Das russische Außenministerium über die Berichterstattung des Spiegel im „Fall Strache“

Bei der wöchentlichen Pressekonferen des russische Außenministeriums kam die Sprecherin Maria Sacharova auch auf den „Fall Strache“ zu sprechen und übte scharfe Kritik an den deutschen Medien im Allgemeinen und an Euronews dem Spiegel im Besonderen. Aus ihrer Sicht ist das, was dort gemacht wird, Beeinflussung der öffentlichen Meinung und nicht Journalismus.

Der Grund ist, dass die deutschen Medien versuchen, den innenpolitischen österreichischen Skandal irgendwie mit Russland in Verbindung zu bringen. Gerade heute hat der Spiegel einen solchen Artikel veröffentlicht, über den ich heute auch geschrieben habe. Das russische Außenministerium hat mit dem Vorwurf also durchaus Recht, wie man an dem Beispiel sehen kann. Ich habe diese offizielle Erklärung des russischen Außenministeriums zur Berichterstattung über den „Fall Strache“ übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Schon seit langer Zeit wendet sich die Abteilung „Informationen und Presse“ des Außenministeriums der Russischen Föderation immer wieder an den Sender „Euronews“. Der Grund sind die ständigen, wenn nicht gar systemischen, Fälle von Verzerrung von Informationen über Ereignisse, die direkt oder indirekt das Image unseres Land beim Publikum des Senders negativ beeinflusst. Wir schickten eine große Anzahl von Briefen, nahmen umgehend telefonisch Kontakt auf, sprachen nicht nur über Widersprüche, sondern auch über sachliche Fehler in den Berichten von „Euronews“. Wir haben versucht, das Wort „Fake“ zu vermeiden, aber jetzt denke ich, dass der Moment gekommen ist, um das Wort zu benutzen.

Der aktuelle Fall betrifft die Berichterstattung über die Situation rund um die politischen Vorgänge in Österreich. Diese Nachricht wurde von „Euronews“ unter dem Titel „Korruptionsskandal im Zusammenhang mit Russland“ präsentiert. Das Land, um das es geht, heißt Österreich. Und die Menschen, die an der Geschichte, die von den Medien publiziert wurde, beteiligt waren, haben nicht die russische Staatsbürgerschaft, zumindest nach unserem Wissen. Der TV-Sender hat keine Fakten vorgelegt, sondern nur Thesen. Auf Grundlage dieser Thesen wurde der Bericht aufgebaut, der deutlich einen „Korruptionsskandal mit Verbindung zu Russland“ zeigte.

Der TV-Sender zeigte immer wieder unwahre Informationen, nach denen eine der Beteiligten der Geschichte plötzlich Russin war, obwohl bekannt ist, dass sie Staatsbürgerin der Europäischen Union ist, genauer gesagt, aus Lettland kommt. Bleiben Sie bei der Wahrheit und wenn es nähere Informationen gibt, präsentieren Sie diese. Wozu wurden klassische Fake-News fabriziert, gegen die die Europäische Union doch kämpft?

Ich möchte prinzipiell über die Rolle der Massenmedien sprechen, wo wir schon bei dieser Geschichte sind. Das sogenannte „Enthüllungs-Video“ wurde von den deutschen Medien verbreitet, die immer als erste erzählen, dass sie gegen Fake-News kämpfen, dass das ihrer Tradition entspricht und dass sie demokratisch und frei sind.

Die Wochenzeitung „Spiegel“, die schon lange und fest auf dem anti-russischen Thema „sitzt“, hat in den vergangenen Monaten gleich eine Reihe ähnlicher Dinge produziert. Die Meldungen sind nicht sehr originell. Auch bei dieser Geschichte, deren Thema nur die österreichische Innenpolitik betrifft, stellt die Zeitung eine anti-russische Verbindung her. Wir würden uns natürlich freuen, wenn unsere Schlussfolgerungen falsch wären. Korrigieren Sie uns, wenn es Fakten in diese Richtung gibt. Bisher sehen wir andere Fakten: Eine konsequente Manipulation der öffentlichen Meinung, indem die These von der Einmischung Russlands in die innenpolitischen Prozesse in europäischen Ländern, dieses Mal Österreich, verbreitet wird.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Medien wieder einmal verzweifelt alles versuchen, den neuen Skandal „Ibiza-Gate“ zu nutzen, um von ihrem eigenen „Relotius-Gate“ abzulenken. Bei diesen Versuchen nutzen sie wieder die klassische Russophobie. Darauf muss an dieser Stelle hingewiesen werden.

Uns hat bei dieser Geschichte vieles in Erstaunen versetzt, aber vor allem „Euronews“ und die Art und Weise, wie die Geschichte in allen deutschen Medien präsentiert wurde: Alle vereint in einer anti-russischen Front. Das ist unverständlich, denn Russland hat mit der Geschichte überhaupt nichts zu tun.

Ende der Übersetzung

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Den Fälschungen der deutschen Presse über Aussagen Putins und über Russland ist in dem Buch ein eigens Kapitel gewidmet. Und auch Putins Aussagen zur Berichterstattung der westlichen Presse findet man zwangsläufig in vielen Kapiteln.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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