Corona-Situation in Russland: Warum Russland vom Virus (noch) nicht so schwer betroffen ist

Westliche Medien haben immer wieder mit großer Skepis nach Russland geblickt, denn für sie ist es offenbar ein Unding, das Russland im Kampf gegen das Coronavirus bisher erfolgreicher ist, als die westlichen Länder.

Für die westlichen Medien ist es nur schwer zu verkraften, dass das böse, korrupte, von einem „Autokraten“ regierte Russland vom Coronavirus bisher weniger stark betroffen ist, als die Länder des Westens. Das hat zu einer Reihe von Artikeln in den Medien geführt, in denen Russland alles mögliche vorgeworfen wurde, von Lügen oder Vertuschen war die Rede. Dass Russland einfach einiges mehr richtig gemacht hat, als der Westen, kommt den Verfassern solcher Artikel nicht in den Sinn.

Darüber habe ich oft geschrieben, das will ich hier nicht wiederholen. Ich möchte Ihnen aber nicht vorenthalten, wie Russland selbst auf diese westlichen Medienberichte reagiert. Da das am Sonntag ein Thema in der russischen Sendung „Nachrichten der Woche“ war, habe ich den betreffenden Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Viele führende westliche Medien – von CNN bis zur BBC – können es nicht akzeptieren, dass sich das Coronavirus in Russland langsamer verbreitet. In der Tat, der Leiter des Verbraucherschutzamtes und die Oberste Amtsärztin Russlands, Anna Popova, verkünden einen langsameren Anstieg, als in anderen Ländern: „Russland hält eine sehr glatte und langsame Wachstumskurve aufrecht, die 20 Prozent täglichen Wachstums nicht übersteigt, sie pendelt zwischen 14 und 17 Prozent pro Tag“, sagte sie. (Anm. d. Übers.: In europäischen Ländern inklusive Deutschland lag die Rate zu Beginn bei 30 und mehr Prozent tägliches Wachstum)

Hier ist die Grafik der Zunahme der Coronavirus-Fälle in Russland im letzten Monat nach Tagen. Wir sehen diesen Korridor, im Durchschnitt irgendwo im Bereich von 15 bis 16 Prozent pro Tag. Wenn wir ein vergleichendes Diagramm über den Anstieg der Fälle nach den ersten 100 Infizierten nach Ländern anschauen, dann sind die führenden Länder heute in Europa und Amerika, das sind Spanien und die Vereinigten Staaten. Im Vergleich sieht die Entwicklung Russlands ziemlich überzeugend aus. (Anm. d. Übers.: Das ist die Grafik, die auf dem Titelbild zu sehenist, gelb sind die USA, violett Spanien, grün Russland) Zu unseren Gunsten spricht auch ein Vergleich der Sterblichkeitsraten in Prozent der Infizierten.

Das Diagramm der Sterblichkeit der G-20-Länder wurde von RIA Novosti auf Basis amtlicher Statistiken erstellt. Die ersten zehn Plätze: Es führt Belgien. Dort liegt die Sterblichkeitsrate durch das Coronavirus bei etwa 15 Prozent, das heißt, fast jeder sechste Infizierte stirbt. An zweiter Stelle steht Großbritannien mit 13 Prozent. Es folgen Italien, Frankreich, die Niederlande und Schweden. Natürlich interessiert uns vor allem Russland. Bei den Todesfällen durch das Coronavirus liegen wir weltweit auf Platz 41. Auch die Quote muss sich nicht verstecken, es sind 0,8 Prozent.

Es ist klar, dass Zahlen immer trocken sind, aber sie sind ein Indikator für die Wirksamkeit der getroffenen Entscheidungen. Auf jeden Fall hat sich Russland schneller vorbereitet, als Europa und Amerika. Wir haben schneller Kräfte mobilisiert und Russland ist eines der wenigen Länder der Welt, in dem Entscheidungen schnell und frühzeitig getroffen wurden. Was Verwirrung und Sorglosigkeit der Regierung bedeuten, kann man in Großbritannien am besten sehen. Daher kommt das Ergebnis.

