Keine Einmischung in innere Angelegenheiten Weißrusslands? Die offenkundigen Lügen der EU

Die Politik des Westens gegenüber Weißrussland ist eine Farce. Für die Presse und die „dumme Öffentlichkeit“ wird behauptet, man mische sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Landes ein, fordert aber gleichzeitig Neuwahlen. Ist eine solche Forderung etwa keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten? Welche Einmischungen derzeit noch stattfinden und wie Lukaschenko das kommentiert hat, will ich hier aufzeigen.

Die Einmischung anderer Staaten in die inneren Angelegenheiten eines Landes ist nach dem Völkerrecht illegal, so ist es in der UN-Charta festgelegt. Darauf muss man immer extra hinweisen, weil der Westen so regelmäßig gegen diesen Grundsatz des Völkerrechts verstößt, dass man das leicht vergessen könnte.

Nun haben sich EU-Staatschefs und auch US-Außenminister Pompeo als Vermittler im inner-weißrussischen Konflikt angeboten. Das klingt nett, ist aber verlogen. Lukaschenko hat das folgendermaßen kommentiert:

„Macron hat erklärt, er möchte in Weißrussland vermitteln. Dann sollte ich vielleicht erst einmal hinfahren und Vermittler zwischen den Gelbwesten und Macron werden. Was da für eine Situation ist, Gott bewahre, aber den Terror und die Gelbwesten sieht er nicht.
Mike Pompeo, der große Freund des weißrussischen Volkes, hat sich gerade gemeldet und die Situation in Weißrussland kommentiert. Soll er erst einmal bei sich klar kommen.
Warum sind die alle so besorgt? Die Deutschen kommen mit dem Coronavirus und den Demonstrationen nicht zurecht.
Warum sind die so besorgt über die Situation in Weißrussland? Das ist ein bequemer Weg, die Aufmerksamkeit von den eigenen Problemen abzulenken und sie auf ein anderes Land zu projizieren. Das ist es, was wir sehen.“

Nun wollen wir uns eine Auswahl der Einmischungen des Westens einmal anschauen. Es sind so viele, dass ich hier nicht alle aufzählen kann.

Die Einmischungen aus der EU

EU-Kommissionschefin von der Leyen hat mitgeteilt:

„Die Europäische Kommission wird jetzt weitere 53 Mio. EUR mobilisieren, um das belarussische Volk in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen: 2 Mio. EUR für die Opfer von Repression und inakzeptabler staatlicher Gewalt. 1 Mio. EUR zur Unterstützung der Zivilgesellschaft und der unabhängigen Medien. Und 50 Mio. EUR an Coronarvirus-Nothilfe für den Gesundheitssektor, z. B. Krankenhäuser oder die Beschaffung medizinischer Geräte, aber auch für kleine und mittlere Unternehmen oder schutzbedürftige Gruppen oder soziale Dienste.“

Man stelle sich einmal vor, Weißrussland würde 53 Millionen an das „deutsche Volk“ schicken, um die Corona-Proteste gegen die Regierungspolitik zu unterstützen. Die Bundesregierung würde Zeter und Mordio schreien und sich eine solche Einmischung in die inneren Angelegenheiten zu verbitten. Und was Unterstützung „unabhängiger Medien“ bedeutet, ist bekannt, es geht um die Finanzierung von pro-westlichen Internetkanälen, die die Proteste koordinieren und dann filmen, um den westlichen Medien möglichst hässliche Bilder zu liefern. Das wurde beim Maidan genauso mit den dortigen Internet-Fernsehsendern expresso und hromadskoe gemacht, die vollständig aus dem Westen finanziert worden sind.

Besonders fraglich ist aber, wer denn die 50 Millionen „Coronarvirus-Nothilfe“ bekommen soll. Da die Krankenhäuser in Weißrussland staatlich sind, müsste die EU das Geld an das weißrussische Gesundheitsministerium überweisen. Das halte ich aber für sehr unwahrscheinlich. Das Geld scheint eher in dunklen Kanälen der Opposition zu verschwinden, denn eine genaue Abrechnung, wem wie viel Geld von den 50 Millionen überwiesen wurde, wird die EU-Kommission kaum veröffentlichen.

