Putin im O-Ton über Wirtschaft und Umweltschutz

Auf der Investorenkonferenz „Russia is calling“ wurde Putin auch nach der Energiewende und der russischen Abhängigkeit von Öl und Gas gefragt. Seine Antwort war sehr ausführlich und vor allem dürfte sie für viele sehr überraschend sein. Daher habe ich diesen Teil der Podiumsdiskussion übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Perasso: Guten Tag, Herr Präsident!

Mein Name ist Giancarlo Perasso, ich bin Chefökonom bei PGIM in London.

Herr Präsident, Russlands Energiestrategie für den Zeitraum bis 2035 sieht in naher Zukunft eine Erhöhung der Öl- und Gasproduktion und der Exporte vor, insbesondere aufgrund der Entwicklung der arktischen Regionen.

Dieses Szenario wirft aus unserer Sicht zwei Fragen auf. Aus makroökonomischer Sicht erhöht Russland seine Abhängigkeit von Öl- und Gaseinnahmen zu einer Zeit, in der viele andere Importländer, wie die EU und China, eine Politik verfolgen, um den Einsatz dieser Energieträger zu reduzieren. Und aus ökologischer Sicht ist die Öl- und Gasproduktion und deren Verbrauch einer der Faktoren des Schmelzens des Permafrostbodens, des Auftretens von Bränden in den Regionen des hohen Nordens und anderer außergewöhnlicher Phänomene, die erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und die Infrastruktur Russlands haben.

Glauben Sie, dass die Energiestrategie überarbeitet werden sollte, damit Russland seine Abhängigkeit von Öl und Gas verringern und auch zu einem der weltweit führenden Länder bei der Bekämpfung des Klimawandels werden kann?

Vielen Dank.

Wladimir Putin: Lieber Herr Perasso, das sind natürlich, offen gesagt, Fragen, die ich erwartet habe und natürlich sind sie extrem wichtig. Die ganze Menschheit beschäftigt sich nun mit diesen Fragen und sucht nach den besten Ansätzen zur Lösung der Probleme, die mit damit verbunden sind.

Das erste, worauf ich Ihre Aufmerksamkeit lenken möchte ist, dass wir die Abhängigkeit der russischen Wirtschaft vom Öl- und Gassektor nicht erhöhen, sondern sie im Gegenteil verringern. Und das wird durch die realen Zahlen belegt, einschließlich der Einnahmen des russischen Staatshaushalts, in dem die Einnahmen aus dem Öl- und Gasbereich zurückgehen, und die Einnahmen aus anderen Bereichen steigen. Ja, ihr Anteil ist immer noch sehr bedeutend, aber trotzdem. Unser Ziel ist es, wie ich bereits gesagt habe, auch mit Hilfe aller möglichen Steuerinstrumente, die Wirtschaft so umzugestalten, dass sie diversifizierter wird. Das ist eines unserer generellen Ziele, eines unserer Hauptziele. Und insgesamt möchte ich sagen, dass wir uns ruhig und ordentlich langsam in diese Richtung bewegen. Und das werden wir auch weiterhin tun.

Gerade eben hat ein Kollege nach unseren Innovationen auf dem Gebiet der Öl- und Gasförderung gefragt. Und ich habe gerade gesagt, dass das Ziel darin besteht, das Steuersystem so umzugestalten, dass wir neue Quellen erschließen und neue Technologien, neue innovative Lösungen anlocken können. Ja, damit soll die Förderung gesichert und wenn nötig die Produktion von Energierohstoffen erhöhen werden, das ist so. Aber wir handeln nach den Prognosen internationaler, angesehener Unternehmen und Denkfabriken über den Verbrauchs von Energieressourcen in den kommenden Jahrzehnten.

Wir sind uns bewusst, dass es in den kommenden Jahrzehnten nicht möglich ist, vollständig auf Kohlenwasserstoffe zu verzichten, wenn man nicht den Weg eines scharfen und schwer verdaulichen Rückgangs der Wettbewerbsfähigkeit einschlagen will. Das ist in den kommenden Jahrzehnten nicht möglich. Und das wissen Sie natürlich.