Premierminister Boris Johnson ist nach einigen Tagen auf der Intensivstation immer noch krank geschrieben und Außenminister Dominic Raab, der Großbritannien kürzlich beim G-7-Gipfel zum Coronavirus vertrat, führt immer noch das Land.

Was die Vereinigten Staaten betrifft, so hat Trump erst Ende dieser Woche den Gouverneuren der Bundesstaaten die Entscheidungsbefugnisse über Maßnahmen im Kampf gegen Corona übergeben, was vernünftig ist. Putin hat das lange vorher getan. Trump hingegen brauchte eine regelrechte Parade der Souveränität unter Drohung des Zusammenbruchs des Landes, um verspätet die offensichtliche Entscheidung zu treffen.

Und noch eines. Putin rief sofort dazu auf, das Coronavirus gemeinsam zu bekämpfen, weil es sich um eine globale Pandemie handelt. Aber unsere Entschließung in der UN-Vollversammlung zu dem Thema wurde vom Westen sabotiert, und jetzt haben wir ein Bild, bei dem Brutstellen in verschiedenen Ländern der Welt für eine lange Zeit bestehen können. War das für irgendwen gut?

So der so, in einigen europäischen Ländern scheint der Höhepunkt der Epidemie vorüber zu sein. Zum Beispiel in Deutschland, Italien oder Spanien. Dort nimmt der tägliche Anstieg der Fälle ab. Das ist ein guter Trend. Doch die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer übereilten Aufhebung der Quarantäne, da sich das Virus schnell ausbreitet und nur langsam verschwindet. Zumindest Präsident Macron hat das Regime der Selbstisolierung in Frankreich bis zum 11. Mai verlängert.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

16 Gedanken zu „Corona-Situation in Russland: Warum Russland vom Virus (noch) nicht so schwer betroffen ist“

  1. Russland: Kompetenter Führer, alle Bundesländer (?) hören ihm zu und machen gemeinsame Sache.
    Deutschland: Inkompetente Führer, alle Bundesländer hören nicht länger hin und machen eigene Sachen.

    Aber in einem Jahr wird man in Deutschland hören, wie kompetent die Regierung gehandelt hätte, und vor allen wie geschlossen und entschieden.