Am Mittwoch hat der EU-Chefdiplomat Josep Borrell mitgeteilt, der weißrussische Präsident habe keine Legitimität. Man stelle sich einmal vor, das würde ein chinesischer Außenminister über zum Beispiel Macron sagen. Das ist undenkbar, aber die EU meint tatsächlich, sie könne entscheiden, wer in welchem Land die legitime Regierung stellt.

Litauen hat eine Liste mit 32 Menschen aus Weißrussland veröffentlicht, denen die Einreise nach Litauen ab sofort untersagt ist. Auf der Liste ist auch der weißrussische Präsident Lukaschenko. Wie groß wohl das Geschrei im Westen wäre, wenn zum Beispiel Russland westliche Staatschefs zu unerwünschten Personen erklären würde?

Besonders humorig (wenn man schwarzen Humor hat) war eine offizielle Erklärung des polnischen Außenministeriums:

„Wir fordern eine Wiederholung der Präsidentschaftswahlen in Belarus, damit das belarussische Volk über seine eigene Zukunft entscheiden kann. Und es ist sehr wichtig, dass sich die Europäische Union nicht in politische Angelegenheiten in Belarus einmischt, aber wir wollen Bedingungen schaffen, die es den Belarussen ermöglichen, ihre eigenen politischen Probleme zu lösen.“

Man mischt sich also nicht in die weißrussischen Angelegenheiten ein? Aber ist die Forderung nach Neuwahlen und das Stellen von Bedingungen an die Wahl nicht genau das: Eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten?

Die Aktionen der Opposition

Der Spiegel hat reichlich entrüstet berichtet, dass die weißrussische Regierung gegen Streiks vorgeht, zu denen die angebliche Wahlsiegerin Tichanowskaja aus dem Exil aufruft:

„Die belarussische Opposition will mit Streiks die Position von Machthaber Lukaschenko schwächen. Die autoritäre Führungsspitze droht den Arbeitern der Staatsbetriebe mit Entlassung, sollten sie dem Aufruf folgen.“

Dass der Spiegel sich hier künstlich aufregt, ist verlogen. In Weißrussland sind politische Streiks verboten, Streiks als Mittel in der Tarifauseinandersetzung sind erlaubt. Da ist die weißrussische Gesetzgebung der deutschen Gesetzgebung sehr ähnlich. Auch in Deutschland sind politische Streiks nicht erlaubt, es gibt strenge Regeln, unter denen Streiks erlaubt sind. Und ein politischer Generalstreik gegen die Regierung ist in Deutschland auch nicht erlaubt. Wenn das in Deutschland gilt, ist das für den Spiegel in Ordnung, wenn das gleiche in Weißrussland gilt, ist es böse. Ist das eventuell Messen mit zweierlei Maß?

Ein weiterer Punkt, über den der Spiegel in einem anderen Artikel mit Schaum vor´m Mund berichtet hat, war, dass die weißrussische Generalstaatsanwaltschaft wegen Organisation eines Staatsstreiches gegen das von der Opposition gegründete Komitee vorgehen will:

„Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl hat die Opposition in Belarus einen Koordinierungsrat gegründet. Die Staatsführung sieht darin einen Umsturzversuch und hat juristische Schritte eingeleitet.“

Wie würde der Spiegel wohl berichten, wenn die Corona-Demonstranten in Deutschland einen „Koordinierungsrat zur Machtübergabe“ gründen würden und dabei offene Unterstützung aus dem Ausland, zum Beispiel China und Russland, bekommen würden? Der Spiegel würde von einem Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung berichten, was ja auch korrekt wäre. Nur wenn es in Weißrussland geschieht, dann klingt es beim Spiegel anders.