Die Struktur des Verbrauchs wird sich ändern, aber sie wird sich langsam ändern. In dieser Hinsicht verstehen wir, wie sich der asiatisch-pazifische Markt und der asiatischen Markt im Allgemeinen entwickeln wird. Wir sehen die Muster des Verbrauchs in der Volksrepublik China, in Indien, in anderen Ländern des asiatisch-pazifischen Raums. Wir verstehen, wohin Europa geht, aber wir möchten keine nicht marktgebundenen Beschränkungen für die Aktivitäten unserer Unternehmen. Unsere europäischen Freunde und Partner sprechen immer stolz von ihrem Ansatz des Marktes für die wirtschaftliche Entwicklung. Ich hoffe, dass diese Regeln universell sein werden und nicht nur für die Teilnehmer des europäischen Marktes gelten, sondern auch für ihre Partner außerhalb der EU, einschließlich Russlands, wenn man bedenkt, dass wir der größte Lieferant von Energieressourcen für den europäischen Markt sind. Beim Gas gehen meiner Meinung nach mehr als 70 Prozent unserer Exporte nach Europa. Aber wir erhöhen auch unsere Lieferungen nach Asien. Ich meine, das ist ein vielversprechender Markt. Sowohl die Volksrepublik China, Japan, Indien, als auch andere Länder in der Region sind vielversprechend und wachsen.

Übrigens liegt unsere teilweise Umorientierung nicht daran, dass uns in Europa politisch etwas nicht gefällt, in Asien wächst einfach der Markt, der Konsum steigt. Wir sehen und prognostizieren das. Wir wollen auf die Erhöhung des Verbrauchs vorbereitet sein.

In dieser Hinsicht ist es meiner Meinung nach äußerst wichtig, dass wir erkennen, dass sich die Struktur ändern wird. Ja, in ferner Zukunft ist das unvermeidlich, und wir müssen auch darauf vorbereitet sein. Aber die Struktur der russischen Energiewirtschaft ist eine der grünsten der Welt. Schließlich kommt ein wesentlicher Teil unserer Energie woher? Vom umweltfreundlichsten und saubersten der Kohlenwasserstoffe.

Ich habe darüber bereits gesprochen, Sie alle verstehen das sehr gut. Es ist gut, Elektroautos zu kaufen, aber woher kommt der Strom? Nicht aus der Steckdose. Der Strom kommt aus Kraftwerken. Aber wenn das Kraftwerk mit Kohle oder Heizöl betrieben wird, ist es egal, wie viele Elektromobile verwendet werden, die Situation auf dem Planeten als Ganzes wird sich nicht verbessern, wenn die primäre Energiequelle Schadstoffe sind.

Wir in Russland setzen sehr umfangreiche Pläne um, um die Situation zum Besseren zu verändern. So planen wir in naher Zukunft, dass unsere 300 größten Verschmutzer bis Ende nächsten Jahres notwendigerweise die besten Technologien der Welt einführen, die die Emissionen in 12 Städten bis 2024 deutlich reduzieren werden – um die Hälfte und bis 2030 nicht nur in diesen 12 Städten, sondern im ganzen Land. Wir werden das natürlich umsetzen.

Wir werden uns auch mit Wasserstoffenergie befassen, wir werden uns mit Solar- und Windenergie befassen. Unsere Unternehmen, die an diesen neuesten Technologien arbeiten, entwickeln sich nicht nur in Russland erfolgreich, sondern treten bereits in die Weltmärkte ein. Wir werden sie unterstützen. Daran besteht kein Zweifel.

Moderator: Wladimir Wladimirowitsch, wir sehen aus der Sicht einer Bank, dass große Investitionen in die Öl- und Gasverarbeitung in Russland geflossen sind. Sowohl im Fernen Osten als auch übrigens in Europa. Also wird sich der Saldo der Ausfuhr von Öl und Gas auf Erdölprodukte und Gasprodukte verlagern.