    1. Ein einfacher Vergleich der Bevölkerungsdichte macht wenig Sinn, weil auch in Russland die meisten Leute in Städten wohnen und gerade in Sibirien riesige Flächen praktisch unbewohnt sind. Dort erfolgt die Ausbreitung natürlich langsamer, aber das betrifft dann vielleicht 5% der Bevölkerung. Die großen Entferunungen tragen natürlich zur langsameren Verbreitung bei, weil das Reisen aufwendiger ist. Aber mit etwas Verögerung ist das Virus mittlerweile in ziemlich allen großen Städten angekommen.
      Ich gehe stark davon aus, dass das langsamere Wachstum auf die zu Beginn ergriffenen Maßnahmen zurückzuführen ist. Vor allem, dass die Grenzen zu China geschlossen wurde hat einen ganzen Monat Aufschub gebracht, in dem man sich auf die Epidemie vorbereiten konnte. Zu Beginn war aber auch hier das Wachstum über 20%. Erst in den letzten Wochen wurde es langsamer. Durch die Unterstützung anderer Länder konnte, neben einem politischen Erfolg in der Außenpolitik, sicherlich auch Erfahrung im Umgang mit der Krankheit gesammelt werden.
      Allerdings hat man, meiner Meinung nach, auch in Russland Fehler gemacht. Der verordnete Urlaub hat dazu geführt, dass die Arbeiter aus Moskau nach hause fliegen, wodurch das Virus schön über das ganze Land verteilt wurde. Die Quarantänemaßnahmen haben sich nur an Mokau (und evtl. St. Petersburg) orientiert. In vielen Regionen saßen die Leute Wochenlang in Quarantäne, obwohl niemand im ganzen Oblast krank war. Andererseits gibt es immernoch Flüge von Moskau und der Verkehr mit der Hauptstadt wurde nicht genug eingeschränkt, um die Verbreitung aufzuhalten. Hier hätte man vielen Millionen Russen das Leben erleichtern können, wenn man besser geplant hätte und eine mögliche Quarantäne zwar angekündigt, aber erst bei gegebener Notwendigkeit umgesetzt hätte. So saßen viele eine Woche lang zuhause und nachdem niemand krank wurde gingen sie wieder raus, gerade als die Epidemie begann. Viele können es sich auch einfach nicht leisten zuhause zu bleiben und nicht zu arbeiten. Der Lebensstandard ist eben doch ein anderer in Russland.
      Soweit ich das mitbekomme, bleiben jetzt zwar viele zuhause, viele aber auch nicht. Die Quarantäneregeln werden nicht wirklich von der Polizei kontrolliert, abgesehen davon, dass an den Stadtgrenzen die Polizei kontrolliert, damit niemand mehr aus Mokau oder St. Petersburg kommt oder unnötig unterwegs ist. Das begann allerdings erst, als das Virus schon hier war.
      Die meisten Russen bemühen sich aber auch hier Abstand zu halten, viele tragen auch Masken. Im Gegensatz zu Deutschland wurde hier auch von Anfang an konsequent vor dem Virus gewarnt.

      Also kurz gesagt: Man hat viel richtig gemacht, aber ganz so toll wie das im russischen Fernsehen erzählt wird, ist es dann doch nicht.

      Liebe Grüße aus Wologda

      1. Es sollte auch keine einfacher Vergleich sein, gemeint und geschrieben war nur, dass man diesen Aspekt nicht außer Acht lassen sollte. Dass die Ballungsräume das Problem sind, habe ich auch erwähnt. Russland hat sicher einiges richtiger gemacht als D und die EU allgemein und dass niemand alles richtig machen kann ist auch klar. Es ist ja für alle eine ziemlich neue Erfahrung und ich bin sicher, dass Russland aus der Erfahrung lernt, Deutschland jedoch nicht. 🙂

        1. Ich bin mir sicher, dass in jedem Land die Politiker erzählen werden wie gut sie in der Krisensituation gehandelt haben. Und das Traurige ist, dass ganz unabhängig davon, inwiefern das stimmt, genau diese Leute wieder gewählt werden. Weil es in den Medien oft genug wiederholt wird.

      2. Zitat: „Ich gehe stark davon aus, dass das langsamere Wachstum auf die zu Beginn ergriffenen Maßnahmen zurückzuführen ist. Vor allem, dass die Grenzen zu China geschlossen wurde hat einen ganzen Monat Aufschub gebracht, in dem man sich auf die Epidemie vorbereiten konnte. Zu Beginn war aber auch hier das Wachstum über 20%. Erst in den letzten Wochen wurde es langsamer. “

        Sind Sie sicher, dass das „Wachstum“ in den letzten Wochen langsamer wurde?
        Bisher ist zu lesen – gerade in der letzten Woche – wo strenge Ausgangssperren herrschen in Russland, gibt es angeblich jeden Tag neue „Infektionsrekorde“.
        Dieses Virus ist ein Virus, welches jedes Jahr im Winter in verschiedenen Varianten um den Erdball gelangt. Es wird genau so verschwinden und im nächsten Jahr in einer anderen ( neuen) Variante wieder auftauchen….
        Mich erstaunt eigentlich eher, dass Russland die WHO nicht „überprüft“ – Kritik sollte bei der Besetzung der WHO absolut angebracht sein – Russland sollte doch Virologen haben, die mit solchen Krankheiten Erfahrung haben – da gibt es keinen, der das genauestens untersucht? Was ist da los?
        Es sieht nach etwas ganz anderem aus als nach einer gefährlichen Pandemie….
        Und ehrlich gesagt, Putin verspielt in dieser Angelegenheit das Vertrauen seines Volkes in die Regierung….. wenn er Teil des Problems wird, wird Russland bald 25 Jahre in die Vergangenheit katapultiert…..

