Was ist bekannt über den Abschuss von MH17 über der Ukraine im Jahr 2014?

Diese Analyse habe ich im Jahre 2015 geschrieben. Zu diesem Zeitpunkt war der endgültige Untersuchungsbericht noch nicht veröffentlicht. Dennoch muss ich heute an diesem Text nichts ändern, die wichtigsten Fakten waren damals schon bekennt, wie man hier sehen kann. Ich werde ich jedoch am Ende noch eine kurze Aktualisierung anfügen, die die seit dem bekannt gewordenen Fakten ergänzt.
Der Absturz und die Bergungsarbeiten Am 17. Juli um 15.20 Uhr MESZ hörten die Transponder der malaysischen Linienmaschine mit der Flugnummer MH17 auf zu senden. An Bord waren 298 Menschen, darunter 80 Kinder und 15 Besatzungsmitglieder. Die Trümmer des Flugzeuges gingen nahe der Stadt Tores ca. 80 Kilometer östlich von Donezk auf einer Fläche von bis zu 35 Quadratkilometern nieder, was auf ein Auseinanderbrechen des Flugzeuges in großer Höhe hindeutet. Da es bei MH17 so verschiedene und einander widersprechende Meldungen und Versionen gibt, muss man darauf detaillierter eingehen, damit alle Versionen geschildert werden können. Schon zwei Stunden später erschien im „Spiegel“ ein Artikel mit der Überschrift „Möglicher Abschuss: Malaysische Passagiermaschine über Ukraine abgestürzt“, in dem bereits einige Kernaussagen enthalten waren, die später entscheidend werden sollten: „Absturzstelle sei das von ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten umkämpfte Konfliktgebiet Donezk, hieß es. Die Boeing 777 sei in einer Höhe von rund 10.000 Metern geflogen und … von einer Rakete aus einem Flugabwehrsystem vom Typ Buk getroffen worden … Kurz vor Bekanntwerden des Absturzes hatten sich die Separatisten noch mit dem Abschuss einer Militärmaschine gebrüstet. … Die prorussischen Kräfte gaben zum Absturz des malaysischen Fliegers an, sie besäßen keine Waffensysteme, um Maschinen in 10.000 Metern Höhe abzuschießen. Die „Moscow Times“ berichtete jedoch, die Rebellen hätten Ende Juni selbst bekannt gegeben, Buk-Flugabwehrsysteme erbeutet zu haben. Der Abschuss selbst wäre mit dem System möglich. … Die Raketen des Buk-Systems verfügen über einen 60 bis 70 Kilogramm schweren sogenannten Fragmentations-Gefechtskopf, der von einem Radar-Näherungszünder ausgelöst wird. Er explodiert in unmittelbarer Nähe des Flugzeugs und durchlöchert es. Die ukrainische Regierung und die prorussischen Separatisten warfen sich gegenseitig vor, für den möglichen Abschuss der Maschine verantwortlich zu sein.“ Das Flugzeug stürzte auf von Rebellen kontrolliertem Gebiet ab, welches zu diesem Zeitpunkt umkämpft war. Diese Kämpfe waren eines der Probleme bei den Bergungsarbeiten. Es gab, wie wir sehen werden, viele Meldungen über Behinderungen der OSZE-Beobachter und später der niederländischen Expertengruppe. Diese Behinderungen hatten mehrere Gründe: Zum einen mussten die Rebellen sicherstellen, dass die Experten nicht bei Kampfhandlungen in Gefahr gerieten. Und zu Kampfhandlungen gehören immer zwei kämpfende Parteien. Was in der Berichterstattung im Westen immer unterging, war die Tatsache, dass die Experten auf von den Rebellen kontrolliertem Gebiet aktiv waren, was bedeutet, dass es die ukrainische Armee war, die auf dieses Gebiet geschossen und damit die Experten behindert hat. Ob andererseits die Rebellen diesen Beschuss z.B. durch eigene Angriffe provoziert haben, lässt sich nicht sagen. Außerdem war die Anreise von Donezk zum Unglücksort schwierig, wie der OSZE-Beobachter Alexander Hug am 24. Juli im Interview mit „Deutschlandradio Kultur“ berichtete: „Man muss sehen, dass die Absturzstelle zum Beispiel im Osten der Ukraine direkt an der Frontlinie liegt, das ist ein Kampfgebiet, zumindest war das so noch am Freitag letzte Woche, und dementsprechend ist der Zugang ziemlich schwierig, weil man muss sich durch verschiedene Checkpoints, Kontrollpunkte durcharbeiten, bis man dann vor Ort ist. Und all diese Zeit, die man dann verliert an diesen Kontrollpunkten, kann man als Verzögerung interpretieren. Es ist aber auch vielfach so, dass wir uns selbst aufgrund von Sicherheitsüberlegungen nicht in diese Gebiete wagen, weil als zivile, unbewaffnete Mission uns die Aufgabe in einem Kampfgebiet fast unmöglich gemacht wird und dementsprechend wir dort unser Mandat nicht umsetzen können“ Wie nicht anders zu erwarten waren die ersten Tage der Bergungsarbeiten chaotisch. Es wurde berichtet, auch im deutschen Wikipedia findet sich die Formulierung, dass die Rebellen zunächst versuchten, die Bergungs- und Ermittlungsarbeiten selbst zu übernehmen, damit jedoch überfordert waren und dann Hilfe von Experten zuließe. Ich konnte keine Aussage der Rebellen finden, die dies bestätigt. Dafür aber Aussagen führender Rebellen, die schon am Unglückstag internationale Experten anforderten. Zunächst waren es die OSZE-Beobachter aus Donezk, die in den ersten Tagen das Absturzgebiet besuchten, erst vier Tage später kamen auch Ermittler aus den Niederlanden hinzu. Warum die Ermittler aus den Niederlanden vier Tage benötigten, um nach Donezk zu kommen, ist nicht ersichtlich. Als sie jedoch endlich vor Ort waren, wurden sie von den Rebellen umgehend zur Unglücksstelle vorgelassen und konnten sich dort frei bewegen, zumindest, wenn nicht gekämpft wurde. Bei dem Thema des Flugzeugabschusses sehen wir nun tatsächlich eklatante Abweichungen zwischen der Berichterstattung in Ost und West. Besonderes Augenmerk sollte der Leser auf die Berichte der neutralen OSZE-Beobachter legen und auf die Frage, ob diese in der Presse korrekt zitiert wurden. Im Westen wurden die Rebellen scharf kritisiert, mal weil die Beobachter sich in den ersten Tagen nicht frei bewegen konnten, mal wegen des Umgangs mit den sterblichen Überresten der Opfer. Ob jede geäußerte Kritik berechtigt war, kann vielleicht ein Blick auf die Meldungen dieser Tage klären. In den ersten Tagen waren nur die OSZE-Beobachter als unabhängige Beobachter vor Ort, die niederländischen Spezialisten trafen erst am 21. Juli am Unglücksort ein. Die OSZE berichtete am 19. Juli über den ersten Besuch der Beobachter, die am 18. Juli, am Tag nach dem Abschuss am Unglücksort waren: „Die OSZE-Beobachter-Mission hatte sehr begrenzten Zugang zum Absturzort von Malaysia Airlines MH17, das am 17 Juli nahe Hrabove (79 Kilometer östlich von Donezk) herunter kam. Es waren Leichen an der Absturzstelle zu sehen, die markiert aber den Elementen ausgesetzt waren. Es wurde keine Bergung der Trümmer beobachtet. Einige der Wachen der „Donezker Volksrepublik“ waren sichtlich berauscht und aggressiv.“ Am 21. Juli meldete die OSZE in ihrem täglichen Bericht über ihre Beobachtungen der Vortage: „Im Donezker Gebiet haben die Beobachter die Absturzstelle von Malaysia Airlines Flug MH17 nahe dem Dorf Rassupnoe zum zweiten und dritten Mal am 19. und 20. Juli besucht. Am 19. Juli war der Zugang begrenzt aber freier als beim ersten Besuch am Vortag. Bergungskräfte vor Ort erzählten den Beobachtern, dass sie die Leichen fotografiert und gefilmt haben bevor sie sie in Leichensäcke verpackt haben. Die Beobachter sahen 55 Leichensäcke. Die Sicherheitslage war beim Eintreffen der Beobachter schlecht. Am 20. Juli sahen die Beobachter eine unbestimmte Zahl von Leichen, die in Kühlwagen eines Zuges am Bahnhof von Tores nach der Absturzstelle verwahrt wurden. An diesem Tag hatten die Beobachter vollen Zugang zur Hauptabsturzstelle, die zu diesem Zeitpunkt gut abgesperrt war. Die Bergung der Leichen dauerte an.“ In diesen Tagen bis zum Eintreffen der niederländischen Experten wurde in der westlichen Presse viel Kritik an den Rebellen geübt. Ein Kritikpunkt war der Umgang mit den Leichen. Es wurde kritisiert, dass die Leichen abtransportiert wurden. Aber was war die Alternative? Sollten die Rebellen die Leichen auf Straßen und Feldern bei 30 Grad Sommerhitze liegen und verwesen lassen? Der „Spiegel“ titelte am 19. Juli „MH17-Trümmerfeld: Rebellen gestehen Abtransport von Leichen“. Schon die Überschrift suggerierte hier, die Rebellen seien bei dem „Abtransport der Leiche quasi erwischt worden, dabei hatten die Rebellen, wie wir noch sehen werden, mehrmals darauf hingewiesen, dass sie mit der Bergung der Leichen beginnen mussten, da diese in über 30 Grad Sommerhitze teilweise mitten in einer Ortschaft auf den Straßen lagen. Hätten sie dies nicht getan, wären die Leichen verwest, vielleicht von Tieren gefressen worden und auch Seuchengefahr kann unter solchen Umständen entstehen. Von der moralischen Frage, ob man Leichen einfach tagelang offen herumliegen lassen sollte gar nicht zu reden. Der „Spiegel schreib dann: „Russische Rebellen in der Ostukraine haben eingeräumt, Leichen von der Absturzstelle der MH17-Passagiermaschine entfernt zu haben. „Einige Dutzend Leichen“ seien nach Donezk gebracht worden, sagte der Separatistensprecher Sergej Kawtaradse. Die Körper hätten mitten in der Ortschaft Hrabove gelegen. Der Abtransport sei „in Anwesenheit von OSZE-Beobachtern“ erfolgt. „Es war aus hygienischen Gründen unmöglich, sie weiter dort liegen zu lassen“ sagte Kawtaradse. Die Leichen würden in Donezk ausländischen Experten übergeben. Zuvor hatte die ukrainische Führung den Aufständischen vorgeworfen, Beweismaterial vom Absturzort zu entwenden. Der prorussische Rebellenführer Alexander Borodaj hatte beteuert, man habe „vor Ort nichts angefasst“ Sie hätten lediglich versucht, die Leichen aus der Hitze zu schaffen.“ Die „Zeit“ schrieb z.B. am 20. Juli unter der Überschrift: „Empörung über den Umgang mit den Toten von MH17 “: „“Das Problem ist, dass es keine Absperrung des Ortes gibt, wie sonst üblich. Jeder kann da rein und womöglich mit Beweisstücken herumhantieren“ sagte der Sprecher. Journalisten und OSZE-Mitarbeiter durften sich am Freitag nur 75 Minuten und am Samstag weniger als drei Stunden zur Begutachtung der Trümmer an der Absturzstelle bewegen. Die OSZE-Mitarbeiter hätten beobachtet, wie Leichen von Unbekannten in Plastiksäcke gepackt und an den Straßenrand geräumt wurden. Die Separatisten teilten ohne Details mit, die Flugschreiber der Maschine seien in ihrer Hand und in die Großstadt Donezk gebracht worden. Zuvor hatte einer ihrer Anführer versprochen, die Geräte „problemlos“ den Behörden zu übergeben. Westliche Regierungschefs kritisierten die Umstände an der Absturzstelle scharf. „Das ist inakzeptabel und ein Affront gegen alle, die geliebte Menschen verloren haben, und gegen die Würde, die die Opfer verdienen“ sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums in Washington. Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte zeigte sich „schockiert“ über Bilder von „schamlosen“ prorussischen Separatisten, die an der Absturzstelle Habseligkeiten der Opfer in Händen hielten.“ Dagegen berichtete „RIA-Novosti“ schon am Tag des Unglücks, dem 17. Juli, unter der Überschrift „Die Volksrepublik Donezk schließt einen humanitären Waffenstillstand zur Aufklärung des Boeing Absturzes“ über die Bereitschaft der Rebellen, internationale Ermittler zum Unglücksort zu lassen: „Die Volksrepublik Donezk will zur Aufklärung des Absturzes der malaysischen Boeing 777 einen humanitären Waffenstillstand mit Kiew schließen, sagte am Donnerstag der Premierminister der nicht anerkannten Republik Alexander Borodaj. „Wir befinden uns in Videokonferenzen … mit den Machthabern in Kiew. Wir erlauben internationalen Organisationen den Zutritt.“ erklärte Borodaj.“ Den Rebellen konnte es mit der Anreise der internationalen Expertengruppe gar nicht schnell genug gehen. Am 19. Juli berichtete die „Komsomolskaja Prawda“ unter der Überschrift „Borodaj: Die Ukraine sabotiert die Aufklärung des Boeing-Absturzes“, dass Borodaj sich beschwerte: „“Uns wurde mitgeteilt, dass die Gruppe heute in Kiew mit irgendwem über irgendwas spricht und erst eventuell morgen am Unglücksort ankommt“ sagte er auf einer Pressekonferenz … Nach seinen Worten haben die Experten keine besonderen Bedingungen gestellt. Was der Grund für die Verzögerung ist, ist nicht bekannt. Außerdem gab der Regierungschef an, dass es in der Gegend sehr heiß ist und die Leichen zu verwesen beginnen. Auch bestehe die Gefahr, dass jederzeit „Beschuss, Bombardierung die Situation verändern können“ … „Die Leichen der unschuldigen Opfer liegen bei 30 Grad Hitze im Freien. Wir behalten uns das Recht vor, wenn diese Verzögerungen weitergehen, zumindest mit der Bergung der Leichen zu beginnen“ erklärte Borodaj. … „Wir halten es für möglich, dass die möglicherweise künstliche Verzögerung von Kiew organisiert wurde, um die Ermittlungen unmöglich oder unvollständig zu machen. Wir haben es mit Sabotage der Ermittlungen zu tun“ erklärte er.“ Warum die holländischen Experten erst zwei Tage später am Unglücksort eintrafen und was sie in Kiew aufgehalten hatte, wurde nicht berichtet, weder in westlichen, noch in russischen oder ukrainischen Medien. Zu den Meldungen, dass die OSZE-Beobachter nur begrenzten Zugang zur Unglücksstelle bekamen äußerte sich am 19. Juli der stellvertretende Premierminister der Volksrepublik Donezk gegenüber der Agentur „RusNovosti“: „Die Rebellen lassen die OSZE-Beobachter aus Sicherheitsgründen nicht zur abgestürzten Boeing, teilte der stellvertretende Premierminister der selbsternannten Donezker Volksrepublik Andrei Purgin gegenüber RusNovosti mit. So hat er die Mitteilung der Pressestelle der internationalen Organisation kommentiert, dass die Beobachter keinen vollen Zugang zum Ort der Tragödie gekommen haben. „Wir (die Rebellen, Anm. der Red.) versuchen zu verhindern, dass die ukrainischen Soldaten das Feuer auf die Beobachter der OSZE eröffnen. Das Flugzeug liegt zwischen den Fronten. Wir bringen sie (die Vertreter der OSZE, Anm. der Red.) zu der Linie, bis zu der ein großkalibriges Gewehr schießen kann. Wir könnten sie natürlich auch weiter vorlassen. Aber dann werden wir beschuldigt, ihre Sicherheit gefährdet zu haben.“ erklärte Purgin.“ Die Regierung in Kiew wiederum beschwerte sich, dass die Rebellen sie nicht zum Unglücksort lassen würde. „Ukrinform“ meldete am Abend des 18. Juli unter der Überschrift „Die Terroristen verbieten den Abtransport der Leichen vom Ort der Katastrophe“, dass der stellvertretende ukrainische Premierminister Groisman mitteilte: „Alle unsere technischen Geräte sind heute bereit, die Leichen aus der Zone abzutransportieren und sie zu lagern. Das einzige Problem ist der Zugang zum Ort der Tragödie, der von Kämpfern und Terroristen kontrolliert wird.