Wladimir Putin: Ja. Aber unser Kollege hat sicherlich Recht. Ich spüre seine Sorge, dass ein großer Teil unserer vielversprechenden Projekte in die Arktis verlagert wird. Wir sind uns dessen bewusst, lieber Kollege, dass die Einhaltung der Sicherheit in der Arktis sichergestellt werden sollte. Die Ökologie dort ist sehr zerbrechlich, es ist eine sehr zerbrechliche Natur. Wir müssen und werden alles tun, um sicherzustellen, dass die notwendigen Umweltstandards eingehalten werden. Aber die Mengen unserer Produktion werden immer mit den Bedürfnissen des Weltmarktes entsprechen.

Moderator: Kann ich Ihnen eine Frage stellen? Kürzlich fand ich die Informationen, dass vor 10 Jahren unter den weltweit 10 größten Unternehmen nach Kapitalisierung vier Ölfirmen und nur zwei digitale Firmen waren. Jetzt ist nur noch eine Ölfirma übrig, Aramco, und bereits sechs sind digital. In Russland sind acht der zehn größten Unternehmen nach Kapitalisierung im Rohstoffbereich tätig, fünf davon Ölfirmen und nur eine, Yandex, ist eine digitale Firma. Sehen Sie, wie sich diese Situation in 10 Jahren ändern wird? Werden wir andere große digitale Unternehmen haben?

Wladimir Putin: Ich hoffe es. Yandex entwickelt sich gut. Ich hoffe, dass die Partner keine nichtkommerziellen, nicht marktüblichen Instrumente im Wettbewerb mit Yandex einsetzen werden. Aber ich habe keinen Zweifel daran, dass Yandex wachsen wird und unsere anderen Unternehmen – Mail.Ru, Rostelecom und auch Sberbank – haben sehr gute Aussichten. Wir werden in jeder Hinsicht zu ihrer Entwicklung beitragen. (Anm. d. Übers.: Die Sberbank ist Russlands größte Bank, die sich – neben dem Bankgeschäft – sehr stark in den Bereich der digitalen Technologien entwickelt)

Moderator: Großartig. Vielen Dank.

Nächste Frage, Kollegen. Bitte. Wir arbeiten hier schon seit einiger Zeit, aber trotzdem bleibt noch ein wenig Zeit, machen Sie aktiv mit. Wer kommt als nächstes?

Rose: Herr Präsident, vielen Dank für Ihre Zeit.

Mein Name ist James Rose, ich arbeite in London, bei GSA Capital.

Meine Frage ähnelt der letzten.

Das Europäische Parlament hat beschlossen, die CO2-Emissionen bis 2030 um 60 Prozent zu senken. Strebt Russland dasselbe Ziel an?

Sie haben über die Arktis gesprochen. Natürlich haben viele Unternehmen negative Auswirkungen auf die Natur in der Arktis. Das liegt nicht an den Notwendigkeiten der Produktion, sondern daran, dass die Unternehmen die Kosten minimieren wollen. Könnten Sie den Regulierungsdruck auf solche Unternehmen erhöhen? Planen Sie die Gründung neuer Unternehmen oder verfolgen Sie den Weg der Transformation bestehender Unternehmen?

Wladimir Putin: Unternehmen gründen, um Lagerstätten in der Arktis zu entwickeln?

Rose: Nein, ich spreche eher von Emissionen in der Arktis von vielen Unternehmen, von Emissionen von Unternehmen in der Arktis.

Wladimir Putin: Wissen Sie, ich kann nicht feststellen, dass unsere Unternehmen Gase in der Arktis emittieren.

Was die Arktis-Projekte betrifft, so werden diejenigen, die derzeit umgesetzt werden oder umgesetzt sind, auf der Grundlage modernster Technologien realisiert. Nehmen wir beispielsweise Yamal LNG oder Arctic LNG 2, das Novatek mit seinen französischen und chinesischen Partnern realisiert. Es gibt nichts dergleichen, es gibt keine Emissionen. Ich war dort und habe es gesehen. Eine ganze Stadt wurde in der Arktis gebaut, das ist wahr. Aber das sind sehr moderne Unternehmen, die alle Anforderungen der Umweltverträglichkeit erfüllen, absolut alle. Um ehrlich zu sein, sehe ich hier keine Risiken.

