Deals sind verlogen, denn es geht nicht um Hilfe für die Flüchtlinge oder die Entwicklung des Niger. Während die Empörung in Europa groß ist, wenn Italien im Mittelmeer aufgefischte Flüchtlinge nicht mehr ins Land lässt und während man in Europa Entsetzen über ertrinkende Flüchtlinge heuchelt, wird einfach versucht, dass Problem nach Afrika zu verlagern. In der Wüste sind keine Kameras, die die toten Flüchtlinge fotografieren. Die Hilfe für Niger ist nichts anderes als das Verlagern des tödlichen Elends, nun ertrinken die Flüchtlinge nicht mehr im Mittelmeer, sie verdursten in der Wüste: „Aber mit neuen Deals, die zwischen Niger und Europa, Algerien und Niger oder Libyen und Europa ausgehandelt werden, wird die Migration weiter in den Untergrund gezwungen – was sie noch gefährlicher macht als je zuvor: Weniger Tote auf dem Mittelmeer bedeuten absehbar mehr Tote in der Wüste.“
 
Es geht also nicht, wie uns die Medien erzählen, um die Flüchtlinge. Weder beim Bundeswehreinsatz in Mali und auch nicht bei den Deals mit Niger und anderen Staaten.
 
In Mali geht es darum, die französischen Uranlieferungen zu schützen und ein Übergreifen der Rebellion auf die Uranminen im Osten Nigers zu verhindern. Und in Niger geht es darum, das Sterben aus dem Mittelmeer in die Wüste zu verlagern.
 
Nun sind aber in Afrika 25 Millionen Menschen unterwegs, die einen Weg in ein besseres Leben suchen und die werden sich neue Routen nach Europa suchen. Man müsste also dringend etwas für mehr Wohlstand in Afrika tun.
 
Jetzt müsste man doch meinen, dass die vielen Bodenschätze dort Wohlstand bringen. Uns wird immer erzählt, dass dort korrupte Regierungen an der Macht sind, die die Gewinne einstreichen, sodass nichts bei den Menschen ankommt. Das ist sicherlich so, das Problem ist aber ein anderes.
 
Das Problem heißt PSA-Verträge. Bei diesen Verträgen bietet ein ausländischer Investor „Hilfe“ beim Abbau von Bodenschätzen an. Im Gegenzug für seine Investitionen bekommt er die Abbaurechte ganz oder zumindest teilweise überschrieben (ich vereinfache es ein wenig). Das Ergebnis ist, dass zum Beispiel das Uran im Niger nun zum größten Teil französischen und anderen ausländischen Firmen gehört, dem Niger verbleibt nur ein Bruchteil des eigenen Reichtums. So landet der Gewinn aus dem Abbau der Bodenschätze nicht in dem afrikanischen Land sondern bei internationalen Konzernen.
 
Und derartige Milliardengewinne für Konzerne zusammen mit der Sicherung der Lieferungen nach Europa sind ein guter Grund, dort in Kriege einzugreifen. Aber uns wird berichtet, dass es um humanitäre Ziele oder um die Begrenzung der Flüchtlingsströme geht. Oder gar um den Kampf gegen den Terror, den es in der Region gar nicht gegeben hätte, wenn der Westen nicht vorher Gaddafi gestürzt hätte, um die Kontrolle über das libysche Öl zu bekommen. Denn egal, wie chaotisch es in Libyen zugeht, die Öllieferungen nach Europa sind gesichert worden.
 
Gaddafi war noch nicht gestürzt, da haben sich die europäischen Firmen schon um Aufträge zum Wiederaufbau der zerstörten Anlagen bemüht. Natürlich wieder nach dem PSA-Prinzip: „Wir investieren und bekommen dafür die Förderrechte„, es winkten Milliardengewinne, wie man schon 2011 lesen konnte: „Libyens Reichtum liegt unter dem Wüstensand. Das Land besitzt die neuntgrößten Ölreserven der Welt. Vor dem Krieg wurden jeden Tag 1,6 Millionen Barrel gefördert. Zuletzt waren es nur noch 60.000. Das soll sich nach dem Umsturz rasch wieder ändern. Ausländische Regierungen und Firmen wollen Teilhaben an diesem Schatz. Muammar al-Gaddafi ist nicht gefasst, da hat das Wettrennen um Libyens Öl-Milliarden bereits begonnen.
 
Es ging also auch dort nicht um Menschenrechte oder den bösen Diktator Gaddafi, es ging um Bodenschätze, deren Einnahmen vorher Libyen zu Gute kamen und seit 2011 nun bei den europäischen Konzernen landen.
 
Und in der Folge gab es Probleme in Mali und im Niger, aber die hilfsbereiten Europäer „helfen“ gerne bei der Lösung eines Problems, dass es ohne ihren Angriff auf Libyen gar nicht gegeben hätte. Und nebenbei sichert man sich weitere PSA-Verträge und damit Bodenschätze, während die Menschen vor Ort weiter verarmen und sich auf den Weg nach Europa machen.
 
Nur davon hört man heute nichts mehr, dabei gab es 2013 durchaus Meldungen über Frankreichs Motive in Mali: „Daneben verfolgt Paris aber auch wirtschaftliche Interessen. So liegen rund um Nordmali viele der von Frankreich ausgebeuteten Uranminen, die das Land dringend für seine Atomkraftwerke braucht. Der staatliche französische Atomkonzern Areva fördert Uran in Malis Nachbarland Niger, das inzwischen der größte Uranproduzent des Kontinents ist. Auch in Mali selbst wurde Uran gefunden. Die atomare Unabhängigkeit ist in Frankreich mehr oder minder eine Frage der Staatsräson und ganz oben auf der Agenda jeder Regierung. Entsprechend kam in den vergangenen Tagen bei Kritikern der französischen Intervention schnell der Verdacht auf, es gehe Paris nicht allein um die Bekämpfung von Terroristen. Das militärische Engagement Frankreichs diene „auch der Sicherung seiner eigenen Energieversorgung mit preiswertem Uran aus Malis Nachbarland Niger“, erklärte etwa die Gesellschaft für bedrohte Völker.“
 
Heute ziehen es die Medien jedoch vor, uns die Märchen von den „guten Europäern“ zu erzählen, die dort gegen Terror, Migration und für die Freiheit der Menschen kämpfen, dabei stirbt jeder europäische Soldat, der dort getötet wird, nur für die Gewinne der europäischen Konzerne.
 
Aber mehr noch, richtig absurd wird es, wenn man sich folgendes vor Augen führt: Während Deutschland auf seinen Atomausstieg so stolz ist, schickt es Soldaten nach Afrika, um die Uranlieferungen für französische Atomkraftwerke zu sichern…

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