Hat Putin den Durchbruch zum Frieden im Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien erreicht?

Der Kreml hat in der Nacht eine Erklärung veröffentlicht, in der Putin das Ende des Krieges im Kaukasus verkündet. Offenbar hat Putin den Krieg, der in wenigen Wochen Tausende Tote gefordert hat, beenden können.

Die Erklärung Putins gibt Grund zur Hoffnung, nachdem mehrere in Moskau verhandelte Waffenstillstände keine halbe Stunde gehalten haben. Der Grund: Russische Friedenstruppen sollen an der Kontaktlinie stationiert werden und keine der Seiten dürfte ein Interesse haben, die anzugreifen. Die guten und vertrauensvollen Beziehungen Russlands zu beiden Kriegsparteien dürften diesen Durchbruch – so er denn hält – möglich gemacht haben.

Damit ist eine befürchtete gefährliche Eskalation des Krieges hoffentlich ausgeschlossen.

In den Wochen des Krieges fanden alle Friedensgespräche, wie der Anti-Spiegel immer wieder berichtet hat, in Moskau unter russischer Vermittlung statt. Nun hat Russland anscheinend den Durchbruch erreicht, den auch die Kriegsparteien verkündet haben. Die russischen Friedenstruppen sollen schon auf dem Weg sein, deren Anwesenheit dürfte die Waffenruhe garantieren.

Wollen wir wetten, dass die deutschen „Qualitätsmedien“ in ihren Meldungen die Rolle Russlands bestenfalls in einem oder zwei Nebensätzen erwähnen? Russland und Putin als Friedensstifter – das passt nicht ins gewollte anti-russische Narrativ der „Qualitätsmedien“, davon soll der deutsche Leser nichts erfahren.

Hier übersetze ich der Vollständigkeit halber noch die Erklärung Putins im Wortlaut, die der Kreml in der Nacht veröffentlicht hat.

Beginn der Übersetzung:

Heute, am 9. November, haben der Präsident der Aserbeidschanischen Republik Alijew, der Ministerpräsident der Republik Armenien Paschinjan und der Präsident der Russischen Föderation eine Erklärung unterzeichnet, in der ein vollständiger Waffenstillstand und das Ende aller militärischen Aktionen im Konfliktgebiet Bergkarabach ab 00.00 Uhr Moskauer Zeit am 10. November 2020 verkündet wird.

Die Republik Aserbaidschan und die Republik Armenien bleiben auf den von ihnen gehaltenen Positionen. Ein Friedenssicherungskontingent der Russischen Föderation wird entlang der Kontaktlinie in Bergkarabach und entlang des Korridors, der Bergkarabach mit der Republik Armenien verbindet, eingesetzt.

Binnenvertriebene und Flüchtlinge kehren unter der Kontrolle des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen nach Bergkarabach und in die umliegenden Gebiete zurück.

Kriegsgefangene, andere festgenommene Personen und die Leichen der Toten werden ausgetauscht.

Alle Wirtschafts- und Verkehrsverbindungen in der Region werden freigegeben. Der Transport wird auch mit Hilfe des russischen Grenzschutzes überwacht.

Wir gehen davon aus, dass die getroffenen Vereinbarungen die notwendigen Voraussetzungen für eine langfristige und umfassende Beilegung der Krise um Bergkarabach auf gerechter Basis und im Interesse der armenischen und aserbaidschanischen Völker schaffen werden.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

6 Gedanken zu „Hat Putin den Durchbruch zum Frieden im Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien erreicht?“

  1. Lieber Herr Röper, Sie haben ja so recht mit Ihren Vermutungen. Ich lese gerade die ersten Meldungen im Spiegel und auf tagesschau. Tenor: Armenien und Aserbaidschan einigen sich. Die Rolle Russlands? Na ja, unter ferner liefen. Übrigens legt man hierzulande wert darauf auch noch herauszuarbeiten, dass irgendwie Unklarheit herrscht ob nun russische Truppen oder auch türkische Truppen oder gar beide das umkämpfte Gebiet überwachen. Insgesamt ist der gesamte Konflikt; nein man sollte besser sagen Krieg, komplett medial unterrepräsentiert in den Medien. Wichtiger ist der angebliche voll tolle mRNA Impfstoff und (leider immer noch) der amerikanische Wahlkampf – oder was davon übrig geblieben ist.
    Im Forum der „Welt“ unter dem Artikel zum neuen Impfstoff kommt man sich übrigens vor wie unter Jubelpersern. Sorry, da stimmt was nicht.

  2. Zwei Dämpfer für den Optimismus (für mich) sind die Meldung, dass Suchi (wie schreibt man das richtig?) eingenomen wurde und der Abschuss des russischen Helicopters.
    Angesichts dessen, dass viele des „Wertewestens“ dort undercover zündeln, schwant mir, dass (zumindest beabsichtigt ist) Putin in eine Kriegsfalle gelockt worden ist.
    Also, die Hoffnung stirbt zuletzt, aber Skepsis aufgrund sclechter Erfahrungen besteht.

    1. Um daraus ein zweites Afghanistan zu machen ist die Region vermutlich zu klein und auch sonst hätte es die Russen vermutlich einiges gekostet. Das Ergebnis scheint mir nicht so schlecht, vorerst.
      Problematisch könnte höchstens die Türkei werden…

  3. Da geht der Plan der RAND Corporation (Artikel von gestern) ja tatsächlich auf. Die Russen mischen sich ein und sind beschäftigt. Was kommt als nächstes?
    Ich bin mir sicher, Biden wird jeden erdenklichen Scheißvorschlag durchwinken.

  4. Diese Einigung wurde auch allerhöchste Zeit, denn Bidens Schurken haben ja bereits verkündet, dass man sich an einer „Friedenslösung“ beteiligen wolle. Es gehört wohl wenig Phantasie dazu, dass die USA alles tun würden, um eine Friedenslösung zu verhindern, die nicht ihren Vorstellungen entsprochen hätte!

    1. Bidens Schurken wurden schon gerufen, das liest sich dann so

      @Zinvor
      @AnnLinde
      @Haavisto
      @AnnaFotyga_PE
      @HeikoMaas
      @JeppeKofod
      @JY_LeDrian
      @julieverhaar
      @GermanyDiplo
      @clarealgar
      @Laurapitter
      @ECHR_CEDH
      @UNWatch
      @CIJ_ICJ
      @SigridKaag
      @FP_Champagne
      @gijn
      @bellingcat
      @niinisto
      @MarinSanna
      @BBCFactCheck
      @Sida

      über Stoltenberg, Trump, Biden, Harris, AI, HRW bis zur NATO
      und die Bilder sind uns so richtig vertraut.
      Ohrenabschneider, Kopfabschneider, hingerichtete Gefangene Soldaten, weiße Pickups mit Vollbewaffnung.

      https://twitter.com/Zinvor/status/1324095967742840837

      https://twitter.com/atatoyan/status/1322461962362626055

      https://twitter.com/ZEE_MTL/status/1322284814800576513

      https://twitter.com/Artak_Beglaryan/status/1322290987377610752

      https://twitter.com/MuradGazdiev/status/1314964665458454534

      „Herzlichen Glückwunsch Aserbaidschan ppl PAKISTAN ist immer für immer bei Ihnen“

      All das störte über Wochen offensichtlich wieder nur Putin. Genau wie in Syrien.
      Wieder stellen sich russische Soldaten zwischen Mörderbanden damit der Blutrausch endet.
      Wir können nur hoffen, dass die UN mit ihrem Flüchtlingshilfswerk in die Puschen kommt, es ist Winter.

Schreibe einen Kommentar