Russische Medien: „Was ist los mit Erdogan?“

Natürlich war die Verschärfung der Lage in Syrien am Sonntag auch Thema in der russischen Sendung „Nachrichten der Woche“.

Inzwischen ist bekannt geworden, dass Putin und Erdogan sich am 5. März in Moskau treffen werden. Vor diesem Hintergrund ist es interessant, wie das russische Fernsehen über die Eskalation in Syrien berichtet. Daher habe ich den Bericht des russischen Fernsehens zu dem Thema übersetzt. Besonders interessant ist dabei der Bericht des russischen Korrespondenten in Syrien, da westliche Medien keine Journalisten in Syrien haben und es daher auch keine Berichte aus Syrien, sondern nur über Syrien gibt. Der Bericht des Korrespondenten dürfte mit meiner Übersetzung auch ohne Russischkenntnisse verständlich sein.

Beginn der Übersetzung:

Schlechte Nachrichten aus der syrischen Provinz Idlib. „Nachrichten der Woche“ hat bereits berichtet, dass die Türkei dort ein massives Kontingent ihrer Truppen zusammengezogen hat, angeblich um ihre Beobachtungsposten zu schützen. Aber die Beobachtungsposten der Türkei sind nicht bedroht, ihre Koordinaten sind bekannt und die syrische Armee und die russischen Streitkräfte umgehen sie. Gemäß der getroffenen Vereinbarungen sollte kein türkisches Militär in Idlib sein.

Das wurde bei der Sitzung des russischen Sicherheitsrates am Freitag, die übrigens von Präsident Putin unmittelbar nach einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan abgehalten wurde, unterstrichen. Erdogan hat Putin selbst angerufen. In dem Gespräch wurde betont, wie wichtig es ist, die Koordinierung zwischen den Militärs beider Länder zu verbessern.

Und das alles, weil am Vortag 30 oder 33 Soldaten der türkischen Armee in Idlib durch syrische Luftangriffe ums Leben gekommen sind. Solche Verluste hatte Erdogan in Syrien schon lange nicht mehr. Im Namen Russlands drückte Sergej Lawrow sein Beileid aus. Gleichzeitig erklärte Lawrow, dass das türkische Militär seine Koordinaten unter Missachtung der Abkommen nicht mitgeteilt habe. Aber es ist nur das halbe Problem. Schlimmer ist, dass die Opfer mit Terroristen Schulter an Schulter gekämpft haben.

„In den mitgeteilten Koordinaten waren die Orte, an denen das türkische Militär, das in den Reihen terroristischer Gruppen gekämpft hat, nicht enthalten. Wir haben unsere syrischen Kollegen gebeten, eine Pause in den Kämpfen einzulegen und alles getan, um die sichere Evakuierung der Verwundeten und den Abtransport der Leichen der toten türkischen Soldaten auf türkisches Territorium zu gewährleisten“, sagte der russische Außenminister.

So sieht es aus. Als Folge dieses Angriffs war die syrische Armee gezwungen, die wichtigte Stadt Saraqib den Terroristen zu überlassen, die vor drei Wochen zurückerobert worden war. Dieser Ort ist von grundlegender Bedeutung, da die Straße Damaskus-Aleppo von dort aus kontrolliert wird. Jetzt ist der Verkehr zwischen den beiden größten Städten Syriens unterbrochen. (Anm. d. Übers.: Am Montag wurde gemeldet, dass Syrien den Ort wieder eingenommen hat)

Erdogan, der seine im September 2018 in Sotschi eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllt hat, beeilte sich, die NATO zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen zu rufen. Die Alliierten haben ihm ihr Mitgefühl ausgesprochen und zu einem sofortigen Waffenstillstand in Idlib aufgerufen, aber die Anwendung von Artikel 5 der Charta, die militärische Hilfe der Allianz im Falle eines Angriffs auf einen der Mitgliedsstaaten vorsieht, wurde nicht angewendet, denn niemand hat die Türkei angegriffen. Sie ist selbst, sozusagen, „zu Gast“.

Aus Syrien berichtet unser Korrespondent Evgeny Poddubny.

Die Türkei hat Syrien noch nicht den Krieg erklärt, aber es ist eine umfassende Invasion in die Arabische Republik und nicht nur der Versuch, eine der abscheulichsten Terrorgruppen der Welt vor der Niederlage zu bewahren. Die Operation wurde von Ankara sogar „Frühlingsschild“ genannt. Den Namen hat man sich wohl in aller Eile ausgedacht.