Was die Aktivitäten der Ölgesellschaften betrifft, so wurden erst die ersten Schritte getan, aber auch nur auf der Grundlage modernster Technologien.

Nun zu den europäischen Forderungen. Europa lebt sein eigenes Leben und entwickelt seine eigenen Verhaltensregeln und Normen, woran es natürlich keinen Zweifel gibt. Europa ist der größte Markt der Welt und die größte Volkswirtschaft, das vereinte Europa ist eine der größten Volkswirtschaften der Welt und unser größter Partner. Wir sind Verpflichtungen im Rahmen der Pariser Abkommen eingegangen, die ich bereits erwähnt habe, einschließlich der Verringerung der Emissionen im Vergleich zu 1990. So wie wir das Kyoto-Protokoll eingehalten haben, werden wir sicherlich alle unsere Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen einhalten. Das ist nicht nur eine Hommage an Trends in der Weltwirtschaft und in der Weltpolitik. Wir sind selbst daran interessiert. Ich habe es bereits gesagt, und die Kollegen haben den Permafrost in unserer heutigen Diskussion erwähnt. Das ist in der Tat eine echte Herausforderung für uns, wir verstehen das vollkommen, und wir werden das tun, wir werden diese Emissionen reduzieren. Ich habe bereits unsere Pläne für 300 Emittenten erwähnt, von denen viele übrigens im Norden arbeiten, auch die 12 unserer größten Städte, in denen diese Unternehmen tätig sind, um die Situation dort in naher Zukunft – ein oder zwei Jahre – zu verbessern. Und dann, bis 2024, bis 2030, geht es um die Verringerung der Emissionen im ganzen Land – wir werden das tun. Aber natürlich können wir uns nicht nur auf die Normen konzentrieren, die die Europäische Union da generiert. Aber ich wiederhole noch einmal: Meiner Meinung nach müssen unsere Partner selbst sehen, wie effektiv es bei ihnen funktioniert.

Ich sehe gewisse Schwierigkeiten. In einigen Ländern geben sie die Atomkraft und die Kohle auf. Der sauberste Kohlenwasserstoff ist Gas, es verursacht fast keine Emissionen. Ich verstehe nicht, warum in einigen Ländern, die für die saubere Umwelt kämpfen, die Frage der Begrenzung der Verwendung von Gas besprochen wird. Ich kann diese Position nur durch politische Erwägungen erklären. Wenn tatsächlich jemand für die Umwelt, für den Umweltschutz kämpft, sollte im Gegenteil alles getan werden, um sicherzustellen, dass internationale multilaterale Gasprojekte durchgeführt werden, denn es ist der sauberste Kohlenwasserstoff und der effektivste im Hinblick auf die wirtschaftliche Nutzung.

Ich denke daher, dass wir uns trotz aller Schwierigkeiten der heutigen Zeit im Dialog befinden und in der Wirtschaft verbunden sind und trotz der Pandemie und unseren politischen Auseinandersetzungen und Widersprüche, schließlich aus rein wirtschaftlichem Interesse, hinter dem das Wohlergehen von Millionen von Menschen sowohl in Russland als auch in Europa steht, dass sich schließlich dieses gemeinsame Verständnis gegenseitiger Interessen seinen Weg bahnen wird, wie unsere Eisbrecher sich in der Arktis ihren Weg bahnen, und dass wir eine gemeinsame Lösung finden werden.

