Italienischer Vizepremier trifft Gelbwesten: Frankreich ruft Botschafter aus Italien zurück

Relativ unbeachtet von den deutschen Medien verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Italien und Frankreich in einer Weise, die in der EU bisher undenkbar war. Der italienische Vizepremier Luigi di Maio unterstützt öffentlich die Gelbwesten und in Paris ist man not amused.

Bisher hat di Maio es bei Tweets und öffentlichen Äußerungen zur Unterstützung der Gelbwesten belassen. Schon das fand die französische Regierung nicht witzig und es hat zu heftiger Kritik geführt. Di Maio hat sich nun aber sogar mit führenden Köpfen der Gelbwesten getroffen und ein Foto davon bei Twitter veröffentlicht.

Das hat in Paris das Fass zum Überlaufen gebracht, schließlich fordern die Gelbwesten den Rücktritt von Macron. Für Frankreich war das nun der Grund, den Botschafter zu Gesprächen aus Italien zurückzurufen. Das ist eine sehr heftige Reaktion, die man eigentlich nur bei Staaten anwendet, die man recht offen als „Feinde“ ansieht.

Aber diese französische Reaktion zeigt auch mal wieder die Doppelmoral westlicher Staaten. Wenn Frankreich in Venezuela nicht bloß Sympathie für die Opposition bekundet, sondern auch gleich einen Putschisten als Präsidenten anerkennt, ist das OK. Wenn aber ein italienischer Politik Sympathie für Kritiker des französischen Präsidenten zeigt, dann ist man schockiert und ruft den Botschafter ab. Oder wie war das in Ukraine, wo die Europäer ebenfalls offen die Gegner des demokratisch gewählten Präsidenten unterstützt haben? Oder in Ägypten bei den Protesten gegen Mubarak?

Wenn westliche Länder sich woanders offen einmischen, ist das in ihren Augen OK, wenn aber jemand auch nur mit Kritikern ihrer eigenen Regierungen spricht, dann verbittet man sich jede Einmischungen von außen.

Aber Fakt ist auch, dass dies ein bisher in der EU einmaliger Fall ist, der zeigt, wie weit die Regierungen einiger EU-Länder inzwischen voneinander entfernt sind.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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