Manöver „Steadfast Noon“ – Die Bundeswehr trainiert gerade den Atomkrieg

Die Bundeswehr trainiert in diesen Tagen den Atomkrieg, aber die deutschen Medien halten es nicht wirklich für nötig, darüber zu berichten. Ich habe das nicht aus dem deutschen, sondern aus dem russischen Fernsehen erfahren. Und was soll ich sagen? Es ist wahr, Bundeswehr und Nato bestätigen es.

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass ich aus dem russischen Fernsehen oft mehr über Dinge erfahre, die in Deutschland vor sich gehen, als aus dem deutschen Fernsehen. Ich werde hier den kurzen Bericht aus den russischen Fernsehnachrichten übersetzen und dann schauen wir, was an der Sache dran ist.

Beginn der Übersetzung:

In Deutschland laufen die Vorbereitungen für den Atomkrieg, berichtet die Bild. An den Manövern, die „Steadfast Noon“ genannt werden, beteiligen sich neben der deutschen Luftwaffe auch Nato-Partner.

Beteiligt sind Jagdbomber, die in der Lage sind, Atomschläge gegen den Feind durchzuführen.

Die deutsche Zeitung stellt fest, dass durch den Rückzug der USA aus dem INF-Vertrag und das Ende des NEW START Vertrages die Gefahr eines Atomkrieges viel größer geworden ist.

Ende der Übersetzung

Die in dem russischen Beitrag genannten Verträge sind Abrüstungsverträge, die von den USA einseitig gekündigt worden sind, beziehungsweise demnächst auslaufen, weil die USA die von Russland vorgeschlagene Verlängerung ablehnen. Wenn Sie sich für Details interessieren, finden Sie sie hier.

Sollten Sie Bild-Leser sein und sich fragen, warum Sie davon nichts gehört haben, obwohl die Bild das gemeldet hat, dann habe ich die Antwort. Auch ich habe die Meldung in der Bild, von der die Russen berichten, suchen müssen. Fündig geworden bin ich in der Regionalausgabe der Bild für Köln.

Soll niemand der Bild vorwerfen, sie hätte das nicht gemeldet! Hat sie, allerdings eben nur in Köln.

Das Prinzip beobachte ich immer wieder: Wenn es Meldungen gibt, von denen der deutsche Leser vielleicht nicht unbedingt erfahren soll, dann werden sie von den „Qualitätsmedien“ gut versteckt, sei es in einer Regionalausgabe, sei es im falschen Themen-Ressort. Aber niemand kann den „Qualitätsmedien“ vorwerfen, sie hätten nicht berichtet. Haben sie ja, es ist ja nicht die Schuld der Bild-Zeitung, wenn Sie als Hamburger, Münchener oder Berliner die Regionalausgabe der Bild aus Köln nicht lesen!

Was ist das für ein Manöver?

Da ich Meldungen der Medien generell überprüfe, habe ich nach Originalquellen gesucht und bin natürlich fündig geworden, zum Beispiel auf der Seite des Deutschen Bundeswehrverbandes. Dort kann man unter anderem lesen:

„Ein Schauplatz der Übung ist in diesem Jahr der Fliegerhorst Nörvenich in Nordrhein-Westfalen. Er gilt als möglicher Ausweichstandort für die taktischen US-Atomwaffen vom Typ B61, die nach offiziell unbestätigten Angaben im rheinland-pfälzischen Büchel lagern. Die in Büchel stationierten B61, 20 Stück sollen es etwa sein, könnten im Rahmen der „nuklearen Teilhabe“ in der Nato im Ernstfall auch von deutschen Tornados abgeworfen werden. (…) Regelmäßig im Herbst trainiert das Bündnis mit „Steadfast Noon“ den Ernstfall. Geübt wird dabei, wie die Bomben aus den Bunkern geholt und die Flugzeuge mit ihnen beladen werden.“

Dass die nukleare Teilhabe, von der hier die Rede ist, gegen den Atomwaffensperrvertrag verstößt, dem Deutschland beigetreten ist, sei nur nebenbei erwähnt. Wenn das für Sie neu ist, lesen Sie es gerne hier nach.

