Die Sicht der anderen: Das russische Fernsehen über die Lage in Afghanistan

Das russische Fernsehen hat gestern in der Sendung „Nachrichten der Woche“ einen Beitrag über die Lage in Afghanistan gebracht. Da dort auch deutsche Soldaten kämpfen, könnte der Blick von außen auch für den deutschen Leser interessant sein. Ich habe daher den Bericht übersetzt.
 
Beginn der Übersetzung:
 
Über die wachsende Verschärfung der Lage in Afghanistan wurde am 26. September in Teheran viel gesprochen. Es fanden multilaterale Konsultationen unter Beteiligung von Iran, Indien, China, Afghanistan und Russland statt, die vom Sekretär des russischen Nationalen Sicherheitsrats Nikolaj Patruschew geleitet wurden.
 
(Im Bild Patruschew beim Verlesen einer Erklärung)
 
„Tatsächlich haben die Militanten auf dem afghanischen Territorium einen echten terroristischen Krieg gegen die staatlichen Behörden und die Zivilbevölkerung des Landes entfesselt. Das laufende Jahr zeigt eine Rekordzahl blutiger Terroranschläge, bei denen Tausende afghanischer Zivilisten getötet wurden.“
 
(Im Bild wieder der Moderator)
 
Die Probleme in Afghanistan sind nicht erst gestern entstanden. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde die in Afghanistan basierte Terrorgruppe Al-Qaida zum Hauptfeind der USA erklärt. Weniger als einem Monat später begannen Amerika und die NATO-Verbündeten eine militärische Operation namens „Enduring Freedom“.
 
Seit dem sind 17 Jahre vergangen. Tausende von amerikanischen Truppen sind jetzt auf afghanischem Boden. Friedliches Leben ist in Afghanistan jetzt noch illusorischer als damals. Amerikanische Truppen wurden hinter die Zäune von Dutzenden ihrer Basen gedrängt. Wann immer sie können, zahlen sie den Militanten Geld, damit man sie in Ruhe lässt.
 
Die afghanische Regierung kontrolliert nur einen kleinen Teil des Landes, etwa 40 Prozent, so Patruschew. 50% werden von den Taliban kontrolliert. Weitere 10% von den Terroristen des IS. Aber der IS wächst dort schnell. Deren Ziel ist es, in Zentralasien ein barbarisches Pseudo-Kalifat zu schaffen, genau das, was im Irak und in Syrien nicht geklappt hat.
 
Amerika ist allem Anschein nach mit der Situation zufrieden. Zufrieden sind sie anscheinend auch damit, dass in den 17 Jahren amerikanischer Präsenz die Produktion von Drogen, also Opiaten wie Opium und Heroin, in Afghanistan um mindestens das 40-fache zugenommen hat. Das kolossale Wachstum der Flächen, auf denen Schlafmohn angebaut wird, bringt milliardenschwere Profite.
 
Ender der Übersetzung
 
Anmerkung von mir: Dass seit dem Einmarsch der Nato der Anbau von Opium in Afghanistan explodiert ist, ist nicht neu und auch keine russische Propaganda. Und es ist nichts, was geheim abläuft, die Opium-Felder sind gut zu sehen. Es stellt sich also die Frage, warum die Nato nichts dagegen tut. Es wäre doch ein Leichtes, die Felder abzubrennen. Man könnte den afghanischen Bauern auch helfen, stattdessen dort Getreide oder ähnliches anzubauen. Aber das wird nicht getan.
 
Man fragt sich also, warum lässt die Nato zu, dass Afghanistan der größte Produzent von Drogen geworden ist, die dann nach Europa geschmuggelt werden. Das Geld kommt offiziell den Taliban zu Gute, das kann der Nato, die die Taliban angeblich bekämpft, doch nicht wollen, oder? Oder – Achtung „Verschwörungstheorie“ – sind westliche Strukturen an dem Geschäft beteiligt? Dass Geheimdienste gerne schwarze Kassen anlegen, ist spätestens seit der Iran-Contra-Affäre bekannt, auch damals waren übrigens Drogen im Spiel, die die CIA von Südamerika in die USA schmuggelte und die Gewinne in schwarze Kassen fließen ließ.
 
Lässt man den Opiumanbau zu, weil westliche Strukturen einen Anteil an dem Gewinn bekommen, den sie in schwarzen Kassen fließen lassen? Und wenn das so sein sollte, wer kontrolliert diese Kassen und profitiert davon? Es geht hier ja tatsächich um Milliardengewinne.
 
Leider warten wir vergeblich darauf, dass die Mainstream-Medien diese Fragen stellen:
1. Warum lässt die Nato den Opiumanbau in Afghanistan zu?
2. Wer profitiert von den Gewinnen?
Schweigen im Walde in der westlichen Presse zu diesen Fragen.

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