        1. In Zahlen steigen die Infektionen weiterhin, aber in Prozent verlangsamt sich das Wachstum (Laut Wikipedia; ich gehe mal davon aus, dass die Zahlen einigermaßen stimmen). Wie streng die Ausgangssperren in Moskau wirklich sind, weiß ich nicht. In Vologda jedenfalls wurde bis jetzt nicht, bzw. kaum kontrolliert.
          Abgesehen davon bin ich auch eher deiner Meinung. Ich gehe zwar davon aus, dass die Krankheit durchaus Gefahrenpotential hat, aber die Maßnahmen die weltweit ergriffen werden sind wohl nicht gerechtfertigt. Denn auch die Quarantäne fordert ihren Preis. Und es geht auch hier nicht nur um ein paar Wochen Einschränkungen, sondern um Existenzen von Menschen, welche auf dem Spiel stehen. Wie die Langzeitfolgen dieser Quarantäne aussehen bleibt noch abzuwarten.
          Zumindest bräuchte es bald eine Strategie, welche auch langfristig umgesetzt werden kann.

    2. Wenn wir die Bevölkerungsdichte anführen, wird Russland aufgrund seiner Größe immer komplett anders aussehen als z.B. Deutschland. Ihre Aussage, die Ballungsräume sind das Problem, ist die richtigere Aussage. In D sind 3 Bundesländer, Bayern, BW und NRW, verantwortlich für 2/3 aller Infizierten und Verstorbenen. Die restlichen 13 Bundesländer haben also nur 1/3 aller Fälle zu verzeichnen (Zahlen laut RKI vom aktuellen Lagebericht vom 19.4.2020). Es gibt also in jedem Land diese „Hotspots“, unabhängig von der Ballungsdichte. In Russland hat speziell die Stadt Moskau ca. 50 % der Fälle zu verzeichnen (koronovirus.ru). Man darf aber nicht vergessen, dass Russland später „eingestiegen“ ist. Vielleicht hinkt man 2 – 3 Wochen hinterher. In anderen Ländern ist der Höhepunkt überschritten, in Russland ist man noch auf dem Weg zum Gipfel. Das die Kurve trotzdem (bisher) flacher verläuft, hängt einfach mit er schnelleren Reaktion der Verantwortlichen ab. Während z.B. die Grenze zu China schon sehr schnell seitens Russland geschlossen wurde, sind im März noch Flüge u.a. aus China in Frankfurt gelandet und die Ankommenden konnten sich in D frei bewegen. In Russland war dort schon die 14-tägige Isolierung angesagt. Es könnte in Russland noch besser laufen, aber viele Menschen leben hier nach dem Prinzip „Russisches Roulette“, es wird schon gutgehen… Und so interessieren manche Menschen die Anordnungen von oben nicht, besonders in Moskau.

      1. Nachtrag:
        Man hört nichts mehr aus Schweden in den D-Medien, die einen anderen Weg gehen. Schweden wurde deswegen eine große Katastrophe von den „Fachleuten“ vorhergesagt. In Schweden geht das Leben weiter, die Einschränkungen waren bisher gering. Aber die vorhergesagte Katastrophe ist ausgeblieben. Laut JHU sind per heute in Schweden (10,3 Mio. Einwohner) 14.777 Leute infiziert (lt. Gesundheitsministerin 75.000 Tests), 550 gelten als geheilt und 1.580 sind verstorben. ( https://coronavirus.jhu.edu/map.html ). Die Sterblichkeit liegt höher als woanders, wird aber auch mit der Freizügigkeit, besonders in Alterseinrichtungen sollen mehr gestorben sein, begründet. Es wird interessant sein, wie sich dieser Weg der Schweden, vor allem auch auf die Auswirkungen im wirtschaftlichen und menschlichen Bereich, auswirken wird.

