OSZE-Bericht: 75% der zivilen Opfer des Krieges in der Ukraine sind Opfer der Regierungstruppen

Die OSZE hat in einem Bericht untersucht, wie viele zivile Opfer des Ukraine-Konfliktes es auf welcher Seite gab. Da das Ergebnis ist, dass Kiew für 3/4 der Opfer verantwortlich ist, verwundert es nicht, dass westliche Medien diesen Bericht mit keinem Wort erwähnt haben.

Der Bericht der OSZE ist vom 9. November und ich wollte schon darüber schreiben, aber da die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharova, am Freitag dazu eine offizielle russische Erklärung abgegeben hat, habe ich beschlossen, die russische Erklärung zu übersetzen. Vielleicht befragt ja ein Journalist in Berlin mal die Sprecher deutscher Ministerien zu diesem Bericht, dann können wir die Aussagen vergleichen.

Beginn der Übersetzung:

Am 9. November veröffentlichte die OSZE-Sonderbeobachtungsmission (SMM) in der Ukraine einen Bericht über zivile Opfer im Konfliktgebiet im Donbass für den Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis zum 15. September 2020.

Wir haben seit langem die Veröffentlichung dieser Informationen in systematischer Form gefordert. Darüber gab es Diskussionen mit den Medien, weil man einen Anhaltspunkt für den Beginns von Diskussionen braucht. Jede Seite und alle Experten haben ihre eigenen Ansichten, Methodiken der Zählung und Analysen dieser Situation. Jetzt wurde dieses Dokument veröffentlicht. Diese Daten erlauben einen objektiven Blick, basierend auf einer spezifischen Sicht, auf den internen Konflikt der Ukraine. Wir weisen auf die positive Rolle des amtierenden albanischen Vorsitzenden der OSZE, des albanischen Premierministers und des Ministers für europäische und auswärtige Angelegenheiten Albaniens, der zu der Veröffentlichung beigetragen hat, hin.

Das Dokument ist insgesamt ausgewogen und basiert auf Statistiken. Die wichtigste Zahl, der Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, ist die Zahl der Opfer durch schwere Waffen und Kleinwaffen. Dem Bericht zufolge sind fast 75 Prozent der zivilen Opfer Bewohner von Gebieten, die nicht von Kiew kontrolliert werden. Das deutet beredt darauf hin, dass das Ziel der Streitkräfte der Ukraine, der Nationalgarde und der so genannten „freiwilligen“ Formationen Zivilisten sind, die Kiew für ihre Weigerung, die Ergebnisse des Staatsstreichs von 2014 zu akzeptieren, zu bestrafen versucht.

Wir reden schon lange und ständig darüber, aber im Westen ziehen es viele vor, unsere Worte zu ignorieren. Jetzt wird die Richtigkeit der russischen Schätzungen auch im Bericht der OSZE-Mission bestätigt. Die SMM hat bisher noch keine Statistiken für die gesamte Dauer des Konflikts veröffentlicht. Es liegt auf der Hand, dass, wenn die Opfer seit Beginn der Strafaktion im Jahr 2014 gezählt werden, das Bild noch überzeugender und tragischer sein wird.

Leider zeigt das Dokument keine Informationen über die Zerstörung der zivilen Infrastruktur im Donbass. Es ist wichtig zu verstehen, dass die oft absichtliche und geplante Zerstörung von Wohnhäusern, Verkehrsinfrastruktur, Energie-, Gas- und Wasserversorgung, von medizinischen, sozialen und pädagogischen Einrichtungen und andere Angriffe auf privates und kommunales Eigentum die Ursache für eine ernsthafte Verschlechterung der humanitären Lage sind. Die Dokumentation solcher Daten mit einer klaren Aufzeichnung der Verantwortung der Parteien ist eine wichtige Aufgabe, auch der SMM.

Ich möchte die Aufmerksamkeit ausländischer Medien, insbesondere westlicher Medien, darauf lenken, dass es schön wäre, das zu bewerten und darüber zu berichten, insbesondere im Zusammenhang mit Ihren Berichten über große internationale Konferenzen, Treffen oder Sanktionen, die regelmäßig gegen unser Land ausgeweitet oder verlängert werden. Sie können auch in das Gebiet reisen, es mit eigenen Augen sehen und selbst Geschichten aus dem Gebiet schreiben. Russische Journalisten arbeiten dort. Sie geben ihre Materialien weiter. Darunter sind auch Dokumentarfilme, die eine Vorstellung davon geben, was dort geschieht. Ich würde mir wünschen, dass mehr ausländische Korrespondenten in diese Region kommen, um ihr westliches Publikum über die Geschehnisse dort zu informieren.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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