Wie Lukaschenko reagiert

Ein Zitat Lukaschenkos haben wir schon gesehen. Er wirft dem Westen ganz offen eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten und sogar die Koordinierung der Proteste vor. Eine wichtige Rolle spielt dabei Polen, dazu werde ich am Wochenende noch einmal gesondert schreiben. Hier will ich nur ein aktuelles Zitat von Lukaschenko bringen, das der Wahrheit entspricht, denn tatsächlich sitzen Drahtzieher der Proteste vor allem in Warschau. Dort hat sowohl ein wichtiger Telegram-Kanal seinen Sitz, der die Proteste koordiniert und auch ein sehr wichtiger Vertreter der Opposition, über den in Deutschland gar nicht berichtet wird, ist inzwischen aus Kiew nach Polen gereist und trifft sich dort mit allen möglichen Vertretern der EU und der USA. Aber dazu am Wochenende mehr.

Lukaschenko sagte dazu und zu den Nato-Manövern, die gerade in Polen stattfinden:

„Sie planen all dies und anführen tun das die USA, und die Europäer spielen mit. Es wird gesagt, was die tun sollen und sie tun es. Ein spezielles Zentrum wurde in der Nähe von Warschau eingerichtet. Wir kontrollieren die Lage, wir wissen, was es tut. Verstehen Sie, wenn es in der Nähe unruhig ist und sich Panzer bewegen und Flugzeuge fliegen, ist das kein Zufall.“

Die Opposition versucht unterdessen, trotz anders lautender, veröffentlichter Pläne, die Sorgen zu zerstreuen, es ginge gegen Russland. Die Opposition sagt derzeit offiziell ständig, sie sei an einem maximal guten Verhältnis zu Russland interessiert, was sich aber nicht mit den früheren Aussagen der Leute deckt. Das soll offenbar sowohl Sorgen in Weißrussland zerstreuen, wo viele eine Wiederholung des ukrainischen Szenarios fürchten, als auch Russland in Sicherheit wiegen.

Gleiches gilt für die Proteste. In den ersten zwei Tagen haben die Demonstranten massiv und brutal Polizisten angegriffen. Das hat dann aufgehört und die Proteste sind friedlich geworden. Lukaschenko warnte davor, sich von diesem Strategiewechsel „einlullen“ zu lassen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

20 Gedanken zu „Keine Einmischung in innere Angelegenheiten Weißrusslands? Die offenkundigen Lügen der EU“

  1. Immer wieder die Frage: wie können die damit durchkommen? Solche Lügen sind so offensichtlich, dass es schon peinlich berührt, Kenntnis davon zu haben. Mit einer Abgebrühtheit wird Recht und Gesetz gebrochen und die „Qualitätspresse“ befeuert das auch noch. Mittlerweile habe ich jede Hoffnung aufgegeben, dass die Menschheit sich irgendwann von diesem Lügenpack befreien wird.

  2. Man muß sich mit dem Gedanken anfreunden, daß eine nicht unerhebliche Menge von Leuten das nicht einfach nur nicht interessiert, sondern das ganz in Ordnung findet, daß „Europa“ oder die „westlicher Wertegemeinschaft“ dem „unzivilisierten“ Osten da „Demokratie“ und „Freiheit“ bringt. Die glauben einfach, daß das richtig ist.
    Wir finden uns hier zusammen, weil wir das anders sehen. Woanders wären wir in einem permanenten Streit verwickelt, und das hält man nicht ewig durch, vor allem weil es praktisch unmöglich ist, da eine Veränderung im Denken zu erreichen.

  3. In gewisser Weise ist Lukaschenko selber schuld! Hat er doch mit den USA und der EU gedealt um gegenüber Russland eine bessere Position zu haben und hat dabei nicht mitbekommen, dass die nichts anderes vorhatten, als ihn zu kaufen oder wegzuputschen! Na ja, und wenn er dann noch bei dem Programm „östlicher Partnerschaft“ mitmacht, holt sich die Läuse doch erst richtig in den Pelz!

