Fall Navalny: Bundesregierung bestätigt (ungewollt) die russischen Erklärungen

Bei der Regierungspressekonferenz hat Regierungssprecher Seibert bestätigt, was das russische Außenministerium gemeldet hat. Das war sicher nicht beabsichtigt, ist aber trotzdem geschehen.

Am Mittwoch hat die Sprecherin des russischen Außenministeriums in einem Interview Deutschland vorgeworfen, es fordere von Russland Antworten, ohne überhaupt Fragen zu stellen. Russland sagt, dass Deutschland bisher keine Daten oder Laborbefunde zur angeblichen Vergiftung von Navalny an Russland übermittelt habe. Da frage man sich, auf welche Fragen Russland denn antworten soll, wenn keine Fragen oder Daten übermittelt werden. Meine Übersetzung des Interviews finden Sie hier.

Außerdem erwähnte Sacharova russische Rechtshilfegesuche, die an Deutschland übermittelt worden sind und in denen die deutschen Behörden gebeten werden, Russland ihre Erkenntnisse mitzuteilen. Die russische Staatsanwaltschaft würde ja gerne ermitteln, könne dies aber nicht tun, weil in Russland keine Hinweise auf eine Vergiftung gefunden wurden. Da wären die deutschen Daten hilfreich, damit man in Russland ein Verfahren eröffnen kann und auch weiß, wonach man denn zum Beispiel auf dem Flughafen, auf dem er angeblich vergiftet worden sein soll, suchen muss.

Das konnte man für russische Propaganda halten, zumal die deutschen Medien Russland ja vorwerfen, es würde mauern. Allerdings haben deutsche Medien schon Tag vorher über die russischen Rechtshilfegesuche berichtet, der Teil von Sacharovas Erklärungen entspricht also der Wahrheit. Und nun hat Regierungssprecher Seibert sich geweigert, auf Fragen von RT-Deutsch zu antworten, wann denn mit einer Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse zu rechnen sei und ob oder wann die deutsche Seite ihre Befunde mit der russischen Seite abgleichen will.

Damit hat Seibert die russische Version bestätigt: Außer unbelegten Behauptungen hat Deutschland im Fall Navalny bisher nichts vorgelegt, weder der Öffentlichkeit, noch den Russen. Wäre es anders, hätte er – das tut er in solchen Fällen – darauf hingewiesen, dass die der Frage zu Grunde liegenden Behauptungen seiner Ansicht nach unwahr sind.

Da fragt man sich: Wer mauert hier, Russland oder Deutschland?

Wieso verweigert Bundesregierung Offenlegung der Bundeswehr-Laborbefunde zu Nawalny und Nowitschok?

Am Freitag hat sich der russische Außenminister Lawrow auch noch einmal zu dem Thema geäußert, wie das russische Fernsehen berichtet hat. Dort heißt es dazu:

Beginn der Übersetzung:

„Wir haben unsere Kollegen aus der EU und aus Deutschland noch einmal gefragt, ob Frau Merkel (…) ihre Mitarbeiter anweisen will, dass das Bundesjustizministerium auf das Rechtshilfegesuchen der russischen Generalstaatsanwaltschaft eingeht“, wurde Lawrow von RIA Novosti zitiert.

Lawrow wies darauf hin, dass Merkel Russland „seit zwei Tagen beschuldigt“, Nawalny vergiftet zu haben, aber „nichts präsentieren kann“.

„Ich muss es nun schon laut sagen, dass sich diese Antwort nach unseren Informationen aufgrund der Position des Deutschen Außenministeriums verzögert“, sagte Lawrow. „Wir haben unseren Botschafter angewiesen, die relevanten Fragen zu stellen und zu fragen, was der Grund für die Verzögerung ist.“

Er betonte, dass Russland nichts zu verbergen habe.

„Ich möchte Sie noch einmal daran erinnern, dass, sobald Alexej Navalny sich an Bord des Flugzeugs unwohl fühlte, sofort Maßnahmen ergriffen wurden, um das Flugzeug zu landen und am Flughafen wartete bereits ein Krankenwagen, der ihn sofort ins Krankenhaus gebracht hat“, sagte Lawrow und wies darauf hin, dass in der Klinik alle notwendigen Maßnahmen ergriffen wurden.

Was den Ton angeht, in dem Russlands westliche Partner über die Situation mit Navalny sprechen, so zeige dieser Ton laut Lawrow nur, dass sie „außer Pathos nichts vorzeigen können.“

Ende der Übersetzung

Den aktuellen Stand der Fakten zur angeblichen Vergiftung von Navalny finden Sie hier.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

12 Gedanken zu „Fall Navalny: Bundesregierung bestätigt (ungewollt) die russischen Erklärungen“

    1. Was ich nicht verstehe ist, dass med. Laien einfach mal Thesen in die Welt tröten und jeder springt auf den Zug auf.

      Welche Informationen gibt es denn in Russland dazu?
      Flughafen, Krankenhaus, mögliche Täter, die überstürzt geschlossene oder zahlungsunfähige Stiftung u.a.m.
      Die Aussage man hätte in Omsk bei Navalny einen gefährlichen Stoff gefunden der auch für andere im KH und seinem Umfeld gefährlich wäre.
      Die Polizei die natürlich Putin treu ergeben ist hat das ja dementiert.
      Rumrennen in Schutzanzügen?
      Weitere Erkrankte? Fallen sicher in ein paar Wochen erst um.:)
      Mal heisst es die Polizei wäre förmlich ins KH eingefallen dann wieder „man habe sie gerufen“.

