Abwurftests neuer US-Atombomben: Neuigkeiten im Streit über Ersatz der Tornado-Kampfjets

Vor etwa sechs Wochen hat der Streit um den Ersatz der alten Tornado-Kampfflugzeuge Schlagzeilen gemacht, als Verteidigungsministerin AKK ohne Rücksprache mit der SPD den Wunsch zum Kauf von US-Kampfflugzeugen geäußert hat. Dazu gibt es interessante Neuigkeiten aus den USA.

Ich habe am 20. April über den Streit berichtet. Der Kern ist schnell erzählt: Die Tornados sind uralt und die Frage ist, ob sie durch Eurofighter oder durch neue Kampfflugzeuge aus den USA ersetzt werden. Weil es dabei auch um die sogenannte „nukleare Teilhabe“ geht, muss der Tornado-Nachfolger auch für den Abwurf der in Deutschland stationierten US-Atombomben geeignet sein. Eine solche Lizenzierung hat der Eurofighter nicht, daher sollen neben Eurofightern auch US-Bomber gekauft werden. Meinen Artikel vom April mit den Details finden Sie hier.

Die Streitfrage hat aus mehreren Gründen großes Gewicht. Ich will hier zwei davon nennen:

  1. Geht das Geld für die neuen Kampfflugzeuge in die USA oder bleibt es in Europa?
  2. Könnte theoretisch auch der Eurofighter die Atombomben abwerfen, oder ist der Grund vorgeschoben, weil die US-Rüstunsgindustrie den Milliardenauftrag bekommen soll?

EU oder USA – Wer bekommt den Milliardenauftrag?

Es geht um viel Geld und die USA tun alles, damit die Europäer ihr Geld für neue Waffen nicht an europäische Firmen bezahlen, sondern den US-Rüstungsfirmen überweisen. Und sie sind dabei sehr erfolgreich, denn inzwischen ist Europa für die US-Rüstungsindustrie der am schnellsten wachsende Markt. Das kam nicht von selbst, die USA haben der EU sogar schon Sanktionen angedroht, wenn die EU bei der Vergabe von Forschungsaufträge im Rüstungsbereich europäische Firmen bevorzugen sollte.

Daher ist es nahe liegend, dass auch der Eurofighter die US- Atombomben abwerfen könnte, die USA ihm aber die Lizenz verweigern, um ihre eigenen Kampfflugzeuge zu verkaufen. Und dafür gibt es nun eine Bestätigung.

Abwurf von Atombomben

Die russische Nachrichtenagentur TASS hat am Dienstag einen Artikel dazu veröffentlicht. Sie hat darin über eine Publikation der Sandia National Laboratories berichtet. Der russische Bericht gibt – das nur als Anmerkung – die Meldung absolut korrekt wieder. Es ist schade, dass man russische Nachrichtenagenturen verfolgen muss, wenn man interessante Meldungen lesen will, denn in Deutschland habe ich darüber nichts gefunden.

Es geht darum, dass die in Deutschland stationierten Atombomben vom Typ B61 veraltet sind und – darüber konnte man in Deutschland manchmal etwas lesen – nun „modernisiert“ werden sollen. „Modernisiert“ bedeutet, dass sie durch neu entwickelte Atombomben vom Typ B61-12 ersetzt werden sollen.

Und mit diesen Bomben – also mit Test-Attrappen – haben die Sandia National Laboratories Tests durchgeführt. Das Labor ist eine staatliche Organisation der USA, die an der Entwicklung von Atombomben beteiligt ist. Es wurde getestet, welche Flugzeuge die neuen Atombomben abwerfen können. Ergebnis: Sogar die völlig veraltete, schon 1974 in Dienst gestellte, F-15 ist dazu geeignet.

Damit kann man wohl sicher sagen, dass der angebliche Grund für den Kauf von US-Bombern für die Bundeswehr, nämlich dass man sie für die nukleare Teilhabe brauche, vorgeschoben ist. Dass die USA diese Lüge erzählen, um ihre Flugzeuge zu verkaufen, ist verständlich. Aber warum hinterfragen deutsche Politiker und Medien das nicht? Sie sind doch angeblich an Aufträgen für europäische Firmen interessiert, die auch Arbeitsplätze in Europa sichern…?

Nukleare Teilhabe und Atomwaffensperrvertrag

Hinzu kommt, dass die nukleare Teilhabe selbst einen Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag darstellt, den Deutschland unterschrieben hat. Darüber – und auch darüber, wie die deutschen „Qualitätsmedien“ das Thema konsequent verschweigen – habe ich schon oft berichtet, wie Sie hier und hier nachlesen können.

