11.900 US-Soldaten verlassen Deutschland – Wie der Spiegel seine Leser über wachsende Kriegsgefahr belügt

Trump macht ernst und zieht US-Soldaten aus Deutschland ab. Was eigentlich eine gute Nachricht ist, erhöht jedoch die Kriegsgefahr in Europa. Aber Spiegel-Leser erfahren darüber nichts.

Nun wurden die Details bekannt: Die USA ziehen 11.900 Soldaten und wohl auch ihre zwei Hauptquartiere aus Deutschland ab. Die Hauptquartiere der US-Armee für Europa (Eucom) und für Afrika (Africom) sind in Deutschland angesiedelt, letzteres, weil kein afrikanischer Staat solche US-Besatzer auf seinem Territorium haben wollte. Aber Deutschland hat sich ja gefreut, als besetztes Land solche Hauptquartiere beherbergen zu dürfen.

Eucom soll nun nach Belgien, in die Nähe des Nato-Hauptquartiers, verlegt werden, bei Africom steht die endgültige Entscheidung noch aus.

Die Tatsache, dass fast 12.000 US-Soldaten Deutschland verlassen, ist eigentlich eine gute Nachricht. Ein kompletter Abzug – inklusive der US-Atombomben – wäre noch besser gewesen. Allerdings jammert der Spiegel furchtbar, dass die US-Truppen gehen und seine einzige Freude ist, dass ein Teil der Truppen trotzdem in Europa bleibt.

In einer „Analyse“ darf ein Spiegel-Redakteur Namens Konstantin von Hammerstein (der heißt wirklich so) die Sache auf den Punkt bringen und kritisiert die deutsche Regierung sehr deutlich, weil sie das durch ihre Weigerung, schon das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erfüllen, selbst verschuldet habe. Das Spiegel-Machwerk endet so:

„Denn eines steht jetzt schon fest: Kein US-Präsident, selbst wenn er Joe Biden heißen mag, wird es den Deutschen durchgehen lassen, wenn sie ihre Bündnisverpflichtungen auf Dauer vernachlässigen.“

Der Spiegel fühlt sich eben wohl in seiner Rolle als Pressesprecher der Nato. Und wenn der Spiegel beklagt, dass nun einige Regionen wirtschaftliche Nachteile erleiden, weil die US-Soldaten mit ihrer Kaufkraft abziehen, dann ist das eine sehr schwache Argumentation, wie ich hier vorgerechnet habe.

Der Spiegel möchte gerne, dass Deutschland seinen Militärhaushalt um ca. 20 Milliarden erhöht, so viel ist nämlich nötig, um das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erfüllen. Kleiner Tipp von mir: Man könnte einen Bruchteil dieser Summe als Strukturhilfen an die betroffenen Regionen geben und der Abzug der US-Soldaten hätte keinerlei wirtschaftlichen Auswirkungen auf diese Regionen. Und billiger, als das Zwei-Prozent-Ziel zu erfüllen, wäre es auch noch.

Warum dieser Schritt die Kriegsgefahr in Europa erhöht

Aber leider hat die Nachricht auch eine sehr wichtige Schattenseite. Von den knapp 12.000 US-Soldaten, die abgezogen werden, gehen nur 6.400 in die USA zurück, der Rest wird auf andere EU-Länder verteilt, wie der Spiegel berichtet:

„Demnach werden insgesamt 11.900 US-Soldaten aus Deutschland abgezogen. 6400 davon sollen in die USA zurückgehen, knapp 5600 werden in andere Nato-Staaten wie Italien, Belgien und – entsprechende Vereinbarungen vorausgesetzt – Polen sowie die baltischen Staaten verlegt.“

Der Teil mit Polen und den baltischen Staaten ist entscheidend, denn das ist ein weiterer Bruch der Nato-Russlandakte. In diesem Vertrag hat die Nato versprochen, keine zusätzlichen Soldaten dauerhaft in den osteuropäischen Ländern zu stationieren. Dagegen verstößt die Nato ohnehin schon, denn sie hat bereits Kontingente nach Polen und ins Baltikum geschickt. Die „rotieren“ zwar offiziell, werden also regelmäßig ausgetauscht, aber es sind eben trotzdem dauerhaft stationierte Kontingente, auch wenn die Soldaten alle paar Monate gegen andere ausgetauscht werden.

Diesen Vertragsverstoß der USA verschweigt der Spiegel seinen Lesern so gut es geht. Und das klingt in der oben genannten „Analyse“ des Spiegel-Redakteurs von Hammerstein so:

„Mit seinem Plan hat es Esper auch vermieden, die Nato-Russland-Grundakte zu verletzen, die eine dauerhafte Stationierung großer Truppenteile des Bündnisses in den östlichen Mitgliedstaaten untersagt. Washington will zwar Einheiten in Polen stationieren, aber nicht so viele, dass es das Verhältnis zu Moskau endgültig ruinieren würde.“

Erkennen Sie den Widerspruch? Die dauerhafte Stationierung auch nur eines Soldaten in Polen oder dem Baltikum ist eine klare Verletzung der Nato-Russlandakte, aber der Spiegel-„Analyst“ schreibt das glatte Gegenteil. Und fügt hinzu, dass es nicht so viele wären, „dass es das Verhältnis zu Moskau endgültig ruinieren würde.“

Dieser „Analyst“ – oder besser gesagt: Nato-Bezahlschreiberling – hat komplett Unrecht und wahrsceinlich weiß er das auch. Er lügt seine Leser also wahrscheinlich bewusst an.