    1. Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Es könnte durchaus sein, daß man sich da nicht noch so einen unappetitlichen Klotz ans Bein binden will, nur um den Amerikanern da einen Gefallen zu tun. Man hätte das Land zwar auch ganz gern unter seinen Fittichen, kann sich da aber wohl zur Zeit nicht noch so eine Eiterbeule leisten.
      Hier werden aber auch Widersprüche innerhalb der EU deutlich.
      Denn die Polen werden ihre Träume von einer Restauration einstiger polnisch-litauischer Großmächtigkeit vom Baltikum bis zum schwarzen Meer nicht so ohne weiteres aufgeben – welche nebenbei ganz hervorragend mit den geopolitischen Ambitionen der Amerikaner korrespondieren, deshalb verstehen die sich ja auch so gut .
      Und wenn ein Herr Orban sich da auf die Seite der Polen schlägt, wie wir jüngst erfuhren, dann kann der Arsch mir gestohlen bleiben – dann: Mister Soros bitte übernehmen Sie!

      1. Humml: „Und wenn ein Herr Orban sich da auf die Seite der Polen schlägt, wie wir jüngst erfuhren, dann kann der Arsch mir gestohlen bleiben – dann: Mister Soros bitte übernehmen Sie!“

        Na na na, es muss ja nicht gleich Soros sein. 😣 Mal den Teufel nicht an die Wand, schließlich lebe ich in Ungarn. 😅 Mir ist es aber auch ein Rätsel, warum Orban sich so verhält, aber das Rätseln über ihn bin ich mittlerweile gewohnt.

        1. Historisch betrachten sich Ungarn und Polen als Brüder.

          https://www.youtube.com/watch?v=RJfQ8-M2-j0

          Diese Karte mag nicht bis ins Detail perfekt sein aber schon interessant was historisch betrachtet durch Kriege und Heirat geschah.
          Aber am interessantesten ist der Umstand das es viele Staaten gar nicht gäbe die heute so auf Russland eindreschen.
          Außer man träumt in alten Machtverhältnissen nicht wahr?
          Schaut euch an was in den Jahren ab 39 passierte ist ihr Helden. Russland hätte euch kein Land basteln müssen nach 45, tat es dennoch. Sozialistische Sowjetrepublik Polen 🙂

          1. Wenn man die Kommentare der neueren Zeit liest bemerkt man wie nationalistisch viele denken.
            Und dann kommen die Oberklugen und wollen diesen Menschen die EU verpassen. Das kann nur nach hinten losgehen oder eben alte Freundschaften auffrischen.

  4. Die Devise „Das will ich jetzt mal genauer wissen“ gehörte zu dem Rüstzeug, das uns die Schule (in den 1960er Jahren) mitgab. Das ist völlig aus der Mode gekommen. Z.B. akzeptieren alle Leute in meiner Umgebung völlig unbedenklich die Aussage, die Präsidentenwahl in Weißrussland sei „gefälscht“ worden. Wir alle wissen, wie Wahlen bei uns verfahrenstechnisch ablaufen, mit Hunderten Wahllokalen, Wahlkabinen, Urnen, ehrenamtlichen Helfern, die die Stimmzettel sortieren und zählen, Weitermeldung der Zählergebnisse an eine Zentral usw. Niemand weiß, ob das in Weißrussland nach einem ähnlichen Muster läuft, und niemand will es wissen. Man scheint einfach davon auszugehen, dass es in Kinderspiel ist und nur einen Federstrich des Herrn Lukaschenko kostet, eine Wahl zu „fälschen“. Müsste es nicht Hunderte Mitwisser geben? Würden nicht wenigstens ein paar von denen Zeter und Mordio schreien, wenn die amtlichen Ergebnisse in totalem Widerspruch Stimmenauszählung in ihrem Wahllokal stünden? Müsste es nicht starke Diskrepanzen geben zwischen den Auszählungsergebnissen der einzelnen Wahllokale und den von der Zentrale/Rechenzentrum ausgegebenen Ergebnissen für die einzelnen Wahlbezirke? Oder veröffentlicht die weißrussische Regierung nur ein Gesamtergebnis ohne Aufschlüsselung, wie in den einzelnen Provinzen, Kreisen und Städten gewählt wurde? Warum nehmen alle unsere Medien die Aussage hin, die Wahl sei „gefälscht“ worden, und keiner fragt, wie genau die das gemacht haben? Lebe ich in einer Idiotenrepublik?

