Das russische Fernsehen über den Vorfall im Golf von Oman

In der russischen Sendung „Nachrichten der Woche“ hat das russische Fernsehen sich ausführlich mit dem Vorfall im Golf von Oman beschäftigt. Wenig überraschend steht für das russische Fernsehen fest, dass die USA dort eine False-Flag-Operation durchgeführt haben. Als Kontrastprogramm zu den deutschen Medien waren die Beiträge sehr sehenswert, daher habe ich sie übersetzt.

Zunächst kam die Einleitung aus dem Studio und dann der Bericht des Korrespondenten vor Ort, ich habe es in dieser Reihenfolge übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Am 13. Juni wurden zwei Öltanker, aus Norwegen und Japan, im Golf von Oman, im Fahrwasser zwischen dem Iran und dem Oman, von Explosionen erschüttert. Die Amerikaner warfen dem Iran sofort einen Torpedoangriff vor. Der Iran erklärte sofort, das sei eine Provokation und wies alle Vorwürfe zurück. Die Amerikaner haben den Grad des Entsetzens erhöht.

Am 14. machte Trump selbst direkt den Iran verantwortlich und präsentierte als Beweis ein unscharfes Video, auf dem unbekannte Personen auf einem unbekannten Boot in der Dunkelheit etwas an der hohen Bordwand eines unbekannten Schiffes tun. Wann die Aufnahmen gemacht wurden, ist nicht bekannt. Vielleicht vor 10 Jahren. Und es ist nicht klar, wer und womit gefilmt hat. Vielleicht sind es sogar gestellte Aufnahmen. Das US-Zentralkommando behauptet, dass das iranische Militär auf dem Video eine nicht explodierte Mine von der Bordwand des Tankers entfernt, um Spuren zu verwischen.

Es ist nicht klar, warum das iranische Militär die Mine abnehmen sollte. Wer hat sie überhaupt angebracht? Und was beweist überhaupt, dass Iraner auf dem Filmmaterial zu sehen sind? Absurd, aber für die USA ist dieses Filmmaterial das bisher stärkste Argument gegen den Iran.

Natürlich wurde die Situation in Bischkek am Rande des Gipfels der Staaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit während eines bilateralen Treffens zwischen den Präsidenten Russlands und des Irans ausführlich diskutiert. Am Tag vor dem Treffen warnte der stellvertretende russische Außenministers Sergej Rjabkow vor „vorschnellen Schlussfolgerungen, die nur Öl ins Feuer gießen würden“.

„Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um vor voreiligen Schlussfolgerungen zu warnen, vor allem vor Versuchen, die Verantwortung auf diejenigen zu schieben, die einer Reihe von Staaten missfallen“ sagte Rjabkow.

Großbritannien hat sich jedoch schnell an die Seite der Vereinigten Staaten gestellt. Nach dem Motto „Ja, ja. der Iran war´s“. Deutschland hingegen stellte die amerikanischen Beweise vorsichtig in Frage.

„Das Video ist nicht genug. Natürlich können wir verstehen, was dort gezeigt wird. Aber es reicht mir nicht, um eine abschließende Bewertung vorzunehmen“ sagte der deutsche Außenminister Heiko Maas.

Ähnlich äußerte sich auch Frankreich und auch EU-Außenkommissar Mogherini. Es wurde deutlich, dass Europa im Falle eines US-Angriffs auf den Iran dies als Aggression betrachten würde. Europa und die NATO-Verbündeten auf dem Kontinent brauchen diesen Krieg eindeutig nicht. Es ist jedoch alarmierend, denn es ist jedem klar, dass die Sabotage im Golf von Oman eine klassische Provokation für den Beginn des Krieges ist.

„Nachrichten der Woche“ hat bereits darüber berichtet, dass Trump eine Armada von sieben Kriegsschiffen in die Region geschickt hat, angeführt vom Flugzeugträger Abraham Lincoln. Ein weiterer Raketenzerstörer, die Mason, mit Tomahawks an Bord, ist ebenfalls auf dem Weg dorthin. Die Region ist jetzt buchstäblich mit amerikanischen „Tomahawks“ gespickt. Die Amerikaner haben den Finger am Abzug. Alles, was ihnen fehlt, ist ein Grund, einen Krieg zu beginnen. Jetzt ist der Anlass konstruiert worden. Das ist gefährlich.

Es berichtet unser Korrespondent.

Diese Geschichte sieht aus wie eine Provokation, die die Amerikaner händeringend brauchen. Die Angriffe auf Öltanker sind sicherlich nicht im Interesse Teherans und Washingtons Beweise erinnern uns an Powells Reagenzglas. Um einen Vorwand für einen Krieg zu konstruieren, haben die Amerikaner die Welt schon oft belogen.

Nach dem Angriff auf zivile Schiffe im Golf von Oman waren in Washington die Täter schnell gefunden. Der US-Präsident konnte sogar berichten, dass die Magnetminen, die an dem Rumpf eines der betroffenen Tanker gefunden wurden, die iranische Handschrift tragen. Woher Donald Trump das wissen will, ist nicht klar, alle angeblichen Beweise, die vorgelegt wurden, erlauben eine solche Schlussfolgerung nicht.

