Brown University: US-Kriege haben seit 2001 bis zu 59 Mio. Menschen zu Flüchtlingen gemacht

Es gibt Meldungen, die sind schlimmer, als man es sich gedacht hat. Eine US-Universität hat die Folgen der US-Kriege seit 2001 analysiert und ist zu schockierenden Ergebnissen gekommen, über die die deutschen „Qualitätsmedien“ – wenig überraschend – nicht berichten.

Die Studie der Brown University aus Rhode Island, USA, erschien unter dem Titel „Flüchtlinge erschaffen: Vertriebene aufgrund der amerikanischen Post-9/11-Kriege“ und die dort genannten Zahlen sind schlicht schockierend. Ich will die in meinen Augen wichtigsten Zahlen und Angaben aufzeigen, lade aber jeden ausdrücklich ein, sich die Studie selbst anzuschauen, denn ich kann hier nur einen kleinen Überblick geben.

Gleich am Anfang werden die wichtigsten Erkenntnisse so zusammengefasst (Hervorhebungen wie im Original):

  • Die Kriege der USA nach 9/11 haben mindestens 37 Millionen Menschen in und aus Afghanistan, Irak, Pakistan, Jemen, Somalia, Philippinen, Libyen und Syrien vertrieben. Das übertrifft die Zahl Vertriebenen aller Kriege seit 1900, mit Ausnahme des Zweiten Weltkriegs.
  • Millionen weitere wurden durch andere Konflikte nach 9/11 unter Beteiligung von US-Truppen unter anderem in Burkina Faso, Kamerun, Zentralafrika, Republik, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Mali, Niger, Saudi-Arabien und Tunesien zu Vertriebenen.
  • Die 37 Millionen sind eine sehr konservative Schätzung. Die Gesamtzahl der durch die USA nach 9/11 in Kriegen Vertriebenen könnte eher bei 48 bis 59 Millionen liegen.
  • 25,3 Millionen Menschen sind nach ihrer Vertreibung zurückgekehrt, obwohl das nicht das Trauma der Vertreibung behebt oder bedeutet, dass die Vertriebenen in ihre ursprüngliche Heimat oder in ein sicheres Leben zurückgekehrt sind.
  • Keine Zahl kann etwas über die Schäden von Vertreibung vermitteln. Die Menschen hinter den Zahlen sind nur schwer zu erkennen und Zahlen können nicht vermitteln, wie es sich anfühlen muss, sein Zuhause, sein Hab und Gut, sein soziales Umfeld und vieles mehr zu verlieren. Die Vertreibunghat Einzelpersonen, Familien, Dörfern, Städten, Regionen und ganzen Ländern nicht-zählbares physisches, soziales, emotionales und wirtschaftliches Leid zugefügt.

Man beachte das: Kein anderes Land der Welt hat nach dem Zweiten Weltkrieg so viel Unglück über Dutzende Millionen von Menschen gebracht, wie die USA in den letzten 20 Jahren. Das einzige Regime, das in den letzten 120 Jahren mehr Leid erzeugt hat, waren die Nazis. Aber Medien und deutsche Politiker, die behaupten, nie wieder dürfe sich dieses Leid wiederholen, unterstützen die US-Politik blind und beschimpfen die Kritiker als „Amerika-feindlich“ oder „Putin-Versteher“ oder was auch immer denen gerade an neuen Schimpfworten einfällt. Man muss ja Putin nicht mögen, aber selbst seine eingefleischtesten Gegner werfen ihm (ob berechtigt oder nicht, sei mal dahin gestellt) schlimmstenfalls 10.000 Tote in der Ukraine und in Syrien vor. Bei den USA muss man die Zahl in Millionen beziffern, aber die USA werden in Deutschland von Medien und Politik nicht kritisiert.

Die Studie geht, nach der Einleitung und den üblichen Hinweisen zur Vorgehensweise, auf die einzelnen Länder ein. Ich werde nicht auf alle eingehen können, aber ich will versuchen, die wichtigsten Ergebnisse zusammenzufassen.

Afghanistan

Die Studie stellt fest, dass der sowjetische Einmarsch in Afghanistan 1979 für 5,6 Millionen Flüchtlinge in dem Land gesorgt hat. Was auch für mich neu war, ist die Tatsache, dass sich die Lage dann in den 1990er Jahren unter den Taliban gebessert hat: Zu Beginn des US-Krieges in Afghanistan waren „nur“ noch 4,4 Millionen Afghanen auf der Flucht oder haben in anderen Ländern Asyl gesucht. Seit dem Beginn des US-Krieges wären dann aber 2,1 Millionen aus dem Land geflohen, hinzu kämen 3,2 Millionen Binnenflüchtlinge.