Türkische Militärs haben zwei syrische SU-24 am Himmel über Idlib abgeschossen, die Piloten konnten sich mit dem Schleudersitz retten. Das türkische Verteidigungsministerium sagt, dass die Frontbomber abgeschossen wurden, als sie versuchten, türkische Kampfjets anzugreifen. Das ist eine lächerliche Erklärung.

Syriens Verteidigungsministerium sagt, das Leben der Offiziere sei nicht in Gefahr. Die Regierung hat den syrischen Luftraum geschlossen, alle unfreundlichen Flugzeuge würden zerstört, meldet Damaskus.

Türkische Raketenartillerie beschießt die syrische Armee. Die Raketenwerfer vom Typ T-300 mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern sind mit Raketen mit Streubomben ausgestattet. Das ist kein hybrider Krieg mehr, jetzt kämpfen türkische Soldaten zusammen mit Gruppen von syrischen Radikalen.

Diese Aufnahmen, die von Ankara verbreitet werden, zeigen, wie die Türkei das syrische Militär aus der Luft ins Visier nimmt. Das türkische Verteidigungsministerium setzt bewaffnete Drohnen ein. Es sind mehr als ein Dutzend türkische Drohnen gleichzeitig am Himmel über Idlib aktiv.

Diese Bilder zeigen Drohnen, die von der türkischen Armee am syrischen Himmel eingesetzt werden. Es gibt mehrere Modifikationen der von Turkish Aerospace Industries produzierten Drohnen, die eine Nutzlast, also Raketen und Bomben, von zweihundert Kilogramm tragen können. Ihre Flughöhe beträgt 9 Kilometer. Diese Bayraktar TB2 Drohne kann für 24 Stunden in der Luft bleiben, unter dem Flügel trägt sie Anti-Panzer-Raketen und kann sie aus einer Höhe von mehr als 6.000 Metern abfeuern. Das türkische Verteidigungsministerium setzt auch verschiedene Aufklärungsdrohnen ein.

Obwohl ein Teil der von Ankara veröffentlichten Videos alt sind, läuft der Informationskrieg weiter. Die Türkei hat den Einsatz in Idlib so weit wie möglich erhöht. Dabei kämpft sie gegen eine syrische Armee, die technisch 30 Jahre im Rückstand liegt. Immer wieder stoppt sie Angriffe der militanten, terroristischen Gruppen, die mit türkischer Unterstützung operieren.

Am schwierigsten ist die Situation in der Gegend von Saraqib. Das ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, an dem die Autobahn M4 Latakia-Aleppo und die M5 Damaskus-Aleppo liegt. Hier finden die heftigsten Schlachten statt, hier ist auch der Ort der größten Aktivität der türkischen Streitkräfte. Und hier hat Ankara die größten Verluste.

Die Türkei hat bereits den Tod von mehr als 30 Soldaten in der Provinz Idlib zugegeben, aber Experten sagen, dass die Zahlen untertrieben sind. Die Verantwortung für den Tod der türkischen Soldaten in Idlib liegt bei der politischen Führung der Türkei.

Soldaten und Offiziere der türkischen Streitkräfte kämpften zusammen mit der Terrorgruppe Hay’at Tahrir al-Sham, aber aus offensichtlichen Gründen wurde das russische Versöhnungszentrum nicht informiert, das die Hauptkoordinierungsstelle ist. Daher waren die Angriffe des syrisches Militärs gerechtfertigt. Dieser Schlag zwang das türkische Militär übrigens, vor Ort vorsichtiger zu handeln.

Aber solche Beweise für die aktive Beteiligung der Türkei an den Aktionen von Terroristen interessiert sich niemand. Je weiter Ankara im wörtlichen und im übertragenen Sinne nach Idlib eindringt, desto mehr Schaden nimmt die Reputation der Türkei. Das sind Aufnahmen von der Behandlung von Gefangenen durch das türkische Militär: Die Soldaten schlagen gerade einen Syrer. Sogar der Militante versucht die Gäste in Idlib zu besänftigen.