Das Video von schlechter Qualität wurde vom U.S. Central Military Command verbreitet. Die Amerikaner teilten mit, dass es von einem Aufklärungsflugzeug gemacht wurde. Auf den Aufnahmen nähert sich irgendein Boot einem unbekannten Schiff, nach einer kurzen Manipulation an der Bordwand fährt es wieder weg. Teheran erklärt verständlicherweise, dass Washingtons Anschuldigungen absurd sind. Der gesunde Menschenverstande ist auf der Seite des Iran.

Angriffe auf Öltanker im Golf von Oman, das heißt, den Öltransport durch die Straße von Hormus zu gefährden, würde in erster Linie die iranische Wirtschaft treffen. Durch die Straße von Hormus, die den Golf von Oman mit dem Persischen Golf verbindet, verläuft ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung. Und jetzt, angesichts der US-Sanktionen, ist es für den Iran besonders wichtig, sein Öl auf stabile Weise an seine Kunden schicken zu können.

Übrigens gehört eines der angegriffenen Schiffe Japan und der Angriff auf die Tanker ereignete sich, während der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe sich zu einem Besuch im Iran aufhielt und sich mit Ayatollah Khamenei traf. Abe sollte während des Besuchs zwischen Teheran und Washington vermitteln, um die Spannungen abzubauen, aber vor dem Hintergrund solcher Nachrichten ist klar, dass die Mission zum Scheitern verurteilt war.

Dass der Angriff auf Tanker ausschließlich für die Amerikaner von Vorteil ist, zeigt sich daran, wie schnell US-Außenminister Mike Pompeo reagiert hat. Er hat den Iran schon beschuldigt, bevor das Zentralkommando das Video veröffentlicht hat.

„Diese unprovozierten Angriffe sind eine Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit, ein offener Angriff auf die Freiheit der Schifffahrt und eine inakzeptable Kampagne zur Eskalation der Spannungen seitens des Iran“ sagte Pompeo.

Die Amerikaner haben den Vorfall bereits genutzt, um ihre Marinegruppe hier zu verstärken. Ein weiterer Raketenzerstörer des Typs Arleigh Burke mit Marschflugkörpern an Bord, wurde in die Region beordert. Währenddessen machten Besatzungsmitglieder der Tanker, die von den Schiffen evakuiert wurden, Aussagen, die die ohnehin fragile amerikanische Version zerstören.

Die Seeleute behaupten, dass die Tanker aus der Luft angegriffen wurden. Das aber ist ganz sicher keine iranische Handschrift. Vor dem Angriff auf die Tanker flog in dem Luftraum eine amerikanische Aufklärungs- und Angriffsdrohne. Das iranische Militär hat versucht, sie mit einer Flugabwehrrakete abzuschießen, aber nicht getroffen. Allerdings sind das amerikanische Angaben.

Übrigens war das iranische Militär das erste, das zu Hilfe kam und die Evakuierung der Besatzung des Tankers Altair organisierte. An Bord befanden sich 11 russische Staatsbürger. Keiner von ihnen wurde bei der Explosion verletzt.

Trotz aller bisherigen Versuche Washingtons, einen ernsthaften Vorwand zu konstruieren, können die Anschuldigungen eine Militäroperation nicht rechtfertigen, es wurden nur die Spannungen weiter erhöht. Darüber hinaus ist jetzt klar, dass die NATO-Verbündeten nicht einig sind. Und das ist schon europäischer Pragmatismus. Europa ist generell irritiert über den Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran, und ein militärischer Konflikt ist eine äußerst unpopuläre Option. Aber es ist möglich, dass es in naher Zukunft neue Gründe geben wird, in Washington bleibt man nicht gerne auf halbem Weg stehen.

Ende der Übersetzung

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Dort gibt es auch ein kurzes Kapitel über den Iran, in dem ich eine Antwort Putins auf eine Journalistenfrage zu dem Thema aus dem Oktober 2018 übersetzt habe. Interessant daran ist unter anderem, dass Putin die USA dort offen als „Imperium“ bezeichnet hat, was keinem europäischen Staatschef je über die Lippen kommen würde.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

