Nach dem Treffen von Putin und Erdogan: Hält die Waffenruhe in Syrien?

Nachdem sich Putin und Erdogan in Moskau auf eine Waffenruhe im syrischen Idlib geeinigt haben, hält der Waffenstillstand bisher weitgehend. Über die Lage in der syrischen Provinz Idlib hat das russische Fernsehen in der Sendung „Nachrichten der Woche“ berichtet. Ich habe den Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Was geschieht jetzt in Idlib und ist es möglich, die vereinbarte Waffenruhe einzuhalten?

Die Straße zwischen Damaskus nach Aleppo am Tag nach dem Moskauer Treffen zwischen Putin und Erdogan. Auf der M-4 fahren wieder Busse. Die Straße, die die beiden syrischen Großstädte verbindet, wurde inoffiziell für Zivilisten geöffnet. Das türkische Militär konnte die Kämpfer der terroristischen Gruppen zum Waffenstillstand überreden. Warum das vorher nicht geklappt hat, ist nicht klar.

Das Zentrum zur Aussöhnung der Kriegsparteien in Syrien und russische Offiziere sind an der 24-Stunden-Überwachung der Situation beteiligt, sie melden kleinere Verstöße gegen die Waffenruhe durch die Radikalen, aber sie sagen, dass die Situation insgesamt normal ist. Allerdings ist noch nicht klar, wie lange der Waffenstillstand halten wird. Nicht alle Bandenführer unterstützen den politischen Prozess. Einfache Militante sagen das offen, sie sagen, wir haben nicht vor, irgendetwas zu beachten. (Anm. d. Übers.: Im Beitrag wird ein Video gezeigt, in dem Islamisten auf Russisch die Fortsetzung des Kampfes ankündigen)

Die Radikalen bringen zusätzliche Kräfte und Waffen an die Kontaktlinie und errichten aktiv Befestigungsanlagen. Schon das widerspricht bereits den Moskauer Vereinbarung der letzten Woche.

Am 15. März soll ein Sicherheitskorridor entlang der Autobahn M-4 Latakia-Aleppo gebildet werden und am selben Tag sollen gemeinsame russisch-türkische Patrouillen beginnen. Es ist klar, dass die Terroristen des ehemaligen Ablegers von Al-Qaida dazu sechs Kilometer von der Autobahn nach Norden abziehen müssen. Und türkische Militärberater müssen die Militanten antreiben, obwohl klar ist, dass die Führer von Hay’at Tahrir al-Sham nicht begeistert von den politischen Vereinbarungen der Präsidenten Putin und Erdogan sind. Sobald bekannt wurde, dass sich die Präsidenten auf einen Waffenstillstand ab 6. März um Mitternacht geeinigt hatten, eröffneten die Radikalen aus allen Rohren das Feuer.

Seraqib ist der Ort mit den größten Aktivitäten türkischer Streitkräfte in Idlib. Russische Militärs begannen, die Autobahn in der Gegend zu patrouillieren, während am Stadtrand noch Kämpfe stattfanden. Aber türkische Berater waren nicht in der Lage, die Angriffe der Militanten auf die Stadt zu unterstützen, über der nun eine russische Flagge weht. Die Militanten versuchten sogar, den bei westlichen Menschenrechtlern so beliebten Standardtrick zu nutzen: Es gab eine Chlorexplosion.

Das syrische Militär entdeckte den Ort, an dem die Militanten eine Provokation mit chemischen Waffen geplant hatten. In einem Haus in der Stadt Seraqib fanden Regierungstruppen einen Tank, einen improvisierten Sprengsatz und Ausrüstung für den Umgang mit gefährlichen chemischen Reagenzien. Das Gebäude wird bewacht. Spezialisten trafen am Tatort ein, unser Team begleitete die Offiziere der Chemischen Schutzeinheiten. Der Analysator zeigte, dass in dem Behälter wirklich eine giftige Substanz ist.

„Neben einem Flüssigkeitszylinder wurde ein improvisierter Sprengsatz mit Drähten gefunden. Unsere Meßgeräte haben festgestellt, dass die gelbe Substanz im Tank eine giftige chemische Substanz ist. Vorläufige Analysen ergaben, dass es Chlor war“, sagte einer der syrischen Militärs.

Anscheinend gab es eine Panne bei der Vorbereitung und das Chlorgas ist ausgetreten. Daraufhin sind die Radikalen geflohen und haben alles zurückgelassen. Das Chlor ist in dem Raum mit Geräten messbar.

Ein Sprecher des Russischen Zentrums zur Aussöhnung der Kriegsparteien in Syrien hatte zuvor erklärt, dass in den westlichen Bezirken von Seraqib eine Gruppe von 15 Terroristen versucht habe, Munition zusammen mit dem mit giftigen Chemikalien gefüllten Tank in den westlichen Bezirken von Seraqib zu zünden, um den Vormarsch der Regierungstruppen zu stören und dann die syrische Armee der Verwendung verbotener giftiger Substanzen zu bezichtigen. Nun stellt sich die Hauptfrage: Wird Ankara in der Lage sein, rücksichtslose Handlungen seiner eigenen Stellvertreter zu verhindern, oder muss die syrische Armee die Terroristen wieder zum Frieden zwingen?

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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