        1. Ich bin da eher skeptisch, was die angeblich „höhere Sterblichkeit“ angeht.
          Da sind doch Zahlen aus den vergangenen Jahren zum gleichen Zeitpunkt als Bezugspunkte zu nehmen.
          Wie man inzwischen sogar schon ganz offiziell in DE weiß, ist die Sterblichkeit bisher in diesem Jahr geringer als in den letzten beiden Jahren!
          Hier am Beispiel Hessen:
          https://www.hessenschau.de/gesellschaft/trotz-corona-in-hessen-sterben-nicht-mehr-menschen-als-sonst-,todesfaelle-hessen-100.html

          Ich hatte bei diesem Artikel natürlich bösere Gedanken – wie folgt:
          Krankenhäuser sind leerer als sonst, Arztpraxen teilweise geschlossen, angeblich dringende OPs nicht möglich = weniger Tote in DE!
          Ärzte & Krankenhäuser als Lebensgefährliche Komponente? Mich würde das eher nicht wundern…..

          1. Deine Gedanken sind vielleicht gar nicht böse. Wenn die Krankenhäuser auf Teufel komm raus Gewinne fahren müssen, haben die auch kein Interesse an Gesundheit. Das wusste auch schon Goethe, obwohl es damals sicher noch nicht so übel war wie heute.

            „Dem Arzt verzeiht! Denn doch einmal
            Lebt er mit seinen Kindern.
            Die Krankheit ist ein Kapital,
            Wer wollte das vermindern!“

        2. @Rainer Hmbrg
          aus den Goebbelsschnauzen (Radio) kommt:
          „Schweden hat die höchste Sterblichkeitsrate in den skandinavischen Ländern“
          Gegenüber Grönland wäre Schweden wohl ein Monsterland an Sterblichkeitsrate.
          Man muss nur den Vergleichsindex nach Wunsch nehmen und schon passt es für die deutsche Presse.

          Schweden hat nur zwei Verbote:
          1. keine Veranstaltung mit mehr als 50 Personen
          2. Besuche von Altenheimen (also kann Ihre Aussage nicht ganz korrekt sein)
          Alles andere sind nur Gebote. Und im Gegensatz zu den Deutschen, halten die Schweden sich auch an Gebote. Liegt an deren Natur.

          Schweden wird allen die lange Nase zeigen. Sowohl wirtschaftlich, als auch im sozialen Bereich.
          Die haben schon viele Jahre dies aufgebaut, in D wird bis heute nur darüber geredet.

  2. Liebe Brüder und Schwestern, ich möchte hier auch wieder etwas vor bauen und ich darf Euch versichern, daß es mir kein Vergnügen bereitet, den deutschen Staat, also die Behörden, einmal verteidigen zu müssen.

    Zunächst einmal ist es sicher richtig, wenn da für die eine oder andere möglicherweise verspäteten, fehlerhafte Entscheidung auch eine gehörige Portion Arroganz ein Rolle gespielt hat – schließlich haben wir dieses Klima selbst geschaffen und in diesem Zusammenhang offensichtlich „die Freiheit mit Löffel gefressen“.
    Das unsere Politik nicht nur von harten Fakten, sonder ganz maßgeblich von denjenigen bestimmt wird, die die „Meinungsführerschaft“ inne haben, sollte jedem bewußt sein.
    Und selbst wenn der eine oder andere Geheimdienstbericht zu dem Ergebnis gekommen sein sollte, a) das könnte kreuz gefährlich werden und b) die Chinesen oder gar die Russen machen da einiges ganz richtig – nie im Leben wäre ein Politiker bereit gewesen, das auch nur einzugestehen, jedenfalls nicht öffentlich, denn auch hier gilt „Palmström“, wie in der FAZ über Welt und SZ bis hin zu TAZ und Zeit etc., etc zu lesen ist – die können ja nicht alle irren.