  5. „Lebe ich in einer Idiotenrepublik?“ Ja, das ist leider so. Aus dem Land der Dichter und Denker ist eine Idiotenrepublik geworden. Ich bin es von berufswegen gewohnt, analytisch zu denken und den Ursachen auf den Grund zu gehen. Und bei Thomas habe ich gelernt, dass man sich auch im Nachrichtenbereich mit den Fakten befasst und nicht herumspekuliert. In Deutschland haben aber Schwätzer und Dilettanten die Oberhand gewonnen und die völlig ungebildete Masse läuft denen hinterher wie eine Horde Lemminge! Wenn ich mir ansehe, welchen Zulauf z. B. dieser üble Populist Habeck oder diese ebenso inkompetente Baerbock haben, frage ich mich, ob wir hier im Irrenhaus sind! Völlig absurde Meldungen der Systemmedien werden geglaubt, weil es der Masse gebetsmühlenartig immer wieder vorgebetet wird und wenn man dann sagt, hey, Moment mal, das kann gar nicht stimmen, sieht man dich an, als bist du einer dieser „Verschwörungstheoretiker“!
    Sicherlich wurden die Wahlen in Weißrussland manipuliert, aber geht die EU das etwas an? In der Ukraine wurden solche getürkten Wahlen, die auch noch mit Gewalt und Verfassungsbruch einhergingen, auch anstandslos anerkannt. Aber solche Vorgänge werden wieder totgeschwiegen.

    1. Werter Herr Kutusow, hier muß ich mal dazwischen hauen.
      Es ist schlicht unerträglich und vor allem auch fundamental falsch, wenn Sie da auf eine „völlig ungebildete Masse“ abheben.
      Das genau ist die Botschaft dieser pseudo-grünen, linksliberalen, wohlsituierten und stock-arroganten – letztendlich im Einklang mit den herrschenden Finanz- und Digitalisierung- Giganten stehenden – Öko-Schi­cke­ria: Die Menschen sind einfach zu blöd.
      Diese These sollte man ganz schnell in der Versenkung verschwinden lassen, nicht nur weil sie falsch ist, sondern weil sie ganz entscheidend dazu beiträgt, die Herrschaftsansprüche dieser üblen Sippschaft zu legitimieren.

      Abgesehen davon, daß die „Masse“ ganz hervorragend manipulierbar ist, hat die Wirtschafts- und auch Staatspolitik der letzten 30 Jahre – u.a. mit solchen Bergriffen wie „Globalisierung“, „Digitalisierung“ und „Wettbewerb“ – aber vor allem mit dieser postulierten „Alternativlosigkeit“ die Menschen dermaßen unter Druck gesetzt, daß sie sich einfach „unterwerfen“ in der Hoffnung, vom „Schlimmsten“ nicht erfaßt zu werden.

      Wenn es so etwas wie eine Kontinuität der jüngeren Alltagsgeschichte gibt, dann ist es diese:
      Wir haben vor 89, in endlosen, manchmal nächtelangen, Diskussionen die Welt und vor allem den Sozialismus „verbessert“.
      Wir tun heute genau das gleiche,wieder und wieder, wenn auch „Sozialismus“ da kaum noch eine Rolle spielt.
      Ausnahmslos alle diese Diskussionen endeten damals und enden auch heute mit dem Satz.
      „Was soll`s, wir können eh nichts ändern.“

      1. Kutusow und Humml, ihr habt beide Recht.

        Humml: „… in der Hoffnung, vom „Schlimmsten“ nicht erfaßt zu werden. … Was soll`s, wir können eh nichts ändern.“

        Mit anderen Worten, es ist in erster Linie Feigheit. Und Feigheit in dieser Situation ist dumm. Das Grundgesetz gibt mit dem Widerstands-Artikel schließlich eine legale Möglichkeit, die Verbrecher aus den Führungsetagen zu entfernen.

        1. Sehen Sie guter Mann, da muß ich schon wieder mal gegenhalten, und ich werde mir da wieder keine Freunde machen, aber es dürfte sich ja inzwischen „rumgesprochen“ haben, daß ich da eher nach dem Prinzip „Viel Feind Viel Ehr`“ verfahre, das ist „im Netz“ auch völlig unproblematisch, denn da kann ja nicht plötzlich mal die „Faust über den Biertisch wachsen“.