Die russische Reaktion war nämlich folgende, wie das russische Fernsehen gemeldet hat:

„Die Stationierung der neuesten russischen Waffen sowie zusätzlicher militärischer Kontingente in den Gebieten, in denen Bedrohungen für die nationale Sicherheit auftreten, könnte die Reaktion auf die Verlegung von US-Truppen an die Grenzen der Russischen Föderation sein.
Laut Interfax informierte der Inspektor des russischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor Wladimir Bogatyrev, die Weltöffentlichkeit darüber.
Ihm zufolge wird Moskau auf Washingtons kriegerische Schritte entsprechend reagieren, insbesondere indem es an seinen westlichen Grenzen die neuesten Waffen stationiert, darunter Hyperschallraketen vom Typ „Kinzhal“, Laser-Kampfkomplexe vom Typ „Peresvet“ und „Zircon“-Raketen, die so nah wie möglich an den Staaten stationiert werden, aus denen die Bedrohung für Russland kommt.
Bogatyrev betonte, dass das Verteidigungsministerium nicht nur die Bodentruppen des westlichen Militärbezirks, sondern auch die Baltische Flotte sowie die strategische Luftwaffe verstärken werde.“

Der Schritt der USA, den der Spiegel-Spinner Hammerstein, der sich „Analyst“ nennen darf, so bejubelt, erhöht die Spannungen und die Kriegsgefahr in Europa ganz erheblich. Aber darüber belügt er seine Leser.

Wenn ich so etwas lese, stelle ich mir immer zwei Fragen:

Erstens: Was geht in den Köpfen solcher Schreiberlinge vor? Glauben die etwa, im Kriegsfalle geschützt zu sein?
Zweitens: Wie kann es sein, dass es immer noch Menschen gibt, die für den Spiegel Geld bezahlen, um sich so kackfrech (sorry) belügen zu lassen?


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

6 Gedanken zu „11.900 US-Soldaten verlassen Deutschland – Wie der Spiegel seine Leser über wachsende Kriegsgefahr belügt“

  1. „…, um sich so kackfrech (sorry) belügen zu lassen?“: Tja, scheinbar gibt es den Hang zur Filterblase nicht nur bei sozialen sondern auch bei Printmedien. Manche Menschen möchten sich immer in ihren Ansichten bestätigen lassen. Aber es werden weniger: Nicht so krass wie beim Focus (30%), aber immerhin 9,3% im letzten Quartal!
    Die ganze 2%-Diskussion ist ohnehin verlogen, seit bei der Beschaffung und Instandhaltung der BW Millionen in schwarzen Löchern verschwinden! Und vor allem nix dabei rauskommt, weil wir es nicht wollen: „Das deutsche Problem liege dabei nicht nur in einer mangelnder Finanzierung der Nato – das Land habe ‚faktisch keine Waffen mehr‘, die Streitkräfte Deutschlands seien ‚hopelessly demoralized‘, also hoffnungslos demoralisiert. … Ein größeres Problem sei es, dass die Deutschen sich nicht verpflichtet fühlen würden, sich selbst zu verteidigen. ‚Und der Präsident hat einfach gesagt: Schauen Sie, warum sollte der amerikanische Steuerzahler Sie verteidigen, wenn Sie nicht willens sind, sich selbst zu verteidigen?‘, so der neue US-Botschafter. Bingo!
    Bei solchen Ergebnissen ist jeder Cent für die (nicht allein) von Flinten-Uschi und Quoten-AKK – ich konnte bei einer Kurzrecherche noch mal einen saarländischen Landtagswahlkreis finden, für den sie mal kandidiert hat. Es hieß immer nur Landesliste! – zerstörte BW (von den 45,2 Mrd.) zu viel! Da kann man sogar der Linksfraktion zu stimmen, die die Erhöhung als „Geldverbrennung“ (Dietmar Bartsch, 29.11.2019) bezeichnet hat. Der hat allerdings gleich wieder ein schwaches Gedächnis, denn ein „Kniefall vor Donald Trump“ ist sie mitnichten. „Sie geht zurück auf die NATO-Erweiterungsdebatte Ende der neunziger Jahre, als das Bündnis von den Beitrittskandidaten ein bestimmtes militärisches Engagement forderte…“, so ein Arbeitspapier der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Und das recht uns andere Zahlen vor!

