Angegriffene Tanker im Golf von Oman: Was zeigen die angeblichen „Beweise“ der USA gegen den Iran?

Die USA beschuldigen nun offiziell den Iran, die Tanker im Golf von Oman angegriffen zu haben und legten „Beweise“ vor. Diese Beweise sollten wir uns also einmal genauer anschauen.

Die USA haben sich festgelegt: An den Angriffen auf die Tanker habe der Iran Schuld, denn er habe die Schiffe mit Haftminen angegriffen. Als „Beweis“ legte das US-Militär ein Video und zwei Fotos vor.

Das Video ist schwarz-weiß und von miserabler Qualität. Nach Angaben der USA zeigt es ein iranisches Boot, dessen Besatzung eine nicht explodierte Mine von einem der Tanker entfernt. Jeder kann sich davon selbst ein Bild machen, ich erkenne dort jedoch keine Mine.

Unscharfes US-Video soll Schuld des Iran an Schiffsangriffen im Golf von Oman beweisen

Auf dem Video ist nicht einmal zu sehen, wessen Boot das ist, es ist keine Flagge zu sehen und auch was die Leute da machen ist nicht zu erkennen. Man muss also den USA glauben. Oder auch nicht. Zusätzlich wurden zwei Fotos veröffentlicht.

Auf den Fotos sieht einen sehr kleinen Schaden und ein schwarzes Dreieck, das als „Likely Mine“, also „möglicherweise Mine“, bezeichnet wird. Bei einem „Beweis“ von einer „möglichen Mine“ zu sprechen spricht nicht für die Beweiskraft der Bilder.

Aber es gibt noch mehr Fragen. Gestern war die Rede von Torpedoangriffen. Aber ein Torpedo ist dazu konstruiert, unter einem Schiff eine so starke Explosion zu verursachen, dass das Schiff in der Mitte zerbricht und sinkt. Von einem mit Öl beladenen Tanker wäre nichts übrig geblieben.

Aber die gezeigten Schäden passen auch nicht zu einer Mine. Auch eine Mine soll eine so starke Explosion auslösen, dass ein Schiff sinkt. Sie soll keine kleinen Löcher in den Rumpf schlagen. Aber die USA haben sich festgelegt, nur passen die Beweise der USA nicht zu ihrer offiziellen Version.

Man kann eine Mine auf zwei Arten verwenden: Entweder sie schwimmt im Wasser und explodiert in Höhe der Wasserlinie oder knapp darunter. Oder ein Taucher bringt sie heimlich am Schiff an, das bedeutet, sie ist unter Wasser.

Was wir aber auf den Fotos der USA sehen, sind ein Loch und eine angebliche Mine, die sich beide mindestens einen oder zwei Meter über der Wasserlinie befinden. Eine Mine springt aber nicht einen oder zwei Meter aus dem Wasser und heftet sich an das Schiff. Auch ein Taucher kann sie in der Höhe nicht anbringen. Und auch das Video, das angeblich zeigen soll, wie Iraner eine nicht explodierte Mine von Schiff abbauen, zeigt, dass dort irgendwas gemacht wird, was genau, ist nicht zu erkennen. Nur was auch immer sie dort tun, es findet ebenfalls einen oder zwei Meter über der Wasserlinie statt, was eine Mine ausschließt.

Dazu passt, dass die Reederei gemeldet hat, dass die Seeleute von drei Explosionen gesprochen haben und dabei fliegende Objekte über dem Schiff beobachtet haben. Und Minen tun vieles, aber sie fliegen nicht.

Daher scheinen die „US-Beweise“ falsch zu sein. Sowohl die Schäden am Schiff, als auch die Aussagen der Crew deuten in eine andere Richtung. Damit fallen die Anschuldigungen der USA in sich zusammen und man muss sich fragen, wer die technischen Möglichkeiten besitzt, die Schiffe zum Beispiel mit Drohnen beschossen zu haben. Spontan kommen mir da die USA und Israel in den Sinn.

Und das sind genau die Länder, die an einer Verschärfung der Krise interessiert sind, um entweder schärfere internationalen Sanktionen oder sogar einen Krieg gegen den Iran zu rechtfertigen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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