Krim: Schulunterricht wird in allen Sprachen der nationalen Minderheiten angeboten

Während die westlichen Medien immer noch von einer „Annektion“ der Krim sprechen und eine Unterdrückung der Minderheiten suggeriert wird, wird in den Schulen dort Unterricht in den Muttersprachen aller Minderheiten angeboten.

In der Ukraine wurde in diesem Jahr ein Gesetz erlassen, dass es verbietet, andere Sprachen als Ukrainisch zu nutzen. Selbst beim Arztbesuch darf ein ethnischer Russe mit seinem ethnisch russischen Arzt kein Russisch mehr sprechen. Gleiches gilt auch für die Minderheiten der Rumänen, Ungarn, Polen und so weiter. Sprachinspektoren, die alle Unterlagen einsehen dürfen, überwachen die Umsetzung des Gesetzes und es drohen empfindliche Strafen.

Auch auf der Krim wurden unter ukrainischer Herrschaft die Sprachen anderer Volksgruppen unterdrückt. Eine der ersten Handlungen nach der Vereinigung der Krim mit Russland war es daher, an der Universität die Krim-Tatarische Fakultät wieder zu eröffnen, die von der Ukraine geschlossen worden war.

Heute kam nun die Meldung, dass in Sevastopol auf Wunsch der Eltern auch wieder Ukrainisch in der Schule unterrichtet wird. Es sind zwar nur sehr wenige Kinder, die das betrifft, aber der Unterricht wurde ab dem neuen Schuljahr wieder aufgenommen. Russland legt großen Wert darauf, dass jede Minderheit in dem Vielvölkerstaat mit weit über 130 Ethnien ihre Sprache, Kultur und Traditionen pflegen darf und dass die Sprachen regionale Amtssprachen sind und in Schulen unterrichtet werden. Darüber habe ich zum Beispiel hier berichtet.

Auf der Krim gibt es übrigens seit der Vereinigung mit Russland drei offizielle Amtssprachen: Russisch, Ukrainisch und Krim-Tartarisch. Das war unter der Ukraine noch anders.

Da ich die Pressemeldung über den Schulunterricht auf der Krim interessant finde, habe ich die Meldung aus der TASS zu dem Thema übersetzt, um sie dem deutschen Leser „ungefiltert“ zur Verfügung zu stellen.

Beginn der Übersetzung:

Schüler von Sevastopol können ab dem neuen Schuljahr die ukrainische Sprache lernen. Das Fach ist nicht obligatorisch, es ist ein Wahlfach. Das teilte Igor Belozerov, Direktor des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft von Sewastopol, der TASS am Dienstag mit.

Der Unterricht der Krim-Tatarischen Sprache als Muttersprache läuft bereits in den Schulen in Sevastopol. Es wird in verschiedenen Formaten unterrichtet, als Wahlfächer und als Pflichtunterricht für Kinder unterschiedlichen Alters. Die Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder zu dem Unterricht anmelden. Vor Beginn des Schuljahres gingen beim Ministerium die ersten Anfragen für die Einführung des ukrainischen Sprachunterrichts ein.

„Zum angebotenen Unterricht in Muttersprachen wird in diesem Jahr Ukrainisch zu Russisch und Krim-Tatarisch hinzugefügt“ sagte Belozerov.

Nach Angaben des Ministeriums lernen mehr als 41.000 Kinder Russisch als Muttersprache. Ukrainisch lernen etwa 180, die gleiche Anzahl Schüler lernt Krim-Tatarisch. Es gibt mehrere Anfragen, auch Unterricht in Armenisch und Aserbaidschanisch anzubieten, derzeit werden Lehrer dafür gesucht. Es gab auch vereinzelte Anträge auf Einführung von Griechisch, aber am Ende sagten die Antragsteller selbst die Einführung des Unterrichts in Griechisch als Muttersprache wieder ab.

Nach Anfang 2019 erhobenen Daten sind 77% der Einwohner von Sevastopol ethnische Russen und 13% Ukrainer. Etwa 10 % der Bürger haben andere ethnisches Zugehörigkeiten.

Ende der Übersetzung

Die Krim ist aufgrund ihrer Geschichte ein Schmelztiegel der Kulturen und Ethnien, es gibt dort sogar eine kleine deutsche Minderheit.


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

Zur Situation und der Entwicklung auf der Krim 2014 sind in dem Buch hunderte Seiten zu finden.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Schreibe einen Kommentar