“ Man sieht, die Lage war unübersichtlich. Und als die Rebellen dann schließlich den freien Zugang gestatteten und auch Journalisten zum Unglücksort vorließen, wurde ihnen vorgeworfen, den Ort nicht gut genug zu bewachen. Ein Reporter von „Sky-News“ wühlte vor laufender Kamera einer Liveübertragung in den persönlichen Dingen eines Opfers, wie die „Zeit“ unter der Überschrift „Reporter durchstöbert Gepäck von MH17-Opfer “ berichtete: „In einer Live-Schalte für den Nachrichtensender Sky News durchsuchte der Reporter am Sonntag ein geöffnetes Gepäckstück eines Passagiers des verunglückten Fluges MH17. Mehrere persönliche Gegenstände des Absturzopfers nahm er in die Hand und warf sie anschließend wieder zurück. Dass er damit auf negative Reaktionen stoßen würde, ahnte Brazier offenbar bereits während seines Berichts. „Wir sollten das eigentlich nicht machen, vermute ich“ sagte er in die Kamera.“ Am 23. September behandelte „Die Anstalt“ das Thema Ukraine erneut und berichtete dabei auch über die Bergungsarbeiten von MH17. Dabei wurde ein Foto gezeigt, dass nach dem Absturz durch die Medien ging und einen Rebellen zeigte, der ein Plüschtier in der Hand hielt. Auf dieses Bild bin ich bei der Arbeit an diesem Buch ebenfalls in mehreren Berichten gestoßen. Die Überschriften zu dem Bild berichteten von den „schamlosen“ Rebellen, die „die Würde der Opfer mit Füßen treten“. Danach zeigten die Satiriker der „Anstalt“ das Video, aus dem das Bild stammte und es zeigt sich, dass der Mann den Teddy in die Kamera hielt und ihn dann vorsichtig zurücklegte, sich danach die Mütze abnahm und sich bekreuzigte. Über diesen Teil des Videos bzw. die Herkunft des Bildes berichteten die Medien, die das Bild thematisierten, nicht. Am 20. Juli berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter der Überschrift „Separatisten verweigern Zugang zu Opfern“: „Drei Tage nach dem Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs über dem umkämpften Osten der Ukraine haben internationale Fachleute immer noch keinen Zugang zu den sterblichen Überresten der 298 Personen, die bei der Katastrophe ums Leben gekommen sind.“ Im ganzen Artikel fand sich kein Hinweis darauf, dass die Fachleute noch gar nicht in Donezk waren und dass sich die Rebellen bereits über die verzögerte Anreise beschwert hatten. Es wird suggeriert, dass die Rebellen die Fachleute nicht zum Unglücksort vorließen. Am 21. Juli waren die Ermittler aus den Niederlanden endlich vor Ort. Hierzu zunächst aus dem Bericht der OSZE-Beobachter: „Um 11.20 Uhr erreichten die Beobachter den Bahnhof von Tores. Die fünf Zugwagons (von denen vier gekühlt sind), die die Beobachter am 20. Juli besichtigt haben, waren noch am Bahnhof. Das holländische Forensik Team betrat die Wagons und stellte fest, dass die Lagerbedingungen gut waren. Die Beobachter und die forensischen Experten bezeugten die Schließung und Versiegelung von drei der vier Kühlwagons. Der vierte, der zu dieser Zeit leer war, blieb bis zur Anlieferung weiterer Leichensäcke an diesem Tage offen. Als die Beobachter um 17.30 Uhr zum Bahnhof von Tores zurückkamen, sahen sie die Ankunft eines LKW mit einem Leichensack, der in den vierten Wagon verladen wurde. Der Wagon enthielt nun zusätzliche Leichensäcke. Der vierte Wagon wurde in Anwesenheit der Beobachter und der holländischen Forensik Experten versiegelt. Ein Vertreter der Donezker Volksrepublik informierte die Beobachter, dass bisher 282 Leichen gefunden seien; die Beobachter können diese Zahl nicht bestätigen. Am Morgen des 21 Juli hatte die Donezker Volksrepublik den Beobachtern versichert, der Zug würde die Erlaubnis bekommen, nach Charkow zu fahren, sobald die fehlenden Leichen verladen wären und würde von den holländischen Forensik Experten und zwei OSZE-Beobachtern begleitet werden. Das war dann wegen Berichten über Granatbeschuss eines Bahnhofes in Donezk an diesem Tag nicht möglich. Die Donezker Volksrepublik war bereit, den Zug zu bewachen und zu einem sicheren Ort in Donezk zu bringen.“ In den westlichen Medien stellten sich die Szenen am Bahnhof von Tores anders dar, als in dem OSZE-Bericht. Die Meldungen der deutschen Medienwaren übereinstimmend, exemplarisch zitiere ich „N-TV“. Dort schrieb man am 21.Juli unter der Überschrift „Kühlzug kühlt nicht – Experten sehen Unbeschreibliches“: „Alle fünf Waggons des unweit vom Absturzort stehenden Zugs unter Kontrolle der prorussischen Separatisten wurden geöffnet und die darin liegenden Leichen von jeweils zwei Männern mit Atemmasken untersucht. Entgegen bisherigen Darstellungen der Aufständischen war nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) von einer Kühlung der sterblichen Überreste in ihren schwarzen Säcken jedoch nichts zu merken. Den mit Stirnlampen ausgerüsteten Ermittlern sei bei ihrer Untersuchung starker Verwesungsgeruch entgegengeschlagen. Der Gestank in den Waggons sei so penetrant, dass mehrere Umstehende und auch Vertreter der Rebellen ins Taumeln geraten seien.“ Es stellt sich die Frage, warum in Deutschland diese Meldung übereinstimmend so verbreitet wurde, wenn doch der OSZE-Bericht ausdrücklich etwas anderes aussagte. Laut OSZE-Bericht kühlten die Wagons und die Holländer bezeichneten die Lagerung als gut, während „N-TV“ und andere deutsche Medien die OSZE hier offensichtlich falsch zitierten. Es war zu erwarten, dass es in den Wagons einen starken Verwesungsgeruch gab, nachdem die Leichen vorher Tage lang bei über 30 Grad Sommerhitze im Freien in der Sonne gelegen hatten. Aber an der Lagerung der Leichen in den Wagons kann es nicht gelegen haben, wenn man der OSZE glaubt. Die „BBC“ berichtete unter der Überschrift „MH17 plane crash: Dutch experts examine bodies“: „Am Montag haben die holländischen Experten einige der 196 Leichen, die in Kühlwagons etwa 15 Kilometer vom Absturzort entfernt lagern, untersucht. „Ich denke, die Lagerung der Leichen ist von guter Qualität“ sagte der Teamleiter Peter van Leit nach der Inspektion. … Korrespondenten in Tores sagten, der Gestank von Verwesung aus den Wagons wäre überwältigend.“ Es scheint also so, als ob der Verwesungsgeruch nichts mit der Lagerung in den Wagons zu tun hatte, sondern mit der Tatsache, dass die Leichen vorher tagelang in der Sommerhitze lagen. Nur warum berichteten die deutschen Leitmedien übereinstimmend etwas anderes? Zwar berichteten nicht alle deutschen Medien explizit, die Wagons wären nicht gekühlt, aber alle berichteten über den Verwesungsgeruch ohne die Holländer zu zitieren, die von guter Lagerung sprachen. Die Rebellen hatten ursprünglich mit der Bergung der Leichen warten wollen, bis die niederländischen Experten vor Ort waren und begannen mit der Bergung erst, als die Verwesung einsetzte. Sie waren in einer Situation, in der es egal war, was sie taten. Es war immer falsch. Ließen sie die Leichen liegen, warf man ihnen vor, die Toten pietätlos auf offener Straße verwesen zu lassen. Bargen sie die Leichen, warf man ihnen vor, Spuren zu verwischen und pietätlos bei der Bergung vorzugehen. Die „Süddeutsche Zeitung“ berief sich am 21. Juli unter der Überschrift „Respektlosigkeit im Trümmerfeld“ auf internationale Vereinbarungen zum Vorgehen bei Flugzeugunglücken: „Die Ermittler müssen „ungehinderten Zugang zum Wrack und allen relevanten Materialien“ erhalten, einschließlich Flugschreibern und anderer Flugsicherheitsaufzeichnungen, heißt es etwa in Punkt 5.6. Doch die Aufständischen halten sich offenkundig nicht oder zumindest nicht immer an den Inhalt dieser von mehr als 190 Staaten anerkannten Dokumente.“ Hier wieder kein Hinweis darauf, dass die Experten erst am 21. Juli vor Ort waren, weil sie vorher in Kiew waren oder auf den Beschuss durch die ukrainische Armee und die Sicherheitsbedenken der Rebellen. Man hätte diese Argumente ja entkräften können, wenn sie nicht wahr gewesen wären. Stattdessen wurde es schlicht nicht erwähnt. „Von der Absturzstelle in der Ostukraine werden zudem Plünderungen gemeldet. Eine BBC-Reporterin kam unfreiwillig in den Besitz sensibler Unterlagen: Ein Helfer händigte ihr die Brieftasche eines niederländischen Opfers aus, die er in einem Feld gefunden hatte. Ob diese Dokumente sich irgendwann in dem offiziellen Untersuchungsbericht wiederfinden, erscheint zumindest fraglich.“ Warum war dies fraglich? Hatte der Verfasser Zweifel, dass die „BBC“-Reporterin die Dokumente aushändigt? Wenn die Rebellen Dinge einsammelten, wurden Plünderungen gemeldet. Wenn sie Dinge aushändigten, war es auch falsch. Natürlich hätten sie es keiner Reporterin geben dürfen. Aber man muss sich auch das Chaos vor Ort vor dem Hintergrund des Krieges und fortgesetztem Beschuss vor Augen führen. „In der Ostukraine dagegen wurden unter den Linsen zahlreicher Kameras Leichenteile in schwarze Säcke gestopft und mit Lastern an den Bahnhof von Tores gebracht, weil dort Waggons stehen, die gekühlt werden können. Wie die Nachrichtenagentur AFP meldet, sei von einer Kühlung der sterblichen Überreste aber nichts zu merken gewesen – entgegen der bisherigen Darstellungen der Aufständischen.“ Wenn die Rebellen keine Journalisten vor Ort ließen, warf man ihnen vor, etwas vertuschen zu wollen. Wenn sie nun Journalisten vor Ort ließen und gleichzeitig mit der Bergung der Leichenteile fortfuhren, dann wurde es nicht als „bergen“ sondern als „in Säcke stopfen“ bezeichnet. Außerdem haben wir nun eine mögliche Antwort, warum die deutschen Medien so einhellig von ungekühlten Wagons berichten: Die AFP hat dies gemeldet und offensichtlich hielt es niemand für nötig, diese Meldung z.B. bei der OSZE zu überprüfen. Über den Vorfall mit der „BBC“-Reporterin berichtete die „ Tageszeitung TAZ“ am 22. Juli etwas genauer: „Eine überraschte BBC-Fernsehreporterin ließ sich vor laufender Kamera die Papiere und die Geldbörse eines der Opfer in die Hand drücken – eingesammelt von einem „Freiwilligen“ also einem Ortsbewohner, wie sie in großer Zahl tagelang im Auftrag der Separatisten die Absturzstelle durchsucht haben. Ob die Journalistin das weitergeben könne, fragte der Mann sichtlich ratlos. Klar, antwortete die Reporterin sichtlich schockiert.“ Natürlich war die Situation vor Ort chaotisch, es herrschte Krieg und ein Flugzeug war in und um Dörfer abgestürzt. Eine Absperrung der Absturzstelle, durch die eine Front verlief, war kaum möglich. Freiwillige halfen bei der Bergung. Dass dabei vieles unprofessionell gelaufen ist, dass vielleicht auch Menschen dabei geplündert haben, ist kaum auszuschließen. Dennoch klang der Vorfall bei der „TAZ“ schon anders als bei der „Süddeutschen“: Der Helfer, der keinen Zugang zu den Ermittlern hatte, wollte, dass sie die Fundstücke den Ermittlern aushändigte. Ebenfalls am 21. Juli schrieb der „Focus“ unter der Überschrift „Schreckliche Bilder des MH17 Todes-Wracks“: „Augenzeugen berichten von Plünderungen, private Gepäckstücke sollen fehlen, die Leichen seien pietätlos geborgen worden.“ Was allerdings an der Bergung der Leichen pietätlos war, wurde nirgends ausgeführt. Weder hier beim „Focus“ noch in anderen Medien, die sich dieser und ähnlicher Formulierungen auch bedienten. Die russischen und ukrainischen Medien bestätigten die Fakten, also die Anzahl der geborgenen Toten oder die Tatsache, dass es erst ab dem 21. Juli völlig ungehinderten Zugang zum Absturzgebiet gab. Interfax schrieb am 21. Juli unter der Überschrift „Die Donezker Volksrepublik berichtet von 282 geborgenen Leichen bei der abgestürzten Boeing“: „“Die Leichen wurdenmaximal korrekt geborgen und vom Absturzort in fünf Kühlwagons verladen. Die Wagons befinden sich auf dem Bahnhof von Tores. Zunächst fahren sie nirgendwo hin. Wir können sie wohin auch immer schicken, aber nur in Begleitung von internationalen Experten.“ sagte Borodaj auf einer Pressekonferenz in Donezk am Montag. Er teilte weiter mit, dass technische Teile des Flugzeugs, bei denen es sich anscheinend um die Blackboxes handelt, immer noch in Donezk sind. „Und sie werden, so wie die Leichen der Opfer, an ausländische Experten übergeben. Nicht der ukrainischen Seite. Wir können die Beweise nicht unserem Feind übergeben, der, wie wir sehen, nicht an einer objektiven Aufklärung der Situation interessiert ist.“ erklärte Borodaj.“ In den nächsten Tagen ging es dann recht zügig. Die Züge fuhren begleitet von internationalen Beobachtern nach Charkow, wo die Niederländer ein Labor eingerichtet hatten und gemeinsam mit Interpol mit der Identifizierung der Leichen begannen. Bis zum 26.Juli waren alle geborgenen Leichen in die Niederlande geflogen worden. Am 22. Juli übergaben die Rebellen auch die Blackboxes. Dazu z.B. der „Spiegel“ an jenem Tag: „Die beiden Blackboxes von Flug MH17 sollen in gutem Zustand sein. Das hat ein malaysischer Colonel nach der Übergabe der Geräte durch prorussische Milizen mitgeteilt. Zuvor hatte Separatistenführer Aleksander Borodaj die Boxen an malaysische Experten in Donezk übergeben.“ Später ergab die Auswertung, dass die Blackboxes in gutem Zustand waren und nicht manipuliert worden sind. In den nächsten Tagen wurden noch Leichen gefunden und ebenfalls nach Holland geschickt. Aus Sicherheitsgründen wurden die internationalen Experten von Polizisten aus ihren Heimatländern begleitet, die sowohl von Kiew als auch von Donezk die Erlaubnis hatten, Waffen zu tragen. Jedoch wurde davon in den meisten Fällen abgesehen, um niemanden zu provozieren. Dennoch gab es offensichtlich Fälle, in denen Teile des Wracks unsachgemäß behandelt wurden. So gab es Berichte, das Cockpit sei zersägt worden und später fanden Reporter Teile des Flugzeugs, die als Straßensperren verwendet wurden. Über die Zerlegung des Cockpits berichtete z.B. „USA Today“ am 23. Juli unter der Überschrift „Cockpit of MH17 found sawed in half at crash site“ und schrieb: „Internationale Beobachter, die endlich vollen Zugang zum Absturzort der Malaysia Airlines Maschine in der Ostukraine haben, sagten am Dienstag, dass Teile des Boeing 777 Cockpits in zwei Teile zersägt worden sind während sie unter der Kontrolle der Rebellen waren.“ Und am 6. August berichtete die „New York Post“ unter der Überschrift „flight-17-wreckage-being-used-as-roadblock“: „Pro-russische Rebellen in der Ukraine haben Teile des Wracks des Malaysia Airlines Fluges 17 benutzt, um Straßensperren zu bauen, die Menschen am Eindringen in die separatistische Donezk Region hindern sollen. Ukrainische Journalisten haben nahe dem Dorf Rasspypnoye Fotos gemacht von etwas, dass sich als Teile des Rumpfes und anderer Teile des Flugzeugs herausstellte, wie Eurpics berichtet.“ In den folgenden Tagen mussten die Arbeiten immer wieder unterbrochen werden, da heftige Kämpfe in dem Gebiet der Absturzstelle stattfanden. Ein Blick auf die Karte genügt, um zu verstehen, dass hier die ukrainischen Einheiten die Schuld trugen, denn sie griffen das von den Rebellen kontrollierte Gebiet an. Dies wurde jedoch – wenn überhaupt – nur sehr verklausuliert berichtet. Zum Beispiel im „Spiegel“ am 6. August unter der Überschrift „MH17-Untersuchung im Kampfgebiet: Frust im Trümmerfeld“. Dort konnte man lesen: „Denn rundherum nehmen die Kämpfe an Heftigkeit zu, die ukrainische Armee zieht den Ring um Donezk immer enger. Hug beobachtete auch gestern große Militärkolonnen in dem Gebiet.