      1. Das kann man auch nicht verstehen. Diese neuerliche Blendgranate blendet nur, wenn man vorher in absoluter Dunkelheit gesessen hat. Für uns, die wir immer alles verstehen wollen, blendet sie ungefähr so, wie das Licht im Kühlschrank am hellichten Tage. 😉

  1. der Satz sagt alles, wer die Propagande gegen Russland (wieder) Anheizt: Unser Außenminister.

    „Ich muss es nun schon laut sagen, dass sich diese Antwort nach unseren Informationen aufgrund der Position des Deutschen Außenministeriums verzögert“

    Das ist schon das Maximm dessen, was diplomatisch formulierbar ist und ungewöhnlich klar.

  2. Erstaunlich auch wie Deutschlands Politik mit zweierlei Maß misst. Bei Nawalny wird ein Fass aufgemacht, bei Snowden und Assange geschieht nichts dergleichen. Wer hat der Welt wohl mehr Erkenntnis gebracht? Na egal. Lustig auch der Reflex unserer Regierung: Nowitschok? Kann nur der Russe gewesen sein, Ende, Aus, Punkt. Stellt sich die Frage, wen hätte unsere Regierung beschuldigt, wäre Herr Nawalny mit einem Revolver von Smith & Wesson angeschossen worden? Wahrscheinlich die Herren Smith & Wesson…
    Ohne den Hauch von Beweisen, werden hier Anschuldigungen vorgebracht, die jeder gute Verteidiger vor Gericht in der Luft zerreißen würde. Das ficht aber weder unsere Regierung, noch die Medien an, ein weiterer Beweis meiner Meinung, wonach unsere Regierung nicht souverän ist, sondern Fremdbestimmt, über die „unabhängigen“ Medien braucht man diesbezüglich kein Wort mehr zu verlieren.
    Es wurde ein Fall konstruiert, der es ermöglicht Nord Stream 2 buchstäblich auf den letzten Metern zu Torpedieren, und vermeintlich dafür zu sorgen, dass unsere Knallchargen in der Politik ihr Gesicht wahren können. Wäre eigentlich gar nicht notwendig gewesen, denn so etwas wie ein Gewissen haben diese Leute eh nicht….

  3. Im Falle Navalny kann man langsam nur noch sehr Wenigen trauen. Der eigentlich sehr um Ojektivität bemühte Roland Tichy veröffentlichte einen Kommentar des Ex-RIAS-Mannes Georg Gafron , indem wüste Behauptungen über den russischen Flopaufgestellt werden, ohne auch nur irgendwas zu belegen: Weder ein winziger Hinweis auf Quellen noch über den Grund der Zustimmung zur Ausreise, die die Aufdeckungsgefahr vergrößert, noch der Blick Fehlen einer unabhängigen Expertenkommission seitens der BReg. Nur in der Thematisierung der Verbindung mit Nordstream ist ihm zuzustimmen. Es ermutigt allerdings die meist scharfe Kritik der Leser in 300 Kommentaren. Hoffen wir mal, daß beide dafür wenigstens Geld bekommen haben!
    Nachdem die Übersetzung des angeblich vom KGB abgehörten Telefonates jetzt auch in Deutsch zugänglich ist, hat auch der ehemalige britische Diplomat, Kritiker des Westens und Mitglied der britischen Liberal Democrats (engl. WP) Craig Murray auf Sputniknews eine Analyse veröffentlicht, die erheblich mehr Fragen nach dem Cui bono beantwortet als unser ÖR/MSM-Gebrabbel. Was nächst einmal nichts über die Richtigkeit aussagt, aber niemand veranstaltet ein solches Theater ohne Grund. Wie man schon beim „Reichstagssturm“sehen konnte…

  4. Das ist echt ne Story, die nur noch total verblödete MS-Idioten glauben können. Man muss es schon unbedingt glauben wollen und das Hirn komplett abschalten um da keine Zweifel zu bekommen. Aber es gibt ja auch Menschen, die an die unbefleckte Empfängnis glauben. Das ist ähnlich glaubwürdig. Oder an die grünen Grünen, die sozialen Sozen die fürs Volk kämpfende AFD ..

  5. Sowohl im Fall Skripal als auch Nawalny haben jeweils NATO-Labore erklärt, dass Nowitschok entdeckt worden sei. In beiden Fällen gab es keine Beweise, sondern nur Behauptungen. Aufhellend jedoch: In Russland war an Herrn Nawalny noch keinerlei Spur von irgendwelchem Gift zu finden. Hier in Deutschland jedoch findet man überall an ihm und seinen Glasflaschen, seiner Haut und in seinen Körperflüssigkeiten Nowitschok. Wer hat ihn also hier in Deutschland damit eingedieselt? Und was für ein Harmlos-Mittel ist eigentlich Nowitschok? Statt unmittelbar zu töten, versagt das minderwertige kommunistische Zeugens seine Wirkung, igittigittt!

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