Moderator: Wladimir Wladimirowitsch, schauen Sie, im 20. Jahrhundert hat die Menschheit ständig neue Energiearten erfunden und bewegte sich insgesamt von weniger effizienten zu effizienteren und kam zur Kernenergie, die damals unbegrenzt schien, ihre Möglichkeiten waren riesig. Und jetzt, im 21. Jahrhundert, gehen wir irgendwie rückwärts. Was haben wir? Vor allem Windmühlen, auf Island Vulkane. Die Sonne dort, wo sie scheint. Wenn Sie im Helikopter über europäische Länder fliegen, denkt man, dass gleich Don Quijote um die Ecke kommt, weil es dort nur noch Windmühlen, nein Windparks, gibt. Ist das der einzige Weg, den man gehen kann? Schließlich gibt es vielleicht andere Möglichkeiten, effektivere, weil sich heute nur die sehr reichen diese Art von Energie leisten können. Die Menschheit sollte wahrscheinlich weiterhin darüber nachdenken, welche Arten von Energie über diese erneuerbaren Energien hinaus genutzt werden können, die wir schon seit Hunderten von Jahren kennen.

Wladimir Putin: Vielen Dank für den Pass, den Sie mir zugespielt haben. Aber ehrlich gesagt, stimme ich Ihnen nicht zu. Ich bin mehr, egal wie seltsam es erscheinen mag, auf der Seite…

Moderator: „Grün“?

Wladimir Putin: Ja, auf der Seite einiger unserer europäischen Partner. Andrej Ramowitsch, der erste stellvertretende Ministerpräsident, hat bereits über unsere „grünen Anleihen“ gesprochen. Das ist eines der Instrumente zur Unterstützung der Unternehmen, die im Energiesektor tätig sind.

Moderator: Wir kaufen die Anleihen.

Wladimir Putin: Aber Sie haben gesagt, dass die Sonne dort effektiv ist, wo scheint. Sie scheint überall.

Jetzt sprach der Kollege über unsere Arbeit in der Arktis und ich habe sie auch erwähnt. Es ist seltsam, ich fand es seltsam, dass Sonnenkollektoren sogar eingesetzt werden, um einige unserer Infrastrukturanlagen in der Arktis zu heizen, etwa für Heizungsleitungen und so weiter. Und selbst in der Arktis gibt es genug Sonne, um dieses Problem zu lösen. Und es gibt keine Notwendigkeit, in den Himmel zu rauchen und die Ökologie mit zusätzlichen Tonnen von Emissionen zu belasten. Das ist übrigens auch teilweise die Antwort auf die soeben gestellte Frage. Und das passiert hier, wir machen das jetzt. Da wird Gas gefördert, aber die Rohrleitungssysteme werden durch Sonnenkollektoren beheizt.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Dort gibt es auch ein Kapitel über die Migrationskrise in Europa, wo sie erfahren können, was Putin dazu sagt. Das Thema Terrorismus zieht sich natürlichm wie ein roter Faden durch das Buch und Putins Lösungsvorschläge unterscheiden sich in überraschender Weise von denen der westlichen Politiker.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

8 Gedanken zu „Putin im O-Ton über Wirtschaft und Umweltschutz“

  1. Das ist echt übel! Ich hätte erwartet, dass sich Putin zur Kernenergie bekennt. Aber Fehlanzeige. So folgt er dem fatalen Weg der Deindustrialisierung Europas. Leider redet er immer noch von „Partnern“. Dabei sind das die Feinde Russlands. Aber man muss sich wohl alle Beleidigungen gefallen lassen, wenn man „Investitionen“ aus dem Ausland einwerben will.

    1. Solange Präsident Putin, auf dem Spielfeld, der Todfeinde Russlands, der Herren“““menschen“““Dynastien, der City und Wall Street, mitspielen will, ist Er auf die Spielregeln, der Betreiber dieses Spiels festgelegt.

        1. Zu kurz gedacht: Putin macht doch seine Aussagen nicht für Deutschland. Außerhalb Deutschlands gibt es die Hysterie um Atomenergie kaum. In Frankreich zB wird der größte Teil des Stroms in AKWs produziert, wo sind die Proteste? In Russland hat damit auch kaum jemand ein Problem, oder in China oder den USA oder den meisten EU-Ländern.

