Strache gibt erstes Interview – Medien verschweigen den Inhalt

Nachdem es einige Monate ruhig um den österreichischen Politiker H. C. Strache war, hat er nun bei RT-Deutsch ein Interview gegeben. Das Überraschende dabei ist, wie unvollständig die Urheber des „Falles Strache“, Spiegel und Süddeutsche Zeitung, darüber berichten. Was ihnen nicht passt, wird weggelassen.

Zur Erinnerung kurz noch einmal zu dem „Fall Strache„, der im Mai für Schlagzeilen gesorgt hat.

Während des österreichischen Wahlkampfes 2017 traf Strache zusammen mit einem Vertrauten auf Ibiza eine angebliche russische Oligarchentochter. Das Treffen war von langer Hand eingefädelt worden und war eine Falle. Das Haus, in dem das Treffen stattgefunden hat, war mit Kameras ausgestattet und es gab viel Alkohol. Es sollte ein Video entstehen, das Strache kompromittieren sollte. Trotz der monatelangen Vorbereitungen, professioneller Ausstattung, einer aufwändig gecasteten „Oligarchentochter“ und jeder Menge Alkohol, war das Ergebnis jedoch eher enttäuschend. In sechs Stunden fielen gerade einmal wenige Sätze, die weniger als fünf Minuten füllen, die man kritisieren kann.

Jedoch ist dabei nichts Strafbares geschehen oder gesagt worden, es gibt gegen Strache keine strafrechtlichen Ermittlungen, der „Skandal“ war ein rein politischer.

Das Video lag dann zwei Jahre bei den Machern im Schrank, bevor es auf ungeklärten Wegen an den Spiegel und die Süddeutsche Zeitung kam. Für die Macher hat es sich gelohnt, sie haben es mit Gewinn verkauft, wer der Käufer war, ist nicht bekannt, Spiegel und Süddeutsche sagen, sie hätten kein Geld bezahlt.

Die beiden Zeitungen haben nur sehr kurze, aus dem Zusammenhang gerissene Ausschnitte veröffentlicht und die reichten – flankiert von einer massiven Medienkampagne – aus, um Strache zum Rücktritt zu zwingen und dann sogar die österreichische Regierung zu sprengen.

Das Problem ist, dass es illegal ist, solche heimlichen Aufnahmen zu machen. Strache hat daher Strafanzeige gestellt und wir werden sehen, was dabei herauskommt.

Die beiden deutschen Zeitungen feierten sich danach selbst für ihre „Enthüllungen“ und haben bis heute verschwiegen, dass Strache auch gegen sie Strafanzeige gestellt hat und dass die deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt.

Außerdem behauptet Strache, dass die fraglichen Passagen im „Ibiza-Video“ einen falschen Eindruck machen, denn er hätte immer wieder darauf hingewiesen, dass er strikt nach den Regeln der Gesetze handeln würde und jedes andere Verhalten ablehne.

Nur beweisen kann Strache das nicht, weil die beiden deutschen Zeitungen sich weigern, das gesamte Video herauszugeben. Auf diese Herausgabe hat er geklagt, weil er beweisen will, dass er nichts unrechtes getan hat.

Die Zeitungen berufen sich bei ihrer Weigerung der Herausgabe des Videos auf Quellenschutz, nur ist das ein billiger Vorwand. Die Personen auf dem Video sind ohnehin bekannt und man könnte natürlich ihre Gesichter verpixeln und ihre Stimmen verfälschen, wenn das der Grund wäre. Strache geht es dabei ja nicht um die Leute auf dem Video, sondern um das Gesagte.

Die beiden Zeitungen werden also andere Gründe haben, das Video unter Verschluss halten zu wollen.

Strache hat in seinem aktuellen Interview all das wiederholt. Er hat seine Vorwürfe gegen die deutschen Medien bekräftigt und er hat die Frage gestellt, warum das Video ausgerechnet eine Woche vor der Europawahl veröffentlicht wurde, nachdem es vorher zwei Jahre im Schrank gelegen hatte. Er hat auch den ehemaligen österreichischen Kanzler Kurz kritisiert, unter anderem wegen der sogenannten „Schredderaffäre“, denn ein enger Mitarbeiter von Kurz hatte damals bei einer Spezialfirma mehrere Computerfestplatten vernichten lassen und sich dabei sehr ungewöhnlich verhalten: Er hat darauf bestanden, dass sie drei Mal geschreddert werden und dass er sie persönlich in den Schredder tun darf. Anschließend ließ er das Granulat nicht, wie üblich, in der Firma zur Entsorgung, sondern bestand darauf, es mitzunehmen. Und all das tat er auch noch unter falschem Namen.

