Medienkampagne gegen China: Heute erschienene Spiegel-Artikel zeigen ein interessantes Muster

Die deutschen Medien übertreffen sich weiterhin darin, China im Zusammenhang mit der Coronakrise zu verteufeln. Hier will ich am Beispiel von Spiegel-Artikeln des heutigen Tages die subtilen Methoden aufzeigen, die dabei benutzt werden.

Die Methoden, die die „Qualitätsmedien“ anwenden, sind teilweise subtil, wie wir sehen werden. Aber sie folgen dem altbekannten Muster aus dem Handbuch für Propaganda, das Edward Bernays schon 1928 geschrieben hat und das bis heute als das Standardwerk über und für Propaganda und Public Relations gilt.

Eines der von Bernays beschriebenen Mittel für erfolgreiche Propaganda ist es demnach, den Gegner einfach mit möglichst viel „Dreck“ zu bewerfen, irgendetwas werde im Bewusstsein der Menschen schon hängen bleiben. Dabei muss der „Dreck“, mit dem man wirft keinesfalls der Wahrheit entsprechen, wichtig ist nur, dass man es permanent tut. Ein gewünschter Nebeneffekt ist dabei, dass ein Gegner, der sich gegen massenhafte (unwahre) Vorwürfe zur Wehr setzt, dabei aussieht, wie jemand, der sich rechtfertigen muss.

Genau das tun die „Qualitätsmedien“ derzeit im Bezug auf China während der Coronakrise. Alleine im Spiegel habe ich am heutigen Tag gleich eine ganze Reihe von Artikeln gefunden, die China im Zusammenhang mit Corona negativ darstellen. Geschickt dabei: Auf der ersten Blick geht es nicht in allen Artikeln um China oder Corona, aber in Nebensätzen wird das thematisiert und der O-Ton ist immer der gleiche: China ist mindestens böse, China versucht, etwas zu verschleiern und sogar: China ist Schuld an der Pandemie.

Besonders bemerkenswert: Sogar Trump, den die Medien sonst immer als „Dummschwätzer“ darstellen, darf die Thesen von Chinas Verantwortung in die Welt setzen, ohne dass der Spiegel Trumps Aussagen in der sonst üblichen Weise lächerlich macht. Das konnte man in dem Spiegel-Artikel mit der Überschrift „Schuldzuweisung in der Coronakrise – US-Präsident wirft China Verschleppung der Pandemie vor“ erleben.

Schon die Überschrift des Artikels ist interessant. „US-Präsident“ klingt für die Leser der Mainstream-Medien seriös. „Donald Trump“ hingegen klingt für sie suspekt, böse und vor allem unglaubwürdig. Diese Wahrnehmung haben die Medien mit ihrer Berichterstattung selbst geschaffen und nun wird sie bewusst eingesetzt. Wenn Trump etwas erzählt, was den „Qualitätsmedien“ nicht gefällt (zum Beispiel Vorwürfe gegen Joe Biden), klingt eine Überschrift im Spiegel zum Beispiel so: „Todesstrafen-Analogie – Trump erhebt wüste Anschuldigung gegen Biden – ohne jeden Beleg

Es ist ein wichtiger Unterschied, ob man „US-Präsident“ oder „Trump“ schreibt, schon diese Auswahl der Formulierungen soll den Leser in die gewünschte Richtung konditionieren. Und das weiß auch der Spiegel, denn zunächst lautete die Überschrift des heutigen Artikels: „Coronakrise – Donald Trump wirft China Verschleppung der Pandemie vor„. Die Überschrift wurde dann geändert, offensichtlich, weil der Leser die Vorwürfe gegen China als „Dummschwätzerei“ von Trump empfinden könnte. Also wurde Trumps Name aus der Überschrift genommen und durch „US-Präsident“ ersetzt.

Dass die Überschrift im Nachhinein verändert wurde, ist keine böse Unterstellung von mir, jeder kann es leicht selbst überprüfen: Rufen Sie den verlinkten Spiegel-Artikel auf und schauen Sie, wie die Internetadresse des Artikels lautet. Dort kann man beim Spiegel immer die ursprüngliche Überschrift eines Artikels finden.

