Russische Hilfsmission für Italien: Die russischen Spezialisten sind nach Russland zurückgekehrt

Der Aufschrei in den westlichen Medien war groß, als Russland Italien in der Coronakrise zur Hilfe gekommen ist, nachdem Italiens Hilferufe in der EU auf taube Ohren gestoßen sind. Nun ist die russische Mission von den Medien unbeachtet zu Ende gegangen.

Da sich wahrscheinich die meisten Leser noch an die Medienkampagne wegen Russlands Hilfe für Italien erinnern, will ich darauf nicht noch einmal eingehen. Die Hilfsmission des russischen Armee für Italien ist nun beendet worden und ich habe dazu einen Bericht des russischen Fernsehens aus der sonntäglichen Sendung „Nachrichten der Woche“ übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Mit dem Gefühl, ihre Pflicht erfüllt zu haben, kehrten die ersten beiden Flugzeuge mit Ärzten und Militärspezialisten nach Russland zurück, nachdem sie anderthalb Monate lang in Italien gegen das Coronavirus gekämpft haben. Die selbstlose Geste der Solidarität von Seiten Russlands wurde im Apennin hoch geschätzt, wo der Höhepunkt der Epidemie bereits vorüber ist und die Zahl der Infektionen zurück geht.

Am 9. Mai sollten sie alle auf dem Roten Platz sein: sowohl unser Militär als auch die Italiener. Aber im Jahr 2020 gibt es in Europa einen anderen Feind und andere Umstände. Und wie vor 75 Jahren kämpfen Italiener und Russen gemeinsam. Mit Zeremonien auf dem Friedhof in Mailand und auf dem Ruhmesfeld, wo sowjetische Soldaten und italienische Partisanen begraben sind, endet die Mission „Liebesgrüße aus Russland“. Kränze werden in Masken niedergelegt, der Abstand wird eingehalten.

„Wir machen das in einem Jahr. Das Datum tragen wir in unseren Herzen. Wir wissen, welchen Beitrag die sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg zur Befreiung Italiens geleistet haben“, sagte Piero Beldi, Kommandant des Verbandes „Alpenstern“.

Seit fast zwei Monaten befreit unser Militär die Lombardei von dem Virus. Das letzte Objekt ist eine Pension in Luinzano. Der Befehl „Aufsitzen“ ertönte erst, als die Aufgaben erledigt waren.

Alles begann schnell und spontan. Ein Telefonat des russischen Präsidenten mit dem italienischen Ministerpräsidenten. Und schon einen Tag später landeten russische Flugzeuge auf dem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe von Rom. Unsere Gruppe wurde auf dem Rollfeld wurde vom italienischen Außenminister empfangen, der dabei die Live-Übertragung im Fernsehen kommentiert hat. Am Ende waren es 17 Flugzeuge. Sie brachten nach Italien, was angefordert wurde: Masken, Beatmungsgeräte, Ärzte und Ausrüstung zur Desinfektion von Straßen und Gebäuden. Natürlich wurden unsere Soldaten in die Hotspots geschickt. Was in Bergamo geschah, ist immer noch unbeschreiblich.

Altenheime und Pensionate wurden desinfiziert. Bis das mobile Krankenhaus einsatzbereit war, waren das die wichtigsten Aufgaben, denn in manchen Altenheimen sind in einem Monat fast die Hälfte der Insassen gestorben. Besuche von Verwandten waren noch nicht verboten, aber das Virus war bereits aktiv. Jeder weiß hier heute, was das Virus mit denen macht, die Vorerkrankungen haben. Die Desinfizierung war strategisch wichtig, um die Infektionen zu stoppen.

Unsere Soldaten haben nicht nur gearbeitet, sie haben auch gelernt. Als die Gruppe landete, war es in Russland noch ruhig. In den kleinen italienischen Städten wurden neue Methoden erarbeitet, um Einrichtungen in Gegenwart der Patienten zu desinfizieren, ohne die Pflegeheime zu evakuieren. Es gibt dort bettlägrige Patienten und isolierte Bereiche für COVID-19-Patienten.

Das ist das Feldlazarett, das wir den Italienern überlassen, wenn unsere Leute abfliegen. Es hat 115 Patienten beherbergt, darunter schwere Fälle. Acht Brigaden mit Ärzten, Krankenschwestern, Virologen und Übersetzern arbeiteten rund um die Uhr in drei Schichten Seite an Seite mit den Italienern.

„Es war eine sehr berührende, schöne Geste! Es war sehr schwierig für uns, uns fehlte medizinisches Personal. Es kam von Herzen“, sagte eine italienische Krankenschwester.

Hier verabschiedeten sie sich. Zuerst eine Zeremonie vor dem Krankenhaus in Bergamo. Dann eine weitere bei unserer Basis. An unsere Anwesenheit hat man sich hier gewöhnt. Und sogar an die schwierigen russischen Namen, wie Anastasia, Tatjana oder Denis. Sie wurden auf einfach mit Marker auf die Schutzanzüge geschrieben.

„COVID-19 hat ganz Europa getroffen, aber Sie sind es, die zu uns gekommen sind. Und Sie sollten stolz darauf sein, was Sie hier getan haben, wie Sie uns geholfen haben“, sagte Luciano Portolano, Leiter des Kommandos für Operationen der italienischen Streitkräfte.

Das russische Militär verlässt ein sich erholendes Italien. Zwei Monate Arbeit, in denen 93 Ortschaften und 119 Gebäude desinfiziert wurden, mehr als eine Million Quadratmeter an Straßen und auch Fahrzeugen des öffentlichen Nahverkehrs. Die Mission wurde erfüllt.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

2 Antworten

  1. „„COVID-19 hat ganz Europa getroffen, aber Sie sind es, die zu uns gekommen sind. Und Sie sollten stolz darauf sein, was Sie hier getan haben, wie Sie uns geholfen haben“, sagte Luciano Portolano, Leiter des Kommandos für Operationen der italienischen Streitkräfte.“
    Mehr muss gar nicht gesagt werden!

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