“ Außerdem schrieb der „Spiegel“ hier auch darüber, dass die Rebellen auf der neutralen internationalen Untersuchung bestanden: „Wie lange die Suche in den Feldern östlich von Schachtarsk fortgesetzt wird, vermag auch Hug nicht zu sagen. Die Rebellen bestünden darauf, dass die Trümmerteile von internationalen Fachleuten abtransportiert werden.“ Am 1. August schrieb auch „ABC“ unter der Überschrift „MH17: International investigators reach Malaysia Airlines crash site amid shelling“, darüber: „Außenministerin Julie Bishop sagte Lateline, der Voraustrupp wäre angekommen und hätte Granatbeschuss an der Absturzstelle „mitten im Kriegsgebiet“ gehört. Sie sagte, dort „liefen Kämpfe“ – entgegen der Mitteilung des ukrainischen Militärs, das eine eintägige Feuerpause in seiner Offensive gegen die pro-russischen Rebellen im Osten des Landes verkündet hätte. Die Hauptgruppe der Ermittler bleibt frustriert in ihren erfolglosen Bemühungen zur Absturzstelle zu kommen und war nicht mal in der Lage, Donezk zu verlassen. In einer Mitteilung hat die OSZE gesagt, dass ihre Beobachter zusammen mit australischen und holländischen Experten sicher am Unglücksort angekommen seien, nachdem sie eine neue Route gewählt hatten.“ Am 7. August gaben die Experten auf und unterbrachen die Bergungsarbeiten wegen der heftigen Kämpfe in dem Gebiet. Hierzu „Itar-Tass“ unter der Überschrift „Die internationalen Experten haben die erste Phase der Suche nach Teilen der Boeing beendet“: „Die internationale Expertengruppe hat die erste Phase der Suche nach Teilen des Flugzeugs und Leichen der getöteten Passagiere der malaysischen Boeing im Donezker Gebiet wegen Gefahr für Leib und Leben der Mitglieder der Gruppe, die am Ort der Katastrophe arbeiteten, beendet. … Nach Informationen der Kommission bleibt jetzt „ein Drittel der territorialen Zone, in der sich Wrackteile befinden, nicht untersucht. In der nächsten Zeit besprechen die Experten die Perspektiven möglicher Fristen für eine Rückkehr zum Beginn der zweiten Phase der Arbeiten.“ Bis die Entscheidung über die Fortsetzung der Suche gefallen ist, verlässt der größte Teil der Experten die Ukraine. Eine Ausnahme bildet eine kleine Gruppe zur Aufrechterhaltung der Verbindungen und Koordination. Zwischen den Experten der Arbeitsgruppen wurde vereinbart, dass vor Beginn der zweiten Phase die Feuerpause im Absturzgebiet, die Präsident Poroschenko auf Bitten der internationalen Experten verkündet hat, tatsächlich gelten müsse, heißt es in der Mitteilung.“ Die Beobachter der OSZE berichteten am 7. August über die Ereignisse an der Absturzstelle am 6. August, dem vorerst letzten Tag der Expertengruppe vor Ort: „Die Beobachter sind gemeinsam mit 64 Experten und Polizisten zu dem Dorf Rozsypne (73 km östlich von Donezk) gefahren, wo Einwohner einige persönliche Gegenstände der Opfer des Malaysia Airlines Fuges MH17 übergeben haben. Die Experten fanden keine sterblichen Überreste in dem Gebiet. Die Dorfbewohner erzählten den Beobachtern über Mangel an Strom und Wasser und einige äußerten Sorgen über die rückläufige Lebensmittelversorgung, vor allem beim Brot. Sie sagten das häufig Granatfeuer im Dorf zu hören ist. Die Experten bestätigten erneut, dass der „Notfall Service“ der sogenannten „Donezker Volksrepublik“ bei der Suchoperation sehr professionell gearbeitet hat.“ Interessant, dass die wiederholten positiven Äußerungen der Flugexperten zu der Arbeit der Rebellen in den deutschen Medien zu keinem Zeitpunkt zitiert wurden. Am 9. August veröffentlichte das „Luxemburger Tageblatt“ ein Interview mit dem Leiter des OSZE-Einsatzes, Alexander Hug. Auf die Frage, wann die Expertengruppe zurückkehren wird, antwortete er dort: „Wir werden das tun, wenn es die Sicherheitslage aus Sicht der internationalen Experten zulässt. Dann werden wir Gespräche über den Zugang führen – mit denjenigen, die dort dann die Kontrolle haben.“ Auch hier also eine indirekte Bestätigung der Tatsache, dass die Gefahr für die Experten von Angriffen der Ukraine ausging, denn das Gebiet war ursprünglich unter Kontrolle der Rebellen gewesen. Wenn Herrn Hug nun unklar war, wer später die Kontrolle haben würde, deutet dies auf Angriffe der Ukraine hin. Wobei man sich fragen muss, warum Kiew die internationalen Aufforderungen, in dem Gebiet nicht zu kämpfen, ignorierte. Und man muss sich auch fragen, warum Kiew dafür nicht kritisiert wurde. Schließlich ging es zum Einen um die Bergung der fehlenden Opfer, zum anderen um die Aufklärung des Unglückes selbst, welche durch die weiteren Zerstörungen, die ein Krieg an der Absturzstelle zwangsläufig zur Folge hat, erschwert wird. Man findet in den Berichten der OSZE keine Hinweise darauf, dass die Rebellen die Experten behindert hätten. Lediglich in den ersten zwei Tagen gab es Einschränkungen, die von den Rebellen mit der Sicherheit der Beobachter begründet wurden. Später gab es keine weiteren Hinweise auf Behinderungen durch die Rebellen am Absturzort. Im Gegenteil las man in den Berichten, dass die Experten von den Rebellen zum Absturzgebiet eskortiert wurden, die Rebellen ihnen also halfen, das Gebiet möglichst problemlos zu erreichen und die Checkpoints möglichst problemlos zu passieren. Auch las man immer wieder lobende Worte der Expertengruppe über die Zusammenarbeit mit den Rebellen. Generell kann man festhalten: Nach den anfänglichen Schwierigkeiten, als OSZE-Beobachter von den Rebellen gefangen genommen wurden, hatte sich die Zusammenarbeit zwischen Rebellen und OSZE normalisiert. Das anfängliche Misstrauen der Rebellen gegenüber der OSZE scheint sich mit der Zeit aufgelöst zu haben. Im September gab es einen weiteren Versuch, die Bergungsarbeiten fortzusetzen, der jedoch erneut abgebrochen werden musste. Am 26. September beschwerte sich der Malaysische Premierminister über das Verhalten Kiews, wie man im „The Malaysian Reserve“ nachlesen konnte. Unter der Überschrift „Malaysia dismayed over Ukraine’s empty MH17 promise“ wurde er dort zitiert: „Am Donnerstag traf der Malaysische Premierminister Najib Razak den ukrainischen Premierminister Arsenij Jazenjuk am Rande der UN-Generalversammlung in New York, aber selbst Jazenjuk blieb wage auf die Frage, ob und wann die Ermittler die Ostukraine vor dem Winter wieder betreten können. Najib sagte, der ukrainische Premierminister beschuldigte stattdessen die russischen Separatisten für die fortgesetzten Kämpfe in der Region. „Die Ukraine konnte uns keine Zusage geben. Wir hängen von ihnen ab. Die Kämpfe gehen weiter und er (Jazenjuk) sagte, es ist unmöglich für uns, dort hinzugehen“ sagte Najib.“ „Er konnte uns nichts konkretes anbieten oder klare Zeitvorgaben machen, wann wir hinreisen können“ fügte er hinzu. Liow sagte am Freitag, dass die ukrainische Regierung ihre Versprechen einhalten muss, da das Ermittlungsteam noch eine große Aufgabe zu erfüllen habe. … Der Minister betonte, dass Malaysia nicht in den geo-politischen Konflikt in der Ostukraine hineingezogen werden möchte, die Absturzstelle sollte aber als Ort einer internationalen Tragödie gesehen werden.“ Interessant ist, dass der malaysische Premierminister mit keinem Wort die Rebellen beschuldigte, dies tat Jazenjuk. Es scheint, als hätten die malaysischen Ermittler vor Ort einen klaren Eindruck gewonnen, wer dort für die Kämpfe im Absturzgebiet verantwortlich war. Im Oktober wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und es wurden noch Leichenteile gefunden. Ab Mitte November begann der Abtransport der Flugzeugteile. Versionen für den Abschuss Dass MH17 abgeschossen wurde, daran wurde von Anfang an nicht gezweifelt. Schon am 22. Juli brachte die „Welt“ einen Artikel, der recht detailliert schilderte, welche Indizien dafür sprachen. Unter der Überschrift „Löcher am Rumpf sollen Schrapnell-Spuren zeigen“ schrieb die „Welt“: „Das legen Fotos von durchlöcherten Wrackteilen von Reportern der „New York Times“ am Ort der Katastrophe nahe: Auf einem davon ist etwa ein Aluminiumstück des Rumpfs zu sehen, das mit kleineren Löchern übersät ist. Die gelbe Farbe der Außenseite ist abgeplatzt. Die Experten des Verteidigungs-Fachverlags IHS Jane’s, die diese Bilder auswerteten, kamen zu dem Schluss, dass Letzteres ein Beleg für Schrapnell-Spuren sein könnte. … Die Fachleute sprachen weiter von typischen Löchern, die nach einer Explosion einer Rakete mit Überschallgeschwindigkeit entstehen … Infrage kommen könnten die Raketen des russischen Abwehrsystems Buk M1 (Sa-11). Diese explodieren in einer Entfernung von 30 bis 90 Metern zum Ziel. Der Rumpf, Tragflächen und Triebwerke der Maschine werden dann von Schrapnellen aus dem Gefechtskopf der Rakete getroffen …. In Russland setzen die Medien verstärkt darauf, von dieser Version abzulenken und die Schuld auf die ukrainische Armee zu schieben. Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Montag, dass sich angeblich ein ukrainischer Kampfjet vom Typ Su-25 in der Nähe der Passagiermaschine befand, teilweise in einer Entfernung von fünf Kilometern. … „Auch wenn die Daten des Verteidigungsministeriums überzeugend aussehen, wirft diese Version Fragen auf“ sagt der Militärexperte Alexander Golz. Denn die Flughöhe bei der Su-25 liege nach Angaben von russischen und sowjetischen Quellen bei 5000 Metern, die Dienstgipfelhöhe (maximale Steiggeschwindigkeit bei maximaler Motorleistung) bei 7000 Metern. Die Boeing flog aber in einer Höhe von über 10.000 Metern.“ Die „Welt“ hat hier zwar gut recherchiert, denn die Dienstgipfelhöhe der Su-25 liegt bei 7.000 Metern. Jedoch darf man die Dienstgipfelhöhe nicht mit der maximal möglichen Flughöhe verwechseln. Die liegt bei der Su-25 bei bis zu 12.000 Metern. Das werden wir noch in einem Interview mit dem Konstrukteur des Flugzeuges sehen. Ansonsten hat die „Welt“ aber am 22. Juli die wichtigsten Fragen gestellt, auf die bis heute Antworten gesucht werden. Bis heute weiß man nicht wesentlich mehr, als damals. Trotzdem lohnt es sich, den heutigen Wissensstand zusammen zu fassen, auch wenn wir bis heute keine endgültigen Antworten haben. Aber gleiches gilt für viele Fragen in diesem Konflikt, wie z.B. für die Toten vom Maidan oder in Odessa. Die Fragen, die zu klären sind, sind womit und von wem das Flugzeug abgeschossen wurde. Es gibt – wie gesehen – zwei Versionen. Die erste ist, dass die Rebellen das Flugzeug abgeschossen haben, wobei hier kaum jemand Vorsatz unterstellte, sondern von den Verfechtern dieser Version mit wenigen Ausnahmen gesagt wurde, es wäre entweder ein Versehen gewesen und die Rebellen hätten ein ukrainisches Militärflugzeug abschießen wollen oder aber sie seien mit der komplizierten Bedienung des Systems Buk schlicht überfordert gewesen. Der SBU beschuldigte zudem Russland, dass es russische Soldaten gewesen seien, die das Buk-System bedient hätten. Auch stellt sich die Frage, woher die Rebellen ein solches System gehabt haben sollen, denn bis zu dem Abschuss bestritt Kiew vehement, dass die Rebellen einsatzfähige Buk in ihre Gewalt bringen konnten, nach dem Abschuss plötzlich nicht mehr. Hier kommt zusätzlich die Theorie ins Spiel, das System wäre von Russland geliefert worden. Die zweite Version gibt der Ukraine die Schuld an dem Abschuss. Auch hier gibt es verschiedene Varianten, zum Einen wird behauptet, die Ukraine hätte bei einer Übung aus Versehen ein Buk-System abgeschossen, andererseits wurde behauptet, ein ukrainisches Kampfflugzeug hätte MH17 abgeschossen. Zunächst ein paar Worte zu den genannten Waffensystemen. Das Buk (Nato-Code SA-11 Gadfly) ist eine bodengestützte Flugabwehrrakete, die je nach Version Flugzeuge in einer Höhe von bis zu 14 bzw. 25 Kilometern bekämpfen kann und je nach Version eine Reichweite von 24 bzw. 50 Kilometern . Also ein System, dass ein in zehn Kilometern Höhe fliegendes Verkehrsflugzeug problemlos abschießen kann. Die Bedienung gilt allerdings als sehr kompliziert, da drei Fahrzeuge beteiligt sein müssen: Das Radarfahrzeug, das Raketenfahrzeug und ein Kommandofahrzeug. Daher werden wir sehen, dass einige Experten es für unmöglich hielten, dass die Rebellen ein so kompliziertes System benutzen konnten. Dazu gleich mehr. Die andere Waffe, die genannt wurde, ist ein Kampfflugzeug vom Typ SU-25 (Nato-Code Frogfoot), eigentlich ein Flugzeug zur Erdkampfunterstützung. Dieses Flugzeug ist also nicht für die Bekämpfung anderer Flugzeuge ausgelegt, kann dies aber begrenzt leisten. So gibt es als Bewaffnung Raketen vom Typ R-60 (Nato-Code AA8 Aphid), die zur Selbstverteidigung gegen angreifende Flugzeuge konzipiert sind. Bei dieser Version des Unglücks gibt es ebenfalls einige Schwierigkeiten: Die SU-25 hat eine Dienstgipfelhöhe von 7.000 Metern, also drei Kilometer unterhalb von MH17. Allerdings kann sie bis zu 12.000 Meter erreichen, dabei aber dann auch noch eine R-60 abzuschießen und das Ziel zu treffen, ist sehr schwierig. Auch dazu gleich mehr. Abschuss durch die Rebellen? Zunächst wollen wir uns der Version, die Rebellen hätten das Flugzeug abgeschossen, zuwenden. Dabei sind folgende Fragen zu klären: Hatten die Rebellen ein Waffensystem, mit dem man Flugzeuge in 10.000 Metern Höhe abschießen konnte? Und konnten sie solches ein System überhaupt bedienen? In den Tagen vor dem Abschuss haben die Rebellen bereits Flugzeuge in über 6.000 Metern Höhe abgeschossen, wie wir gesehen haben. Der Luftraum über Donezk wurde daraufhin am 14. Juli von den ukrainischen Behörden für Flughöhen unter 9.750 Metern (32.000 Fuß) gesperrt, wie man auch im vorläufigen Bericht der Untersuchungskommission unter Punkt 2.4.3 nachlesen kann. Man war offensichtlich der Meinung, dies würde reichen und die Rebellen könnten nicht höher schießen. Dass diese Annahme falsch war, musste jedem Experten, der sich mit den entsprechenden Waffensystemen auskannte, sofort klar gewesen sein, denn ein System, dass ein Flugzeug in 6.500 Meter Höhe abschießen kann, kann auch höher schießen. Schon am 29. Juni, also drei Wochen vor dem Unglück, meldeten die Rebellen, sie hätten einen Militärstützpunkt eingenommen und dort Buk-Systeme erbeutet. Darüber berichteten am gleichen Tag die russischen Medien. So schrieb „Itar-Tass“ an dem Tag unter der Überschrift „Die Rebellen der Donezker Volksrepublik brachten eine Luftabwehrbasis mit Buk-Systemen unter ihre Kontrolle“ und führte aus: „Anzahl und Zustand der Waffensysteme, die jetzt in der Hand der Rebellen sind, sind unbekannt. Der Pressedienst der Donezker Volksrepublik verweigerte jeden Kommentar zu diesen Informationen.