Politik wie bei der Mafia: Die USA erpressen Schutzgeld von ihren „Verbündeten“

Die USA behandeln ihre Verbündeten wie Vasallen oder Kolonien. Diese für viele provokante These konnte man in den letzten Tagen wieder in aktuellen Meldungen verfolgen. Wenn Sie das für undenkbar halten, lesen Sie es hier mit allen Quellen nach.

Ich habe das Problem schon öfter thematisiert. Ein souveräner Staat kann zum Beispiel selbst entscheiden, welche Waffen andere auf seinem Gebiet stationieren dürfen, eine Kolonie der ein Vasall kann das nicht, sie müssen sich dem „Herrn“ unterordnen. In Deutschland ist eine Mehrheit der Menschen für einen Abzug der US-Atomwaffen und auch der Bundestag hat die Regierung schon 2010 mit großer Mehrheit aufgefordert, sich für einen Abzug der US-Atomwaffen einzusetzen. Aber passiert ist nichts. Ich habe die generelle Problematik und wie davon abgelenkt wird, dass Deutschland und im Grunde die ganze EU nichts als Vasallen der USA sind, ausführlich analysiert. Hier können Sie es nachlesen und selbst entscheiden, ob Sie meiner These zustimmen, oder nicht.

Die Dreistigkeit der USA wurde in letzter Zeit immer deutlicher. So haben Vertreter der US-Regierung im März allen Ernstes gefordert, dass Deutschland die gesamten Kosten für die in Deutschland stationierten US-Truppen übernehmen solle, „plus 50 Prozent„. Was wie ein schlechter Scherz klingt, war aber ernst gemeint. Konkret hatte Bloomberg gemeldet:

„Unter der Führung des Weißen Hauses fordert die Administration, dass Deutschland, Japan und eventuell andere Länder, die US-Truppen bei sich aufgenommen haben, die vollen Kosten für die in ihrem Land stationierten amerikanischen Soldaten tragen sollen — Plus 50 Prozent Aufschlag für Ehre, sie bei sich zu beherbergen, so teilte es ein Dutzend Mitarbeiter der Administration und andere Leute mit, die darüber informiert wurden. In einigen Fällen, können Nationen, die amerikanische Truppen beherbergen, gebeten werden, fünf oder sechs Mal mehr zu zahlen, als unter der „Kosten plus 50″ Formel.“

Und das war wirklich kein Scherz.

Jetzt, acht Monate später, machen die USA ernst. Vor ca. zwei Wochen haben die USA von Japan gefordert, seine Zahlungen an die USA für die dort stationierten US-Truppen um mehr als das Vierfache von 1,8 Milliarden auf 8 Milliarden Dollar zu erhöhen. Auch in Südkorea machen die USA derzeit Druck, damit Südkorea, dass seine Schutzgeldzahlungen an die USA erst 2019 um fast 9 Prozent auf über 900 Millionen Dollar erhöht hat, weiter erhöht. Südkoreanische Medien melden, dass die USA eine Erhöhung auf das Fünffache, also auf 4,7 Milliarden, fordern. Um den Druck zu erhöhen, drohen die USA Südkorea mit Abzug von 4.000 der 28.500 in Südkorea stationierte Soldaten.

In Tokio und Seoul regt sich gegen die Forderungen durchaus Widerstand, aber man versucht auch, die USA irgendwie zu besänftigen. In Japan gibt es zum Beispiel Streit um eine US-Basis, auf der US-Piloten die Landung auf Flugzeugträgern üben, was ausgesprochen viel Lärm macht und für Proteste der Anwohner sorgt. Aber anstatt den USA zu sagen, Sie sollen das gefälligst zu Hause üben, hat die japanische Regierung nun für 146 Millionen Dollar eine unbewohnte Insel gekauft, wo man den USA einen solchen Übungsplatz hinstellen will. Die Insel liegt 400 Kilometer von der jetzigen Basis entfernt und dort wird der Lärm wohl niemanden stören.

