Irakisches Parlament verlangt Abzug aller westlichen Truppen aus dem Irak

Am Sonntag hat das irakische Parlament die Regierung in einer Sondersitzung dazu aufgefordert, alle westlichen Truppen des Landes zu verweisen. Kann sich der Irak durchsetzen und die USA aus dem Land schmeißen?

Der irakische Premierminister hatte das Parlament zu einer Sondersitzung einberufen und eine Resolution zur Abstimmung vorgelegt, die die US-geführten Truppen des Landes verweisen soll. Diese wurde am Sonntag angenommen.

In der Sitzung des Parlaments nannte der Premierminister den Angriff auf den führenden iranischen General auf dem Flughafen in Bagdad eine „politische Hinrichtung“. Ein anderer Abgeordneter sagte, dass nach dem Sieg über den IS kein Grund mehr für eine weitere Präsenz von US-Truppen im Land bestehe.

Die große Frage ist nun, wie es weitergeht. Die USA haben gerade erst angekündigt, weitere Soldaten in den Irak schicken zu wollen. Es ist kaum anzunehmen, dass sie freiwillig abziehen und ihre bisherige Marionette Irak einfach in die Freiheit entlassen. Aber was passiert, wenn die USA sich dem widersetzen? Bricht dann ein neuer Irakkrieg, ein irakischer Befreiungskrieg, aus?

Und auch für die deutschen Soldaten im Irak wird es nun ernst, denn auch sie sollen abgezogen werden. Bisher war die Regierung dagegen. Wie wird also Deutschland auf die Entscheidung des irakischen Parlaments reagieren? Und wenn Deutschland sich weigert, abzuziehen? Werden dann deutsche Soldaten im Irak kämpfen, um gegen den Willen der dortigen Regierung im Land zu bleiben?

Parallel dazu übergab das irakische Außenministerium dem US-Botschafter in Bagdad eine offizielle Protestnote wegen des Raketenangriffs auf den Bagdader Flughafen. Außerdem schickte es auch eine Protestnote an den UN-Sicherheitsrat.

Trump hat unterdessen mit dem Angriff auf 52 Ziele im Iran gedroht, wenn der Iran US-Truppen angreifen oder verantwortlich für Angriffe auf US-Bürger sein sollte. Das ist eine besonders arrogante Haltung, denn die USA nehmen sich das Recht heraus, nach Belieben Menschen in anderen Ländern zu töten, aber drohen mit Krieg, wenn einem US-Bürger ein Haar gekrümmt wird.

Sein wahres Gesicht in diesem Konflikt zeigte Trump in dem Tweet, in dem er die 52 Ziele erwähnte. Er sprach ausdrücklich nicht von militärischen Zielen, sondern von Zielen, die „für den Iran und die iranische Kultur“ sehr wichtig seien.

Die USA wollen also genau das tun, was der Westen immer den Taliban oder dem IS vorwirft, nämlich historische und unersetzliche Kulturschätze zerstören. Und im Iran gibt es davon eine Menge. Ich hatte das große Glück, vor sechs Jahren von einem iranischen Freund, der in Deutschland lebt, zu einer Reise durch den Iran eingeladen worden zu werden und habe sie selbst gesehen.

Da wäre die Hauptstadt der antiken Perserkönige Persepolis bei Schiras zu nennen, oder die unglaubliche Altstadt von Isfahan, das im Mittelalter ein Zentrum von Kultur und Wissenschaft war und eine Perle der Architektur ist. Aber natürlich gibt es noch viel mehr Kulturschätze in diesem Land, die unter der Herrschaft der Perserkönige, Alexanders des Großen, in der Blütezeit des Islam im Mittelalter und anderen Perioden entstanden sind. Der Iran beherbergt viele Städten und aus dem frühesten Beginn der menschlichen Zivilisation.

Ich habe, auch wenn es nicht passend sein mag, ein paar Bilder meiner Iranreise im Januar 2014 beigefügt.

Ruinen des antiken Persepolis
Antikes Stadttor von Schiras
Gastfreundliche Iraner: Im Teehaus findet man sofort Anschluss, die Iraner sind sehr offen und neugierig
Antike Stadtmauer in Schiras
Isfahan: Mittelalterliche Brücke über einen zu der Zeit trockenen Fluss
Isfahan: Obwohl in der Wüste, fiel an dem Tag zum ersten Mal seit 5 Jahren Schnee
Isfahan: Der seltene Schnee brachte die Kunsthandwerker des Basars dazu, spontan einen Schneemann zu bauen
Isfahan: An dem Tag gab es überall Schneemänner, sogar auf Autodächern
Isfahan: Im ausgetrockneten Flussbett gab es Schneemänner und Schneeballschlachten

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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