“ Am nächsten Tag, dem 30. Juni, schrieb die „Novaya Gaseta“ dazu unter der Überschrift „Die Donezker Volksrepublik hat nun einen Luftabwehrschild“: „Und gestern hat der Vorsitzende des Informationszentrums des Sicherheitsrats der Ukraine Andrei Lysenko die Eroberung des Raketenkomplexes auch bestätigt. Dabei teilte er mit: „Es gibt Informationen, dass eine Basis in Donezk besetzt wurde, die Soldaten wurden nicht verletzt. Aufgrund einer Entscheidung des Kommandeurs wurde die Technik unbrauchbar gemacht und ist nicht einsatzfähig, die Kämpfer haben nur das Territorium bekommen. … Nach Angaben (des Presseoffiziers der Streitkräfte, Anm. d. Verf.) haben die Rebellen zwei LKWs und ein Flugabwehrsystem Buk erobert. „Aber es ist nicht funktionsfähig. Die anderen, funktionsfähigen, sind in anderen strategischen Objekten stationiert.“ … Damit kann man aus der offiziellen Mitteilung der ukrainischen Armee schließen, dass die Selbstverteidigungskräfte der Donezker Volksrepublik die erbeuteten Luftabwehrsysteme nicht einsetzen können. … Aber eine Quelle der „Novaya Gaseta“ bei der Donezker Volksrepublik gab die bisher nicht bestätigte Information, dass einige gefangengenommene Soldaten übergelaufen und in der Lage sind, die Systeme wieder in Stand zu setzen. Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Himmel über Donezk nun vor Luftangriffen der ukrainischen Luftwaffe geschützt ist, recht hoch.“ Mit Blick auf die Abschüsse der Militärflugzeuge im Juli scheint sich der Bericht der „Novaya Gaseta“ – und vor allem der letzte Satz – zu bestätigen. Kiew blieb jedoch dabei, dass die eroberten Systeme nicht einsetzbar waren, bzw. dass gar keine erbeutet wurden und dass stattdessen Buk-Systeme aus Russland geliefert worden seien. So bestritt das ukrainische Verteidigungsministerium ebenfalls am 30. Juni die Berichte über die Eroberung der Buk-Systeme auf seiner Internetseite. Ob die „Novaya Gaseta“ einer Ente aufgesessen ist oder ob im Verteidigungsministerium bzw. Sicherheitsrat der Ukraine an diesem Tag die eine Hand nicht wusste, was die andere tat, ist nicht festzustellen. Möglich, dass die Systeme erbeutet wurden, möglich, dass es nicht so war. Am 18. Juni bestritt die Regierung in Kiew erneut, dass überhaupt solche Systeme in die Hände der Rebellen gefallen seien. Die „ukrainische Prawda“ titelte „Die Armee berichtet Poroschenko: Die Rebellen haben kein ukrainisches Buk erbeutet“ und schrieb: „Die Pressestelle des Verteidigungsministeriums berichtet, dass auf Befehl des Kommandeurs der Luftstreitkräfte Soldaten und Raketentechnik kurzfristig aus Donezk an andere Orte verlegt wurde.“ Die ukrainische Nachrichtenagentur „UNN“ gab am 17. Juni eine Meldung des ukrainischen Innenministeriums bekannt: „Die Boeing wurde auf Befehl von Präsident Vladimir Putin als Antwort auf die Sanktionen gegen Russland abgeschossen. Die ukrainische Armee hat den Start der Rakete von der russischen Grenze festgehalten. Das teilte laut „UNN“ der Berater des Innenministers Anton Geraschtschenko in einer Sendung von „112 Ukraina“ mit. „Gestern wurden Sanktionen gegen Russland eingeführt, das ist seine (Putins) Antwort auf die Sanktionen.“ sagte A. Geraschtschenko.“ Diese Meldung kam danach nie wieder, es wurde nicht mehr behauptet, die Rakete sei von der russischen Grenze abgeschossen worden. Wahrscheinlich schon aus einem einfachen Grund: Die Reichweite der Buk reicht nicht aus, um nach einem Start von russischem Gebiet das Flugzeug dort zu treffen, wo es geschah. Man fragt sich jedoch, wie ein Berater des Innenministeriums dazu kam, so etwas offiziell zu behaupten. Am 17. Juli strahlte „Pervi Kanal“ (Das Erste russische Fernsehen) in den Nachrichten ein Interview mit einem Experten aus. Auf die Frage, wer im Osten der Ukraine derartige Luftabwehr-Systeme besitzen könnte, antwortete er: „Die Buk-Systeme im Osten der Ukraine befinden sich in den Händen der ukrainischen Armee. Die Rebellen haben nur tragbare Luftabwehr-Raketen, mit denen man Ziele bis 3,5 Kilometer, Maximum 4,5 Kilometer Höhe zerstören kann.“ Wenn man diesem Experten glauben möchte, stellt sich jedoch die Frage, wie die Rebellen drei Tage vorher, am 14. Juli, ein ukrainisches Flugzeug in 6,5 Kilometern Höhe abschießen konnten. Auf die Frage wurde jedoch nicht eingegangen. Er wies in dem Interview auch auf den Abschuss eines russischen Passagierflugzeuges im Jahr 2001 hin. Damals wurde im Rahmen eines Manövers ein russisches Passagierflugzeug versehentlich von der ukrainischen Armee abgeschossen. Außerdem bezog er sich auf viele Meldungen der ukrainischen Seite, dass Russland in der Zeit vorher mehrmals den ukrainischen Luftraum verletzt hätte und dass die ukrainische Luftabwehr deshalb nervös gewesen sei. „Die Tragödie von 2001 war Fahrlässigkeit und Ergebnis der schlechten Ausbildung der ukrainischen Luftabwehr. Genauso eine analoge Situation gibt es auch heute, wenn Wehrdienstleistende so gefährliche Technik zur Luftabwehr bedienen. … Außerdem möchte ich erwähnen, dass ausgerechnet heute die Luftabwehr-Einheiten, die im Osten der Ukraine stationiert sind, in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt wurden, weil sie sich darauf vorbereiten, Verletzungen des ukrainischen Luftraums durch die russische Luftwaffe zu beantworten. Das ist natürlich Propaganda, aber das Resultat der Vorbereitungen, das Resultat der Gefechtsbereitschaft der Luftabwehr-Systeme, ist eindeutig, dass dieser fatale Abschuss erfolgte, der zur heutigen Tragödie führte.“ In den folgenden Tagen blieb es verworren. Kiew bestritt weiterhin, dass die Rebellen ein Buk erbeutet hätten, die Rebellen blieben dabei, eines zu haben. Allerdings bestätigten sie nun die Meldungen, es wäre unbrauchbar. Kiew und die Nato beschuldigten nun Russland, es habe Buk-Systeme an die Rebellen geliefert. Die ukrainische Nachrichtenagentur „UNN“ berichtete am 18. Juli über eine Pressekonferenz des Generalstaatsanwaltes Nalywajtschenko, der mitteilte: „“Das Passagierflugzeug wurde von einer Flugabwehrrakete Buk getroffen, die vom Territorium Russlands geliefert wurde. Dafür gibt es Beweise“ sagte er. Damit veröffentlichte Nalywajtschenko Beweise dafür, dass die Terroristen die Buk mit Bedienmannschaft aus Russland bekommen haben, was abgefangene Gespräche der Terroristen belegen.“ Die Beweise bestanden also in den abgefangenen Gesprächen, zu denen wir etwas später kommen werden. Am 20. Juli schrieb das „Wallstreet Journal“ unter dem Titel „USA sehen Verbindung Russlands zum Abschuss von MH17“: „Neue Geheimdiensterkenntnisse der USA legen nahe, dass es wohl Moskau war, das die prorussischen Separatisten in der Ostukraine in den vergangenen Tagen mit modernsten Luftabwehrsystemen ausgestattet hat. Das entspricht den Erkenntnissen des ukrainischen Geheimdienstes und stützt die Vorwürfe, dass Russland die Quelle für die Waffen war, mit denen der Flug MH17 der Malaysia Airlines am vergangenen Donnerstag abgeschossen wurde. … Auch US-Außenminister John Kerry bestätigte am Nachmittag diese Einschätzung. Dem US-Nachrichtensender CNN sagte er am Sonntag: „Es ist ziemlich klar, dass dieses System von Russland in die Hände der Separatisten gelangte“ Dass diese die Rakete abgefeuert hätten, sei ebenfalls klar. „Wir haben Bilder vom Raketenabschuss, wir wissen über die Flugbahn Bescheid“ sagte Kerry. Ferner gebe es Aufnahmen von „prahlenden“ Separatisten nach dem Abschuss.“ Dann warf das „Wallstreet Journal“ eine wichtige Frage auf, die später noch eine Rolle spielen wird: „Die Belege auf Seiten der Geheimdienste für die zunehmende Gefahr Anfang vergangener Woche werfen die Frage auf, warum die ukrainischen Behörden die zivilen Flüge über die Kampfregion nicht gestoppt haben. Denn die Reichweite des Raketensystems in den Händen der Rebellen war groß genug, um Passagiermaschinen zu treffen. Die Ukraine eröffnete in der Region am 1. Juli eine Flugverbotszone bis zu einer Höhe von 26.000 Fuß, nachdem sie von der Eroberung des ersten Buk-Systems erfahren hatte. Am 14. Juli wurde die Verbotszone nach dem Abschuss der Militärtransportmaschine bis auf 32.000 Fuß erhöht. Das Flugzeug der Malaysia Airlines flog auf einer Höhe von 33.000 Fuß.“ Da jedes Land für die Sicherheit seines Luftraums verantwortlich ist, stellt sich in der Tat die Frage, warum die Ukraine den Luftraum über Donezk nicht spätestens am 14. Juli komplett gesperrt hat, nachdem ein Flugzeug in 6500 Metern Höhe abgeschossen worden war. Zu dieser Frage kommen wir später noch zurück, wenn es um Schadenersatzforderungen der Hinterbliebenen geht. Außerdem ist interessant, dass Kiew zwar die Berichte von Ende Juni bestritten hat und sagte, dass den Rebellen kein Buk in die Hände gefallen sei, andererseits aber just 1. Juli die Flugverbotszone auf 26.000 Fuß anhoben. Wozu, wenn die Rebellen doch angeblich gar kein Buk erobert hatten? Weiter schrieb das „Wallstreet Journal“: „Moskau bestreitet weiter, die Separatisten mit schweren Waffen ausgerüstet zu haben, trotz immer mehr gegenteiliger Beweise von Seiten der USA. „Wir wissen, dass sich russische Truppen innerhalb der Ukraine aufhalten“ sagt ein US-Vertreter“ Dies las man immer wieder in der westlichen Presse, jedoch haben weder die USA, noch die Nato, noch die EU oder die Ukraine selbst derartige Beweise jemals vorgelegt, sondern immer nur mitgeteilt, sie hätten Beweise. Das soll nicht bedeuten, dass es keine russische Unterstützung für die Rebellen gab, es soll nur herausstreichen, dass dafür bis heute keine Beweise vorgelegt wurden. Dann schrieb das „Wallstreet Journal“: „Trotz wiederholter Aufforderungen aus dem Ausland gewährten die Rebellen auch am Sonntag internationalen Experten keinen freien Zugang zum Absturzort und zu den Leichen.“ Dies war, wie wir gesehen haben, nicht richtig. Vielmehr saßen die Experten zu diesem Zeitpunkt noch in Kiew. Die Rebellen hatten sie, als sie endlich in Donezk angekommen waren, umgehend zum Absturzgebiet gelassen und sie durften sich dort frei bewegen. Dass sich die Meldungen aus Kiew in der Frage, ob die Rebellen ein Buk-System erbeutet hatten, widersprachen, zeigte auch das „Wallstreet Journal“: „Berichte, dass die Separatisten eine Buk-M1 in ihrem Besitz haben, tauchten erstmals am 29. Juni auf, als diese eine Basis der ukrainischen Armee in der Ostukraine eroberten. … Der Geheimdienstchef der Ukraine, Witali Najda, sagt aber, die Berichte hätten seine Regierung nicht sonderlich beunruhigt, weil die ukrainische Armee diese Systeme bereits im März unbrauchbar gemacht habe, als die Kämpfe in der Region begannen. Das Raketensystem blieb zwar in dem Stützpunkt, aber alle Raketenköpfe wurden abtransportiert, sagt Najda.“ Wie man sieht, war es nicht nur die russische Presse, die von der Erbeutung der Buk-Systeme berichtete. Die Meldungen aus Kiew waren also widersprüchlich: Das Verteidigungsministerium bestritt die Erbeutung, der Geheimdienst bestätigte sie, teilte aber mit, die Systeme seien unbrauchbar gemacht worden. Dies deckt sich mit den Aussagen der Rebellen, die zunächst keine Angaben über den Zustand der Systeme gemacht hatten, dann aber mitteilten, sie seien unbrauchbar und man versuche, sie wieder in Stand zu setzen. Aber ein Widerspruch bleibt: Einerseits war Kiew wegen der Bericht „nicht sonderlich beunruhigt“, andererseits richtete Kiew zwei Tage später eine Flugverbotszone bis 26.000 Fuß ein. Warum, wenn Kiew doch angeblich nicht beunruhigt war? Zu der Frage, ob die Rebellen ein Buk-System hatten, findet sich also keine klare Antwort, sondern im Gegenteil, sehr viele einander widersprechende Meldungen. Die nächste Frage, die zu klären ist, ist ob die Rebellen ein solches System überhaupt bedienen konnten. Die Frage wurde immer wieder aufgeworfen und es wurde herausgestellt, dass das System so kompliziert sei, dass es nur mit Hilfe russischer Soldaten bedient werden konnte. Dazu die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am 18. Juli: „Wie das „Wall Street Journal“ am Freitag berichtete, halten Experten es überhaupt für fraglich, dass die prorussischen Rebellen in der Ukraine ein hochkomplexes System wie die Buk-Rakete nach kurzer Zeit bedienen könnten. „Das ist kein System, das man so ohne weiteres gleich benutzen kann“, sagte Douglas Barrie vom Internationalen Institut für Strategische Studien (IISS) in London.“ Die „Tagesschau“ schrieb hierzu am 18. Juli einen Artikel unter der Überschrift „Was geschah mit Flug MH17?“ und stellte dort die wichtigsten Fragen und gab Antworten. Auf die Frage, ob die Bedienung des Buk kompliziert ist, antwortete die „Tagesschau“: „Ja. Laut Militärexperte Thiele ist hierfür eine sehr gute technische Ausbildung nötig. Aber auch das bringe beim Spekulieren über einen möglichen Schuldigen nicht weiter: Es gebe bei den Separatisten übergelaufene ukrainische und russische Soldaten, zahlreiche Freiwillige aus dem militärischen Bereich. Nach Einschätzung Thieles könnten deshalb alle in Frage kommenden Akteure über die Raketen und das Knowhow verfügen, um einen solchen Abschuss zu verursachen.“ Diesen Punkt konnte man sonst nirgends lesen, aber er ist entscheidend: Bei den Rebellen dienten viele Freiwillige mit militärischem Hintergrund. Dass sich unter diesen tausenden von Soldaten niemand befinden sollte, der an der Buk ausgebildet war, ist unwahrscheinlich. Schließlich war sie sowohl in der ukrainischen als auch in der russischen Armee im Einsatz. Daher ist die Komplexität des Systems kein Hinweis auf eine Beteiligung Russlands, auch wenn in den Medienberichten dieser Tage dieser Zusammenhang oft hergestellt wurde. Damit ist zu dieser zweiten Frage alles gesagt: Es ist mehr als wahrscheinlich, dass es bei den Rebellen Soldaten gab, die ein solches System bedienen konnten. Sicher ist es aber nicht. Und mehr weiß bis zum heutigen Tage niemand. Nach dem Abschuss gab es einige Meldungen, die die Rebellen belasteten. Es wurden Videos veröffentlicht, die den Abtransport des Buk belegen sollten. Jedoch lässt sich auf den Videos weder Ort noch Zeitpunkt der Aufnahme tatsächlich feststellen. Die „Zeit“ schrieb am 13. November unter der Überschrift „Die Spur des Raketenwerfers “ darüber und berief sich auf das Portal „Bellingcat“: „Ein Rechercheteam der Enthüllungswebsite Bellingcat hat nachgewiesen, dass einer der Raketenwerfer … in ukrainisches Kriegsgebiet gelangte. … Hinter Bellingcat steht vor allem der Brite Eliot Higgins. … Higgins’ Methode: Er sammelt alle Hinweise zu einem Ereignis, die er in Sozialen Medien findet, YouTube-Videos, Tweets, Facebook-Fotos. Er vergleicht sie mit Satellitenbildern und Fotodatenbanken, analysiert jedes Detail … All das hilft ihm genau zu bestimmen, wo und wann ein Bild entstanden ist. Wie ein Detektiv puzzelt er aus vielen kleinen Hinweisen ein großes Bild zusammen. … In den Tagen nach dem Unglück bekräftigten westliche Geheimdienste, auch der deutsche Bundesnachrichtendienst, die Erklärung der Amerikaner. Aber Beweise wie Satellitenbilder oder Radardaten wurden nicht veröffentlicht.