Ein Staat wehrt sich in den letzten Jahren gegen die Vasallenrolle, die die USA ihm zugedacht haben, die Türkei. Die Türkei hat, nachdem die USA den Verkauf von Patriot-Raketen abgelehnt haben, die Frechheit besessen, sich in Russland die S-400 zu bestellen. Das ist ein russisches Flugabwehrsystem, das nicht nur besser als die Patriots ist, sondern auch noch billiger. Eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung, aber es kommt eben aus Russland und da hört in den USA der Spaß auf. Die USA und die Türkei streiten schon lange über dieses Thema und es gibt sogar schon ein Gesetz in den USA, das deswegen Sanktionen gegen die Türkei vorsieht. Noch wurde es aber nicht angewendet.

Unter befreundeten Ländern – und das sollten die Nato-Staaten ja eigentlich sein – ist das ein einmaliger Vorgang. Sanktionen verhängt man normalerweise gegen seine Feinde, aber nicht gegen seine Freunde. Oder man verhängt sie als „Strafe für Ungehorsam“ an seine Vasallen oder Kolonien. Auch das britische Empire hat seine Kolonien über Jahrhunderte auf diese Weise zusammengehalten: Ungehorsam wurde nicht geduldet und bestraft.

Wobei: So einmalig ist dieser Vorgang gar nicht mehr. Auch gegen die EU haben die USA im Sommer Sanktionsdrohungen ausgesprochen, weil die EU aus einem Fond Gelder an europäische Rüstungsfirmen für die Entwicklung neuer Waffensysteme geben wollte. Gegen den Fond hatten die USA nichts, aber sie haben mit Sanktionen gedroht, wenn der Fond nicht auch für US-Firmen geöffnet würde. Solche Freunde und Verbündete wünscht man sich doch, oder?

Einen beeindruckenden Einblick in das Selbstverständnis der USA geben nun offizielle Äußerungen einflussreicher US-Senatoren. Die haben verkündet, man müsse das Gesetz über Sanktionen gegen die Türkei nun endlich zur Anwendung bringen, weil die Türkei darauf besteht, die gekaufte und gelieferte System S-400 auch in Dienst zu stellen. Die Senatoren Van Hollen und Graham haben einen Brief an das Pentagon geschrieben, in dem es heißt:

„Die Zeit der Geduld ist längst abgelaufen. Es ist an der Zeit, dass Sie das Gesetz anwenden (…) Wenn Sie dies nicht tun, sendet dies ein schreckliches Signal an andere Länder, dass sie die US-Gesetze ohne Folgen missachten können.“

Die USA sind also der Meinung, dass andere Länder die US-Gesetze befolgen müssen. Deutlicher kann man das nicht formulieren: Wenn „US-Verbündete“ die US-Gesetze nicht befolgen, werden sie bestraft. Wie kann man da noch von souveränden Staaten sprechen? Das ist die gleiche Sprache, die man in London vor 150 Jahren gegenüber den Kolonien benutzt hat.

Was wäre wohl los, wenn Japan, Südkorea oder vielleicht das Nato-Land Luxemburg von den USA fordern würde, Washington müsse sich an ihre Gesetze halten und wenn in ihren Gesetzen steht, dass die USA etwas nicht kaufen dürfen, dann sollte Washington das gefälligst auch nicht tun. Absurd!

Aber die USA nehmen sich dieses Recht wie selbstverständlich heraus und drohen ihren „Verbündeten“ (das klingt eben besser, als „Kolonien“) mit Sanktionen. Auch Deutschland ist betroffen. In den USA steht ein Gesetz vor der Einführung, das explizit deutschen Firmen Sanktionen androht, die an Nord Stream 2 beteiligt sind.

Wenn sich China oder Russland so etwas gegenüber Deutschland erlauben würden, wäre das Geschrei in Berlin und in den deutschen Medien groß. Aber wenn unser „engster Partner und Freund“, die USA das tut, dann stört es niemanden.

