Moskauer U-Bahn: 47 neue Stationen werden in vier Jahren gebaut

Der Spiegel hat heute über die Neueröffnung von drei U-Bahnstationen in Berlin berichtet. Das hat mir mal wieder den Unterschied zwischen Deutschland und Russland vor Augen geführt, denn in Russland herrscht ein Bau-Boom ganz anderen Ausmaßes.

2019 haben die Betreiber der Moskauer U-Bahn verkündet, bis 2023 insgesamt 47 neue U-Bahnstationen zu eröffnen und in Moskau werden die Termine solcher Bauprojekte auch praktisch immer eingehalten. 2020 wurden, beziehungsweise werden, neun neue U-Bahnstationen eröffnet.

Die Moskauer U-Bahn, oder besser die Metro, wie sie in Russland genannt wird, ist eine der größten U-Bahnen der Welt mit über 400 Kilometer Strecke und über 230 Stationen. Pro Jahr transportiert sie über 2,5 Milliarden Passagiere. Die Metro war ein Prestigeobjekt der Sowjetunion, daher sehen viele Stationen eher wie Museen aus, als wie Metrostationen und es gibt spezielle Touristenführungen, bei denen staunende ausländischen Touristen sich die Stationen zeigen und ihre Geschichte erzählen lassen. Ein paar Beispiele finden Sie in diesem Video.

Amazing Moscow Metro Stations | People's Palaces

Aber auch die Metro in meiner russischen Wahlheimat St. Petersburg braucht sich nicht zu verstecken. Sie transportiert im Jahr über 700 Millionen Passagiere und sowohl die neuen, als auch die alten Stationen sind architektonische Kunstwerke, wie die folgenden Bilder zeigen. In russischen U-Bahnen findet man kein Graffiti und niemand würde dort auf die Idee kommen, auch nur ein Stück Papier auf den Boden zu werfen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Gedanken zu „Moskauer U-Bahn: 47 neue Stationen werden in vier Jahren gebaut“

  1. Der Fairness halber muss man jetzt aber auch sagen, dass das Arbeitsrecht in Russland gegenüber dem deutschen ein anderes ist. Und sicherlich auch die Bezahlung. In St. Petersburg habe ich selber schon gesehen, wie Sonntags abends um 8 noch Bürgersteige asphaltiert wurden und die Wohncontainer für die Bauarbeiter aus Mittelasien wären hier sofort von der Gewerbeaufsicht gesperrt worden.

  2. „ In russischen U-Bahnen findet man kein Graffiti und niemand würde dort auf die Idee kommen, auch nur ein Stück Papier auf den Boden zu werfen.“ Tja, bei uns hat man nach 1945 sehr effektiv – insbesondere im Zuge der 68er – versucht, uns Gehorsam und autoritären Charakter auszutreiben. Nur funktioniert keine Gesellschaft, ohne daß wir uns freiwillig an Regeln halten. Folglich gilt nicht nur bei Müll und Graffity die Devise „Jeder macht was er will, keiner macht was er soll, aber alle machen mit“.

    Dazu kommt noch die ewige Verhinderungsmentalität, sehr schön zu sehen am Beispiel eines Kölner Tunnels für die Stadtbahn (bzw. U-Straßenbahn, WP). In Ost-West-Richtung verläuft diese auch in der Innenstadt oberirdisch und soll nach Jahrzehnten Diskussion (1970!!) auch unter die Erde. Sind doch U-Bahnen aus vielen Gründen leistungsfähiger als Straßenbahnen, auch wenn die in den Blick genommen Trasse zumindest über ein eigenes Gleisbett verfügt. OB Reker ist dafür, auch zwei Parteien ihrer Wahlkoalition (CDU,FDP) sowie die anderen Parteien. Nur die Grünen, seit der Kommunalwahl 2020 allerdings stärkste Partei, und die Linke (zus. ein Drittel der Sitze) stellen sich quer und wollen oberirdisch bleiben. Man möchte gerne den Autoverkehr zugunsten der dann immer noch durch Kreuzungen etc. in der Transportkapazität behinderten Straßenbahn „reduzieren“. Ein Schelm, wer Behinderung des Kfz-Verkehrs darin sieht.