6 Gedanken zu „Das russische Fernsehen über den Vorfall im Golf von Oman“

  1. RT hat heute Berichte dazu aus den deutschen „Qualitätsmedien“ veröffentlicht. Ich gebe zu, dass es sehr schwer fällt, angesichts des Unsinns, den die Damen und Herren „Journalisten“ dort zu Papier gebracht haben, sachlich zu bleiben! Im Grunde ist es Kriegshetze pur! Die FAZ wirbt für sich mit „hochwertigem Journalismus“, den es bei ihr angeblich gebe. Was ihre fake news, Desinformationen und Kriegstreiberei mit „hochwertigem Journalismus“ zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht! Es ist doch für jedermann, der einigermaßen klar denken kann, sonnenklar, dass die USA hier ein neuen Zwischenfall von Tonking inszenieren wollten! Ich werde das Gefühl nicht los, dass jeder Schreiberling, der es in den deutschen Mainstream-Medien wagt, die Behauptungen der USA als das zu bezeichnen, was sie sind, nämlich Provokationen zur Herbeiführung einer Aggression, achtkantig hinausgeworfen wird! Also schreiben sie alle brav den gleichen Unsinn! Ich weiß nicht, wo diese Selbstzensur noch hinführen soll!
    Wahrscheinlich werde ich morgen wieder selber etwas hier verlinken, weil ich ein ähnliches Erlebnis mit der Plattform abgeordnetenwatch.de habe. Die FDP hatte am 8.5.!!! einen Antrag in den Bundestag eingebracht, wonach die Bundesregierung eine UN-Mission für die Ostukraine fordern sollte, bei der z.B. die Regierungen des Donbass durch eine UN-Verwaltung abgelöst werden sollen! Im Antrag selber wurden nochmals alle westlichen Behauptungen zu diesem Konflikt heruntergeleiert. Ich stellte FDP-Chef Lindner dazu einige Fragen https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/christian-lindner/question/2019-05-18/316297 Seine „Antwort“ war natürlich nichts anderes als die Wiederholung der Behauptungen aus dem Antrag. Daraufhin schickte ich weitere Fragen, die allerdings dem „Moderationskodex“, auch so einer Art Selbstzensur, zum Opfer fielen. Obwohl, jeder kann es lesen, Lindner keine einzige Frage beantwortete, sondern nur zu Protokoll gab, dass er von dem gesamten Konflikt nichts weiß, erklärte man mir, dass Lindner meine Fragen beantwortet habe und ich hier nur meine Meinung äußern will, aber keine ernsthaften Fragen stelle. Ich habe darauf geantwortet, dass Lindner keine einzige Frage beantwortet habe und ich dies bitte vom „Moderationsteam“ erläutert haben möchte. Mal sehen, was dabei wieder herauskommt, aber auch dort herrscht eine ähnliche Selbstzensur, wie bei den Medien!

    1. Sehr schön, allerdings kann nichts anderes als eine Treue all dem Unsinn aus dem USA vom Lindner kommen. Als Mitglied der Atlantik-Brücke ist er schön auf Linie gebracht worden, genau so wie Merkel, Özdemir, Kleber und viele andere Politiker, Bankiers, Unternehmer und Vertreter der Medien.
      Als Mitglied dieses Vereins ist man verpflichtet sich an die Seite der USA zu begeben und dementsprechend zu agieren.

      Allerdings steht dies oftmals im Widerspruch zu deutschen Interessen wie z.B. Sanktionen gegen Russland, die uns allen schaden, oder ein Interessenkonflikt der Vertreter der öffentlich-rechtlichen Medien – wie z.B. Claus Kleber – da man objektiv Berichten soll. In der Atlantik-Brücke ist es schon laut der Satzung nicht möglich.
      Im Grunde genommen füllen somit unsere Politiker, die Mitglieder dieses Vereins sind und entsprechend handeln, den Tatbestand des Landesverrats aus. Jetzt wissen wir, warum es politische Immunität gibt.

  2. Da ja als Kriegsvorwand wahrscheinlich wieder ein ziviles Schiff angegriffen wird, wäre es vielleicht gut, wenn alle Besatzungsmitglieder der Tanker, die keinen Krieg in nächster Zeit wollen, private Kameras dabeihaben oder an Bord installieren um ggf. den neuen „Zwischenfall“ schneller und eindeutiger verifizieren oder als Lüge entlarven zu können.

  3. Wenn man auf Wikipedia schaut, dann kann man eine Liste aller Flugzeugträger der Amerikaner sehen. Diese waren bislang 30-40 Jahre im Einsatz. Und einige von denen haben dieses Alter schon lange überschritten.
    Wenn einer dieser „alten“ Pötte in diese Krisenregion gesendet wird, dann würde es mich nicht wundern, wenn der alte Pott von einen „Blitzangriff der Iraner“ versenkt wird.
    Dass die Verantwortlichen in den USA nicht eine Minute schlecht schlafen, wenn für einen Kriegsgrund tausende von eigenen Soldaten geopfert werden haben diese Verbrecher schon oft bewiesen.
    Und nach der Versenkung eines Flugzeugträgers wird es Krieg geben.

  4. Ich finde bei solchen Meldungen die russische Seite ganz informativ, weil es in deren Interesse ist, dass dieser Krieg nicht stattfindet. Spannend. Ich frag mich wann das alles hochgeht.

  5. Die Frage, welche bis heute wohl nicht gestellt wurde … Klima und Umweltverschmutzung. Wenn also ein oder zwei Tanker brennen, welchen Anteil an einer weiteren Umweltverschmutzung hat das? Hat irgend eine Idee, wie das in Relation zu einem Dieselfahrverbot in Deutschland zu sehen ist? Keine der Qualitätsmedien, keine „Friday for Future Kinder“ oder Politiker stellen diese Fragen. Nur ein kleines Puzzlestücken im großen Spiel der Welt. Es scheint, dass alle auf eine große Auseinandersetzung warten. Aber das wir keine Muppet-Show mit uns als Zuschauer auf dem Balkon des Theaters sein.

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