Entscheiden Sie selbst: Erstens: Verhalten sich befreundete Staaten so untereinander? Zweitens: Wenn sich Japan, Südkorea, Deutschland und all die anderen betroffenen Staaten ein solche Verhalten gefallen lassen – sind sie dann eher souveräne Staaten oder eher Kolonien?

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Gedanken zu „Politik wie bei der Mafia: Die USA erpressen Schutzgeld von ihren „Verbündeten““

  1. Obwohl wir eigentlich kein Anhänger dieser „Baldigen-Sytemzusammenbruch-Prophezeihungen“ sind, scheint doch den Amerikanern ihr eigener Rüstungshaushalt zunehmend „unheimlich“ zu werden.
    Man meint da offensichtlich, „alternative Finanzierungsquellen“ erschließen zu müssen.

  2. Wir leben schon in einer verrückten Welt. Die USA haben seit Jahrzenten ein gewaltiges Handelsdefizit. Sie leben sozusagen auf die Kosten der Rest der Welt. Und dann werden auch noch Drohungen ausgesprochen gegen Länder, die ihnen die frisch gedruckten Doller abnehmen und dafür wertvolle Wahren liefern.
    Die USA gefährden dadurch mehr die Position des Doller als Weltwährung.
    Aber die Politiker der Vasallenstaaten haben Angst, dass die USA als Exportland wegfallen.
    Ich wurde in letzter Zeit ein paar mahl angesprochen ob man in den Doller zu Sicherheit gehen soll. Ich habe davor abgeraten. Mein Tipp waren da Edelmetalle und Russischer Rubel. Russland ist fast schuldenfrei. Und haben sehr große Goldreserven. Die USA sind hingegen mehr als Pleite. Es wird spekuliert, dass Ford Nox nur eine Touristenattraktion ist und schon lange leer steht.
    Die Frage ist nur warum können die Amis das? Warum werden nach anfänglichen Protesten Deutschland, Japan und auch Süd Korea einknicken?
    Konten werden Bei Banken in den einzelnen Ländern nur in der jeweiligen Landeswährung geführt. Wenn ich mir in Deutschland bei meiner Bank ein Konto in Doller anlegen möchte werden dies das machen. Gleichzeitig wird aber auch ein Konto bei einer Partnerbank in den USA angelegt ohne Wissen des Kontoinhabers. Das Konto in Deutschland ist nur eine Kopie.
    Deshalb sind alle Doller Bestände in den USA. Und können demzufolge auch leicht von der Regierung eingefroren werden.
    Jetzt werden alle Rohstoffe fast ausschließlich in Doller gehandelt. Länder, die nicht nach der Pfeife der USA tanzen können bei Sanktionen vollkommen unfähig sein Rohstoffe zu kaufen. Das ist die wahre Macht der USA. Die Absolute Kontrolle über das Geld mit dem in der Welt Rohstoffe gekauft werden können.
    Diese Macht ist aber am Bröckeln. Russland und China befreien sich davon, indem diese Ihren Vertragspartnern diktieren, dass der Handel über ihre eigenen Währungen zu laufen haben.
    Russland und China bauen auch ihre Doller Bestände ab. China setzt mit diesem Geld das Projekt der neuen Seidenstraße um solange wir in Europa dumm genug sind dieses Klopapier noch als Währung zu akzeptieren.
    Die Macht des Doller schwindet und damit auch die Macht der USA. Es wird einen Zeitpunkt geben, da werden sich die ersten Länder nicht mehr erpressen lassen und sagen Ami go Home.
    Und glaubt mir Deutschland wird das letzte sein. Wir werden mit den Amerikanern untergehen.