In dem Artikel selbst wird dann Trumps Anschuldigungen gegen China viel Raum gegeben. Erst nach mehreren Absätzen kommt folgendes:

„Allerdings dürfte Trump auch versuchen, mit seinen Beschuldigungen von den gut dokumentierten Versäumnissen seiner eigenen Regierung abzulenken. Über Wochen hatte Trump öffentlich das Risiko durch Covid-19 heruntergespielt und so wertvolle Zeit der Vorbereitung auf die nahende Infektionswelle verstreichen lassen.“

Dass Trump vor dem Hintergrund der Wahlen von seinem eigenen Versagen ablenken will, ist offensichtlich. Der Spiegel selbst hat das erst vor wenigen Tagen genüsslich seziert. Heute – wo in dem Artikel nicht Trump der Bösewicht sein soll, sondern China – wird darauf nur am Rande eingegangen und vor allem wird es mit vorsichtigen Formulierungen, wie Trump „dürfte auch versuchen„, von seinen eigenen Fehlern abzulenken, weiter heruntergespielt.

Über Trumps Versäumnisse gibt es in dem Artikel nur einen kurzen und – wie gesehen – sehr zurückhaltend formulierten Absatz, danach werden wieder Vorwürfe gegen China thematisiert. Zitiert werden dazu noch US-Außenminister Pompeo und ein Berater von Trump. Frei nach dem Motto: Wenn es viele sagen, wird schon was dran sein.

Aber das ist nicht alles. Im Spiegel gab es allein heute gleich eine ganze Reihe von Artikeln mit dem gleichen Narrativ (siehe Propaganda-Regel „werfe mit viel Dreck“) und auf einige davon will ich eingehen, um zu zeigen, wie der Spiegel seine Leser mit einer Propaganda-Offensive nach Lehrbuch bombardiert.

Da man in Medien und Politik ja befürchtet, China könnte im Westen ein positives Image bekommen, weil er erstens mit der Epidemie gut fertig geworden ist und danach auch noch Hilfe nach Europa geliefert hat, wird Chinas Image als Ganzes derzeit angegriffen. In einem Videointerview darf der eingefleischte Transatlantiker Joschka Fischer sich im Spiegel äußern, Überschrift: „DER SPIEGEL fragt Joschka Fischer – „China ist weit davon entfernt, eine globale Führungsrolle zu übernehmen“

Auch hier interessant, wie die Überschrift verändert wurde, um das gewollte Narrativ beim Leser in die Köpfe zu hämmern. Zuerst lautete die Überschrift neutral „Coronavirus – Joschka Fischer im Gespräch mit Christiane Hoffmann„. Das war dem Spiegel wohl zu neutral, und so wurde die Überschrift komplett verändert und China zum Hauptthema gemacht.

Wenn Fischer oder sogar Trump etwas negatives über China erzählen, wird es in den Überschriften herausgehoben. Wenn hingegen China sich gegen die Desinformationskampagnen von Trump wehrt, werden die chinesischen Aussagen in Anführungsstriche gesetzt und so als haltlose Behauptungen hingestellt. So trägt zum Beispiel das heutige „News-Update“ zu Corona, in dem der Spiegel jeden Tag die aktuellen Ereignisse als Newsticker meldet, die Überschrift „+++ News-Update +++ – Peking wirft Washington „unverschämte Lügen“ vor„.

Und auch hier das schon gesehen Muster: Würde der Spiegel titeln „Peking wirft Trump unverschämte Lügen vor“, dann könnte der Leser Peking für glaubwürdig halten, denn dass Trump lügt, wirft der Spiegel ihm ja normalerweise selbst ununterbrochen vor. Da der „normale“ Mainstream-Leser aber „Washington“ (oder den „US-Präsidenten“) für glaubwürdig hält, „Trump“ hingegen nicht, wurde auch diese Überschrift natürlich bewusst gewählt, um den Leser in die gewünschte Richtung zu beeinflussen.

Und natürlich musste der Spiegel heute noch einmal daran erinnern, dass China ein böser Unterdrückungsstaat ist. Dazu gab es folgende Überschrift über einem weiteren heutigen Spiegel-Artikel: „Pandemie – Chinesische Aktivisten nach Corona-Artikeln verschwunden

Es geht darin um eine Gruppe, die sich „Terminus2049“ nennt und über die im Internet praktisch nichts zu finden ist. Erst nachdem Human Rights Watch gestern ihr Verschwinden meldete, gab es plötzlich massenhaft Ergebnisse bei einer Google-Suche nach „Terminus2049“. Ansonsten ist mir über den Fall wenig bekannt, denn außer dem gestrigen Artikel von Human Rights Watch und den vielen Meldungen, die ihn seitdem zitieren, sind kaum Informationen zu finden.