Während Ankara schon fast alle Trümpfe ausgespielt hat, kann die syrische Armee immer noch überraschen. Allein in den letzten zwei Tagen hat Syrien mehrere Drohnen abgeschossen. Hier sind Aufnahmen vom Abschuss einer ANKA-Drohne. Brennend fiel sie auf das von Terroristen kontrollierte Gebiet. Hay’at Tahrir al-Sham Kämpfer posieren mit dem Wrack, sie glauben, es ist eine syrische Drohne. Selbst die Kennzeichen der türkischen Luftwaffe auf dem Flügel bemerken sie nicht.

Und das ist nur der Anfang. Wenn Drohnen en masse vom Himmel fallen, und das wird wohl passieren, wird das, gelinde gesagt, die türkische Armee und die Terroristen aus ihrer Komfortzone holen.

Es ist klar, dass viel durch ein persönliches Treffen zwischen den Präsidenten Russlands und der Türkei gelöst werden kann. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte nach dem Telefonat der Präsidenten, ein solchen Treffens sie bereits diese Woche möglich: „Im Moment, auch nach dem Telefongespräch zwischen den beiden Präsidenten, wird die Möglichkeit eines Gipfeltreffens am 5. oder 6. März, also nächste Woche, erarbeitet.“ (Anm. d. Übers.: Am Montag wurde bekannt, dass das Treffen am 5. März in Moskau stattfindet)

Es scheint, dass Erdogan vor dem Treffen nicht daran interessiert ist, eine gute Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Sein Verhältnis zu Europa und zur arabischen Welt ist verdorben, in Libyen hat er interveniert, er hat Feindseligkeiten gegen die syrische Armee begonnen, ohne die Meinung des Iran zu berücksichtigen und von der NATO hat er nur warme Worte erhalten. Der türkische Präsident begibt sich auf ein riskantes Abenteuer, zu dem ihn die Vereinigten Staaten aus Rache drängen.

Gleichzeitig macht der türkische Staatschef in den Beziehungen zu Russland, von denen Erdogan nach der Entschuldigung für das 2015 abgeschossene Flugzeug nur profitiert hat, einen Fehler nach dem anderen. Und es ist nicht einmal ganz klar, was der Grund ist. Hat er sich verkalkuliert, oder hat er neue Absichten? Russland verhält sich immer noch zurückhaltend und lässt Erdogan eine Chance, aber es ist klar, dass die Geduld im Kreml Grenzen hat.

Und was Putin ganz sicher nicht mag, ist Unzuverlässigkeit, aber noch schlimmer ist für ihn Unehrlichkeit.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Gerade zu Syrien hat sich Putin in all den Jahren immer wieder geäußert und in dem Buch habe ich seine Aussagen ausführlich zitiert, damit jeder Leser sich selbst ein Bild von Putins Äußerungen und auch davon machen, wo sich mit der Zeit gezeigt hat, ob er mit seinen Aussagen richtig lag oder nicht.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

6 Gedanken zu „Russische Medien: „Was ist los mit Erdogan?““

  1. Die Türkei hat sicherlich über inoffizielle Kanäle die „Rückendeckung“ der USA. So wurde schon mit Hitler verfahren. So wurde mit den afghanischen Mudschaheddin verfahren. So wurde mit Saddam Hussein verfahren. So wurde mit dem IS verfahren. So wurde mit den Kurden verfahren. …

    Erdogan mag denken, dass er die USA ausspielen könnte. Wie alle anderen vor ihm auch. Er hätte aus der Geschichte lernen können. So wird aber nicht nur unendliches Leid geschehen – auch Erdogan wird früher oder später das Schicksal seiner „Vorgänger“ ereilen. Aber erst, nachdem es unzählige Tote gegeben haben wird und die USA wieder andere Wege verfolgt, ihr Endziel, eine monopolare, US-hörige Welt, zu erreichen.