  2. *** sechs sind digital ***
    Ja wie und womit, sollten SIE denn sonst, die Digitale Diktatur und die Pläne zur Tranzhumanistischen Zukunft der Menschheit Organisieren. Dafür sind diesen Neuen Pharaonen, die Gigantischen Billionen Summen, von den Herren“““menschen“““Dynastien zugeschoben worden.
    Von den auch nur quasi Demokratischen Strukturen, ihrer Herrschafts-ausübung, haben sie sich schon lange verabschiedet, sie herrschen, nun wieder, mit einem Feudalen System, wo die Pharaonen, wie der für Krankheit zuständige Bill Gates, seiner Menschen Herde, direkt über öffentliche Medien Verkündet, was Er, für IHRE Zukunft bestimmt hat.

  3. Das ist natürlich keck vom Giancarlo Perasso, dass er Russland empfiehlt, endlich mal nachzudenken über seine Förderung fossiler Energieträger. Es wäre sensationell gewesen, wenn Putin sich am Kinn gekratzt und dann gesagt hätte: Wissen Sie, SO habe ich das eigentlich noch nie gesehen, aber wenn Sie schon fragen…

    Der Mann von PGIM sollte sich über den Tenor der Antwort nicht wundern. Hat er bestimmt auch nicht.

    ICH allerdings habe mich über die Details der Antwort gewundert, zumal Putin sagt, dass er diese Fragen erwartet hat. Da hätte man eine bessere Vorbereitung darauf erwartet.

    Wenn Putin sagt, Russland handele nach den Prognosen zum internationalen Öl- und Gasverbrauch, dann ist das für mich nachvollziehbar. Es gibt eine Nachfrage oder eben keine – ich würde die ganze Verantwortung für die Konsequenzen des Verbrauchs nicht allein bei den Förderländern abladen, sondern vornehmlich bei denen, die das Zeug verbrauchen oder verbrennen.

    Allerdings nicht ausschließlich. Denn ebenso, wie man sich die Wertschöpfungskette von den saudiarabischen Erdölquellen bis hin zum Heizöltanklaster vor dem deutschen Einfamilienhaus ansehen und den Barrel- und schließlich den Literpreis wachsen sehen kann, so kann man sich auch die Energieverluste ansehen, die auf diesem Weg passieren: Pumpen, die das Rohöl auf den Tanker verladen, brauchen Strom. Der Tanker braucht Schweröl als Antrieb. Die Raffinerie braucht Energie für den Raffinadeprozess, Öl-Pipelines und Züge mit Öl-Kesselwagen benötigen Pump- bzw. Antriebsenergie, und schließlich der LKW, der das Zeug beim Endverbraucher abliefert: Das alles zehrt am Energiegehalt dessen, was aus der Erde geholt worden ist. Nicht in dieser Aufzählung enthalten sind Leckagen. Ich weiß nicht, welche Rolle diese beim Öl spielen; das ergibt ja meist ziemlich schnell eine ziemlich große Schweinerei und wird darum oft sichtbar. Beim Gas ist das anders. Es ist farb- und geruchlos, und wenn eine Pipeline ein Loch hat oder, schlimmer noch, viele kleine, dann kriegt man das nur mit, indem man am Anfang und Ende der Pipeline nachmisst. Und wenn die Ortung und Reparatur der Leckagen zu aufwändig ist im Vergleich zu den Verlusten, dann wird ein wirtschaftlich operierendes Unternehmen die Verluste in Kauf nehmen.

    Putin sagt hierzu „Wissen Sie, ich kann nicht feststellen, dass unsere Unternehmen Gase in der Arktis emittieren.“ Nein, kann er natürlich nicht. Aber es würde mich wundern, wenn er es sicher ausschließen könnte. Ich war 2008 in Russland, u.a. in Schachty; das liegt bei Rostow/Don. Da habe ich der ganzen Stadt oberirdisch verlegte Gasleitungen gesehen, also jedenfalls nehme ich an, dass es Gasleitungen waren, denn Wasserleitungen würden ja im Winter kaputtfrieren. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass da nix verloren geht, so … – nun ja – marode, wie das aussah.