Daher hier nur der Kern des Problems zur Erinnerung: In den Artikeln 1 und 2 des Atomwaffensperrvertrages heißt es ganz deutlich und unmissverständlich:

„Artikel I
Jeder Kernwaffenstaat, der Vertragspartei ist, verpflichtet sich, Kernwaffen und sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt darüber an niemanden unmittelbar oder mittelbar weiterzugeben und einen Nichtkernwaffenstaat weder zu unterstützen noch zu ermutigen noch zu veranlassen, Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper herzustellen oder sonstwie zu erwerben oder die Verfügungsgewalt darüber zu erlangen.
Artikel II
Jeder Nichtkernwaffenstaat, der Vertragspartei ist, verpflichtet sich, Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt darüber von niemandem unmittelbar oder mittelbar anzunehmen, Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper weder herzustellen noch sonstwie zu erwerben und keine Unterstützung zur Herstellung von Kernwaffen oder sonstigen Kernsprengkörpern zu suchen oder anzunehmen.“

Wenn also die USA ihre in Deutschland gelagerten Atomwaffen im Kriegsfall an die Bundeswehr weitergeben, verstoßen die USA gegen den Atomwaffensperrvertrag. Und wenn die Bundeswehr sie annimmt und an ihre Flugzeuge hängt, verstößt Deutschland gegen den Atomwaffensperrvertrag. Da die „nukleare Teilhabe“ aber genau das bezweckt, ist sie ein Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag.

Fazit

Wir fassen zusammen: Dass die alten Tornados zumindest zum Teil durch amerikanische, anstatt europäische Kampfflugzeuge ersetzt werden sollen, wird mit der nuklearen Teilhabe begründet, die jedoch einen Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag darstellt. Schon das ist eigentlich ein Skandal. Und diese Begründung ist offensichtlich auch noch unwahr, denn sogar uralte F-15-Jets könnten die Aufgabe übernehmen. Warum sollte es also der moderne Eurofighter nicht können?

Es geht bei all dem nicht Fakten oder gar um die militärische Sicherheit, es geht nur um Geld. Die USA erpressen und lügen ihre europäischen „Partner“, um Aufträge für ihre Rüstungsindustrie an Land zu ziehen (siehe die oben erwähnte Sanktionsdrohung gegen die EU).

Und die deutschen und europäischen Politiker und Medien lassen sich das gefallen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

8 Gedanken zu „Abwurftests neuer US-Atombomben: Neuigkeiten im Streit über Ersatz der Tornado-Kampfjets“

  1. Diese Mafiamethoden sind aber auch nichts Neues.
    Ich könnte mir gut vorstellen das als nächstes noch das Urheberrecht herhalten muss, vielleicht hat die Bombe ja ganz bestimmte, runde Ecken (wie das iPhone) die man sich hat schützen lassen…

    Bei dieser Vorgehensweise musste ich auch direkt an die IT-Branche denken:
    Erst verschenken Firmen wie Microsoft und Apple Software und Geräte an Behörden und Schulen und dann verlangen sie viel Geld für Updates, Schulungen, Lizenzverlängerungen und Support.
    Und das die Geräte Backdoors für die NSA haben wissen wir spätestens seit Snowden mit absoluter Sicherhiet.
    Trotz dem denkt die Regierung nicht mal darüber nach sich auch nur ansatzweise von dieser extremen, fundamentalen Abhängigkeit zu befreien. Man setzt weiter auf US-Konzerne wenn es um Soft- und Hardware für die Kernbereiche unseres Systems geht. Hiermit meine ich lebenswichtige Infrastruktur, Internet, Behörden und Ämter mit den sensibelsten und geheimsten Daten die unser Land besitzt.
    Dieser Zustand herrscht seit 30 Jahren und wird von Tag zu Tag verfestigt. Man hätte schon vor 25 Jahren die heimische IT-Industrie fördern müssen, man hätte ein eigenes (wenigstens europäisches) Betriebssystem, eigene Hardware und eigene Office-Software entwickeln müssen, alleine schon aus Gründen der Sicherheit.
    Die Tatsache das dies konsequent nicht getan wurde und die Tatsache das man es offenbar genau so will (sich möglichst krass von den USA abhängig machen) werte ich ja als Amtsmissbrauch, Arbeitsverweigerung und Hochverrat.
    Anders lässt sich auch der Kauf von US-Fracking-Drecksöl nicht erklären.
    Anders lässt sich auch nicht erklären wie ein NSA-Sub-Contractor die Bundesregierung in Sachen IT und Email berät. ( https://www.youtube.com/watch?v=p56aVppK2W4 )
    Anders lassen sich auch die Sanktionen gegen Russland nicht erklären, die es den USA ermöglichten die Geschäfte der EU einfach mal zu übernehmen.
    Anders lässt sich auch die Entscheidung der Bundesnetzagentur nicht erklären, die gegen die eigene Regierung und gegen die Interessen des eigenen Volks (und Arbeitgebers) die vernünftige Nutzung von Gas-Pipelines sabotiert.
    Anders lässt sich auch nicht erklären warum wir immer noch als „Feindstaat“ dastehen und das konsequent verschwiegen wird.

