False-Flag-Operationen? Weitere „Provokationen“ des Iran gemeldet

Auch heute gibt es neue Meldungen von der Iran-Krise. Die Spannungen steigen weiter an und es wird immer deutlicher, wie sehr die US-Falken hier zündeln.

Gestern haben die Huthis aus dem Jemen als Vergeltung auf die ungezählten Bombardierungen durch die Saudis auf ihre Gebiete und tausenden toten Zivilisten eine saudische Öl-Pumpstation mit Drohnen angegriffen. Dabei gab es ein Feuer, Sachschaden und eine vorübergehende Unterbrechung des Öl-Transportes. Als Reaktion darauf hat wiederum Saudi-Arabien heute die Hauptstadt Sanaa bombardiert. Dabei wurde auch ein Wohngebiet getroffen und es gab mindestens sechs tote und 52 verletzte Zivilisten.

Weltpolitische Bedeutung bekommt der Vorfall, weil die Saudis den Iran beschuldigen, den Drohnenangriff angeordnet zu haben. Das kann dann von den Falken in den USA als weiterer Vorwand für einen Angriff auf den Iran verwendet werden, der angeblich US-Interessen in der Region bedroht. Die Falken brauchen nun möglichst viele Vorfälle, die man dem Iran anlasten kann, um in der Öffentlichkeit genug Empörung zu erzeugen, um einen Angriff auf den Iran zu rechtfertigen.

Es ist natürlich absurd, dass die Medien auf diesen Zug aufspringen, denn der Iran hat in den letzten 40 Jahren nichts dergleichen getan. Aber ausgerechnet jetzt, wo er damit einen aussichtslosen Krieg mit den USA provozieren würde, fängt er angeblich damit an. Im Iran regieren zwar religiöse Fanatiker, aber es sind keine irren Selbstmörder, wie die letzten 40 Jahre gezeigt haben.

Trotzdem nehmen die Medien diese Berichte über angebliche iranische Provokationen kritiklos auf, wie dieses Zitat aus einem Spiegel-Artikel zeigt:

„Riad machte in einer Reaktion Iran für die Attacke verantwortlich. Der von Teheran angeordnete Angriff zeige, dass die jemenitische Miliz „ein Instrument des iranischen Regimes ist“, um seine Interessen in der Region durchzusetzen, schrieb der saudi-arabische Vizeverteidigungsminister Prinz Khalid bin Salman auf Twitter.“

Außerdem kann man heute in einem anderen Spiegel-Artikel verklausuliert lesen, dass in Washington ein Machtkampf um einen Krieg mit dem Iran läuft:

„Doch offenbar gehen im Weißen Haus, im Pentagon, bei der CIA und bei den Verbündeten der Vereinigten Staaten die Meinungen darüber auseinander, wie ernst die Bedrohungslage tatsächlich ist und was Iran wirklich plant. Donald Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton und Außenminister Mike Pompeo bewerten die Geheimdiensterkenntnisse demnach so, dass Iran Angriffe auf US-Einrichtungen plane. Andere hochrangige Regierungsbeamte, Abgeordnete von Republikanern und Demokraten im US-Kongress und europäische Bündnispartner ordnen die Geheimdienstinformationen offenbar anders ein: Sie sehen darin defensive Schritte des Regimes in Teheran angesichts von Provokationen aus Washington. Auch Trump selbst soll laut „Washington Post“ eher zur Zurückhaltung mahnen. Er fürchte demnach, von Bolton und Pompeo in eine militärische Konfrontation mit Iran hineingezogen zu werden.“

Vor allem der letzte Satz ist etwas, was ich schon mehrmals geschrieben habe. Die Falken wollen Trump zu einem Krieg mit dem Iran drängen, den er nicht will. Vor diesem Hintergrund sind die „Provokationen“ des Iran zu sehen. Geheimdienstkreise nicht nur aus Washington, sondern auch aus arabischen Ländern oder Israel, können Provokationen organisieren und den Iran beschuldigen. Wenn sie schockierend genug sind, wird es für Trump politisch schwierig, keine Vergeltung zu üben. So funktioniert bekanntermaßen die politische Logik in den USA.

