Kein Wort in den „Qualitätsmedien“: USA reden offen über Wiederaufnahme von Atomtests

Ich habe immer wieder berichtet, dass die USA anscheinend die Atombombentests wieder aufnehmen wollen. Die deutschen Medien berichten darüber praktisch kein Wort, dabei verdichten sich die Hinweise in Washington immer mehr.

Wenn die USA einen Vertrag kündigen oder ihn brechen wollen, dann gehen sie immer nach dem gleichen Muster vor: Sie beschuldigen andere (natürlich ohne Belege), gegen den Vertrag zu verstoßen, streuen in den Medien die „Notwendigkeit“, aus dem Vertrag auszusteigen und die Medien finden dann einen Weg, ihre Leser darauf einzustimmen, dass ein eben noch guter Vertrag nun plötzlich nicht mehr so gut ist. Und dann steigen die USA aus dem Vertrag aus, anstatt Gespräche zu führen.

Das Muster haben wir beim INF-Vertrag gesehen und wir sehen es gerade beim NEW-START-Vertrag, beim Open-Skies-Vertrag und – von den deutschen Medien bisher unbeachtet – beim Vertrag über den Stopp von Atombombentests.

Zugegeben: Den Vertrag über den Stopp von Atombombentests (Kernwaffenteststopp-Vertrag) haben die USA nicht einmal ratifiziert, also wäre es zur Abwechslung mal keine einseitige Kündigung oder ein Vertragsbruch, wie beim Atomabkommen mit dem Iran, wo sie auch nach dem oben genannten Muster vorgegangen sind. Obwohl die USA also nicht einmal Vertragspartner sind, werfen sie Russland in letzter Zeit aber vor, gegen den Kernwaffenteststopp-Vertrag zu verstoßen. Natürlich auch wieder ohne Belege, denn einen vertragswidrigen Atomtest würden Seismographen auf der ganzen Welt registrieren. Aber wen interessieren solche technischen Details?

Es verwundert nicht, dass in Deutschland darüber nicht berichtet wird. Die „Qualitätsmedien“ sollen uns die USA ja als den Hort des Guten präsentieren und ich bin sicher, dass man in den Redaktionen schon Kopfschmerzen hat bei der Frage, wie man dem deutschen Leser verkaufen soll, dass US-Atombombentests eigentlich doch ganz gut sind. Vor dem Problem stehen die „Qualitätsmedien“ über kurz oder lang anscheinend. Und sie wissen das, denn auch sie verfolgen – genauso wie ich – die internationalen Nachrichtenagenturen. Und die berichten darüber.

Nur ein paar Beispiele:

Im März 2019 hat die Zeitung „Science and Technology issues“ berichtet, dass neue Atomtests nötig seien, um die Wirksamkeit der US-Atomwaffen zu überprüfen. Ich habe darüber berichtet und die Erklärung des russischen Außenministeriums dazu übersetzt.

Im Mai 2019 hat der Chef des US-Militärgeheimdienstes DIA Robert Ashley im Pentagon Russland in einer Rede beim Hudson Institute Verstöße gegen den Kernwaffenteststopp-Vertrag vorgeworfen. Auch das ist für aufmerksame Anti-Spiegel-Leser nicht neu, denn ich habe darüber berichtet und auch das Video der Rede verlinkt.

Im April 2020 habe ich darüber berichtet, dass dieses Mal das US-Außenministerium die Vorwürfe gegen Russland wiederholt hat.

Die US-Regierung geht also nach dem erprobten Muster vor und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sie neue Atombombentests durchführen.

Dafür gibt es nun neue Hinweise. Die Washington Post hat vor einigen Tagen einen ungenannten Regierungsbeamten zitiert, der berichtet hat, im Weißen Haus sei am 15. Mai 2020 diskutiert worden, einen atomaren „Schnelltest“ („rapid test“) durchzuführen, als Abschreckung gegen Russland und China. Die Idee sei dann aber (vorerst) verworfen worden.

Das war aber wohl kein Einzelfall, denn heute meldete DefenseNews, dass in der Trump-Regierung die Diskussionen über die Wiederaufnahme von Atomtests weitergehen. Demnach wurde im Weißen Haus wieder darüber gesprochen und es wurde mitgeteilt, dass man die Tests innerhalb weniger Monate wieder aufnehmen könne. Aber, so würde hinzugefügt, das bedeute keine Änderung der US-Politik.

All das ist also bekannt. Aber warum finden sich in Deutschland dazu praktisch keine Berichte in den Medien?

Interessant ist, was man dazu bei einer Google-Suche findet. Ich fand auf der ersten Seite der Suchergebnisse nur einen Artikel des Tagesspiegel, der voll mit Konjunktiven war („sollen erwogen haben“ und so weiter). Aber in Österreich haben mehr Medien darüber berichtet, unter anderem auch der Standard – und zwar ohne all die Konjunktive, die der Tagesspiegel benutzt hat.

Ich stelle immer wieder fest, dass die Medien in Österreich informativer und kritischer sind, als die deutschen „Qualitätsmedien“ – allerdings ist das ja auch nicht allzu schwer…

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

4 Gedanken zu „Kein Wort in den „Qualitätsmedien“: USA reden offen über Wiederaufnahme von Atomtests“

  1. Die „Qualitätsmedien“ können doch gar nicht korrekt darüber berichten, denn die sind doch samt und sonders von Transatlantikern durchsetzt. Zamperoni, Wilhelm, Buhrow, Schönenborn, beim Staatssender ARD, NATO-Claus, Thevesen … beim Staatssender ZDF, Clement beim Staatsfunk DLF, Frankenberger bei der FAZ, die WELT-Redakteure müssen sich ohnehin verpflichten, nicht kritisch über die USA zu schreiben, was also soll da an sachlicher Berichterstattung herauskommen?

  2. Es erstaunt doch schon gar nicht mehr. Je heftiger das Imperium um sich schlägt weil es seinen eigenen Untergang vor Augen hat um so weichgespülter werden die Kommentare. Vielleicht führt auch die Furcht die Hand beim Schreiben derartiger Artikel. Wer weiß das schon?

  3. Herrlich🤣👍….also zwar O.T aber trotzdem herrlich…

    https://de.sputniknews.com/politik/20200528327233467-onischenko-freilassung-hintergrund/

    Mit Verweis auf die Zusammenfassung vom Anti-Spiegel😉!
    Wie krank das wäre, wenn es wirklich so ist, das die den erst unter fadenscheinigen Argumenten nach Deutschland locken ,um ihn denn ein halbes Jahr aus den Verkehr zu ziehen, nur damit er in den USA nicht positiv für Trump zu der Biden-Sache erzählen kann🤪👌 !

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