Reallöhne seit 1990 nicht gestiegen, niedrigster Mindestlohn Westeuropas – Ist Deutschland, ein reiches Land?

Normalerweise hört man immer, dass Deutschland doch ein so reiches Land ist und es allen gut geht. Wer in Deutschland meckert, der meckert auf hohem Niveau, heißt es immer. Das Problem ist, dass das schon lange nicht mehr stimmt.

Sicher, im Vergleich mit Nigeria oder Burundi geht es den Deutschen noch ganz gut. Aber der Anspruch, dass Deutschland auch im Vergleich mit den reichen westlichen Ländern an der Spitze steht, gilt nicht mehr. Vor 30 Jahren, als die Löhne in Deutschland noch die höchsten in Europa waren und jeder 30 Tage Urlaub pro Jahr hatte, hat Kanzler Kohl die Formulierung vom „Freizeitpark Deutschland“ geprägt. Das war einmal.

Dank der Hatz 4 Gesetze ist Deutschland im Westen mittlerweile nach hinten durchgereicht worden. Die Löhne sind in den meisten westeuropäischen Ländern höher, als in Deutschland. Das gleiche gilt auch für den Mindestlohn, da ist Deutschland mittlerweile Schlusslicht. Das geht aus einer Studie hervor, über die der Spiegel berichtet. Und die Ergebnisse sind so niederschmetternd, dass die Überschrift lautet: „Studie – Mindestlohn in Deutschland nicht existenzsichernd

Das ist schon harter Tobak, denn in einem angeblich reichen Land sollte doch jeder, von einer vollen Stelle seine Existenz sichern können. Aber die Legende vom reichen Deutschland hält sich aber hartnäckig. Und obwohl die Reallöhne seit 1990 praktisch nicht mehr gestiegen sind und obwohl es in Deutschland heute Altersarmut gibt, wie das Land sie seit dem Krieg nicht erlebt hat, redet die Kanzlerin gerne davon, wie gut es Deutschland doch ginge und dass sie die „erfolgreichste Bundesregierung seit Gründung der Bundesrepublik“ leite. Der Witz ist so gut, der könnte glatt von Trump sein, der sich kürzlich angeblich als „greatest President ever“ bezeichnet hat.

Eine gewisse Seelenverwandtschaft zwischen Merkel und Trump scheint es also durchaus zu geben.

Im angeblich so reichen Deutschland bleibt einem Durchschnittsrentner nach allen Abzügen kaum mehr zum Leben, als einem Rentner in Russland, wo die Renten bekanntermaßen sehr niedrig sind und kaum zum Leben reichen. Deutschland hat sich diesem Niveau mittlerweile erfolgreich angenähert.

Die soziale Lage in Deutschland ist mittlerweile so prekär, dass sogar schon die UNO Deutschland erheblich kritisiert.

Zum Mindestlohn, der heute bei 9,19 Euro liegt, gibt die Studie jedenfalls eine deutliche Empfehlung, wie man im Spiegel lesen kann: „Dem WSI zufolge gelten Mindestlöhne generell ab einem Niveau von 60 Prozent des nationalen Medianlohns als „einigermaßen existenzsichernd“. In der Bundesrepublik müssten diese dafür auf fast zwölf Euro ansteigen.

Vielleicht wird es auch in Deutschland Zeit, sich eine gelbe Weste zu kaufen?

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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