          Die Leute als feige zu bezeichnen, ist genauso perfide, wie sie einfach zu Idioten zu erklären.
          Feigheit des Einzelnen, wenn ich diesen ungemein schwierigen Begriff einmal definieren würde, setzt eine mögliche, wenn auch mit einem persönlichen Risiko verbundene, jedoch – in Abhängigkeit von den Umständen – allgemein erwartbare und anerkannte Handlungsalternative voraus, die zudem noch zumindest ansatzweise Erfolgsaussichten für sich in Anspruch nehmen kann.

          Und damit beginnen die Probleme.
          Denn eine Handlung des Einzelnen kann zwar richtig und mutig, aber völlig sinnlos sein. „Märtyrer“ gibt es in der Geschichte viele – nur manchmal, eher selten bewegen sie etwas und letzteres erfahren erst die Folgegenerationen – für die Zeitgenossen des „Märtyrers“ bleibt nach dessen „Großtat“ in der Regel alles beim Alten. Erst retrospektiv verehren wir sie dann als „Helden“ und das genau dann, wenn sich eine zum Zeitpunkt der Tat anbahnende, erforderliche Veränderung später zu einer Bewegung der Massen auswächst.

          Hinzu kommt, daß wir „Feigheit“ im Grunde nur im Zusammenhang mit „Fremdnützigkeit“ denken – weshalb dieser Begriff für einen ganz harten Liberalen eigentlich nicht existieren dürfte.
          Aber Liberale sind ja bereits dann „mutig“, wenn sie es geschafft haben, die nächst Million zu machen, auch wenn sie das Risiko zwar nicht völlig, aber doch mehr oder weniger „nachhaltig“ auch auf andere abladen, „verteilen“.

          Völlig aberwitzig wird der Vorwurf einer Feigheit, wenn man diese permanent, offen oder subtil, kolportierte „Alternativlosigkeit“ in die Betrachtung einbezieht.
          Unsere heute allgemein anerkannte Art und Weise, unsere Existenzbedingungen zu produzieren und zu reproduzieren wird ganz entscheidend von dem Mantra des „Wettbewerbes“, den wir „gewinnen“ müssen, weil wir sonst „verlieren“ würden, bestimmt.

          Deshalb hat dieser zum Marktradikalismus verkommene primitive Liberalismus so viel Einfluß auch auf die Linke gewonnen: weil „Jeder ist seines Glückes Schmied“, „der Mensch ist des Menschen Wolf“, „der Mensch ist egoistisch, der Kapitalismus daher das einzig funktionierende System“ etc. etc. so einfach und einleuchtend, scheinbar „individuellen Erfahrungen entsprechend“ daher kommen.
          Und selbst wenn der eine oder andere darüber etwas nachdenkt und dann zu dem Ergebnis käme, daß das in dieser Absolutheit vielleicht doch nicht in jedem Falle zutrifft, folgt darauf unweigerlich der Gedanke: „Aber im Großen und Ganzen stimmt das schon.“

          Daß der Mensch sich vielleicht so verhält, wie man meint, daß er sich „im Großen und Ganzen“ verhalte, weil die „Verhältnisse“ so sind wie sie sind, und dieselben daher auch wieder und wieder durch solches „Verhalten“ reproduziert werden – das ist schwer begreiflich zu machen.

          Und zum Abschluß, ohne daß das Thema abgeschlossen wäre:

          Opportunismus ist ein elementares Menschenrecht.
          Wer den Leuten das Recht, sich an bestehende Verhältnisse anzupassen grundsätzlich abspricht, dem geht es einfach zu gut.

          1. Nun, werter Humml, wenn ich jemanden einen Feigling nenne, spreche ich ihm noch lange nicht das Recht ab, einer zu sein. 😉 Warum Sie „Feigheit im Grunde nur im Zusammenhang mit Fremdnützigkeit denken“, ist mir ein Rätsel. Mutige Taten begeht man in der Regel aus Eigennutz, so wie eigentlich alle Taten. An Altruismus glaube ich nicht.