Natürlich durften auch die Fake-News-Jäger der EU im heutigen Spiegel nicht fehlen. Beim Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) gibt es eine eigene Abteilung, die russische und chinesische Fake-News ausmachen soll. Überraschend finde ich, dass der Spiegel meine Bezeichnung „Fake-News-Jäger“ fast übernommen hat. In dem Artikel nennt er die Mitarbeiter der „East StratCom Task Force“ genannten Abteilung „EU-Jäger„.

Das Problem ist, dass die Berichte dieser Abteilung „für die Tonne“ sind, wie man es heute bezeichnet. Ich habe schon im März einen Bericht analysiert und habe dabei festgestellt, dass darin nicht nur gelogen wurde, es wurde sogar (um die Anzahl der gefundenen russischen Fakes zu erhöhen?) ein und derselbe Artikel acht Mal unter verschiedenen Überschriften aufgezählt und so der Eindruck erweckt, es seien acht verschiedene Artikel. Die Details inklusive Links und Quellen zum selber nachprüfen finden Sie hier.

Das hindert die „Qualitätsmedien“ aber nicht daran, sich seit Mitte März auf diesen und die folgenden Berichte der EU-Fake-News-Produzenten zu stützen. Heute hat der Spiegel über den neuesten Bericht geschrieben. Die Überschrift lautete „EU-Papier über chinesische Desinformation – Die Kritik kommt weiter hinten“ und der Inhalt ist schnell erzählt: Der Spiegel berichtet über Vorwürfe, die Abteilung sei vor China eingeknickt und habe die chinesischen „Desinformationen“ nicht in angemessener Form herausgestellt.

Das ist der nächste Schritt, den man in den „Qualitätsmedien“ immer wieder beobachten kann. Zuerst berichten sie unter Berufung auf fragwürdige Quellen über etwas (in diesem Fall die chinesische Desinformation) und etwas später, wenn das Narrativ gesetzt ist, wird es als gegeben hingenommen und es wird jemand kritisiert, der es nicht so vertritt, wie Politik und Medien es gerne hätten. Um den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe geht es schon gar nicht mehr.

Und ja, ich sage bewusst „fragwürdige Quellen“, nicht weil ich die EU vielleicht als „fragwürdige Quelle“ sehen würde, sondern weil eine EU-Abteilung, die in ihren Berichten nachprüfbar gelogen hat, keine belastbare Quelle sein kann. Es wäre die Aufgabe kritischer Medien, die Berichte der EU-Abteilung zunächst zu überprüfen, anstatt sie als „wahr“ hinzunehmen, bloß weil sie von der EU kommen.

Dass die „Qualitätsmedien“ die „chinesische Propaganda“ auch gerne notfalls gleich selbst konstruieren, habe ich hier an einem Artikel der „Welt“ aufgezeigt. Und dass der Spiegel mit teilweise sehr subtilen Mitteln, wie irreführenden Überschriften, arbeitet, können Sie hier selbst überprüfen.

Fazit: Wer glaubt, dass es in Deutschland keine Propaganda mehr gibt, weil das Dritte Reich und die DDR untergegangen sind, der liegt falsch, wie wir in diesen Tagen live beobachten können. Und es ist ja bei weitem nicht das erste Mal, dass die „Qualitätsmedien“ offensichtlich Propaganda genau so betreiben, wie sie im Lehrbuch per Definition beschrieben wird.

Auch vor Kriegspropaganda (ganz nach Lehrbuch) schrecken die deutschen „Qualitätsmedien“ nicht zurück. Seit Anfang 2019 habe ich das an Spiegel-Artikeln über Venezuela, über den Iran, über Syrien oder auch mal zu Gunsten von Saudi-Arabien aufgezeigt. Und das waren nur Beispiele, die Liste ist sehr viel länger.


Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen Buches lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2019 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Gedanken zu „Medienkampagne gegen China: Heute erschienene Spiegel-Artikel zeigen ein interessantes Muster“

  1. Herr Röper,
    das 3. Reich ist nie untergegangen!
    Lothar-Günther Buchheim („Jäger im Weltmeer“) heute „Das Boot“ dürfte bekannt sein.
    Franz Antel (Regieseur), Gert Buchheit, Kurt W. Marek, Paul Ettighofer, Werner Höfer, Karl Holzamer, Peter von Zahn, Walther Kiaulehn, Hans Maegerlein sagen einem dann kaum etwas (google hilft).
    Henri Nannen, dann wohl um so mehr!

    Und was haben alle gemeinsam?
    Alle waren in der Propagandabteilung der Wehrmacht tätig.
    Diese hatte mit Goebbels nichts zu tun und war eigenständig.
    Bertelsmann druckte dann diese Propaganda (siehe Eintrag bei wiki über Bertelsmann oder über Ettighoffer).

    Schaut man jedoch auf wikipedia nach, findet man zu den genannten (ausgen. Fernau) nur kurze Einträge zum 2.WK. „War beim Heer, bei der Luftwaffe, in einer Propagandabteilung…bla bla bla“
    „Als Kriegsberichtserstatter…“ ist dann ein kleiner Hinweis, was diese wirklich trieben.
    Was sie wirklich taten, steht dann in Zeitschriften wie im „Signal“ oder „Das Reich“. Und diese sind TOP Propaganda (dies ist nicht abwertend gemeint!).

    Nach dem Kriege? Gleiche Arbeite, andere Auftraggeber.
    Und Bertelsmann ist bis heute immer noch da und berät ja auch die Regierung (Hertz IV, Masseneinwanderung etc.). Oh Wunder!
    Dann noch den Bundeskanzler Kiesinger nicht vergessen. Apropos vergessen. Der hatte ja vergessen, dass er in der SS war und zu dem noch in der Propagandaabteilung des Auswärtigen Amtes.
    Kann passieren.

    In meiner Kenntnis des 2. WK, sage ich immer:
    „Naziland nie abgebrannt,
    dank ROT und GRÜN,
    neu auferstand!“

  2. https://health.liveuamap.com/en/2020/28-april-hrw-is-calling-on-chinese-authorities-to-free-3

    Hier der Eintrag, klickt man auf Source zu der Meldung dann ist man hier

    https://twitter.com/EpochTimesChina/status/1255237854239895556

    Ganz nebenbei angemerkt kam die erste Meldung zu Corona von der Medienanstalt mit der orangenen Fackel. Klickt man heut darauf steht AP für die Meldung. Damals dachte ich „musste mal stöbern was da schon wieder angeleiert wird“ und siehe da nix von verheimlichen gefunden denn die WHO war schon vor Ort.

    Und genau so wird es jetzt laufen. Wer sind die 3 ? Über welche Informationen sollen sie verfügen das man sie als Bedrohung ansieht?

  3. „Allerdings dürfte Trump auch versuchen, mit seinen Beschuldigungen von den gut dokumentierten Versäumnissen seiner eigenen Regierung abzulenken. Über Wochen hatte Trump öffentlich das Risiko durch Covid-19 heruntergespielt und so wertvolle Zeit der Vorbereitung auf die nahende Infektionswelle verstreichen lassen.“

    Das ist im Endeffekt das gleiche, was auch unsere Regierung tut, mit entsprechender Unterstützung der Mainstreammedien. Jens Berger von den Nachdenkseiten hat das am 23.4.2020 in seinem Artikel „Bloß keine Panik!“ – die Medien und ihre frühe Corona-Berichterstattung ganz toll aufgedröselt- Lesenswert. Es zeigt das Totalversagen unserer Regierung und wenn man sich die aktuelle Berichterstattung antut, sieht man schön wie die Meinung dahin gehend beeinflusst, wie toll unsere Verantwortlichen reagieren, angefangen von Sankt Angela, die Besonnene, über Jens Spahn, den Uneitlen usw. usf.
    Nebenbei lassen sie mal einen Spruch einfließen, in dem sie zugeben auch mal Fehler zu machen. Das ist dann der Persilschein und die aktuellen Meinungsumfrageergebnisse geben ihnen Recht. So funktioniert das heute…

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