    Aber damit nicht genug. Putin hat explizit die Unternehmen Yamal LNG und Arctic LNG 2 erwähnt. Was die im Detail machen, weiß ich natürlich nicht, aber da er im Kontext von Gasförderung sprach, nehme ich an, dass die Abkürzung LNG für liquid natural gas steht, und sibirische Kälte reicht nicht aus, um Gas zu verflüssigen; da braucht’s mehr Minusgrade. Die Verflüssigung von Gas ist ein energieintensiver Prozess; das ist der Grund, warum US-amerikanisches Frackinggas nicht konkurrenzfähig ist mit russischem Pipelinegas. Die Energie, die zur Kompression und Verflüssigung von Gas erforderlich ist, wird vermutlich direkt aus Gas gewonnen; man kann mit dem Gas Turbinen antreiben, und ohne einen Umweg über Generatoren und Motoren kann man damit die Kältemaschinen antreiben (wie’s tatsächlich gemacht wird, weiß ich nicht). Und dabei entstehen selbstverständlich Emissionen. Also gibt es sie. Mit Sicherheit. Also ist es nicht wahr, wenn er sagt: „Es gibt nichts dergleichen, es gibt keine Emissionen.“

    Die nächste angreifbare Aussage lautet: „Der sauberste Kohlenwasserstoff ist Gas, es verursacht fast keine Emissionen.“ Der erste Halbsatz stimmt, denn je kürzer die CH-Kette ist, desto geringer ist der Kohlenstoffanteil im Molekül und desto „gasförmiger“ ist der Stoff (d.h., längerkettige Kohlenwasserstoffe sind flüssig, noch längere fest (Teer, Paraffin)). Methan, Hauptbestandteil des Erdgases, hat nur 1 Kohlenstoffatom und 4 Wasserstoffatome. Zwar entsteht bei der Verbrennung von Gas auch Wasserdampf als Emission, aber am Erdboden und in der Troposphäre kann man die Wasserdampfemissionen vernachlässigen, weil sie im Zweifelsfall abregnen. Im Flugverkehr ist das anders, denn die meisten Flüge finden oberhalb der Troposphäre statt, also kann Wasserdampf dort nicht abregnen, und Wasserdampf ist ein starkes Treibhausgas; ohne Wasserdampf in der Atmosphäre wäre die Erde fast ein Eisplanet. – Aber Methan enthält eben auch 1 Kohlenstoffatom, und dessen Brennwert ist deutlich höher als der von 1 Wasserstoffatom. Das läuft am Ende darauf hinaus, dass bei der Verbrennung von Gas ungefähr der halbe Treibhauseffekt entsteht wie bei der Verbrennung von Kohle. Das setzt allerdings zwei Dinge voraus: Erstens muss der Wirkungsgrad der Energienutzung derselbe sein – das schafft Gas mühelos, weil GUD-Kraftwerke i.d.R. einen höheren Wirkungsgrad haben als Kohlekraftwerke -, und zweitens darf von der Förderquelle bis zum Kraftwerk kein Gas in die Atmosphäre entwichen sein. Wenn das doch geschieht – und das tut es unvermeidlich; die Frage ist nur, in welchem Maße -, entfaltet unverbranntes Methan einen Treibhauseffekt, der ungefähr 100x so hoch ist wie der von CO2. In den meisten Publikationen ist von einem 23-30-fach höheren Treibhauseffekt die Rede, und das ist dann richtig, wenn man berücksichtigt, dass infolge ultravioletter Strahlung in der Atmosphäre das Methan nach und nach oxidiert wird – zu Wasserdampf und CO2 -, aber das geschieht so langsam, dass man von einer Verweildauer von vielen Jahren ausgeht, und wenn man über diese Dauer den Faktor 100 quasi „abzinst“, kommt man auf den Faktor 23 oder so. Tja, und Faktor 23 ist ziemlich viel. Wenn da nur 2 Prozent auf dem Weg von Sibirien bis zum deutschen Gasherd verloren gehen, sind wir schon bei der ganz normalen dreckigen Kohle angekommen, denn 2*23 + 50 Prozent sind fast 100.