    Jetzt ist es nur interessant, ob Putin’s Mannen mit dem Metro-Konzept am Ende nicht mehr Kohlendoxid/Stickoxide/Feinstaub einsparen als die Grünen mit ihrer nicht nur Köln betriebenen oberirdisch-„unterirdischen“ Straßenbahnpolitik. Zusammen mit den dann durch Fahrspurreduktion entstehenden Staus könnte am Ende sogar ein Plus herauskommen, aber dann gibt es extra viel zu „korrigieren“ für den Spiegel – und für Thomas… 😉

    PS: Der ein oder andere Satz zu Finanzierung (ÖPP?), Arbeitsbedingungen (s.o.) oder auch den Sicherheitsbestimmungen ist für uns als Vergleich zur deutschen Misere sicher auch interessant. Aber solange die Welt sich immer stärker auf den Kopf stellt…

  3. Tja, der Unterschied eben zwischen dem “Wertewesten” und den Barbaren.

    Zwischen “Leck mich am Arsch” und Stolz über sich selbst als Nation.

    Ja, ich persönlich war aus beruflichen Gründen nach der DIREKTEN Dienst mit der Waffe, gegen Feinde des Staates, oft in Überbringermissionen von allerlei Dingen für die Botschaften des Staates eingesetzt. Und oft, sehr oft durfte ich so in Moskau sein. Dies zu Zeiten, dass der Kalte Krieg gerade mal so zu Ende gehen sollte.

    Themenbezogen erinnere ich mich sehr genau an eine Woche, dass ich in Rom etwas übernahm um es in Berlin abzugeben. Und von Berlin gings dann nach Moskau. Die Beförderungsart(en) waren genauestens vorgeschrieben, entsprechend hoch der Bargeldstand im Geldbeutel. Und klar, überall dort, wo ich desöfteren sein musste, habe ich gerade mit den Spesen so getrickst, dass ich mir meine kulturellen Wissensdürste auch befriedigen konnte. Ob dies nun bei Eintrittspreisen in eine Oper in Madrid , die fast ein Drittel meines Soldes gekostet hätte oder …. in New-York in gewissen Etablissements… Ich fand immer für mich mit der 2.Person (offizielle Dolmetscher/in) die Möglichkeit die Spesenabrechnung auch unterschrieben zu bekommen…. Neben fingierten Flug/Hotelabrechnungen, war natürlich die Nicht-Taxibenutzung obligatorisch, trotz Nachweis…. Nu ja….

    So gings eben in den Bus-Strassenbahn oder eben in den Untergrund.

    Eben in dieser Woche , welche in Rom begann, mit (offiziellem + inoffiziellem ) Vatikan-Besuch , anschließendem nacktem Berlin, über Prag mit der Burg und dann Moskau.

    Nu ja… die Dolmetscherin damals war “neu”… und doch eingeweiht von der Kollegin. Ohne großes Sprechen, führte sie die unterirdische Führung der Kollegin fort, die vor einem ca. halben Jahr aufgrund eines Ereignisses beendet werden musste. Ohne grosse Worte zwischen den Einzelstationen
    sprudelte ihr reinstes Deutsch, sofort los, sobald die Türen sich geöffnet hatten nach dem Heraustreten auf den “Bahnsteig” . Tja. Bahnsteig muss man wirlich in Anführungszeichen setzen.

    Ja… Ich war damals genauso ergriffen von der Moskauer Metro, wie dem Petersdom in Rom, oder der Prager Burg .

    An Berlin binden sich keine große Erinnerungen in jene Zeit, da ich nicht mal mein Organiationstalent großartig nutzte, um freies Kapital zu haben… Berlin, war- und ist- einfach nur Durchreiche… ala: Augen zu und durch !

    St. Petersburg ….
    Bisher kenne ich nur den Flughafen. Den fast so gut wie so viele in Europa und Übersee. Sogar einige Gemälde aus St. Peterburg nenne ich mein Eigen, doch gesehen habe ich die Originale noch nicht. Auch eine Radierung von einer Metrostation aus St. Peterburg hängt in meinem polnischen Büro.

    Jetzt, nach dem Thomas-Röper Artikel weiß ich genau, was ich noch sehen will, bevor ich den Löffel abgebe…

Schreibe einen Kommentar