“ Auch hier muss man also leider festhalten, dass die westlichen Geheimdienste zwar Russland beschuldigten aber keine Beweise vorgelegt haben. Auch von den holländischen Ermittlern gibt es bisher keine Aussagen über die Schuldigen. Das einzige, was z.B. in der „Zeit“ als Beweis angeführt wurde, waren die Recherchen eines Bloggers. Auch wenn Bellingcat laut der „Zeit“ einen guten Ruf hat, ist die Veröffentlichung von Bellingcat zu den Buk-Systemen recht kurz und nicht wirklich überzeugend. Davon kann sich der geneigte Leser selbst ein Bild machen, wenn er die Quelle überprüft. Es gibt in kurzen Beiträgen wenig Text, die schon erwähnten Videos und insgesamt ca. 10 Bilder, die sich wiederholen. Man kann der Argumentation von Bellingcat folgen und es ist möglich, dass sie korrekt ist, bewiesen ist dies jedoch anhand der veröffentlichten Bilder keineswegs. Dies bestätigte auch der ermittelnde holländische Staatsanwalt in Interviews immer wieder. Weitere Indizien für einen Abschuss durch die Rebellen waren Einträge in sozialen Netzwerken. In dem russischen sozialen Netzwerk „vkontakte“ – einem Äquivalent zu Facebook – verbreitete Igor Girkin (Strelkov) um 17.50 Uhr Moskauer Zeit, also knapp eine halbe Stunde nachdem das Flugzeug getroffen worden war, die Meldung: „In der Gegend von Tores wurde gerade ein Flugzeug vom Typ An-26 abgeschossen, es liegt irgendwo beim Schacht „Progress“. Wir haben sie gewarnt – fliegt nicht in „unserem Himmel“. Hier ist das Video, dass den nächsten „Vogelsturz“ beweist.“ Der Eintrag wurde kurz darauf wieder gelöscht, ist aber in der sogenannten Wayback Machine noch abrufbar. Dies wurde auch von dem russischen Nachrichtenportal „life news“ zitiert, wo unter der Überschrift „Die Rebellen melden den Abschuss einer An-26 im Osten der Ukraine“ : „Am 17. Juli nahe dem Dorf Rassupnoe bei der Stadt Tores im Donezker Gebiet wurde ein Transportflugzeug der ukrainischen Luftwaffe vom Typ An-26 abgeschossen, wie die Rebellen mitteilten. Nach ihren Worten ist das Flugzeug irgendwo in der Gegend des Schachtes „Progress“ abseits von Wohngebieten abgestürzt. Nach den Worten eines Rebellen flog gegen 17.30 Uhr eine An-26 über die Stadt. Es wurde von einer Rakete getroffen, explodierte und das Flugzeug stürzte zur Erde, wobei es eine schwarze Rauchfahne hinter sich her zog. Es fielen Trümmer vom Himmel.“ Hierzu schrieb die „Neue Züricher Zeitung“ am 18. Juli unter der Überschrift „Erste Spuren führen zu Separatisten“: „Später verbreiteten prorussische Kreise im Internet die Meldung, dass es sich bei dem vkontakte-Profil des Separatistenführers Igor Strelkov um eine Fälschung handle. Stimmt nicht, sagt das Internetmagazin The Interpreter, das in den vergangenen Wochen immer wieder gute Hintergrundgeschichten zum Ukraine-Konflikt veröffentlicht hatte. Das «Bulletins von Igor Strelkov» ist ein etabliertes Profil mit knapp 140’000 Followern, das immer wieder von anderen Medien in der Ukraine und Russland zitiert wurde. Das geschah auch gestern mit dem heiklen Eintrag über den vermeintlichen Abschuss einer An-26. … Relativ schnell nach dem Absturz von MH 17 veröffentlichte der ukrainische Geheimdienst abgehörte Telefongespräche der Separatisten. Darin meldet der Separatistenführer Igor Besler dem russischen Oberst Wasyl Geranin zunächst den Abschuss einer An-26 um 16.40 Uhr. Nachdem sie am Unfallort angelangt sind, mussten die Separatisten mit Entsetzen feststellen, dass sie ein ziviles Flugzeug abgeschossen haben. Ein Kämpfer mit dem Übernamen «Major» berichtet seinem mutmaßlichen Vorgesetzten «Grek»: «Kurz gesagt, verdammt, es ist zweifellos ein ziviles Flugzeug.» Das alles sind bisher lediglich Indizien, aber keine endgültigen Beweise. Im Internet kann vieles von beiden Seiten manipuliert werden und auch die abgehörten Telefonate sind schwer zu verifizieren.“ Wie schon in einigen Artikeln geschrieben, hat der ukrainische Geheimdienst abgehörte Telefonate veröffentlicht, die beweisen sollten, dass die Rebellen MH17 mit Hilfe von aus Russland gelieferten Buk-Raketen abgeschossen haben. Diese Gespräche wurden unter anderem von der russischen „RBK“ am 17. Juli unter der Überschrift „Der SBU veröffentlicht ein mitgeschnittenes Gespräch der Rebellen über die Zerstörung des Flugzeugs“ veröffentlicht. Dazu schrieb die „RBK“: „Das Gespräch wird mit Untertiteln kommentiert. Aus ihnen geht hervor, dass um 16.40 örtlicher Zeit (17.40 Moskauer Zeit) der Kommandant Besler in einem Gespräch mit dem GRU-Oberst Vasili Geranin mitteilte, vor 30 Minuten hätte die „Gruppe Minera ein Flugzeug in der Gegend von Enakiev“ zerstört. Die nächsten Gespräche, so geht es aus den Kommentaren hervor, werden zwischen den Rebellen mit dem Namen „Major“ und „Grek“ geführt. Einer von ihnen sagt, dass das Flugzeug von den Kosaken am Kontrollpunkt Tschepuchino abgeschossen wurde. „Das Flugzeug zerbrach in der Luft in der Gegend des Schachtes Petropavlovskaya. Hundertprozentig ein ziviles Flugzeug. Die Teile sind direkt in die Höfe gefallen. Da sind Reste von Innteilen, Sitzen, Leichen. Waffen sind da keine. Zivile Sachen, Handtücher, Toilettenpapier. Dokumente eines indonesischen Studenten der Universität Thompson“ sagt der unbekannte. Im letzten Gespräch berichtet ein Mensch, der als Rebell vorgestellt wird, dass in der Gegend von Snezhnovo-Tores ein Passagierflugzeug abgeschossen wurde. „Es ist in der Gegend von Hrabove abgestürzt. Da sind viele Leichen, Frauen und Kinder“ sagt einer von ihnen. … Der Vertreter des Regierungschefs der Donezker Volksrepublik Sergei Kawtaradse nannte die Meldung des SBU ein Beispiel für unprofessionelle Propaganda.“ „RBK“ hat die vom SBU präsentierten Mitschnitte recht gut zusammengefasst, denn es waren Mitschnitte von insgesamt kaum zwei Minuten, in denen mehrere kurze Gespräche zu hören waren. Am 17. Juli berichtete „UNN“: „Der Botschafter bei der UNO Juri Sergeev erklärte, dass Kiew Beweise für die Teilnahme russischer Soldaten an der Katastrophe der Boeing-777 der Malaysia Airlines auf dem Donezker Gebiet vorlegen wird, berichtet „UNN“ unter Hinweis auf Associated Press.“ Abgesehen von den präsentierten Telefonaten, deren Echtheit nicht geklärt ist, wurden jedoch bis heute keine Beweise vorgelegt. Auf die veröffentlichten Telefonate berief sich auch der ukrainische Präsident Poroschenko. Auf der offiziellen Seite des Präsidenten erschien am 18. Juli eine Mitteilung zu dem Thema von ihm, in der er unter anderem schrieb: „Ich möchte mitteilen, dass sich einer der Anführer der Kämpfer im Gespräch mit seinem ausländischen russischen Kurator, dem Oberst des GRU beim Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation Vasili Geranilin, mit dem Abschuss brüstete.“ Die Echtheit der Telefonate lässt sich nicht verifizieren, die Rebellen nannten die Aufnahme Fälschungen, wie „Russia Today“ am 18. Juli schrieb: „Ein Vertreter der Volksrepublik Donezk mit Namen Evgeni bestreitet die Echtheit der Aufnahmen, die angeblich vom Sicherheitsdienst der Ukraine abgefangen wurden, in denen es um den Abschuss des zivilen Flugzeugs durch die Rebellen geht. … Nach Meinung des Vertreters der Rebellen ist die Aufnahme nichts anderes als eine Fälschung. Im Interview mit „RT“ erklärte Evgeni, dass er wisse, wo sich die Leute mit den im Gespräch genannten Namen am Tag der Katastrophe der Boeing 777 aufgehalten haben. Nach seinen Worten konnten sie sich „physisch zu der Zeit nicht dort befinden“, unweit des Absturzgebietes des malaysischen Flugzeugs.“ In einem der Gespräche wurde ein Rebell mit dem Namen „Miner“ zitiert. Der ist jedoch, gemäß Berichten vom 3. Juli, also schon über zwei Wochen vor dem Abschuss des Flugzeugs, desertiert und war damit nicht mehr bei den Rebellen aktiv. Darüber berichtete am 3. Juli die russische Zeitung „Vzglyad“ unter der Überschrift „Strelkov: Im Zuge der Kämpfe um Slawjansk sind drei Kommandeure desertiert“ und schrieb: „In der Gegend der Orte Nikolajewka und Semenovka bei Slawjansk gehen die heftigen Kämpfe weiter, der Kommandant der Einheit Motorola ist verwundet, die Kommandanten des Berkut, Filin und Miner sind desertiert, wie der Oberkommandierende der Rebellen Strelkov mitteilte.“ Kiew behauptete, dass die Buk-Systeme aus russischen Beständen stammen. Am 18. Juli berichtete der ukrainische TV-Sender „24“ darüber und brachte einen Beitrag, in dem der SBU mitteilte, russische Soldaten an der russisch-ukrainischen Grenze festgenommen zu haben. Der SBU-Chef Nalywajtschenko dazu: „Die Besatzung waren russische Soldaten, denen ein Artilleriebeobachter fehlte. Und genau jetzt sind zwei Bürger der russischen Föderation von Grenzern und Mitarbeitern des SBU an einem Grenzkontrollpunkt der russisch-ukrainischen Grenze im Donezker Gebiet festgenommen worden. Beide haben russische Pässe und einer war sogar so schlau, mit seinem russischen Militärausweis einzureisen, in dem seine Spezialisierung festgehalten ist, er ist Artilleriebeobachter.“ Am gleichen Tag antwortete die russische Seite auf diese Vorwürfe, wie „Itar-Tass“ berichtete. Dort bestritt ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums die Vorwürfe und fügte hinzu: „Wir erklären, dass diese Spezialisten, also Artilleriebeobachter, nur für Waffensysteme benötigt werden, die Bodenziele angreifen.“ Das stimmt in der Tat: Die Aufgabe eines Artilleriebeobachters ist es, bei indirektem Artilleriebeschuss von Bodenzielen von einer vorgeschobenen Position aus der Artillerie mitzuteilen, wo ihre Geschütze einschlagen. Die Artillerie, die ihre Ziele bei indirektem Beschuss selbst nicht sehen kann, wird dann entsprechend justiert und versucht aufgrund der Angaben der Artilleriebeobachter ihre Trefferwirkung zu verbessern. Jedenfalls sind Artilleriebeobachter bei Luftabwehr-Einheiten wie der Buk weder vorgesehen noch notwendig. Die ukrainische Nachrichtenagentur „112“ zitierte den Chef der Gegenspionage beim SBU Vitali Najda am 19. Juli unter der Überschrift „SBU: Nach dem Absturz der Boeing haben die Kämpfer drei Systeme Buk-M1 aus der Ukraine auf russisches Territorium gebracht“ mit den Worten: „Nachdem das Flugzeug abgeschossen war, nachdem der Terrorakt abgeschlossen war, hat die russische Seite den Befehl gegeben, das System schnellstmöglich aus der Ukraine zu schaffen. Auf einem Foto ist zu sehen, dass eine Rakete auf dem Startgerät fehlt. Mehr noch: wir haben klar festgestellt und die Beweise werden den Vertretern allen internationalen Instanzen im Zuge der Ermittlungen übergeben, dass Russland den Terroristen den Befehl gegeben hat, alle Buk-Systeme aus der Ukraine abzuziehen. Es war nicht nur eines.“ Bleibt hinzuzufügen, dass der SBU die genannten Beweise bis heute schuldig geblieben ist. Am 7. August hat meldete der SBU eine neue Theorie. Auf seiner Internetseite schrieb der Geheimdienst unter der Überschrift „Terroristen und Militante planten zynische Attacke auf ziviles Aeroflot Flugzeug“: „Im Zuge der Ermittlungen zum Absturz der Malaysia Airlines Boeing 777 haben die Geheimdienste herausbekommen, dass Terroristen und Militante eine zynische Attacke auf ein Zivilflugzeug der Aeroflot geplant haben, das unter der Flugnummer AFL-2074 von Moskau nach Larnaca flog und in dem Moment über der Ukraine war. Darüber informierte der Chef des ukrainischen Geheimdienstes Herrn Valentin Nalywajtschenko heute bei einem Briefing. Er unterstrich, dass das Verbrechen geplant wurde, um einen Grund zu finden, russische Truppen in die Ukraine zu bringen, also als CASUS BELLI für eine russische Invasion.“ Wir haben schon öfters gesehen, dass der SBU – und mit ihm Herr Nalywajtschenko – schnell mit Versionen für Vorfälle bei der Hand war und im Laufe der Zeit dann immer neue Versionen ins Gespräch brachte, ohne jedoch jemals echte Beweise vorzulegen. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür. Zum Schluss bleibt noch hinzuzufügen, dass die Rebellen im November den Besitz von Buk-Systemen zugaben. Darüber berichtete am 4. November die holländische Zeitung „de Volksrant“. Dort wurde ein Kommandeur namens Alexander Chodakovski zitiert, der mitteilte, es sei zum fraglichen Zeitpunkt ein Buk-System auf dem Weg von Lugansk nach Donezk gewesen, dort aber zum fraglichen Zeitpunkt noch nicht angekommen und dass die Rebellen nicht auf MH17 geschossen hätten. Wie man sieht, war und ist die Lage unübersichtlich. Die Meldungen aus Kiew widersprechen einander. Einer meldet, die Rebellen hätten ein unbrauchbares Buk-System erbeutet, einer bestreitet es. Dann meldet einer, die Rakete wäre von aus Russland abgeschossen worden, andere melden, die Russen hätten das System an die Rebellen geliefert. Beweise, die Kiew und die USA schon in den ersten Tagen nach dem Abschuss nach eigenen Angaben hatten, sind bis heute nicht veröffentlicht worden und können daher auch nicht überprüft oder bewertet werden. Aber auch die Meldungen der Rebellen waren teilweise unglaubwürdig. So meldeten sie zunächst den Abschuss einer An-26, um ihn dann zu bestreiten. Waren die Meldungen in sozialen Netzwerken gefälscht? Oder haben die Rebellen sie zurückgezogen, nachdem sie merkten, dass sie versehentlich ein Passagierflugzeug abgeschossen hatten? Und wie passt in all diese widersprüchlichen Meldungen die Tatsache, dass drei Tage zuvor bereits ein Flugzeug in 6500 Metern Höhe abgeschossen worden war? Dafür kam eigentlich auch nur ein Buk-System in Frage, es hätte der ukrainischen Armee also klar sein müssen, dass dort wahrscheinlich Buk-Systeme im Einsatz waren. In diesem Zusammenhang bleibt auch die Frage offen, warum der Luftraum im Konfliktgebiet nicht nach dem 14. Juli komplett gesperrt wurde. Man kann sich vorstellen, wie schwer es für die Ermittler sein muss, hier zur Wahrheit zu finden. Und dies war nur die erste Version für den Abschuss. Abschuss durch die Ukraine? Die andere Version ist, dass die ukrainischen Truppen das Flugzeug abgeschossen haben. Hier gibt es wiederum zwei Versionen. Die eine spricht von einem Abschuss durch ein ukrainisches Kampfflugzeug, die andere von einem Abschuss durch eine ukrainische Buk-Rakete. Schon am Tag des Absturzes, dem 17. Juli, beschuldigten die Rebellen Kiew, verantwortlich für den Abschuss zu sein, wie „Interfax“ an dem Tag unter dem Titel „Die Volksrepublik Donezk macht Kiew für den Abschuss der Boeing verantwortlich“ schrieb: „Der Vorsitzende des Ministerrates der selbsternannten Donezker Republik Alexander Borodaj nannte den Vorfall mit der Boeing 777 eine Provokation der ukrainischen Armee. „Wir bestätigen den Absturz des Passagierflugzeugs unweit von Donezk. Vertreter der Volksrepublik Donezk sind zur Suche nach dem Flugzeug zum Absturzgebiet gefahren“ sagte Borodaj Interfax. Nach seinen Worten ist der Vorfall „nichts anderes als eine Provokation der ukrainischen Armee. Die Rebellen haben keine Luftabwehr-Systeme, die ein Flugzeug auf Reiseflughöhe abschießen können.