  3. Zum Thema Schutzgeld

    „For the Federal Republic of Germany, we have incomplete data on HNS for a single year—2009—drawn largely from correspondence between U.S. and German government officials. By inference and supported by discussions with EUCOM personnel, we know that all of that HNS, be it direct or indirect, is “in-kind”—if Germany were
    to provide the United States with any cash support, that support would be listed in DoD’s annual report to Congress. A survey of documents related to the stationing of
    U.S. forces in Germany, including the NATO SOFA, as well as the officials’ correspondence provided by EUCOM and USAREUR, indicate that Germany’s indirect support includes forgone customs duties, forgone income taxes, personnel benefits (such as accepting U.S. Drivers Licenses without fees), and forgone rent on facilities provided
    by Germany for use by the United States. Additionally, direct support takes the form of land, infrastructure, construction, damage claim offsets, and compensation to local communities.“

    „Für die Bundesrepublik Deutschland liegen uns für ein einziges Jahr (2009) unvollständige Daten zu HNS vor, die größtenteils aus der Korrespondenz zwischen US-amerikanischen und deutschen Regierungsbeamten stammen. Aus Schlussfolgerungen und Gesprächen mit EUCOM-Mitarbeitern wissen wir, dass all diese HNS, sei es direkt oder indirekt, „in Sachleistungen“ bestehen – wenn Deutschland den USA Bargeldunterstützung gewähren würde, wäre diese Unterstützung in aufgeführt DoDs Jahresbericht an den Kongress. Eine Übersicht über Dokumente zur Stationierung der US – Streitkräfte in Deutschland, einschließlich des NATO – SOFA, sowie die von EUCOM und USAREUR bereitgestellte Korrespondenz der Beamten zeigen, dass die indirekte Unterstützung Deutschlands verzichtete Zölle, verzichtete Einkommenssteuern und Personalleistungen (z als gebührenfreies Akzeptieren von US-Führerscheinen) und Mietverzicht auf Einrichtungen, die von Deutschland zur Nutzung durch die USA zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus erfolgt die direkte Unterstützung in Form von Grundstücken, Infrastruktur, Bauarbeiten, Schadensersatzansprüchen und Entschädigungen für die örtlichen Gemeinden.“

    Welchen Wert in € muss man dafür denn jährlich ansetzen?

    Für verschenkte Grundstücke, keine Grunderwerbssteuer, keine Grundstückssteuern und sonstige Abgaben im Zusammenhang mit Besitz eines Grundstücks. Keine Erschließungskosten und wohl auch keine Haftpflichtversicherung.

    Verzicht auf Zolleinnahmen, wenn man bedenkt das fast alle Waren der Stützpunkt-Versorgungen eingeflogen werden kommt da einiges an Ersparnis zusammen. Da bleibt nicht viel für einen regionalen Wirtschaftsfaktor.

    Wenn der Trupp dann mal weiter ziehen sollte übernehmen wir natürlich auch noch die gigantischen Kosten der Umweltbelastungen.

    All solche Faktoren zählen aber nicht zum Verteidigungsetat.
    Auch nicht die Kosten der US Kriege in Form der Fluchtbewegungen.

    Ach ja und wenn wir so dringend alle auf Autos verzichten sollen, der Umwelt zu liebe, könnten wir sehr viele km Strassen wieder zurück bauen, einschließlich Autobahnen oder?
    Nein können wir natürlich nicht denn die gehören wie selbstverständlich zur Nato- Aufmarsch-Infrastruktur und deshalb müssen wir die ja auch endlich mal modernisieren.
    Nicht das jemand denkt man würde sich um das Wohlergehen derjenigen sorgen die das alles finanzieren.

    Es hat schon einen Grund warum man in Deutschland keine klaren nachvollziehbaren Zahlen bekommt. So eine Geschenktüte kann mit dem nächsten gewünschten US Stützpunkt schon veraltet sein.

    Bei den zugänglichen Quellen kommen wir mit Schattenhaushalte auf ca. 60 Mrd. derzeit und das ist nur die Spitze weil man die zusätzlichen Kosten der Länderhoheiten nicht wirklich ermitteln kann.

    Bereits 2009 wurden Kosten für US Unterstützung von über 550 bis über 850 Mio angesetzt.