  2. Da wächst zusammen was zusammen gehört. Dann muss sich die EU nicht mehr einen zivilen Heiligenschein verpassen. Dieses ganze verlogene Gehabe.
    Von wegen „dem Frieden verpflichtet“.

    Das die NATO Länder schneller lügen können als man die Folgen der Lügerei beseitigen kann ist inzwischen auch klar.
    Wenn nun unsere angeblichen Volksvertreter wieder Pisse in den Augen haben dann kann ich diesen Anblick gut ertragen und sicher noch viele Andere mehr. Bei der Gelegenheit sollten wir an den Auftrag erinnern, den das Parlament erteilt hatte, Atomwaffen raus aus Deutschland.

    Na über Rechtsbrüche müssen wir nicht mehr reden. Diesbezüglich hat man ja Übung.
    Jugoslawien wo man die angeblichen KZ’s nicht fand

    „Wir lernten Begriffe wie: „Grafitbomben“, „Lenkwaffen“, „Tarnkappenflugzeuge“, „Uranmunition“, „Streubomben“. Als ob wir auf einem Testgelände für die Präsentation des Nato-Waffenarsenals gewesen wären.

    Und „Kollateralschaden“. Das war mein Lieblingsbegriff. Er wurde verwendet, wenn die Nato eine Kolonne albanischer Flüchtlinge im Kosovo, einen zivilen Zug, den Bauernmarkt in Niš, die neurologische Klinik oder die chinesische Botschaft in Belgrad getroffen hatte.“ so beschrieb es einst die TAZ

    https://www.youtube.com/watch?time_continue=39&v=3WGQXqHyX4w&feature=emb_logo

    https://swprs.org/propaganda-im-jugoslawienkrieg/

    Afghanistan begann mit einer Lüge
    Irak begann mit einer Lüge
    Syrien
    Jemen
    Lybien
    Aber auch Bolivien, Venezuela, Chile, Nicaragua, Iran und viele Andere mehr.
    Ganz egal ob offen oder verdeckt, gelogen oder betrogen.

    War deshalb das ganze Theater von wegen Coronafolgen mindern, Italien solidarisch helfen? Wie viel von den angeblichen Wiederaufbauhilfen fließen diesbezüglich dahin?

  3. Die Ankündigung zum Truppenabzug der USA sehe ich etwas anders:
    Die USA breiten sich jetzt ganz konkret auf einen großen Krieg mit China vor, in dem in Europa eine mit anderen muslimischen Staaten verbündete Türkei Europa angreift.
    Die Verlegung des 52. Jagdgeschwaders der USAF von Spandahlem in der Eifel nach Italien dient zur Sicherung der Luftherrschaft im Mittelmeer. Den Suezkanal wird man im Ernstfall durch die Versenkung von den Kanal passierenden Schiffen unpassierbar machen können. Wenn die USA dann die Luftherrschaft über dem Mittelmeer hat, kann sie die den Seeweg zwischen der Türkei und China vollständig abriegeln, während Israel vielleicht noch versorgt werden kann.
    Der nun angekündigte Abzug amerikanischer Verbände aus Süddeutschland und die Verlegung des Hauptquartiers von Stuttgart in das über 500 km weiter im Nordwesten liegenden Mons macht ebenfalls Sinn, wenn man davon ausgeht, dass die USA Süddeutschland im Ernstfall zunächst den Türken und den mit diesen verbündeten muslimischen Streitkräften überlassen.
    Die von der deutschen Luftwaffe ein zu setzenden amerikanischen Atomwaffen in Büchel könnten dann vielleicht die fehlende konventionelle Kampfkraft der Bundeswehr zumindest teilweise ersetzen, indem man damit für die Angreifer wichtige Ziele in Süddeutschland und Österreich zerstört.

    Die Verlegung von Truppen nach Polen und ins Baltikum ist keine Bedrohung Russlands. Der Westen ist viel zu verwundbar und zu schwach um sich einen Krieg mit Russland leisten zu können. Die Truppen in Polen und im Baltikum sind meines Erachtens eher eine Reserve für den meines Erachtens wahrscheinlichsten Kriegsfall: Man kann damit die im Krieg voraussichtlich mit China verbündeten, nach großen anfänglichen Erfolgen weit nach Deutschland vorgedrungenen Türken und Araber auch von Osten her angreifen.

    Das Russland einen Angriff auf das Baltikum, Deutschland usw. riskieren könnte halte ich für extrem unwahrscheinlich. Deutschland und auch der Rest Westeuropas hat nichts mehr was zu erobern für Russland nützlich sein könnte. Das einzige was für Russland im Westen noch Wert haben könnte, können die Russen, kostengünstig und ganz ohne Krieg durch attraktive Zuwanderungsregelungen bekommen. Dabei kann dann der angekündigte amerikanische Truppenabzug aus Deutschland durchaus als Turbo zur Verbesserung des Wohlstands und auch der Sicherheit Russlands dienen, wenn man diesen so interpretiert wir ich das gerade oben getan habe.

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