Man muss bedenken, dass die USA nun zwei Flugzeugträgergruppen in der Region haben, um der „iranischen Bedrohung“ entgegenzuwirken. Worin diese aber besteht, kann man im Spiegel auch lesen:

„CIA und Pentagon halten die betreffenden Bilder bislang geheim. Auf einem Foto soll eine Dau zu sehen sein, ein traditionelles Holzsegelboot, das angeblich eine einsatzbereite iranische Rakete transportiert. Andere Bilder sollen zeigen, wie die Revolutionsgarden – das militärische Rückgrat des iranischen Regimes – in mehreren iranischen Häfen Raketen auf Boote laden.“

Zwei Flugzeugträgergruppen gegen Segelboote aus Holz und ein paar Raketen auf Booten? Das zeigt schon, wie konstruiert die iranische Bedrohung ist. Der Spiegel lässt das aber unkommentiert stehen.

In einem weitern Spiegel-Artikel kommt heute auch Wolfgang Ischinger, Chef der Münchener Sicherheitskonferenz, zu Wort. Ebenfalls völlig unkritisch zitiert der Spiegel dabei dessen einseitig pro-amerikanischen Forderungen:

„Wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die britische Premierministerin Theresa May sowie die anderen Partner des Iranabkommens wie Russland und China – und möglichst auch die USA – sich für einen weiteren Verhandlungsansatz stark machten, würde Irans Präsident Hassan Rohani es sich hoffentlich zweimal überlegen, ein Gesprächsangebot abzulehnen, sagte Ischinger.“

Dabei muss man doch fragen, worüber der Iran überhaupt mit den USA sprechen soll. Das hat der Iran jahrelang getan und als Ergebnis wurde 2015 das Atomabkommen geschlossen, dass die USA nur drei Jahre später vertrags- und völkerrechtswidrig gebrochen haben. Wozu aber mit jemandem verhandeln, der seine Zusagen nicht einhält?

Die Sicht des Iran ist daher verständlich, wenn er fordert, dass die USA sich zuerst wieder an das Atomabkommen halten sollen, bevor man über irgendetwas anderes reden kann.

Dazu aber im Spiegel kein Wort. Stattdessen kann man dort lesen:

„Ischinger sagte weiter: Deutschland und Europa müssten klarstellen, „dass wir zwar das Nuklearabkommen mit dem Iran erhalten wollen, dass das allein aber nicht ausreicht. Die Verhandlungen müssen um kritische Fragen erweitert werden: zum Beispiel zu ballistischen Raketen, Terror-Finanzierung, Menschenrechten, die Haltung zu Israel.“ Der iranischen Führung müsse „ein Weg aufgezeigt werden, als normaler, berechenbarer Staat respektiert und anerkannt zu werden.““

Ischinger übernimmt damit wörtlich die Formulierungen von US-Außenminister Pompeo, der ebenfalls sagte, der Iran solle „ein normaler Staat“ werden.

Dabei sind es die USA, die unberechenbar nach Lust und Laune Verträge brechen, nicht der Iran, der sich an das Abkommen gehalten hat. Warum also soll der Iran es sich gefallen lassen, dass bestehende Abkommen gekündigt und dann neue Forderungen gestellt werden?

Ich kann mir sogar vorstellen, dass der Iran bereit sein könnte, über sein Raketenprogramm zu verhandeln. Nur dazu müssten auch die USA etwas im Gegenzug anbieten. Das tun sie aber nicht, sie brechen stattdessen Abkommen und stellen einseitige Forderungen. Und „Qualitätsmedien“ wie der Spiegel hinterfragen diese Wild-West-Methoden der USA nicht einmal.

Werbung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Schreibe einen Kommentar