““ Auch hier gibt es einen Widerspruch: Die Rebellen hatten einige Tage vorher wie gesagt eine SU-25 auf 6,5 Kilometern Höhe abgeschossen und behaupteten nun, gar keine Luftabwehr-Systeme zu haben, die ein Flugzeug auf Reiseflughöhe abschießen können. Aber womit wurde dann die SU-25 abgeschossen? Als erstes wurde die Ukraine beschuldigt, MH17 mit einem Kampfflugzeug abgeschossen zu haben. Diese Information wurde am 17. Juli im russischen „Ersten Kanal“ in den Nachrichten verbreitet. Eine Reportage zeigte ein Telefonat mit einer Zeugin und ein Interview mit einem Zeugen, die aussagten, zwei Flugzeuge gesehen zu haben, dann Schüsse bzw. Explosionen gehört hätten und dann fielen die Flugzeugteile vom Himmel. Auch die Lugansker Volksrepublik legte sich am 17. Juli auf die Version eines Abschusses durch ein Flugzeug fest, wie „Ria-Novosti“ an dem Tag unter der Überschrift „Regierung der Lugansker Volksrepublik: Die malaysische Boeing wurde von einem ukrainischen Flugzeug Su-25 abgeschossen“ berichtete. Zunächst wurde eine Meldung der Lugansker Volksrepublik zitiert: „Augenzeugen sahen den Flug der Boeing-777, sahen den Angriff durch ein Kampfflugzeug der ukrainischen Luftwaffe. Danach zerbrach das Passagierflugzeug in der Luft in zwei Teile und fiel auf das Gebiet der Donezker Volksrepublik. Nach dem Angriff wurde das Kampfflugzeug abgeschossen und fiel auf das Gebiet der Lugansker Volksrepublik in der Gegend von Krasnogo Lutscha. In diesem Moment läuft die Suche nach abgeschossenen Flugzeug.“ Diesen Abschuss einer Su-25 an diesem Tag hat es jedoch nicht gegeben Am 21. Juli veröffentlichte der russische Generalstab auf einer Pressekonferenz Satellitenbilder und Radaraufzeichnungen, die diese Version bestätigen sollten. Hierüber berichtete die „Zeit“ unter der Überschrift „Ukrainischer Kampfjet soll auf MH17 zugeflogen sein“: „Vor dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine ist nach russischen Angaben ein ukrainischer Kampfjet in der Nähe gewesen. Der Abfangjäger vom Typ Suchoi-25 sei auf die Boeing 777 mit 298 Menschen an Bord zugeflogen, sagte Generalleutnant Andrej Kartopolow vom russischen Generalstab. „Die Entfernung der Su-25 zur Boeing lag zwischen drei und fünf Kilometern“ sagte Kartopolow. Das ergebe sich aus Aufzeichnungen der russischen Flugüberwachung. So ein Kampfjet sei mit Luft-Luft-Raketen bewaffnet, der auf diese Entfernung ein Ziel hundertprozentig zerstören könne. … Die Ukraine solle Auskunft über dieses Flugzeug geben, sagte Kartopolow. … Auf den Satellitenbildern war demnach auch die Stationierung des Flugabwehrsystems vom Typ Buk (Buche) im Separatistengebiet zu sehen. Moskau verlangte von Kiew eine Erklärung dafür, weshalb dort solche Waffen aufgestellt würden, obwohl die Aufständischen keine Flugzeuge hätten. … Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, Russland habe den Separatisten in der Ostukraine weder Luftabwehrraketen vom Typ SA-11 BUK noch irgendwelche anderen Waffen geliefert. Russische Überwachungssysteme hätten auch keinen Raketenstart entlang der Flugroute des Passagierflugzeuges registriert. Sollten die USA über Satellitenaufnahmen verfügen, sollten sie diese Russland zur Verfügung stellen.“ Die Version des Abschusses durch ein Kampfflugzeug wurde in erster Linie von der russischen Armee ins Spiel gebracht, daher ist es interessant, dass in Russland ein Interview mit dem Konstrukteur der SU-25 Vladimir Babak veröffentlicht wurde, dass diese Version ausschloss. Schon am 28. Juli zitierte die auf Waffen spezialisierte „Arms-Expo“ ihn dazu unter der Überschrift „Vernichtung der Boeing 777 durch SU-25 unwahrscheinlich“: „“Die technischen Charakteristika des Flugzeuges SU-25 erlauben es ihm, bis auf 11-12 Kilometer zu steigen. … Babak unterstrich, dass die Kraft des Sprengkopfes der Luft-Luft-Rakete R-60, mit der – wie einige Experten vermuten – das malaysische Flugzeug beschädigt wurde, nicht ausreicht, um ein so großes Ziel wie die Boeing 777 zu zerstören. … „Die Boeing 777 ist ein recht großer Vogel, der bei einem kleinen Biss, wie dem der R-60, nicht aufgibt“ erklärte Babak. „Aber das größte Problem ist, dass du für einen Angriff mit der Rakete R-60 von hinten an das Flugzeug herankommen musst“ meint der Konstrukteur. Nach seiner Meinung ist das Szenario einer Annährung von hinten in der nötigen Höhe unwahrscheinlich. Das liegt daran, dass in der Höhe, in der die Rakete eingesetzt worden sein soll, der Geschwindigkeitsunterschied zwischen der SU-25 und der Boeing etwa 100-150 Km/h zugunsten des zivilen Flugzeuges beträgt. „Das malaysische Flugzeug von hinten mit einer Rakete R-60 zu treffen ist wegen des großen Geschwindigkeitsunterschiedes der Flugzeuge wirklich schwierig. Zumal die ukrainischen Piloten keine Erfahrung mit Flügen in dieser Höhe haben, ja und ihre Qualifikation ist wirklich nicht hoch. Im Prinzip kann man natürlich „hochspringen“ auf die Flughöhe der Boeing und sofort attackieren. Aber das ist sehr sehr schwer, ich glaube in der Realität nicht an ein solches Szenario.““ Nicht überraschend, dass der SBU die Version eines Abschusses durch eine ukrainische SU-25 bestritt. Überraschend ist höchstens, dass er es erst neun Tage später tat. Am 30. Juli veröffentlichte der SBU auf seiner Internetseite das Dementi unter der Überschrift „SBU: Die sogenannten Beweise „russischen Beweise“ des Terrorangriffs am Himmel von Donezk sind eine große Fälschung (Video)“ und schrieb: „Es kann festgehalten werden, dass die sogenannten „russischen Beweise“ viele und explizite Hinweise auf Fälschungen und Retouschierungen enthalten oder dass die Fotos zu anderer Zeit von russischen Spionagesatelliten gemacht wurden, lange vor dem Terrorangriff auf die Boeing 777 von Flug MH17.“ Die Version eines Abschusses durch eine SU-25 wurde dann auch nicht mehr oft erwähnt, stattdessen veröffentlichten russische Medien ab dem 25. Juli Meldungen über einen Abschuss durch eine ukrainische Buk. Schon am 18. Juli bestritten die USA, dass ukrainische Buk-Systeme in der Nähe gewesen seien, obwohl weder Russland noch die Rebellen zu diesem Zeitpunkt davon sprachen sondern noch die Version verfolgten, ein ukrainisches Flugzeug hätte MH17 abgeschossen. „Interfax“ meldete dies am 18. Juli in einem Artikel, in dem US-Spezialisten zitiert wurden, die behaupteten, dass die Rebellen ohne Hilfe der russischen Armee nicht in der Lage gewesen seien, ein Buk zu bedienen. Und daher kamen die US-Spezialisten zu dem Schluss, dass Russland an dem Unglück eine Mitschuld trage. In dem Artikel wurde die Botschafterin der USA beim UN-Sicherheitsrat Samantha Power zitiert. Am Ende des Artikels hieß es dann: „Nach ihren Worten glauben die USA außerdem nicht an eine Beteiligung der ukrainischen Armee an dem Vorfall. „Die ukrainische Armee hatte Systeme SA-11 in ihren Lagern aber in der Nähe der Region war keine solche Waffe. Seit dem Beginn der Krise hat die ukrainische Luftabwehr nicht eine Rakete abgeschossen, obwohl ihr Luftraum verletzt wurde.“ Am 20. Juli veröffentlichte der amerikanische Investigativ-Journalist Robert Parry einen Artikel, in dem er ebenfalls die ukrainische Armee verdächtigte. Parry ist ein Journalist, der „vor allem durch seine Arbeiten zur Iran-Contra-Affäre für Associated Press und Newsweek bekannt wurde.“ wie das deutsche Wikipedia schreibt. Und weiter: „Während des Contra-Kriegs in Nicaragua deckte er den Skandal um das CIA-Handbuch Psychological Operations in Guerilla Warfare auf und war an der Aufdeckung des vom CIA geduldeten Drogenschmuggels beteiligt. 1984 erhielt er den George Polk Award in der Sparte „Nationale Berichterstattung“. Parry ist Herausgeber des Online-Investigativ Magazins Consortiumnews.com. Am 20. Juli schrieb Parry unter der Überschrift „What Did US Spy Satellites See In Ukraine?“: „Es ist – bei der Konzentration der US-Geheimdienste auf die Ostukraine – schwer zu glauben, dass LKWs mit großen Buk-Luftabwehrraketen, die aus Russland in die Ukraine und zurück nach Russland kamen, nirgends auftauchten. … Warum also wurde die Frage nach den Fotos der Satelliten – und was sie zeigen – nicht von den US-Medien gestellt? Wie kann die Washington Post Titelstories wie die vom Sonntag bringen, wo sie titelt „US-Offizielle: Russland gab das System“ ohne von den US-Offiziellen Details darüber, was die Satellitenaufnahmen zeigen, zu verlangen? Was mir von einer Quelle erzählt wurde, die in der Vergangenheit verlässliche Informationen zu ähnlichen Fällen geliefert hat, ist das die US-Geheimdienste detaillierte Satellitenaufnahmen von der Raketenbatterie haben, die die tödliche Rakete abgefeuert hat, aber diese Batterie war unter der Kontrolle von ukrainischen Regierungstruppen, die in etwas gekleidet waren, was wie ukrainische Uniformen aussieht. Die Quelle sagt, dass die CIA-Analysten immer noch nicht ausschließen, dass die Truppen tatsächlich ostukrainische Rebellen in ähnlichen Uniformen waren, aber der erste Schluss war, dass es ukrainische Soldaten waren. … Anstatt sich auf diese Art von Details zu konzentrieren, hat die US-Mainstreampresse einfach die Propaganda der ukrainischen Regierung und des US-Außenministeriums verbreitet. Inklusive der Betonung der Tatsache, dass die Buk ein „russisches System“ ist, eine ziemlich inhaltslose Tatsache, die endlos wiederholt wird. Das Meiste, was wir gegen Russland hören, kommt von Meldungen des ukrainischen Regimes … Wenn man die Schlüsselrolle der Neo-Nazis im Auge behält, die sich ideologisch an ukrainischen Milizen orientieren, die mit der Nazi-SS im 2. Weltkrieg kollaboriert haben, dann gab das neue Regime diesen extrem rechten Nationalisten die Kontrolle über mehrere Ministerien, einschließlich des Nationalen Sicherheitsrates, der unter der Kontrolle des langjährigen Neo-Nazi-Aktivisten Andrei Parubij ist. … Ohne die Leser mit Informationen über Parubijs unschönen Neo-Nazi-Hintergrund zu belästigen, nennt ihn die Post als verlässlichen Zeugen, der erklärt: „Es wird schwer eine vollständige Untersuchung durchzuführen, wenn einige der Objekte entfernt wurden, aber wir tun unser Beste Der Artikel von Parry wurde in vielen Ländern ausführlich zitiert, natürlich auch in Russland. Aber auch z.B. in Malaysia, wo am 25. Juli von der „New Straits Times“ ein Artikel unter der Überschrift „Vier Raketenbatterien nahe der Unglücksstelle“ veröffentlicht wurde, der mehrere Versionen zusammenfasste: „Geheimdienstquellen, mit denen die „New Straits Times“ sprach, nennen eine Reihe beunruhigender Fragen zum Abschuss. … Die Quellen sagen, dass Raketenbatterien am 14. Juli, drei Tage vor dem Abschuss, bei dem alle 298 Passagiere getötet wurden, aufgestellt wurden. „Es ist ein komplexes und schwieriges Gerät“ sagte eine Quelle über die SA-11 … Die Quelle fügte hinzu, dass es mindestens ein Jahr dauert, die Crew daran auszubilden. … „Man kann es nicht einfach mit einem Knopfdruck starten und das Ziel treffen. So funktioniert es nicht. Die Zielerfassung und -verfolgung schwierig und beinhaltet komplexe Algorithmen und Berechnungen.“ … Global Research hat berichtet, dass eine Quelle beim Geheimdienst dem früheren Associated Press Reporter Robert Parry mitgeteilt hat, dass die USA Satellitenaufnahmen haben, die zeigen, dass ukrainische Truppen für den Abschuss verantwortlich sind. … Ein anderer erfahrener Geheimdienst-Analyst, mit dem die „New Straits Times“ sprach, sagte, dass die Gefahren für die pro-russischen Rebellen hauptsächlich von Regierungstruppen ausgehen, die von Luftunterstützungs-Flugzeugen, wie der Sukhoi Su-25 Frogfoot unterstützt werden. Diese Flugzeuge operieren typischerweise in niedrigen bis mittleren Flughöhen. „Wenn es das Ziel war, so ein Flugzeug runter zu holen, dann reichen tragbare MANPADS (man-portable air defence systems) aus. Es gibt keine Notwendigkeit für hochfliegende, Langstrecken-Boden-Luft-Raketen“ sagte die Quelle. „Es macht keinen Sinn für sie, ein Zivilflugzeug in 33.000 Fuß Höhe abzuschießen.“ … Die „New Straits Times“ erfuhr außerdem, dass amerikanische Militärsatelliten mit empfindlichen Sensoren und hochauflösenden Kameras das Gebiet nahe der Absturzstelle bei Donezk überflogen haben. Es ist ihre Aufgabe, Raketenstarts festzustellen. „Die Amerikaner haben nur Erklärungen abgegeben, keine belastbaren Beweise. Warum?“ fragte die Quelle. … Aber die drängendste Frage dreht sich um die Daten der ukrainischen Luftverkehrskontrolle und den Funkverkehr. Sie wurden vom SBU beschlagnahmt, unmittelbar nachdem die Boeing-777-200 abgestürzt war. „Der SBU verbietet den Fluglotsen mit der Presse zu sprechen. Die Frage ist, warum sie die Daten zurückhalten, wenn nicht um die Schuld von sich abzulenken?““ Der Funkverkehr, den der SBU angeblich zurückhielt, wurde immer wieder in verschiedenen Medien vor allem in Russland thematisiert. Im Zwischenbericht der niederländischen Flugunfallexperten sind die letzten 12 Minuten des Funkverkehrs veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass die ukrainische Flugsicherung in Kontakt mit MH17 war und dass die ukrainische Flugsicherung außerdem mit der russischen Flugsicherung sprach und sie gemeinsam den Kurs für MH17 festlegten, da der Flug in Kürze an die russische Flugsicherung übergeben werden sollte, wenn er die ukrainisch-russische Grenze überflog. Am 25. Juli veröffentlichte „Ria-Novosti“ die Version eines Abschusses durch eine Buk des ukrainischen Militärs. Unter der Überschrift „In den Streitkräften der Ukraine gibt es die Version, dass die Boeing bei einer Übung abgeschossen wurde“ schrieb „Ria-Novosti“: „“Am 17. Juli befahl der Kommandant der 156. Luftabwehr-Einheit, eine Luftschutzübung der Einheit in einem Vorort von Donezk durchzuführen. Alarmbereitschaft der Division, Zielerfassung und den gesamten Algorithmus bis zur virtuellen Zerstörung des Zieles mit einer Buk-M1 zu trainieren“ sagte der Gesprächspartner der Agentur. Nach seinen Worten war ein Abschuss einer Rakete nicht vorgesehen, obwohl der Kommandant die Schlüssel zum Start der Rakete 9M38M1 ausgehändigt hatte. „Für die Übung wurden von der Luftwaffenbasis Kulbakino 229 von der Brigade der Taktischen Luftwaffe … zwei Su-25 geschickt. Ihre Aufgabe war es, Luftaufklärung im Westen von Donezk zu betreiben und dort Ziele für die Anti-Terror-Operation zu finden“ erklärte der Gesprächspartner. „Nachdem eines der Flugzeuge in das Einzugsgebiet der Buk kam, wurde es von der Batterie, die bei dem Dorf Saroschtschenskoe lag, als Ziel erfasst und verfolgt. Anscheinend haben sich durch einen tragischen Zufall die Flugbahnen der malaysischen Boeing und der Su-25 trotz der unterschiedlichen Flughöhen überschnitten und wurden auf dem Bildschirm zu einem großen Punkt vereint, was für das Passagierflugzeug fatal war. Im Moment der Vereinigung der Ziele zu einem einzigen Ziel verfolgt das System automatisch das Ziel, das die größere Fläche hat.