    Betrachtet man nun den sogenannten NATO Etat den wir sozusagen doppelt finanzieren (all die *comm) die ja eh schon auf unsere Kosten errichtet und am laufen gehalten werden zahlen wir obendrein noch den Verwaltungsbetrieb(Kriegsträume), müssen für diese Unterstrukturen die militärischen Gerätschaften bereitstellen dürfen aber nicht darüber verfügen.
    z.B. Flugplatz, Personal, Flugzeuge usw für US-Atomwaffen, Wir kaufen das alles und müssen das dann in fremden Ländern bereitstellen für den Tag X , gewartet durch Fremdfirmen, Fremdpersonal. Diese Flieger stehen wenn ich mich recht erinnere in Frankreich, die Drecksladungen liegen in Deutschland verteilt und warten dort auf fremde Befehle.

    Offiziell ist ja Deutschland gegen die Verbreitung von Kernwaffen aber für die Verbreitung durch Lagerung scheinbar nicht.

    Dieses ganze Geflecht kann niemand durchschauen und deshalb kann man auch keine Vergleiche ziehen.

    https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/research_reports/RR200/RR201/RAND_RR201.pdf

    Übrigens, diese Org eignet sich gut wenn man erfahren will wer als nächstes dran ist.

    Angesichts von Posten die bekannt sind(Haushalt), Posten die bekannt aber nicht erhoben werden(Stationierungskosten), Posten die verschenkt werden ohne einen Marktwert zu ermitteln(Grundstücke), Posten die verdeckt im Zivilbereich liegen(Infrastruktur),Posten für wir Anschaffungen aber über die wir nicht verfügen (Atomsilo,Flugzeuge)
    dürften wir unser 2% Ziel erreicht haben.

  4. Die USA betrachten sich in Europa eindeutig als Kolonialmacht. Der US-Publizist Andrew Denisson vor etlichen Monaten bei phoenix: „Amerikas wichtigste Priorität und dass seit einem Jahrhundert ist die Sicherheit und Verteidigung Westeuropas, dass Westeuropa nicht in den Händen von einem feindlichem Hegemon kommt. Und auch weiterhin die Verteidigung dieser Friedensordnung steht als Priorität Nr. 1, daher die Sorge über Russland, Amerikas Militär steht weiterhin zuerst da, um eine militärische oder nukleare Erpressung Westeuropas durch Russland zu verhindern.“ Die USA sehen sich also als Schutzmacht, als Kolonialmacht! Und mittels solcher transatlantischer Vereinigungen wie der Atlantikbrücke oder der Atlantischen Gesellschaft werden auch wie seinerzeit in den Kolonien, die Einheimischen zu Kollaborateuren gemacht!

  5. „Die USA behandeln ihre Verbündeten wie Vasallen oder Kolonien.“ – Da bin ich ganz entspannt und gelassen, möchte aber fragen ob das etwas neues ist. Epistemologisch ist es vorteilhaft wenn ein Lernprozess offen ausgetragen wird: wenn eine Kolonie jahrelang so getan hat, als ob sie keine Kolonie sei, sondern ein „Partner“, und dann plötzlich in einen Spiegel (nein, nicht SPIEGEL) schaut, sich weigert festzustellen, dass sie als Kolonie behandelt wird, ist das alles Stoff für eine Komödie und alle Zuschauer lachen. Dann schaut die Kolonie ins Publikum und stellt doch irgendwann fest, dass sie entlarvt ist (bzw. nackt da steht). Die Kolonie genießt den Schutz des Kolonialherren solange Tribut bezahlt wird. Es wäre doch zum Lachen wenn die Kolonie sich daran gewöhnt hat und meint, der Herr muss für diesen Schutz bezahlen. Wäre das wirklich der Fall, wozu hat der Herr überhaupt Kolonien? Irgendwann, d.h. wenn der Herr die Karten der Wahrheit auf den Tisch legt und fragt, ‚Wozu habe ich Kolonien wenn sie mich für meinen Schutz nicht einmal bezahlen, d.h. wenn sie meine Kosten nicht ausgleichen?‘, hat die Kolonie die Chance daraus zu lernen. Lernen hieße dann sich zu fragen vor was oder wem sie diesen Schutz braucht. Setzt sich dann die Kolonie einmal an den berühmten grünen Tisch, weil der Herr stur auf seiner Logik besteht, um mit dem Herrn zu diskutieren, redet der Herr über die hegelsche „Dialektik“ des Herrschers und des Sklaven: die brauchen einander gegenseitig, d.h. der Herr, der herrschen soll, herrscht nicht wirklich, ist nicht frei, wird von dem Sklaven also beherrscht. Der Herr sagt der Kolonie, ‚Wisst ihr was? Ich habe davon die Schnauze voll, und seid ihr auch noch mit etwas Verstand ausgerüstet, solltet ihr auch die Schnauze davon voll haben‘. Dann reden die beide über eine „Bedrohungsanalyse“, genau wie der französische Präsident es fordert.