    Wäre es ein Film würde sich der Zuschauer denken: „Das ist aber zu plump, da haben sie am Budget gespart, so offensichtlich kann das in der Realität nicht ablaufen…“
    Aber die Realität ist noch schlimmer als der schlechteste Film.

    1. Das ist nur ein Teil der Schweinereien die hier laufen, beschreibt den Zustand aber gut.
      Bin derselben Meinung wie Sie und hoffe auf eine unabhängige Justiz die irgendwann mal die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht.
      Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.
      Und ein großes Danke an Herrn Röper für die viele Arbeit.

    2. „Die Tatsache das dies konsequent nicht getan wurde und die Tatsache das man es offenbar genau so will (sich möglichst krass von den USA abhängig machen) werte ich ja als Amtsmissbrauch, Arbeitsverweigerung und Hochverrat.“

      Du hättest 100% recht mit Deiner Aussage, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre.
      Denn damit Du recht hättest, müsste Deutschland ein souveräner Staat sein und seine Politiker/innen müssten sich zuvörderst um die Interessen Deutschlands und somit des Deutschen Volks kümmern, was nicht passiert, Beispiele hast Du selbst genug genannt.
      Wir sind der 51. Staat…

  2. Die machen es so gut sie können, sind fleissig korrekt höflich essen anständig und bezogen auf ihr Weltbild machen sie auch den Jop hervorragend! Das ist das Problem. Es sind Patrioten die ihr Land lieben und mit ganzer Kraft schützen. Anderseits ist es die Krönung der Selbstüberschätzung, wenn ein paar Handvoll Leute über Massenvernichtungswaffen, über Atom Bomben regieren, herstellen, und das Volk null rein gar nichts zu sagen hat. 350 Millionen Amerikaner und 500 Millionen Europäer, ein Verhältnis also von Abermillionen zu ein paar Dutzend oder einigen Hundert Menschen die das bestimmen und auch wann und wo sie diese gegebenenfalls einsetzen würden.

  3. Wenn also die USA ihre in Deutschland gelagerten Atomwaffen im Kriegsfall an die Bundeswehr weitergeben, verstoßen die USA gegen den Atomwaffensperrvertrag. Und wenn die Bundeswehr sie annimmt und an ihre Flugzeuge hängt, verstößt Deutschland gegen den Atomwaffensperrvertrag. Da die „nukleare Teilhabe“ aber genau das bezweckt, ist sie ein Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag.

    Fazit
    Wir fassen zusammen:

    Ich fasse zusammen:

    Gegen den Atomwaffensperrvertrag verstößt die BRD seit dem Tag, dass sie den Begriff „atomare Teilhabe“ auch nur in den Mund nimmt.
    Im Kriegsfalle ist das auch egal, ob die BRD heute gegen den Atomwaffensperrvertrag verstößt, weil es wird niemand mehr da sein, dem man etwas vorwerfen könnte .

    Die neue Russische Millitärdoktrin wird nach den Direktiven Putins vom 02.Juni 2020 zu verhindern haben, dass die Deutschen teilhaben können an der Bombardierung Russlands.

  4. Es ist das „legitime“ Interesse der Imperialmacht sich durch die Quasi-Kolonien nicht nur zu refinanzieren sondern auch finanziell besserzustellen. Das gilt umsomehr, wenn die Imperialmacht wirtschaftlich zusehends ins verstärkte Siechtum übergeht. Wie man da als Kolonie rauskommt, dafür habe ich auch keine guten Hinweise. Noch gibt es Nischen der Meinungsfreiheit, die aber auch mehr und mehr eingeschränkt werden. Noch steht Feindsender hören nicht unter Strafe. Noch. Noch kann ich auf diversen Plätzen meine Meinung frei äussern ohne praktisch Selbstmord zu begehen. Noch.

    Auf der Welt gibt es noch zwei gallisch Dörfer, bzw. Länder die dem Moloch Einhalt gebieten. So Ruhen die Hoffnungen nun auf „Vlad the Lad“ Putin der zumindest einstweilen sein Land retten konnte, und Xi, der hoffentlich einen guten Plan hat.

    Die Westeuropäer und deren Kultur werden wohl nicht überleben. Vielleicht spielt man in hundert Jahren noch irgendwo in China gelegentlich Beethoven.

  5. So Ruhen die Hoffnungen nun auf ‚Vlad the Lad‘:
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    Wenn Wladiwostok „Beherrscher des Ostens“ heißt,
    dann heißt Putin mit Vornamen: „Beherrscher des Friedens“.

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