Die Verlogenheit der Bundesregierung am Beispiel des Massakers im Jemen

Die Bundesregierung bedauert tote Kinder durch einen US-Bombenangriff, aber verurteilen will sie das partout nicht.
Die Bundespressekonferenz ist eigentlich eine dröge und langweilige Veranstaltung. Gäbe es nicht Tilo Jung, der als fast einziger die richtigen Fragen stellt. Auf der letzten Pressekonferenz fragte er Regierungssprecher Seibert nach der Reaktion der Kanzlerin gefragt. Seine Antwort war vielsagend: „Mit Entsetzen. Die Bilder gingen ja auch um die Welt, man konnte das Grauen leider auch eben in den sozialen Netzwerken und im Fernsehen verfolgen.
War dies ein freudscher Versprecher? Was bedauert die Kanzlerin jetzt laut ihrem Sprecher? Den Vorfall oder die Tatsache, dass die Bilder in den sozialen Netzwerken um die Welt gegangen sind?
Nachdem die westlichen Medien zu derartigen Vorfällen im Jemen in der Regel schweigen, war der Aufruhr in den sozialen Medien so groß, dass der Vorfall von den etablierten Medien nicht ignoriert werden konnte. Wie die Medien dabei die Verbrechen der USA kleinzureden versuchen, habe ich hier mit einem Vergleich aufgezeigt.
Trotz mehrmaligen Nachfragens und trotz einer Verurteilung des Vorfalls durch den Generalsekretär der UNO kann sich die Bundesregierung nicht dazu durchringen, den Tod von dutzenden unschuldiger Kinder durch einen US-Luftangriff zu verurteilen. Auch auf die Frage, auf welcher Seite die Regierung steht, gab es keine Antwort. Stattdessen wurde ausweichend formuliert, man stehe auf der Seite der leidenden Bevölkerung. Auch auf Nachfrage gab es keine weitere Antwort.
Wie kann aber die Regierung behaupten, sie stehe auf der Seite der leidenden Bevölkerung im Jemen und trotzdem einen US-Luftangriff nicht verurteilen? Und wie kann die Regierung auf der Seite der leidenden Bevölkerung stehen, aber gleichzeitig Waffen an Saudi-Arabien liefern?
 
Peinlich, dass außer Tilo Jung und RT Deutsch niemand in den Medien diese Fragen stellt.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Schreibe einen Kommentar