    Putin sagt, er verstehe nicht, warum in einigen Ländern die Frage der Begrenzung von Gas besprochen wird. Ich denke, das ist auch nicht so einfach zu verstehen, denn da spielt natürlich viel Politik mit rein. Die einen sagen, Gas sei eine Brückentechnologie. Na ja, Brücke dann, wenn wirklich nix verloren geht. Aber weil man das eben nicht so genau weiß – manche behaupten auch, ganz sicher vom Gegenteil zu wissen – und weil man sagt: Wenn wir Paris einhalten wollen, müssen wir 2030 oder 2040 oder 2050 bei 0 angekommen sein (eigentlich noch früher), und spätestens dann ist auch Gas keine Option mehr, und wenn wir jetzt große Gas-Kraftwerke hochziehen, dann können die sich nur rentieren, wenn sie wenigstens 40 Jahre laufen, also funktioniert dieses Business-Modell nicht. Also lehnen sie das ab.

    Putin ist nicht allwissend, und er ist intelligent genug, das zu wissen. Es mag Leute geben, die auf sein Wort hören wie früher die Griechen auf Delphi. Aber ich denke, jeder Politiker ist gut beraten, wenn er im Blick behält, was er NICHT weiß. Wenn er sich dann trotzdem zu solchen Dingen äußert, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Er blufft oder er rät (vermutet). Beides ist ziemlich blöd, denn beim Bluffen muss nur einer kommen, der anders lautende Fakten kennt und sie laut genug äußert, und schon ist der Bluff aufgeflogen. Und wenn man falsch rät, beschädigt verlautbarte Sachkompetenz ebenfalls zumindest die Aura. Man kann natürlich dreist lügen und Kritik unterdrücken. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass Putin Kritik – etwa in den Medien – unterdrückt. Also hätten solche Lügen kurze Beine. Wie man es dreht oder wendet: Wenn er sich darauf beschränkt hätte zu sagen: „Wir machen hier unser Ding, und wenn die Welt unser Öl und Gas nicht mehr will, werden wir es natürlich niemandem aufdrängen.“, dann wäre er sauber aus der Frage herausgekommen.

    Der Moderator hat Putin dann mit seiner letzten, m.E. ziemlich schwachsinnigen Frage („Don Quijote“) Gelegenheit gegeben, sein Image nach der vorangegangenen Antwort wieder aufzubessern. Vielleicht ist diese meine Anmerkung im Gesamtzusammenhang meines Beitrags nicht so erheblich, aber die Frage der Effizienz (im Sinne vom Verhältnis zwischen Energieertrag zum Energieeinsatz) stellt sich bei erneuerbaren Energien nicht. Die pflanzliche Photosynthese nutzt nur wenige Prozent der eingestrahlten Sonnenenergie. Na und? Sie funktioniert. Die Photovoltaik nutzt nur zehn bis 20 Prozent. Na und? Vielerorts rechnet sie sich, kommt also inzwischen ohne Förderungen und Einspeisevergütung aus. In Marokko reden wir von unter 2 Cent/kWh, in Deutschland von 4-6 (bei großen Freiflächenanlagen). Da kommen einem deutschen Stromkunden doch die Tränen. Und ein modernes Kohle- oder gar Gaskraftwerk kann da nicht mithalten. Es geht also gar nicht um die Energieeffizienz, sondern um die Kosteneffizienz. Mag sein, dass russische Gaskraftwerke noch günstiger sind, weil sie das Gas nicht importieren müssen. Aber für westeuropäische Importeure ist dies kein reales Szenario.

    1. Die neuen Energien rechnen sich, aber nur für die Erbengeneration der Grünen, weil WIR ALLE diese Exorbitante Verzinsung ihres Erbes BEZAHLEN müssen.
      Zu Energie aus der Sahara, nur so viel, das festhalten an der Drehstrom Übertragung, von Afrika nach Europa, erbringt nicht tolerierbare Leitungsverluste. Eine fast Verlustfreie Koaxiale Übertragung, nach Nicola Tesla, wird von den Mächtigen ignoriert.

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