Der westliche Krieg in Afghanistan steht dem von Politik und Medien verteufelten sowjetischen Krieg also in nichts nach. Und zur Erinnerung: Die Bundeswehr ist an der Tragödie seit Beginn beteiligt.

Jemen

Die Universität berichtet von 336 bestätigten US-Drohnenangriffen zwischen 2002 und 2019, bei denen zusätzlich zu den Militanten, denen die Angriffe galten, zwischen 1.020 und 1.389 Zivilisten „einschließlich Kinder“ getötet wurden. Man stelle sich einmal vor, Russland, China oder der Iran würden mit Drohnen unschuldige Kinder abschlachten, was dann in den Medien los wäre und wie hysterisch die Transatlantiker nach Sanktionen schreien würden. Aber wenn die USA das tun, interessiert es niemanden.

Außerdem brauchen – laut der Studie – 80 Prozent (24 von 30 Millionen) der Einwohner des Jemen humanitäre Hilfe und es gibt über 4 Millionen Binnenflüchtlinge in dem Land. Der Grund: Der „von den USA unterstützte Krieg Saudi-Arabiens“ hat das Land zu einer Wüste („Wasteland“) gemacht.

Irak

Die Studie spricht von fast drei Jahrzehnten, in denen die US-Interventionen dem Land „ununterbrochen Krieg und Vertreibung“ gebracht haben. Besonders schlimm muss der August 2014 gewesen sein. In dem einen Monat hat der Kampf der USA gegen den – erst dank ihres Einmarsches im Irak entstandenen – IS 450.000 Flüchtlinge produziert.

Aber haben Sie damals etwas davon in den „Qualitätsmedien“ gehört? Nein, denn zu der Zeit wurden wir medial mit der Ukraine-Krise und MH17, das Ende Juli über dem Donbass abgeschossen wurde, „bespaßt“ – oder besser gesagt, wir wurden mit diesen Themen von unbeschreiblichen US-Kriegsverbrechen, die gleichzeitig stattfanden, abgelenkt und der Spiegel titelte damals „Wer stoppt Putin“ und nicht „Wer stoppt Obama“

Libyen

Auch dazu erfahren wir hier etwas Neues. Die Flüchtlinge aus Zentralafrika, die seit dem Sturz von Gaddafi über Libyen nach Europa strömen, sind kein neues Phänomen. Es ist bekannt, dass Gaddafi seinerzeit immer wieder gesagt hat, dass er einen solchen Strom nach Europa verhindert und das Europa ihn daher brauche. Nur wie er das getan hat, war mir neu. In der Studie erfahren wir, dass Libyen die Schwarzafrikaner als Arbeitskräfte „begrüßt“ habe, Libyen war seinerzeit das wohlhabendste Land Afrikas mit einem vorbildlichen Sozialsystem und medizinischer Versorgung, das Arbeitskräfte gebraucht hat.

Nach Gadafis Sturz waren sie dort dann „steigender Gewalt, Rassismus und Vertreibung“ ausgesetzt, heißt es in der Studie.

Syrien

Erinnern Sie sich noch, wie die Medien auf Russland eingeprügelt haben, als Russland Aleppo vom IS befreit hat? Damals gab es – Russland hat das nie bestritten – auch zivile Opfer bei den Kämpfen. Aber Russland muss ausgesprochen vorsichtig vorgegangen sein, denn es gab zwar schillernde Medienberichte über die Grausamkeit der Russen, aber keine schockierenden Zahlen, sondern nur Berichte über Einzelfälle, wenn Bomben angeblich oder tatsächlich zivile Einrichtungen getroffen haben.

In der Studie berichtet die Brown University darüber, wie die USA 2017 die Stadt Raqqa vom IS befreit haben folgendermaßen:

„Ein prominentes Beispiel für Vertreibung ist der 2017 von den USA angeführte Kampf zur Eroberung von Raqqa vom Islamischen Staat, der zu 470.000 Vertreibungen führte. Ein Großteil der Stadt wurde zerstört. Mehr als 1.600 Zivilisten konnten nicht entkommen und starben bei den Kämpfen, Tausende wurden verletzt.“

In Aleppo ist nach der Befreiung der Stadt durch die Russen das normale Leben zurückgekehrt, von Raqqa kann man das bis heute nicht behaupten. Und wenn Russland für hunderttausende von Flüchtlingen verantwortlich wäre, hätten die „Qualitätsmedien“ uns das nicht verheimlicht.

