Betreibergesellschaft: Nord Stream 2 wird bis Ende Dezember fertig gebaut

In Russland wurde mitgeteilt, dass die Arbeiten an Nord Stream 2 in diesen Tagen wieder aufgenommen werden und dass der Bau bis Ende Dezember abgeschlossen werden soll.

Der Kampf um Nord Stream 2 scheint in die letzte Runde zu gehen. Bevor wir zu der aktuellen Meldung aus Russland kommen, kurz eine Zusammenfassung der Meldungen zu dem Thema aus dem November.

Am 4. November hat Polen eine Milliardenstrafe gegen Nord Stream 2 ausgesprochen, weil die Pipeline ohne polnische Genehmigung gebaut wird. Ob es eine Genehmigung aus Polen braucht, um eine Pipeline zwischen Deutschland und Russland zu bauen, die auch nicht durch polnische Gewässer führt, ist jedoch fraglich. Polen argumentiert mit seiner Antimonopol-Gesetzgebung. Nun wird die Sache vor Gericht gehen.

Polen ist ein Gegner von Nord Stream 2 und setzt unter anderem auf das teurere US-Frackinggas. Aber Polen bezieht auch viel Gas aus Russland, das durch Weißrussland nach Polen und in die EU fließt. Während Polen einerseits mit Milliardenstrafen gegen Gazprom droht, verlangt es gleichzeitig von Gazprom eine Preissenkung für das russische Gas. Gazprom hat jedoch geantwortet, dass man mit Polen höchstens über eine Preiserhöhung verhandeln wolle. Das Thema ist deshalb aktuell, weil der laufende Liefervertrag im Jahre 2022 ausläuft.

Die Alternative zu russischem Gas durch Nord Stream 2 ist das amerikanische, durch Fracking geförderte Flüssiggas. Das jedoch ist wesentlich teurer, als das herkömmlich geförderte und durch Pipelines transportierte russische Gas. Um die USA gnädig zu stimmen, hat Deutschland sogar angekündigt, ein Flüssiggasterminal in Norddeutschland zu bauen und massiv zu subventionieren. Doch es half nichts, die USA haben trotzdem Sanktionen verhängt und sie in diesen Tagen sogar noch einmal verschärft.

Trotz der massiven Subventionen steht das Terminal aber schon vor Baubeginn vor dem Aus, weil es „zu wenig verbindliches Interesse“ für den Kauf des teuren US-Flüssigerdgases gibt.

Heute hat das russische Fernsehen gemeldet, dass der Bau von Nord Stream 2 trotz aller US-Bemühungen in diesen Tagen wieder aufgenommen wird. Ich habe die Meldung des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Der Bau von Nord Stream-2 soll bis zum 31. Dezember abgeschlossen sein. Auf unsere Anfrage hin bestätigte der Pressedienst von Nord Stream 2, dass das Unternehmen den Bau in der ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands in diesem Jahr wieder aufnehmen will. Im Bundestag hat man sich bereits zu dieser Nachricht geäußert:

„Wir brauchen diese Pipeline. Ich begrüße die Tatsache, dass der Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 fortgesetzt wird. Das zeigt, dass die meisten beteiligten Unternehmen sich von den USA nicht einschüchtern lassen. Dennoch funktionieren einige der Drohungen mit US-Sanktionen. Die EU braucht wirksamere Instrumente, um sich erfolgreich vor einer Einmischung der USA in unsere Energiepolitik zu schützen“, sagte Klaus Ernst, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Energie des Deutschen Bundestages.

Nun sieht der Plan die Verlegung eines 2,6 Kilometer langen Abschnitts jeder der Leitungen vor. Der Pressedienst des Betreibers hat uns versprochen, später das konkrete Schiff zu benennen, das eingesetzt werden soll. Das ist eine der Schlüsselfragen. Anfang des Jahres wurde die „Akademik Tscherski“ in die Region geschickt. Unterdessen verließ das Versorgungsschiff „Ivan Sidorenko“ am 29. November den Hafen von „Svetly“ und zog nach Kaliningrad. Bei der Fertigstellung der Pipeline soll es zur Versorgung mit Verbrauchsmaterialien verwendet werden.

Die Amerikaner werfen dem Projekt weiterhin Knüppel zwischen die Beine, indem sie Sanktionen nutzen. Laut Bloomberg-Experten könnte es ein Problem mit der Versicherung für das Projekt geben. Wenn es zu einem Schlag gegen die Versicherungsgesellschaft Zurich Insurance Group kommt, wird Russland einen Rückversicherer benötigen, aber der kann innerhalb des Landes gefunden werden. Laut Bloomberg-Prognose wird die Pipeline noch bis zum nächsten Sommer fertiggestellt sein. Die Logik der Amerikaner ist klar, schließlich wollen sie ihr Flüssigerdgas verkaufen, aber die Europäer kaufen seit 50 Jahren Gas aus unserem Land.