    Und dieses Theaterspiel wird jetzt zur Schau getragen. Der Herr heißt Trump, der unverschämt die Wahrheit sagt und tritt dabei eine Lawine der Entrüstung und Empörung los. Er kann aber nicht nur die Wahrheit sagen – „die NATO ist obsolet“ – er verfügt über die Kunst, die Realität für sich spielen zu lassen: würde Trump von den USA aus die Diskussion anzetteln, die Macron jetzt anfängt, würden Pentagons Sternen-Träger, Senatoren und die Lüge-bis-ich-lache Medien sagen, er hätte damit bewiesen, dass er Putins Marionette ist. Was wollen aber die Herrschaften machen wenn Macron es tut? Klassisch: Macron spielt De Gaulle ohne De Gaulle sein zu müssen. (Ein „Senior Administration Official“ sagte letzte Woche dazu, dass „das zu unserem Bündnis-Demokratie gehört…, dass wir uns manchmal mit unbequemen Positionen auseinandersetzen müssen.“ – Trump will die Diskussion die Macron will, aber wir können nicht „beweisen“, dass sie sich abgesprochen haben.) NATO soll Russland oder China als Feind deklarieren? Nein, das will die NATO nicht. Sagt auf jeden Fall Macron. Nun, was sollen das Pentagon und die NATO machen wenn Macron eine politische Wahrheit ausspricht? Ist er in etwa eine Putin Marionette?

    Mittlerweile zu Hause in den USA spielt Trump den geduldigen Politmediator: Beim letzten Besuch Erdogans in Washington, veranstaltete Trump z.B. ein Gespräch mit Senatoren und der Herr Graham war dabei und kollidierte scharf mit Erdogan. Das ist ja schon wieder Show, aber nicht deswegen leichtfertig einfach zu vergessen. ‚Herr Senator‘, sagt Trump, ohne es sagen zu müssen weil der Senator selbst kapieren soll, dass die Erdogan-Show für ihn veranstaltet wurde, ‚Herr Senator, wenn *ich* auf Kriegstrommeln schlage, kommt etwas dabei raus und es gibt keinen Krieg. Stellen Sie sich vor, Herr Senator, Sie seien Präsident: Wenn Sie meinen, dass Sie Herrn Erdogan auf die Knie zwingen müssen *und auch können*, bringen Sie ihre geliebte NATO zum Auseinanderbrechen. Und das täten Sie ohne, dass sie die von Ihnen so geschätzten „Bündnispartner“ konsultiert haben. Ich habe eine ganze andere Herangehensweise. Sind Sie lernfähig? Oder sind Sie noch bei den sogenannten Exzeptionallisten, die keine Bedenken haben, eine Lawine loszutreten ohne die Konsequenzen zu bedenken?‘. Ganz klar, würde Graham sich durchsetzen mit einer Bestrafung der Türkei wegen S400 und was immer noch danach kommt, und alles als Versuch die Vorherrschaft der USA in der NATO unter Beweis zu stellen, wird er alles was er selbst für Teuer und Lieb hält, zerstören.