    Aber das ist nicht das entscheidende Problem.
    Maßgeblich ist, daß die Bundesrepublik nicht mehr in dem Maße autark entscheiden oder handeln kann, wie bspw. die RF, China oder auch die USA.

    Denn wir haben da ja noch eine EU und ein Problem ist hier etwas, was ich anderorts einmal als „vertikaler Kompetenzstreuung“ bezeichnet habe.
    Das ist nicht das einzige Problem, ein weiteres in diesem Zusammenhang ist das viel beschworene Subsidiaritätsprinzip, das über diese sog. vier Grundfreiheiten letztendlich sehr weitgehend einem Bedeutungsverlust anheim gefallen ist.
    (Siehe vor einigen Jahren den massiven Eingriff in das deutsche Hochschulrecht, für den es eine so richtige Regelungskompetenz auf EU-Ebene eigentlich nicht zu geben scheint.)

    Aber schlagende Beispiel ist das, was eigentlich vor einigen Jahren deutlich geworden ist, in der für jeden Staat erheblich Frage, nämlich der Kontrolle über sein Staatsgebiet.
    Die Staaten haben maßgebliche eigene Kompetenzen aufgegeben und sie auf die EU übertragen. Nur dort war und ist man, von der materiellen und personellen Ausstattung einmal ganz abgesehen, intellektuell überhaupt nicht bereit, einzugestehen, daß das auch ein Problem werden könnte.
    Der Grund ist wohl, daß sich viele humanistische Ideen, die wir alle mehr oder weniger teilen, mit diesen sog. „vier Grundfreiheiten“ verbunden haben und in solchen Begriffen wie „Freihandel“ und „Globalisierung“ auch noch ihre Bestätigung zu finden scheinen, was aber mit der Realität eben recht wenig zu tun hat.
    Es ist diese doch so einleuchtend erscheinende Symbiose zwischen einem, durchaus achtenswerten, kosmopolitischen Humanismus und Wirtschaftsliberalismus.
    Aber ich „philosophistere“ schon wieder.

    Letztlich zeigte sich heute im Falle „Corona“ das wieder, was man im vorangegangenen völlig anders gelagerten Falle 2015 schon ausmachen konnte.
    Und das Tragischste, was geschehen könnte, wäre eine weitere „Zentralisierung“, jedenfalls unter den derzeitig herrschenden Paradigmen.
    Zudem gerade in der Bundesrepublik werden wir davon recht wenig spüren, weil – wir sind die „Stärksten“ und deshalb auch „die größten Ökonomen aller Zeiten“.

  3. Ja toller pro Russland Propaganda Artikel.
    Ich frage mich nur, warum die Russen beim Corona-Spiel mitmachen. Ich mein, guckt Euch doch an, was mittlerweile alle Deutschen und auch so ziemlich alle internationalen Experten über den Virus sagen. Zumindest alle, die kein Geld von Bill kriegen.
    Es ist ne Grippe wie jedes Jahr. Die Chinesen messen schon gar nicht mehr (nur noch Einreisende, um alle anderen blöd aussehen zu lassen), weil sie mittlerweile begriffen haben, dass sie veralbert wurden.
    Dass Putin bei dem albernen Spiel mitmacht, lässt ihn tief in meiner Achtung sinken. Soll er lieber seine Wirtschaft ausbauen, jetzt ist die Zeit dafür. Ölpreis ist am Boden, jetzt wäre doch die Zeit, mal in andere Industriezweige zu investieren. Soll er Geld drucken und dahin verteilen. Stattdessen steckt er im Ar*** des Westens. Traurig.

Schreibe einen Kommentar