„Die Amerikaner werden alles tun und erpressen, so viel sie können, um den Bau von Nord Stream 2 zu stoppen, denn für sie ist es eine politische Entscheidung, nicht so sehr eine wirtschaftliche. Ich denke, die Kämpfe werden weitergehen, aber ich muss sagen, dass die deutsche Regierung ziemlich starr auf der Position steht, dass die Amerikaner sich nicht einmischen sollen“, kommentierte der Politikwissenschaftler Alexander Rahr.

„Russisches Gas ist aufgrund seiner Kosten-, Sicherheits- und Versorgungsflexibilität auf dem westlichen Markt wettbewerbsfähiger als amerikanisches Gas. US-Gas als Ganzes ist nach Expertenangaben um etwa 10 Prozent teurer bei Produktion und Lieferung und kann russischem Gas keine Konkurrenz machen“,“ sagte der Vorsitzende des Energieausschusses Pavel Zaralny.

Auch in Kiew will man das Projekt verhindern. Dort will man, dass Russland weiterhin die Ukraine für den Gastransit nutzt. Laut dem Wall Street Journal haben ukrainische Lobbyisten vier Jahre lang „hinter den Kulissen“ mit der Regierung von US-Präsident Trump und Kongressabgeordneten gegen „North Stream-2“ zusammengearbeitet. Es waren ihre Bemühungen, die zur Einführung neuer Sanktionen gegen das Projekt beigetragen haben.

„Sie haben Vorschläge für Sanktionen gegen Nord Stream-2 gemacht. Die Lobbyisten sind Amerikaner, ihnen es ist wichtig, dass es gegen Russland geht“, sagte Sergej Pikin, Direktor des Energieentwicklungsfonds.

Hoffen wir, dass das Projekt trotz aller Hindernisse abgeschlossen wird.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

6 Antworten

    1. Ich bin kein Kenner von Schiffahrtsrecht, aber der DNV GL (Zusammenschluß von der Norwegischen „Det Norske Veritas“ und Germanischer Lloyd) hat doch gerade laut – damit es auch alle mitkriegen – verlautet, daß sie nix mehr zertifizieren wollen, was in Washington nicht genehm ist. Dafür spricht, daß das Haupt-Verlegungsschiff „Akademik Cherskiy“ lt. MarineTraffic auf dem Weg nach Königsberg ist. Exkurs: In einem früheren Artikel von Telepolis ist auch von der Deutschen Bank die Rede – Thomas RAND-Artikelserie „wurde wohl auch in USA gelesen“… 😉

      Auf der anderen Seite gibt es das russische Seeschifffahrtsregister „Maritime Register of Shipping“, folglich macht jetzt Putin statt Merkel das Geschäft. Und die Dänen erklären doch, sie haben den Weiterbau durch ihr Hoheitsgebiet nur genehmigt, weil sie keinen Grund zur Ablehnung gefunden hätten. Persönlich glaube ich, daß auch Trumps dümmliche Spekultationen über den Grönland-Status mit von Bedeutung waren. Offenbar handelt es sich bei allen Verlautbarungen um Polit-Geplänkel… Die paar bei Telepolis zitierten KMchen sind wohl eine PM nicht wert. Oder?

  1. Die Frage ist doch ob Russland überhaupt noch bereit sein wird uns günstig und zuverlässig Gas zu liefern, sie haben es längst nicht mehr nötig und nach den ganzen Frechheiten die sich unsere Regierung geleistet hat wäre es nur nachvollziehbar wenn der Hahn zugedreht bleibt.

    1. Es geht für Rußland bei Gas immerhin alleine für D um ca. 30 Milliarden Euro, für ganz Europa um etwa 100 Milliarden Euro. Das ist zwar nicht lebensnotwendig für Rußland, aber warum sollte Rußland auf 100 Milliarden an einfach zu erzielenden Einnahmen verzichten wollen? Das wäre doch dumm, zumal die Chinesen zwar auch gerne russisches Gas kaufen wollen, aber ständig den Preis drücken möchten. Wer mal mit einem ständig Spielchen spielenden Geschäftspartner zu tun hatte, weiß wo mit China das Problem liegt und warum Rußland gerne weiterhin Gas nach Europa liefern möchte.

  2. @jsm36: Ich kann Ihren Gedankengang nachvollziehen, glaube aber, dass Sie dabei zu wenig berücksichtigen, dass in Russland (und auch in China) völlig andere Mentalitäten vorherrschen. Das merkt man auch an der bisher sehr rücksichtsvollen Artikulation. Da sind eben richtige Diplomaten am Arbeiten, nicht solche selbstdarstellerischen Möchtegerns wie im Westen. Ich denke, ein Vertrag ist für die Russen ein Vertrag und solange man sie nicht mit Krieg überzieht, wird ein laufender Vertrag auch eingehalten. DAS ist etwas, was zumindest unter Trump für die USA offensichtlich nicht mehr gilt. Und egal wie man zu Russland steht, aber ich kann in den letzten 20 Jahren unter Putin immer wieder dieselbe Grundhaltung erkennen: Geschlossene Verträge werden eingehalten und man pocht auch darauf, dass andere dies tun, inkl. solcher „Belanglosigkeiten“ wie UN-Charta, Abrüstungsverträge usw.. Allein dafür würde ich „die Russen“ gegen jede Anfeindung verteidigen.

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