    Im Moment geht es in der Show nur ums Geld: das ist das einfachste. Dahinter steckt die noch zu führende strategische Debatte. Und das ist der Grund warum „die USA“ den INF und sonstige Verträge fallen lassen: niemand im Westen ist ehrlich, und so ist es unvorstellbar, dass eine Stabilität aus Lügen und Täuschungen entstehen kann und gehalten werden kann. Um Ehrlichkeit und Redlichkeit zu fördern, reden wir erst einmal über das Geld und das erste Stück Ehrlichkeit besteht in der Anerkennung des hegelschen Herrscher-Sklave Verhältnis.

    MMn ist die „Strategie“ die sich in diesem Show zeigt, genial.

    Aber angesichts der immensen und offensichtlich provokativen Forderungen gegenüber den „Alliierten“, sollen wir uns vorstellen wie die diversen Pentagon und State Department Abteilungen reagieren: „So geht man nicht mit souveränen Bündnispartnern um!“ Und sie würden weiter argumentieren wie in diesem Artikel dargelegt. Weiter so, nicht mit Realitäten sondern mit „als ob“: als ob „Partner“, als ob „souverän“, als ob „gemeinsame Interessen“. Der Pentagon Beamte oder Sterne-Träger der so argumentiert, lügt. Lügen mit Stil, betrügen vor Happy Hour mit Cocktails in Brüssel. Sich selbst belügen fällt gar nicht auf wenn alle mitmachen. Alles wäre Friede, Freude, Eierkuchen, gebe es nicht die verfluchte Realität.

    Tatsächlich gibt es Berichte aus mehreren Ländern in Asien, dass die Beamten dieser Länder zwar mit Pentagon und State Department Leuten reden, haben aber erfahren, dass sie an Hand dieser Diskussionen keine Entscheidungen oder Pläne machen können weil Trump und das White House etwas ganz anderes präsentieren. (Genau das war die Beschwerde der diversen Clowns bei den Schiff Anhörungen: Trump hintertreibt „etablierte amerikanische Politik“. Und was ist diese Politik? Die Bevölkerung weiß davon nichts weil es nie zur offenen politischen Debatte stand, niemand wurde dafür gewählt. Jetzt aber, Dank den Schiff Anhörungen, kann die Bevölkerung anfangen zu lernen worum es in dieser Politik geht. )

    Was Mafia-Politik angeht: Wie kann das sein? – Der Mafioso stellt zwar Forderungen um etwas zu erreichen, was das Opfer nicht will. Bis hierher könnte man Trump vorwerfen eine Mafia-Politik zu betreiben weil die Opfer nicht zahlen wollen. Aber dann war es das schon mit dem gemeinsamen Nenner: Trump sagt nicht, ‚Ihr braucht Schutz und wenn ihr das nicht glaubt, sorge ich dafür, dass ihr Schutz braucht, und dann zahlt ihr schon‘. Nein, Trump sagt ‚*Ihr* sagt *mir*, dass ihr Schutz braucht und dass ich dafür zahlen soll. Sagt mir, bitte, wovor ihr Schutz braucht.‘ Und so sieht man den gemeinsamen Nenner zwischen Trump und Macron, nicht jedoch mit dem Mafioso. Der Mafioso sagt, ‚Ich mache euch ein Angebot das ihr nicht ablehnen könnt‘. Trump sagt: ‚Ich mache euch ein Angebot das ihr nicht annehmen könnt.‘ Und sie werden es nicht annehmen. Weder die Eigenschaft von Trumps Angebot noch die Tatsache, dass es abgelehnt werden muss, ist so schwer zu verstehen. Das ist keine Sache von „wollen“, sie *können* es nicht annehmen. Der einzige Ausweg ist anzufangen zu denken, so schmerzlich und ungewohnt das auch ist.