Strache hatte in dem einstündigen Interview viel Interessantes zu erzählen, was für den Leser der deutschen „Qualitätsmedien“ neu sein dürfte, aber nichts desto trotz wahr ist.

Aber von all dem erfahren die Leser der beiden „Enthüllungsmedien“ Spiegel und Süddeutsche Zeitung nichts. Offensichtlich haben sich übrigens die beiden Redaktionen abgesprochen, bevor sie über das aktuelle Interview von Strache berichtet haben, denn die Artikel sind nicht nur inhaltlich identisch, sie sind sogar über weite Strecken absolut wortgleich.

Obwohl Strache also viel berichtenswertes erzählt hat, lenken die beiden Zeitungen davon ab. Schon die Überschriften gehen in eine völlig andere Richtung. Beim Spiegel lautet sie „Strache wirft Kurz Wortbruch vor“ und auch die Süddeutsche titel fast wortgleich: „Strache wirft Ex-Kanzler Kurz Wortbruch vor„. Und auch der erste Absatz der Artikel lautet bei beiden Zeitungen wortgleich, dass der ehemalige

„FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat in seinem ersten Interview seit der Veröffentlichung des auf Ibiza gefilmten Skandalvideos Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Wortbruch vorgeworfen. Kurz habe ihm „zugesichert und das Wort gegeben“, dass er die rechtskonservative Regierung fortsetzen werde, sollte Strache als Vizekanzler zurücktreten.“

Was die beiden Zeitungen hier zur Schlagzeile machen, ist aber nichts wirklich Neues, die Vorwürfe gegen Kurz wurden schon früher geäußert. Dafür verschweigen die beiden „Qualitätsmedien“ allerdings die Strafanzeigen von Strache gegen sie und auch die Tatsache, dass das Erstellen des Videos illegal war. Und auf die Frage, warum es ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt unmittelbar vor einer Wahl veröffentlicht wurde oder warum sie es bis heute unter Verschluss halten, gehen sie gar nicht ein.

Und vor allem thematisieren die beiden Zeitungen eines gar nicht: Was bedeutet es für die politische Kultur in Europa, wenn Regierungen mit solchen Mitteln, wie einem verdeckt aufgenommenen Video, zu Fall gebracht werden können? Zumal wenn der Inhalt des Videos keinerlei strafrechtliche Dimension hatte?

Das aktuelle Interview ist für politisch Interessierte Menschen durchaus sehenswert, weshalb ich es hier noch einmal verlinke.

Exklusiv-Interview mit Ex-Vizekanzler HC Strache: "Die FPÖ war für die EU ein Dorn im Auge"

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

6 Gedanken zu „Strache gibt erstes Interview – Medien verschweigen den Inhalt“

  1. Strache gibt RT ein Interview! Das dürfte, wenn es in den deutschen Staats- und sonstigen Lügenmedien Erwähnung finden sollte, wieder ein gefundenes Fressen sein, denn es wird dann ja nicht über den Inhalt des Gespräches berichtet, sondern wie üblich etwas Verworrenes zusammengedichtet, wie die Verbindungen Straches zum Kreml und RT wird Kollaboration mit „Rechtspopulisten“ unterstellt!

    1. Wissen Sie, dass ein von mir verfasster Kommentar zum Artikel über das Interview von Herrn Strache mit RT im Forum der Zeit Online aufgrund waghalsiger Spekulationen und Nichtangabe von seriösen Quellen entfernt worden ist.

      1. Ich bin schon lange bei der ZEIT online gesperrt, weil ich es gewagt habe, auf einen aggressiven und unsachlichen, dafür aber „prowestlichen“ Kommentar zu antworten und als der entfernt wurde, habe ich die Impertinenz besessen, die Antwort nochmals reinzustellen. Die wurde natürlich wieder entfernt und als ich dann die Dreistigkeit besaß, zu fragen, warum meine Antwort auf diesen unsachlichen Kommentar entfernt wurde, wurde ich kurzerhand gesperrt! Meine Anfrage an die Moderation, die Gründe darzulegen, wurde natürlich nicht beantwortet! So funktionieren Presse- und Meinungsfreiheit in der Demokratie!

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