            Humml: „Ausnahmslos alle diese Diskussionen endeten damals und enden auch heute mit dem Satz. „Was soll`s, wir können eh nichts ändern.““

            Und trotzdem hat sich etwas geändert, eben weil eine riesige Masse ihre Feigheit abgelegt hat und trotz der Gefahr auf die Straße ging. Zum Märtyrer muss man deswegen nicht gleich werden. Nehmen Sie sich den Artikel 20 GG vor, damit gehts ohne Märtyrertum. 😉

            1. Oh, ja, da hat sich wirklich etwas geändert.
              Ich erinnere mich noch gut an diesen 04. November 89. Da hing ich bei Verwandten vor dem Fernseher und dachte mir: „Was haben wir doch für ein kluges Volk.“
              Da war „die Zeit der Märtyrer“ schon vorbei.
              Da wußte ich noch nicht, daß das bereits der Höhepunkt dieser „Revolution“ war, und selbige dann den bereits sprichwörtlichen Verlauf aller deutschen Revolutionen nahm. Danach kam die „Masse“. Was danach kam, hat mich nur noch angewidert.

              Aber was soll`s, die folgenden „Entscheidungen des Volkes“ waren in ihre Art durchaus rational, aber vor allem purer Opportunismus. Das kann er natürlich „Feigheit“ nennen.

    2. (..)Sicherlich wurden die Wahlen in Weißrussland manipuliert(..)

      Sehe ich eben absolut anders. Halte mich an die Fakten, welche andere, hier eben die Staatsduma sich überprüfen lassen müssen, wenn man offizielle Angaben aus der Duma heraus macht. Gerade eben sollte man auch einen Medienkritiker hinterfragen, wenn er anstatt Fakten, eben eigene „gefühlte“ Wahrheiten als solche mehrfach verkaufen will und dann eben dien offiziellen Meldungen der DUMA dann mal vergisst . Das hilft uns allen nicht. Mal ermahnen, noch besser zu werden, ist da hilfreicher. ..

      https://www.anti-spiegel.ru/2020/wer-zieht-die-faeden-hinter-den-unruhen-in-weissrussland/#comment-10267

      oder sollen wir stattdessen glauben, die Duma redet Schwachsinn… ?

  6. Diese Ohnmacht angesichts der Gesamtsituation ist nachvollziehbar.

    Nimm das aktuelle Beispiel mit Nationalist Navalny, da reißen sich Leute den A*** auf von denen bisher noch niemand was gehört hat.

    Wieso sitzt diese angebliche NGO in Berlin? Da rennen überwiegend US Schauspieler rum? Wenn selbst der Chef der Berlinale reiß aus nimmt soll das schon was heißen.

    „Der Berlinale-Chef möchte eine stärkere Abgrenzung der Benefizgala von den Filmfestspielen, nicht zuletzt, da er „Cinema for Peace“ offenbar für eine dubiose Veranstaltung hält….Seit Jahren fordere er, dass die Veranstalter offenlegten, wer wieviel Geld erhalte und was mit den Spenden geschehe. Anfangs war Kosslick selbst im Cinema for Peace-Komitte, doch er sei inzwischen ausgestiegen, da er „nie Zahlen zu sehen bekam“

    https://beta.blickpunktfilm.de/details/269124

    Und nun rennt Merkel los und besorgt diesen Gestalten das Flugzeug.

    Schaut nach Mali, da sitzt die Bundeswehr fest und hört man irgend etwas? Ist doch eine UN Mission oder ein verkappter NATO Einsatz. Wo bleibt hier die Anteilnahme für die besorgten Familien?

    Still und mit Alibischuld ging der Hariri Mordprozess zu ende, etwas gehört dazu? Die ersten Verhafteten lies man nach 4 Jahren frei aber nicht als Unschuldig damit sie keine Entschädigung bekommen müssen. Jetzt wieder Freilassung. Der Prozess hat gut eine halbe Mrd. gekostet.

    In England sitzt ein Häftling seit Jahren fest, man redet von Folter wen von der Regierung juckt es?

    Und dann muß man sich die hohlen Werte- Apostel zumuten ohne Brechreiz zu bekommen.
    Wir Deutschen sind wirklich leidensfähig. 🙂

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