    Jetzt trifft sich „die NATO“ und es ist unterhaltsam. – Trump kritisiert Macron, sein „Gehirntot“ Kommentar sei „gehässig“ und im Grunde eine „Beleidigung“ der 28 Länder. Köstlich! Schau mal wer da redet! Und Erdogan: er schlägt vor, das Macron sein eigenes Gehirn untersuchen lässt bevor er andere beleidigt (kann er ja gut reden, der Erdogan), kommentiert, dass gute Beziehungen zu Russland in keinem Widerspruch zur NATO-Mitgliedschaft stünden, und die NATO müsste sich „neu erfinden“. Herrlich! Ich müsste mal schnell ins Wörterbuch schauen um herauszufinden was der Unterschied sei zwischen der Aussage „Gehirntot“ und „muss sich neu erfinden“. Auf Anhieb erkenne ich keinen. Macron sagt die Anschaffung der S400 sei „technisch“ mit der NATO nicht vereinbar. Trump sagt, dass er Erdogan mag und dass alles ein Obama-Problem sei. Die Zuschauer oder Zuhörer mit keinem Humor werden sich fragen, „Moment mal! Hat der Erdogan Macron kritisiert oder stimmt er ihm zu, oder Teils-Teils?“ Erdogan hat zum Teil Terroristen unterstützt, sagt Macron. Recht hat er. Ich habe noch kein Kommentar von Erdogan gelesen wo er erwidert, „Und du auch, Immanuel.“ Hätte er auch recht. Hat Trump wirklich Macron kritisiert oder ziehen sie alle eine Show ab? Was wird denn schließlich diskutiert? „Gehirntot“ und „Neuerfindung“. Na, Bravo! Die nicht-PC Sprache, der raue Ton, ist die erste Stufe des Fortschritts. Ein Drehbuch wie von Trump geschrieben. Die „etablierte“ State Department und Pentagon Schreibtisch-Krieger drehen garantiert durch, können aber keine Angriffsfläche finden. Wo sind die Putin Marionetten? Blöde Frage: es gibt keine. Und Merkel, die Dame die in den Keller geht zum Lachen? Sie ist auf jeden Fall nicht in der Schusslinie und scheint die Position zu genießen. Es wäre nicht gut für das kommende Normandie- Ukraine Treff wenn sie es wäre. Alles in der Öffentlichkeit geschieht vor der Kulisse. Was hinter der Kulisse los ist, müssen wir später bestätigen oder Vermutungen korrigieren.

  6. Wir sind kein eigenständiger Staat, sondern besetztes Gebiet.
    Der eigenständige Staat hat am 8. Mai 1945 aufgehört zu existieren.
    Der letzte eigenständige Kanzler Deutschlands war Adolf Hitler.
    Nicht meine Worte, sondern die Wolfgang Schäubles.

    Damit ist wohl alles gesagt. 🙁

    1. Eine Quelle für dieses Zitat habe ich nicht gefunden aber diese

      https://www.youtube.com/watch?v=aPHzU1tBp2Y

      „Wir in Deutschland sind seit dem 8.Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen“.

      https://www.hna.de/politik/eine-rede-brisanz-1501143.html

      https://beruhmte-zitate.de/zitate/132346-wolfgang-schauble-wer-tabus-und-denkverbote-aufstellt-darf-sich-nic/

      „Wer Tabus und Denkverbote aufstellt, darf sich nicht wundern, wenn hinterher in Grauzonen gehandelt wird.“

      https://www.youtube.com/watch?v=UmodDBWw1WM

      „Wir haben 1990 die Wiedervereinigung mit der ehemaligen DDR, mit Mitteldeutschland, erreicht. Wenigstens das. Der Preis war hoch. Wir mussten uns mit der Oder-Neiße-Grenze abfinden. Und niemand kann Ihnen […] Wir haben uns mit der Grenze abfinden müssen […] es ist so […] aber mit dem Verlust der Heimat der Deutschen im Osten finden wir uns nicht ab […] Das kann niemand verlangen.“

      Referenz: https://beruhmte-zitate.de/zitate/132347-wolfgang-schauble-wir-haben-1990-die-wiedervereinigung-mit-der-ehema/

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