Malaysischer Premierminister kritisiert Ermittlungen zu MH17 als einseitig und politisiert

Auf einer Pressekonferenz in Tokio hat der malaysische Premierminister Mahathir die Ermittlungen zum Absturz von MH17 über der Ukraine scharf kritisiert und sie als politisch motiviert bezeichnet.

Die malaysische Zeitung „Star“ hat von der Pressekonferenz berichtet. Da ich mich im Zuge der Arbeit an meinem Buch über die Ukraine-Krise sehr intensiv mit MH17 beschäftigt habe, weiß ich, dass Malaysia den Ermittlungsergebnissen der internationalen Ermittler von Anfang an zweifelnd gegenübersteht. In den deutschen Medien gab es dazu jedoch nie Meldungen. Schon 2014 hat Malaysia die ukrainische Regierung scharf kritisiert, weil sie die Bergungsarbeiten durch Angriffe auf das Gebiet das Absturzes behindert hat.

Seinerzeit mussten die internationalen Ermittler schon zwei Wochen nach dem Absturz die Untersuchungen vor Ort für Monate abbrechen, da die Arbeit wegen ukrainischem Beschuss und Angriffen zu unsicher war. Sie konnten ihre Arbeit erst Monate später wieder aufnehmen, nachdem die Rebellen die ukrainischen Streitkräfte weit zurückgedrängt hatten. Davon stand 2014 allerdings kein Wort in den deutschen Medien, obwohl auch die OSZE in ihren Berichten immer wieder darauf hingewiesen hat.

Heute zitiert die malaysische Zeitung „Star“ den malaysischen Premierminister Mahathir nach einer Pressekonferenz unter anderem mit folgenden Worten:

„Sie beschuldigen Russland, aber wo sind die Beweise? (…) Man braucht handfeste Beweise, die belegen, dass die Russen die Rakete abgefeuert haben. Es können die Rebellen gewesen sein, es kann aber auch die ukrainische Regierung gewesen sein, sie haben diese Raketen auch. (…) Wir wissen nicht, warum wir von den Untersuchungen ausgeschlossen waren, aber da war von Anfang an viel Politik involviert und die Idee war es nicht, herauszufinden, was was geschehen ist, sondern sie scheinen bemüht gewesen zu sein, es Russland anzuhängen. (…) Das ist keine neutrale Untersuchung.“

Die niederländische Regierung hat dazu lediglich wissen lassen, man habe die Äußerungen des malaysischen Premierministers zur Kenntnis genommen, wie holländische Medien melden, die im Gegensatz zu den deutschen Medien diese Dinge nicht komplett verschweigen.

Auch das russische Außenministerium beschwert sich immer wieder darüber, dass die Niederlande Informationen zu MH17 zurückhalten, obwohl Journalisten auf Herausgabe geklagt haben und auch Abgeordnete Einsicht in Unterlagen der niederländischen Regierung gefordert haben. Die Regierung hat die fraglichen Dokumente als geheim eingestuft und verweigert die Herausgabe.

Vor einem Jahr gaben die Ermittler bekannt, die Seriennummer der Rakete identifiziert zu haben, jedoch sagte diese Nummer nichts über deren Verbleib aus. Einige Monate später hat Russland die Geheimhaltung für die entsprechenden Dokumente aufgehoben und die Seriennummer erklärt. Demnach war die Rakete 1986 produziert und dann an die Westgrenze der Sowjetunion gebracht worden, wo sie zu einem Flugabwehrregiment gehörte, das auf heute ukrainischem Gebiet stationiert war. Dort sei die Rakete verblieben und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist sie in die Bestände der ukrainischen Armee übergegangen.

Darüber wurde im Westen nicht berichtet und auch Kiew hat sich nicht dazu geäußert, was danach mit der Rakete geschehen ist.

Ich habe das Kapitel über MH17 aus meinem Buch über die Ukraine als Leseprobe auf meiner Seite veröffentlicht, dort können Sie nachlesen, was über MH17 heute bekannt ist.


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahre 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 800 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

2 Gedanken zu „Malaysischer Premierminister kritisiert Ermittlungen zu MH17 als einseitig und politisiert“

  1. Guten Tag

    Danke für den Beitrag!
    Auf TELEPOLIS gibt es noch einen weiteren interessanten Beitrag.
    TELEPOLIS >POLITIK >NACH MALAYSIA, TEIL DES JIT, SIND DIE MH17-ERMITTLUNGEN POLITISIERT

    Gruss aus der Schweiz

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