“ erklärte er. Trotzdem konnte die Quelle nicht erklären, wie es zu dem nicht autorisierten Raketenstart kommen konnte.“ Kiew bestritt die Berichte von „Ria-Novosti“ umgehend, worüber z.B. „Lenta.ru“ ebenfalls am 25. Juli unter der Überschrift „Verteidigungsministerium bestreitet die Version des Absturzes als Folge einer Luftabwehrübung“ berichtete: „“Es kann nicht von einer Luftabwehr-Übung gesprochen werden. Informationen darüber, dass die Boeing während einer Luftabwehr-Übung abgeschossen wurde, sind absoluter Quatsch“ meldete das Ministerium. Außerdem riet der Vertreter des Pressedienstes, „offizielle Quellen“ zu nutzen, als eine davon nannte er Seite des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Vorher hatte am 25. Juli eine ukrainische Quelle der Streitkräfte „Ria-Novosti“ mitgeteilt, dass der Grund für den Absturz des Flugzeuges eine Ausnahmesituation bei einer Übung gewesen sein kann, die auftrat, als die Entsicherung der Raketen geübt wurde.“ Am 10. September veröffentlichte „Ria-Novosti“ einen Artikel, in dem der ehemalige Oberkommandierende der UdSSR zu Wort kam. Unter der Überschrift „General: In den Körpern der Piloten hätte man Reste der Buk-Rakete finden können“ wurde dort ausgeführt: „Man muss die Erde absuchen, um Reste der zerstörerischen Elemente des Sprengkopfes zu finden, oder, was noch besser wäre, Teile der Rakete oder noch besser, ihre Nummer“ sagte der Ex-Oberkommandierende der Luftstreitkräfte der UdSSR und Russlands General Petr Deinekin. … „Der Sprengkopf der Buk wiegt 70 Kilogramm. Das ist ein großer Sprengsatz, der nahe der Boeing explodiert ist und sie mit zerstörerischen Elementen beschädigt hat, Kugeln und Würfeln. Genau die muss man finden, entweder in den Körpern der Passagiere und Besatzung oder im Flugzeug selbst“ sagte Deinekin. … Die Version eines Treffers mit einer Luft-Luft-Rakete hält er für völlig unglaubwürdig. „Ein Bodenkampfflugzeug kann mit seinen Waffen kein Flugzeug abschießen, es ist langsam und tieffliegend. Außerdem wäre es auf dem Radar zu sehen gewesen. Ja, und der Effekt der Anti-Flugzeug-Rakete ist nicht so groß, wie der einer Buk“ sagte Deinekin. Das Flugzeug hätte von einem hochfliegenden Jäger wie der MiG-29 oder Su-27 abgeschossen werden können, aber solche gab es in dem Gebiet in dem Moment nicht, erklärte der Experte. Er teilte mit, dass nach der Explosion auf dem Radar mehrere Objekte festgestellt wurden, die sich von der Boeing entfernten. „So sieht es aus, wenn ein Flugzeug in der Luft nach der starken Explosion der Buk-Rakete auseinanderbricht“ vermutet der General.“ Man sieht also, dass auch diese Versionen einander sehr widersprechen. Die Version eines Abschusses durch eine Su-25 scheint man inzwischen ausschließen zu können, da die auf Fotos sichtbaren Beschädigungen von MH17 entweder durch die Wirkung des 70-kg-Schrapnell-Sprengkopfes der Buk oder durch massiven Beschuss mit der Bordkanone eines Flugzeuges herrühren können. Die kleine Rakete R-60 der Su-25 hätte bei einem Treffer ein Triebwerk zerstört, vielleicht auch den zugehörigen Flügel beschädigt. Aber sie hätte nicht das ganze Flugzeug mit kleinen Löchern übersät. Auch der Zwischenbericht der Flugunfallexperten benennt die Beschädigung durch viele kleine extrem schnelle Projektile als Unfallursache, wie wir noch sehen werden. Ein Flugzeug, das in der Nähe gewesen wäre und mit Bordkanonen derartige Beschädigungen hätte hervorrufen können, wird in keiner der Versionen genannt, die Su-25 war dazu nach Aussagen aller Experten nicht in der Lage. Damit darf man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es eine Buk war, die MH17 getroffen hat. Das dürfte später beim endgültigen Bericht auch das Ergebnis sein. Ob wir auch eine Antwort auf die Frage bekommen, wer die Buk abgeschossen hat, ist zumindest fraglich. Die Ermittler der niederländischen Staatsanwaltschaft, die in der Schuldfrage ermitteln, werden es nicht leicht haben, hier zu einem endgültigen und belegbaren Ergebnis zu kommen. Zu unterschiedlich sind die Aussagen der Parteien und das Absturzgebiet ist immer noch umkämpft. Bei den Kämpfen wurde sicher viel Beweismaterial zerstört, was es für die Staatsanwälte nicht einfacher macht, zu einem klaren und beweisbaren Ergebnis zu kommen. Welche Informationen kann der Untersuchungsbericht bringen? Bevor wir auf die bisher bekannten offiziellen Ergebnisse der Ermittlungen eingehen, müssen wir uns erst einmal mit dem Prinzip der Ermittlungen und Untersuchungen bei Flugzeugunglücken vertraut machen. Wer glaubt, dass die Berichte der Flugunfallexperten Antworten auf die Schuldfrage geben, wird wohl enttäuscht werden. Nicht weil sie das womöglich nicht können, sondern weil sie gar nicht nach Schuldigen suchen. Aber der Reihe nach. Die Ermittlungen bei einem Flugzeugunglück finden nach einem immer gleichen Schema statt: Die Ermittler suchen die Ursache des Unglücks, nicht den oder die Schuldigen. Das ist ein wichtiger Unterschied. Ihr Ziel ist es, die Ursache zu finden und danach für die Zukunft zu verhindern, dass diese Ursache auch anderen Flugzeugen gefährlich werden kann. Ihr Ziel ist es also, letztendlich die Flugsicherheit zu verbessern. Einige Beispiele sollen verdeutlichen, dass Ursache und Schuld verschiedene Dinge sind. Wenn z.B. ein Pilotenfehler die Ursache für einen Absturz war, bedeutet das noch nicht, dass der Pilot auch schuldig ist. Wenn z.B. ein Pilot sich komplett an die Vorschriften hält, ist er nicht schuldig. Er hat alles so getan, wie es vorgeschrieben ist. Aber die Vorschrift kann fehlerhaft sein, weil z.B. eine Kette von Ereignissen dazu führt, dass mit dem Flugzeug etwas geschieht, was in den Vorschriften nicht bedacht wurde. Dann ist die Ursache offiziell „Pilotenfehler“, obwohl es eigentlich „Vorschriftenfehler“ heißen müsste. Im Ergebnis machen die Ermittler in ihrem Bericht dann Verbesserungsvorschläge für die Handbücher und die Pilotenausbildung. Gleiches gilt für Materialfehler. Es kann passieren, dass ein Bauteil in einem Flugzeug den Dienst versagt, obwohl es in dutzenden oder gar hunderten Flugzeugen über viele Jahre fehlerfrei funktioniert hat. Dann wird dies in dem Bericht der Ermittler festgestellt und es werden Verbesserungsvorschläge gemacht. Die können in einer Neukonstruktion des Bauteils bestehen oder auch in einer Änderung der Wartungsintervalle der Flugzeuge. Auch hier ist niemand schuldig, sondern es ist etwas geschehen, was noch nie zuvor geschehen ist und nicht bedacht wurde. Erst wenn z.B. eine Airline bei der Wartung gespart hat und deshalb ein Unglück geschieht, gibt es tatsächlich Schuldige. Die Ermittler stellen dies dann fest, weisen auf die Folgen hin und die Flugsicherheitsbehörden geben konkrete Anweisungen an die Fluggesellschaften heraus. Damit ist die Arbeit der Flugunfallexperten abgeschlossen. Danach übernimmt die zuständige Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Und wenn diese dabei zu dem Ergebnis kommt, dass auch juristisch, also strafrechtlich, ein Verschulden vorliegt, wird Anklage erhoben und die Schuldigen werden vor Gericht gestellt. Die ermittelnde Behörde bei MH17 ist das Dutch Safety Board. Auf deren Website finden sich die wichtigsten Fragen und Antworten zur Arbeit der Behörde. Auf die Frage, warum in dem Bericht kein Schuldiger oder Verantwortlicher genannt wird, steht dort: „Zusätzlich zum Verstehen der Unglücksursache, ist es das Ziel der Arbeit des Dutch Safety Board, die Sicherheit zu verbessern. Dies wird erreicht, indem die Gründe eines Ereignisses ermittelt werden und – wenn möglich – Empfehlungen ausgesprochen werden, um die Sicherheit zu verbessern. Dies ist so im ICAO-Vertrag geregelt, der die Besonderheiten von Flugunglücks-Untersuchungen regelt.“ Was bedeutet dieses Vorgehen der Ermittlungsbehörden für MH17? Es bedeutet, dass die Flugunfallexperten nur nach dem Grund für den Absturz suchen. Es ist bereits unbezweifelt, dass das Flugzeug abgeschossen wurde. Nun geht es für die Ermittler „nur“ noch darum festzustellen, womit MH17 abgeschossen wurde. Auch die Verbesserungsvorschläge, die in der Regel Teil eines endgültigen Berichtes sind, sind bereits vorhersehbar: Man sollte den Luftraum über einem Kriegsgebiet komplett sperren. Spätestens dann, wenn vorher schon Flugzeuge dort abgeschossen worden sind. Da es bereits Konsens ist, dass MH17 abgeschossen wurde, ist die Staatsanwaltschaft bereits parallel zu den Flugunfallexperten aktiv, denn es liegt definitiv eine Straftat vor, die von jemandem begangen wurde. Da die überwiegende Mehrzahl der Passagiere aus den Niederlanden kam, wurde die niederländische Staatsanwaltschaft für zuständig erklärt und diese ermittelt in der Schuldfrage zusammen mit Staatsanwaltschaften anderer Länder. Es ist also die Aufgabe der niederländischen Staatsanwaltschaft, herauszufinden, wer (Rebellen, russische Armee oder ukrainische Armee) das Flugzeug abgeschossen hat. Was (Buk, SU-25 oder doch ein anderes Waffensystem) das Flugzeug getroffen hat, sollte der Bericht der Flugunfallexperten ergeben. Darauf kann sich die Staatsanwaltschaft dann stützen. Der Abschlussbericht der Flugunfallexperten sollte im Laufe des Jahres 2015 vorliegen. Ob und wann die Staatsanwaltschaft genug Hinweise hat, um konkret eine Konfliktpartei zu beschuldigen oder gar einzelne Verantwortliche anzuklagen, steht auf einem anderen Blatt. Wir haben gesehen, wie widersprüchlich die Aussagen und Meldungen sind. Natürlich kann jeder von uns intuitiv oder aufgrund seiner politischen Meinung eine Konfliktpartei beschuldigen. Aber dies auch hieb- und stichfest zu beweisen, sodass es vor Gericht Bestand hat, ist wesentlich schwerer. Offizielle Untersuchungsergebnisse Die Webseite des Dutch Safety Board gibt eine Antwort auf die Frage, warum die Niederlande die Untersuchung leiten und welche anderen Länder beteiligt sind: „Die Ukraine hat die Verantwortung für die Untersuchung der Gründe des Absturzes an das Dutch Safety Board weitergegeben. Die Bitte kam von der Ukraine. Die Bitte wurde gestellt weil der Flug aus den Niederlanden gestartet war und aufgrund der großen Zahl niederländischer Passagiere, die bei dem Absturz starben. Die Übertragung der Verantwortung wurde formell am 23. Juli beschlossen. … Folgende Länder tragen (in größerem oder geringeren Maße) zu dem internationalen Ermittlerteam des Absturzes von Flug MH17 bei: Ukraine, Malaysia, Australien, Russland, Großbritannien, USA, Deutschland, Frankreich, Italien und Indonesien. Die ICAO und die European Aviation Safety Agency (EASA) nehmen als Organisationen ebenfalls an den Ermittlungen teil. Die Federführung trägt das Dutch Safety Board, das sowohl den vorläufigen als auch den endgültigen Bericht erstellen wird. Die Länder, die gemäß ICAO-Vertrag eine formale Rolle als Teilnehmer der Ermittlungen haben, bekommen Zugang zu den Entwürfen und dürfen Feedback geben. Das bei den Ermittlungen federführende Land darf nach eigenem Ermessen weiteren Ländern Zugang zu den Entwürfen geben.“ Der Vollständigkeit halber muss hier gesagt werden, dass die sogenannten Flugunfallexperten, die am Unfallort waren, nicht vom Dutch Safety Board waren. Es waren Forensiker. Das Dutch Safety Board teilte mit, dass es selbst den Unglücksort nicht besuchen wollte, da man Angst vor terroristischen Angriffen hatte. Im Übrigen hätte die Bergung von Leichen und persönlichen Gegenständen zu Beginn Vorrang gehabt. Das Dutch Safety Board hatte jedoch Zugriff auf viele Fotos von Wrackteilen. Außerdem wurden im November Teile des Flugzeugwracks nach Holland transportiert, sodass nun auch Zugang zu Teilen des Wracks selbst bestand. Für die Klärung der Ursache dürfte dies ausreichen, da anhand von Fotos und erst recht anhand von Wrackteilen wohl darauf geschlossen werden kann, ob Schrapnells der Buk oder eine andere Waffe für den Abschuss verantwortlich ist. Wie gesagt: Die schwerere Aufgabe hat dann die Staatsanwaltschaft, die feststellen muss, wer die Waffe abgeschossen hat. In dem 34-seitigen vorläufigen Bericht des Dutch Safety Board, der am 9. September veröffentlicht wurde, wurde unter den Punkten 2.9.1, 2.9.2 und 2.9.3 ausgeführt, wie die Blackboxes von „Unbekannten“ geborgen wurden und am 21. Juli in Donezk von den „bewaffneten Gruppen, die das Gebiet kontrollieren“ übergeben wurden. Und auch wie sie dann unter Aufsicht von internationalen Experten über Charkow und Kiew nach England zu den Auswertern kamen. Die Schäden an den Blackboxes waren Schäden, die vom Absturz herrührten. Die Daten konnten komplett ausgelesen werden. Manipulationen der Blackboxes hatte es nicht gegeben (Seite 29 des Berichtes). Auch stimmten die Daten des Voice-Recorders mit den ausgehändigten Funksprüchen der ukrainischen Flugsicherung überein (Seite 19 des Berichtes). Hiermit kann man also zwei Vorwürfe ausräumen: Erstens haben die Rebellen zumindest in Sachen Blackboxes nichts manipuliert und mit den internationalen Ermittlern so kooperiert, dass diese nichts zu kritisieren hatten. Ganz im Gegensatz zu dem, was die Medienberichte im Westen in den Tagen nach dem Absturz suggerierten. Und zweitens wurden die vor allem in Russland gestreuten Befürchtungen, die Ukraine würde den Funkverkehr geheim halten, entkräftet. Im Bericht wird aus dem Funkverkehr zitiert und es heißt, die aus der Ukraine übermittelten Daten der Flugsicherheit stimmen mit dem überein, was der Voice-Recorder der Blackbox aufgezeichnet hat. Unter Punkt 2.10. zeigte der Bericht Fotos von Wrackteilen, die alle mit kleinen Löchern übersät waren. Unter Punkt 3 (Zusammenfassung) hieß es in dem Bericht: „Die Schäden am vorderen Rumpf und an der Cockpit-Sektion scheinen zu zeigen, dass es Einschläge einer großen Anzahl hoch-energetischer Objekte von außen auf das Flugzeug gab. … Die Tatsache, dass viele Flugzeugteile über ein großes Gebiet verstreut sind, deutet darauf hin, dass das Flugzeug in der Luft zerbrochen ist.“ Am 3. Dezember 2014 berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ unter der Überschrift „Schwere Vorwürfe gegen ukrainische Flugsicherung“ über etwas, was die anderen Medien in Deutschland dann auch berichteten: „Recherchen von Süddeutscher Zeitung, WDR, NDR und dem niederländischen Investigativ Team Argos ergaben, dass in dem im September veröffentlichten niederländischen Zwischenbericht zu den Ursachen des Absturzes vor der Veröffentlichung ein möglicherweise wichtiger Satz gestrichen worden ist: Auf Seite 14 des Entwurfs stand: „Die NOTAM mit der Luftraumbegrenzung wurde verfasst als Reaktion auf den Abschuss einer AntonowAn-26 am 14. Juli auf einer Flughöhe von 6500 Metern.