Fazit

In der Studie werden noch andere Länder behandelt, zum Beispiel Pakistan, Somalia und die Philippinen, wo die USA ebenfalls mit kleineren Militäroperationen für Fluchtbewegungen gesorgt haben, die ich aber hier weggelassen habe. Unter der Überschrift „Historische Vergleiche“ werden Flüchtlingsströme der Vergangenheit aufgelistet und man sieht, dass es selbst bei so grausamen Kriegen wie dem Ersten Weltkrieg (ca. 10 Mio. Flüchtlinge) oder dem Vietnamkrieg (13 Mio. Flüchtlinge) nichts gab, was man mit den Militäroperationen der USA seit 2001 vergleichen kann.

Wenn man nicht die – nach Aussage der Studie – konservative Schätzung von 37 Millionen durch die US-Kriege verursachten Flüchtlinge zu Grunde legt, sondern die – nach Aussage der Studie – realistischere Schätzung 48 bis 59 Millionen, dann ist das von den USA verursachte Leid mit dem des Zweiten Weltkrieges vergleichbar, denn damals gab es je nach Schätzung 30 bis 64 Millionen Flüchtlinge, wie man der Studie ebenfalls entnehmen kann.

Wir können also konstatieren, dass sich die USA – was die von ihnen verursachten Flüchtlingszahlen – den „Erfolgen“ des Hitler-Krieges inzwischen zumindest annähern. Aber obwohl dies teilweise offiziell bestätigte Zahlen sind, hört man davon rein gar nichts bei der Tagesschau oder im Spiegel. Schließlich sind es China, Russland, der Iran, Nordkorea und Venezuela, die ganz doll böse sind, auch wenn sie keine Angriffskriege führen und keine Flüchtlingswellen produzieren.

Um diese Logik zu verstehen, muss man wohl in einer Redaktion der „Qualitätsmedien“ arbeiten…

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

4 Gedanken zu „Brown University: US-Kriege haben seit 2001 bis zu 59 Mio. Menschen zu Flüchtlingen gemacht“

  1. Kleine Anmerkung:
    Die Zahlen überraschen mich nicht wirklich, aber ein historischer Vergleich über die absoluten Zahlen ist halt auch ein wenig ungenau, da sich die Weltbevölkerung über den betrachteten Zeitraum erheblich verändert hat. Um 1900 waren wir etwa 2 Milliarden Menschen, heute ca. 7,8 Milliarden.

    Für die Opfer ist das natürlich vollkommen belanglos. Ich will damit daher nichts relativieren.
    Und dabei fehlen wahrscheinlich auch nocht sämliche Flüchtlinge, die durch das Sanktionsregime der USA und deren Verbündeten entstanden sind.

  2. Zitat: „Man muss ja Putin nicht mögen …“

    Das ist wohl richtig. Aber ich verstehe nicht, wie man ihn als vernünftiger Mensch nicht mögen kann. Seit seiner grandiosen Rede im Bundestag verfolge ich so ziemlich alles greifbare was er sagt und tut, Gründe dafür, ihn nicht zu mögen, habe ich nicht gefunden. 😊

    1. Man muss ihn nicht mögen aber respektieren. Das ist einmal die wichtigste Voraussetzung um Fairness zu garantieren.
      Ja die Rede im BT, wo Putin so viel Kluges sagte scheint heute rückblickend eher als Werbegag gesehen zu werden.

      Bei genauer Betrachtung würde selbst der größte Russen Hasser erkennen können wie gradlinig russische Politik immer war.
      Wer jetzt wieder mit Stalin kommt sollte sich mal fragen wieso Stalin so gesehen wird, denn was machte er Anders als uns so angelobte alte und neue Politikonen?
      Anders Denkende verfolgt, verhaftet und getötet. Was genau tut denn die Nato wenn sie fremde Länder mit gefäschten Beweisen dem Erdboden gleich macht?
      Hat sich mal jemand durch originale Unterlagen gewühlt wer denn genau im Fadenkreuz stand als man die Welt unter Führung Hitlers in Schutt und Asche legte?

      https://tsamo.germandocsinrussia.org/de/docs/2-ber-das-projekt

      1. Jemanden zu respektieren setzt voraus, dass man selbst respektabel ist. Dem Westen ist es egal, ob man ihn respektiert, es reicht, wenn alle Angst vor ihm haben. Dass Putin keine Angst hat oder zumindest zeigt, macht ihn zum Feind, unabhängig seiner Verdienste oder Vergehen.

        Sich durch die Unterlagen zu wühlen finde ich müßig. Alles was ich von dieser Zeit heute noch wissen muss, ist: NIE WIEDER!

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