Für Pussy Riot gelten US-Gesetze nicht

Die USA mögen es gar nicht, wenn sich Ausländer in ihre (Innen-) Politik einmischen. Aber das gilt nicht für ihre Protegés wie Pussy Riot.

In den USA ist es Ausländern streng verboten, sich politisch zu betätigen, sie müssen sich erst als „ausländische Agenten“ registrieren lassen. Wie wichtig die USA das Thema nehmen, sehen wir an dem Theater um die vermeintliche Russland-Affäre oder auch bei der Verhaftung der russischen Studentin Maria Butina. Butina ist eine Waffennärrin und hatte während ihres Studiums in den USA Kontakt zur US-Waffenlobby aufgenommen. Das allein reichte schon aus, um zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt zu werden.

Um so überraschender ist es, wenn diese Regeln für bestimmte Russen anscheinend nicht gelten. Pussy Riot gibt am 11. Juli ein Konzert in Alabama, um dort gegen ein neues Abtreibungsgesetz zu protestieren.

Das ist nun wirklich eine eindeutige Einmischung in innere Angelegenheiten der USA. Das neue Gesetz finde ich auch unerträglich, denn es verbietet Abtreibungen sogar dann, wenn die Schwangerschaft das Ergebnis einer Vergewaltigung ist. Aber trotzdem ist ein Gesetz eines US-Bundesstaates und man fragt sich, warum eine russische Gruppe dort ein Protestkonzert geben darf und nicht – wie Butina – mit 18 Monaten Gefängnis rechnen muss.

Aber für Pussy Riot scheinen andere Regeln zu gelten.

Pussy Riot ist angeblich eine russische „Aktivistentruppe“, die in Russland Veränderungen herbeiführen möchte. Aber man fragt sich, warum sie dann in sozialen Netzwerken all ihre Forderungen in erster Linie auf Englisch verbreiten. Geht es dabei wirklich um Russland? Dann müssten sie für das russische Publikum eigentlich auf Russisch Forderungen stellen und nicht auf Englisch.

Oder geht es eher darum, sie einfach nur in den westlichen Medien präsent zu halten?

Jedenfalls weiß niemand genau, wer diese Gruppe finanziert, kommerziellen Erfolg haben sie mit ihrer Musik jedenfalls nicht. Trotzdem stand letztes Jahr ein Privatjet bereit, der ein Bandmitglied, das angeblich vergiftet worden war, von Moskau nach Berlin ins Krankenhaus brachte. Und nun dürfen sie ein Konzert zu innenpolitischen Themen in den USA geben, ohne dafür mit Gefängnis rechnen zu müssen.

Mal sehen, ob und was wir in den nächsten Tagen von den „Aktivisten“ hören, wenn sie in den USA sind und sicher viele anti-russische Interviews geben werden.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

4 Gedanken zu „Für Pussy Riot gelten US-Gesetze nicht“

  1. Aber, aber!

    Die „Pussys“ sind doch allesamt standrechtlich erschossen worden, nachdem sie im Finale der Fußball-WM das Spielfeld gestürmt haben! Hatten die „Reporter im freien Westfernsehen“ jedenfalls in dem Moment fest versprochen! Wie können die da jetzt ein Konzert in Alabama geben?

    🙂

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