“ Dieser Satz, der dann in dem Zwischenbericht nicht mehr zu finden ist, sagt Laien wenig und Fachleuten viel: Der Begriff NOTAM steht für das internationale Fluginformationssystem „Notice to airmen“ … Warum der Hinweis auf diese Warnmeldungen in dem Zwischenbericht fehlt, wollte der niederländische Christdemokrat Pieter Omtzigt von der Regierung in Den Haag erfahren und er fragte auch, wer für die Streichung dieser Stelle im Zwischenbericht verantwortlich sei. Der Satz sei entfernt worden, um unterschiedliche Versionen des Zwischenberichts zu vermeiden, teilte die Regierung dem Oppositionspolitiker mit. An der Abfassung des Zwischenberichts waren Experten mehrerer Länder, darunter auch Vertreter der Ukraine, beteiligt. … Die staatlichen Behörden, die entscheiden, ob sie den Luftraum sperren oder nicht, sind Behörden des jeweiligen Staates, der auch die Überfluggebühren einnimmt. Eine Sperrung des Luftraums über der Ostukraine wäre also teuer gewesen. … Aber zu entscheiden, was ein Krisengebiet ist oder nicht, „kann man nicht den Fluggesellschaften überlassen“ sagt Anwalt Giemulla. „Die haben keine Geheimdienste oder sonstigen Erkenntnismöglichkeiten. Das haben die Staaten.““ Es geht also um den Vorwurf, die Ukraine hätte den Luftraum nicht komplett gesperrt, weil sie auf die Überfluggebühren nicht verzichten wollte. Damit hätte sie den Flugverkehr gefährdet. Und bei der Formulierung des Zwischenberichts hätte die Ukraine darauf hingewirkt, dass dieser Satz, der sie indirekt beschuldigte, gestrichen wurde. Die Frage der Sperrung des Luftraums ist noch in einem anderen Zusammenhang bedeutend: Wie erwähnt, ist jedes Land für die Sicherheit seines Luftraums verantwortlich. Diese Katastrophe wäre nicht geschehen, wenn die Ukraine nach Hinweisen auf die Eroberung eines Buk durch die Rebellen am 29. Juni oder zu mindestens nach dem Abschuss der An-26 am 14. Juli den Luftraum vollständig und nicht bloß unterhalb von 32.000 Fuß gesperrt hätte. Das ist wichtig, weil sich nun Angehörige mit Schadenersatzforderungen an die Ukraine wenden konnten, wie die „Süddeutsche Zeitung“ in dem gleichen Artikel schrieb: „Schwerwiegende Vorwürfe gegen die Ukraine erhebt der deutsche Anwalt Elmar Giemulla, der Angehörige deutscher Opfer der am 17. Juli über der Ostukraine abgeschossenen Passagiermaschine MH 17 vertritt. … Giemulla, der auch Professor für Luftfahrtrecht ist, hat den Verdacht, eine Sperrung sei ausgeblieben, weil die Ukraine nicht auf die Überflug-Gebühren habe verzichten wollen, die täglich bei bis zu zwei Millionen Euro liegen sollen. Die Hinterbliebenen klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.“ Von der zuständigen holländischen Staatsanwaltschaft gibt es noch keinen Bericht. Staatsanwaltschaften veröffentlichen auch keine Berichte oder Zwischenberichte, sondern sie schließen ihre Ermittlungen ab und stellen den Fall entweder ein oder eröffnen ein Strafverfahren. Jedoch gibt es einige Aussagen des Staatsanwaltes, die wir kurz anschauen wollen. Am 12. September berichtete der ukrainische TV-Sender „24“ auf seiner Internetseite unter der Überschrift „Die holländische Staatsanwalt veröffentlichte ihre Version des Absturzes der Boeing 777“ und schrieb: „Die holländische Staatsanwalt nennt als wahrscheinlichsten Grund für den Absturz der malaysischen Boeing 777 eine vom Boden abgeschossene Rakete. Das teilte der Leitende Staatsanwalt Fred Westerbeke am Freitag mit, schreibt die Zeitung „Volksrant“. … Insgesamt untersucht die Staatsanwaltschaft vier Versionen des Flugzeugabsturzes: Unfall, terroristischer Angriff aus dem Innern des Flugzeuges, vom Boden und aus dem Luft.“ Unter der Überschrift „MH17-Chefermittler Westerbeke: „Wissen die Russen womöglich mehr?““ veröffentlichte der „Spiegel“ am 27. Oktober ein Interview. Der „Spiegel“ schrieb einleitend: „Der niederländische Staatsanwalt Fred Westerbeke leitet die internationalen Ermittlungen. Er spricht über geheime Satellitenbilder und eine mögliche Beteiligung des ukrainischen Militärs.“ Dann folgte das Interview. Es lohnt sich, daraus zu zitieren. Es begann mit der Frage, wann mit Ergebnissen der Ermittlungen zu rechnen ist, bei der Staatsanwalt an Lockerbie erinnerte, als es nach der Explosion einer Boeing 747 drei Jahre gedauert hatte, bis man Verantwortliche benennen konnte. Dann kam die Frage nach den Beweisen, die Geheimdiensten angeblich vorlagen: SPIEGEL ONLINE: Der Bundesnachrichtendienst BND geht davon aus, dass prorussische Separatisten die Maschine mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen haben. Kürzlich wurden einigen deutschen Parlamentariern entsprechende Satellitenbilder präsentiert. Kennen Sie diese Aufnahmen?Westerbeke: Leider wissen wir nicht, um welche Bilder es dabei konkret ging. Das Problem ist, dass es sehr viele verschiedene Satellitenaufnahmen gibt: Einige davon findet man im Internet, andere stammen von ausländischen Geheimdiensten.SPIEGEL ONLINE: Bilder in hoher Auflösung, etwa von US-Spionagesatelliten, könnten bei der Aufklärung des Falls eine entscheidende Rolle spielen. Haben Sie solche Aufnahmen von den Amerikanern bekommen?Westerbeke: Wir sind nicht sicher, ob wir bereits alles haben, oder ob es mehr gibt – Material, das möglicherweise noch spezifischer ist. Was uns vorliegt, ist jedenfalls nicht genug, um daraus irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen Westerbeke teilte dann mit, dass der Staatsanwaltschaft Metallfragmente vorlagen, die untersucht noch untersucht wurden. Wenn es sich um Fragmente einer Buk handelte, sollte die Waffe damit zu identifizieren sein. Außerdem teilte er mit, dass er mehr abgehörte Telefongespräche aus Kiew bekommen habe, als im Internet öffentlich zugänglich waren. Dann stellte der „Spiegel“ die entscheidende Frage: SPIEGEL ONLINE: Bislang gibt es also keine hieb- und stichfesten Beweise?Westerbeke: Nein. Wenn man allerdings in die Zeitungen schaut, dann sieht es immer so aus, als wäre ganz klar, was mit dem Flugzeug passiert ist und wer daran die Schuld trägt. … Weiter teilte Westerbeke mit, dass der Abschuss durch eine Boden-Luft-Rakete (also eine Buk) das wahrscheinlichste Szenario sei. Dann ging es um die Frage, ob Russland oder die Ukraine die Ermittlungen behinderten: SPIEGEL ONLINE: Ihr Premierminister Mark Rutte hat erst kürzlich Wladimir Putin wegen dessen mangelnder Unterstützung im Fall MH17 kritisiert. Welche Rolle spielt Russland bei den Ermittlungen?Westerbeke: Im Moment keine große, da es nicht Teil des Ermittlungsteams ist. Wir bereiten gerade ein Rechtshilfeersuchen vor, in dem wir Moskau um Informationen bitten, die für uns wichtig sein könnten. Unter anderem auch jene Radardaten, mit denen die Russen nach dem Absturz die Anwesenheit eines ukrainischen Militärjets in der Nähe von MH17 beweisen wollten.SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie tatsächlich die Beteiligung der ukrainischen Luftwaffe am Abschuss von Flug MH17 in Betracht ziehen – ist es dann nicht absurd, dass die Ukraine an den Ermittlungen beteiligt ist?Westerbeke: Natürlich ist das ein Problem. Aber wir können nicht ohne sie ermitteln. Ich möchte übrigens eines klarstellen: Wir haben keinerlei Hinweise darauf, dass Kiew nicht absolut offen mit uns umgehen würde. Sie geben uns alle Informationen, die wir haben wollen. Über dieses Interview berichtete am gleichen Tag auch das russische Portal „RBK“ unter der Überschrift „Holland nennt zwei Versionen für die Katastrophe der Boeing bei Donezk“, nannte die Versionen des Abschusses vom Boden und aus der Luft, wobei es ausließ, dass Westerbeke den Abschuss vom Boden aus für wahrscheinlicher hielt. „RBK“ zitierte das „Spiegel“-Interview abgesehen davon ausführlich und korrekt. Wir können also vier weitere Punkte festhalten: Erstens: Der Staatsanwalt sagte eindeutig, dass die ihm vorliegenden Satellitenaufnahmen nicht ausreichten, um daraus „Schlussfolgerungen zu ziehen“. Das bedeutet, dass die westlichen Geheimdienste entweder die Unwahrheit sagten, wenn sie von ihnen vorliegenden Beweisen sprachen oder aber diese Beweise dem Staatsanwalt vorenthielten. Zweitens: Der Staatsanwalt kritisierte die westlichen Medien deutlich, denn obwohl es noch keine eindeutigen Hinweise auf Schuldige gab, „sieht es immer so aus, als wäre ganz klar, was mit dem Flugzeug passiert ist und wer daran die Schuld trägt.“ Drittens: Westliche Politiker haben Russland wegen mangelnder Kooperation kritisiert, im Interview wurde der holländische Premier erwähnt. Jedoch weder das Dutch Safety Board noch der Staatsanwalt kritisierten Russland. Warum also taten es Medien und westliche Politiker, wenn die ermittelnden Behörden dazu anscheinend keinen Grund sahen? Viertens: Der Staatsanwalt trat auch aus Russland gestreuten Gerüchten entgegen und versicherte, dass es keine Hinweise darauf gab, „dass Kiew nicht absolut offen mit uns umgehen würde.“ In dem Interview mit Staatsanwalt Westerbeke wurde auch erwähnt, dass der BND sich in der Schuldfrage auf die Rebellen festgelegt hatte. Dies geschah am 19. Oktober und die deutsche Presse berichtete intensiv darüber. Zwei Beispiele: Unter der Überschrift „BND macht Separatisten für MH17-Absturz verantwortlich“ schrieb die „Zeit“: „Ausgewertete Satellitenaufnahmen und Fotos würden belegen, dass prorussische Separatisten ein russisches Buk-Luftabwehrsystem besessen haben. Damit sollen sie am 17. Juli eine Rakete abgeschossen haben, die unmittelbar neben dem Flug MH17 explodierte.“ Dies klang so, als hätten die Rebellen die Buk von Russland erhalten. Im „Spiegel“ hieß es dagegen unter der Überschrift „Ostukraine: BND macht Separatisten für MH17-Absturz verantwortlich“: „In einem Vortrag vor den Mitgliedern des Parlamentarischen Kontrollgremiums präsentierte BND-Präsident Gerhard Schindler am 8. Oktober umfangreiche Belege, darunter eine Auswertung von Satellitenaufnahmen und verschiedenen Fotos. Demnach erbeuteten prorussische Separatisten ein russisches Buk-Luftabwehrraketensystem von einem ukrainischen Stützpunkt und feuerten damit am 17. Juli eine Rakete ab, die direkt neben der malaysischen Maschine mit 298 Menschen an Bord explodierte.“ Warum formulierte die „Zeit“ es so, dass es nach einem aus Russland gelieferten Buk-System klang, obwohl dies anscheinend gar nicht gesagt worden war? Ungeschickt und ungenau formuliert? Erinnern wir uns an Robert Parry: Er fragte, warum die US-Presse die unwichtige Tatsache, dass das Buk-System aus russischer Produktion stammt, ständig wiederholt. Eine Frage, die man auch in Bezug auf die deutsche Presse stellen kann, denn aus wessen Produktion es stammt ist klar, aber von welcher Armee es abgeschossen wurde ist nicht klar. Und auch nicht, ob das konkrete System ursprünglich aus ukrainischen oder russischen Beständen stammte. Jedenfalls hatte der BND sich festgelegt. Man fragt sich jedoch, auf Grundlage welcher Beweise, denn wie gesagt, der Staatsanwalt hatte zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise auf die Schuldigen. Daher muss man die Frage wiederholen: Sagen die westlichen Geheimdienste die Wahrheit, wenn sie die Schuldigen eindeutig benennen? Dann müssten sie die Beweise dafür allerdings dem Staatsanwalt aushändigen, der sie offensichtlich noch nicht hat. Oder lügen die Geheimdienste, so wie wir es auch schon beim Zweiten Irak-Krieg erlebt haben? Dann allerdings stellt sich die Frage, warum sie lügen. Abschließend können wir also festhalten, dass es von keiner der ermittelnden Behörden endgültige Ergebnisse gibt. Und schon gar keine Aussagen über die Verantwortlichen für das Unglück. Umso interessanter ist es, dass die EU nach dem Abschuss neue Sanktionen gegen Russland beschlossen hat und diese mit der russischen Mitschuld an der Katastrophe bzw. Russlands mangelnder Bereitschaft, das Unglück aufzuklären begründet hat. Ergänzungen im Jahre 2018 Der Abschlussbericht war wesentlich ausführlicher als der Zwischenbericht und umfasste hunderte Seiten. In der Sache enthielt er jedoch fast nichts Neues. Das einzig Neue war, dass man nun Anhand der Daten der Mikrofone im Cockpit des Flugzeuges herausgefunden haben wollte, wo die Rakete genau relativ zum Flugzeug explodiert ist. Der Bericht sagt aber nichts darüber aus, wer die Rakete abgefeuert hat. Dies wurde in der westlichen Presse oft anders dargestellt und dieser Passus wurde verwendet, um nun endgültig die Rebellen zu beschuldigen obwohl dies aus dem Bericht nicht hervorgeht. Gleiches gilt für eine Pressekonferenz der Ermittler vom Mai 2018, in der bekannt gegeben wurde, dass nun die Seriennummer der Rakete festgestellt sei. Die westliche Presse titelte daraufhin wieder mit Überschriften, dass nun die Schuld der Rebellen und Russen aufgrund der Nummer erwiesen sei. Die Ermittler konnten nicht einmal die Bedeutung aller Ziffern der Seriennummer nennen und baten ausdrücklich um Hilfe, falls jemand dazu Informationen liefern könnte. Wer jedoch die Pressekonferenz gesehen hat, der stellt fest, dass dies dort nicht gesagt wurde. Die Nummer der Rakete sagt lediglich aus, welcher Typ Buk benutzt wurde, welches Baujahr die Rakete hatte und in welcher Fabrik sie hergestellt wurde. Jedoch sagt diese Nummer nichts darüber aus, wo diese Rakete seit 1986 war. Gehörte sie zur ukrainischen Armee oder zur russischen? Die Nummer sagt dazu nichts aus. Am 17. September 2018 gab das russische Militär bekannt, dass es die Geheimhaltung bezüglich der Seriennummer der Rakete aufgehoben hat und gab bekannt. dass die Rakete am 29. Dezember 1989 produziert und dann mit der Bahn an das 223 Luftabwehrbataillon in der Westukraine geliefert wurde. Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion kam sie nicht mehr nach Russland zurück und verblieb in der Folge in der ukrainischen Armee. So die Angaben der russischen Armee. Auch der Staatsanwalt hat bis heute keine Anklage erhoben, was zeigt, dass er 1. immer noch nicht weiß, wer Schud ist und 2. selbst wenn er einen Verdacht haben sollte, es noch nicht genug belastbares Material gibt, das für eine Gerichtsverhandlung ausreichend wäre. Damit sind wir – trotz anders lautender Pressemeldungen im Westen – noch nicht weiter, als in den Monaten nach dem Abschuss, denn wie diese von mir bereits 2015 geschriebene Analyse zeigt, gibt es seitdem nichts wirklich Neues, was man damals nicht auch schon wusste.

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