Besonders amüsant wird es, wenn der Bundeswehrverband weiter schreibt:

„Ein Nato-Sprecher betonte laut „dpa“, dass „Steadfast Noon“ eine defensive Routine-Übung sei, die nicht in Verbindung zu aktuellen Entwicklungen stehe. Die Bündnispartner setzten sich nachdrücklich für Rüstungskontrolle und Abrüstung ein.“

Die Nato-Bündnispartner setzen sich für Abrüstung ein? Warum soll denn dann jedes Nato-Land seine Rüstungsausgaben auf zwei Prozent des BIP erhöhen? Wie passt Abrüstung zum 2-Prozent-Ziel der Nato, mit dem mehr Geld für Rüstung ausgegeben werden soll und nicht weniger?

Sei es drum, dass Bundeswehr und Nato lügen, ist ja nicht neu.

Aber ich habe eine Frage: Warum muss ich mir die Nachrichten des russischen Fernsehens anschauen, um zu erfahren, dass die Bundeswehr derzeit mit Atombomben Krieg spielen übt? Warum erfahre ich das nicht in tagesschau und heute-journal?

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

5 Gedanken zu „Manöver „Steadfast Noon“ – Die Bundeswehr trainiert gerade den Atomkrieg“

  1. „Aber ich habe eine Frage: Warum muss ich mir die Nachrichten des russischen Fernsehens anschauen, um zu erfahren, dass die Bundeswehr derzeit mit Atombomben Krieg spielen übt? Warum erfahre ich das nicht in tagesschau und heute-journal?“

    Herr Röper, Sie sind mehr Russe, als Sie vielleicht denken. Jedenfalls haben Sie den russischen Langmut völlig verinnerlicht.
    Äusserungen der NATO sind genau so viel wert, wie bspw. die aktuelle Coronafarce. Es gibt einen Berg von Argumenten, die deren Absicht und Absurdität belegen. Und gerade das ist wohl der Zweck. Dass man sich gefälligst jeden Tag aufs neue daran abarbeitet ohne letztendlich zum Kern der Sache vorzudringen. Oder anders gasagt:
    „Wir sind jetzt ein Imperium. Und wenn wir handeln, dann erschaffen wir unsere eigene Realität. Und während ihr diese Realität studiert – so akribisch ihr wollt – handeln wir erneut und erschaffen eine neue Realität, die ihr auch wieder studieren könnt. Und so funktioniert es. Wir sind die Handelnden der Geschichte…und euch, euch allen, bleibt nur das Studium dessen was wir tun.“ – Karl Rove, Berater von George W. Bush – (von theblogcat.de geklaut)

  2. Och, das haben die schon vor 89 gemacht, da nannten sie es „Vorneverteidigung“, und die netten Spielchen, die Sie da mit uns vor hatten, haben wir doch noch nicht völlig vergessen.
    Aber davon will heute sowieso niemand etwas wissen, geschweige denn gewußt haben.

    Gegen den üblen Gestank dieses „freiheitlich-demokratischen“ Scheißhaufens hilft wohl nicht einmal mehr ein solider Job in der Land- und Viehwirtschaft.

  3. Ich muss sagen, dass ich dieses „Spiel“ nicht ganz verstehe. Also, ich will weder den Tornado noch die Atombomben in Büchel verharmlosen, aber diese Kombination wirkt irgendwie wie eine Kompromittierung deutscher Militärs und Politiker: Der Tornado ist ein – wie viele Jahrzehnte? – alter Schrotthaufen. Auf eine Sonnenblume im Gewehrlauf ist zumindest mehr Verlass als darauf. Und Atombomben? Der nächste große Krieg wird mit Raketen geführt, die so schnell starten und ihre Ziele erreicht haben, dass der Pilot schon den nächstgelegenen Blitz gesehen haben dürfte, noch bevor er seine Maschine erreicht hat.

  4. Corona und der Atomkrieg bedingen einander.

    Angstphasen kennen wir genug. Angst vor Atomstrom, BSE, Vogel- und Schweinegrippe, Feinstaub und Mikroplastik, Angst vor Klimawandel. Es sind Scheinängste, Angstklümpchen. Selbst hinter diese Angstklümpchen will keiner blicken. Jeder fürchtet die echte Angst, Angst vor dem Krieg. Angst vor dem Atomkrieg.

    Jetzt geht es darum, um den Atomkrieg von deutschem Boden zur Zerstörung von Deutschland und Europa. Jetzt geht es um eine Angstmauer, hinter die erst recht keiner blicken will. Diese Angstmauer ist Corona. Mit Corona wird alle Angst belegt.

    Dahinter handelt das Böse im Verborgenen.

Schreibe einen Kommentar