    1. Hallo,
      Ihre Antwort allein setzt umgesetzte geistige Beteiligung voraus.
      Das macht einen alten Mann glücklich angesichts der vielen verirrten linksbuntcduler. Habe übrigens grade in einem andere Blog gelesen:
      communist dämon unit, zum wohlfühlen.
      Aus ebenfalls geschichtlich begründetem Anlaß kommt jetzt etwas gutes.
      So wie Ihnen geht es auch mir. Die Weise wie Verträge geschlossen und gebrochen werden, wird sich nicht geändert haben, nehmen wir ganz einfach den gebrochenen Vertrag von Sotchi.
      Der Fall, daß (ja, ß) die usa einen Krieg mit unseren Blutsbrüdern, Schande auf das Hitlerschwein, in Rußland eingehen, ist mit Sicherheit sehr klein. Ein Grund dafür wurde schon genannt, der Vertragsbrecher der Türkei. Das ist unumstößlich.
      Desweiteren sind die erreichten Ziele allein mit und durch Rußlands Diplomatie, die ich persönlich einfach großartig und weitsichtig einschätze. sind nicht von der Hand zuweisen und stellen die usa -Diplomatie weit nach hinten in die Lügenecke.
      Doch laßt uns mal überlegen, würde sich Germoney ausgenommen, Europa verteidigen gegen die Eroberer?
      Klares Ja. In Frankreich liegt Madame le Penn gleich auf mit der Rothschild -sprechpuppe d.h. etwa 20% haben dort dazu gelernt. Die Wahlerfolge eines seniore Salvini in Italien, treiben mir die Freudentränen in die Augen. Ungarn sei nur kurz erwähnt, da ist alles in Butter. Kurz ist ein Ergebnis linker linker Presse, Österreich scheidet ebenfalls aus. Bei Polen wirds schwierig. Spanien aktuell mehr völkisch als sozialistisch. Worte wie völkisch habe ich vorher nie verwendet. Engelland hat einen Gesetzentwurf ins unterhaus gebracht der von Salvini stammen könnte.
      Schweden hat seinen gewünschten Bürgerkrieg und Schluß. Griechenland führt in diesem Augenblick bereits einen Grenzkrieg. Doch die Mohammedanischen Schlachtfeste kommen noch. Die Mos werden Ihre bestehenden Wffenlager öffnen und hunderttausende Europäer abschlachten, mit dem Wissen der jetzigen „Regierungen“. Wer über die Jahre die Berichte aus Frankreich verfolgte, weiß auch über die dort gefundenen Waffenlager bescheid, auch in sog. Moscheen. Tja solche Gesetze wird es hier nie geben. AfD und FPÖ werden ganz einfach verboten und aus.
      Dem deutschen Idioten ist ja noch nicht einmal bei der Lanzsendung mit Herrn Maaßen (Scheribw.?) auf gefallen , wie überheblich ein linker Blutsauger wie Lanz einen Herrn Maaßen wagt zu fragen, warum ein Mensch seiner intelligenz nicht links ist. Uns hier steht der Tod ins Haus, doch der koran und sunna belegen was die mit Verrätern machen, wenigstens ein Trost.
      … viel Spaß noch…

  2. hm…mit ERdogan ist eigentlich genau noch das los, was schon immer war und ich würde davon ausgehen, dass Russland das sehr gut wußte und weiß!
    Dass besonders Erdogan die IS-Terroristen unterstützt(e) – und diverse andere Werteländer – war ja bekannt, dass die Terroristen alle in Idlib sind – dafür hat ja Putin & Assad gesorgt, es wurden alle dorthin verfrachtet….Irgendwie muss ja Erdogan wenigstens den Versuch unternehmen, seine Gesicht ( welches auch immer) zu wahren und Russland & Syrien spielen da mit und lassen ihm (kontrolliert) die Freiheit, seine tatsächliches Gesicht zu finden – wie auch immer es für ihn ausgehen möge.
    Krieg ist eine schmutzige Angelegenheit und Niemand hätte etwas ändern können…vermutlich haben die Russen & Syrer es vorausgesehen, was nun passierte…
    Erdogan mit „einbinden“ zu wollen, war insofern klug als dass man ihm den Eindruck vermittelte, „wichtig“ zu sein, gleichzeitig hatte man ihn auch unter Kontrolle und konnte reagieren.

    Ich finde, das haben die syr. & russ. Regierung sauber gelöst – Erdogan ist in die Falle getappt und jeder – wirklich JEDER weiß, noch mehr Fehler kann er sich nicht leisten – weder für sich selber noch für das Land Türkei. Selbst die Türken wissen nun, dass eine Situation wie nach dem Abschuß des russ. Flugzeugs das Land wirtschaftlich an den Abgrund bringt. Und einen offenen Krieg gegen Syrien UND Russland wollen auch die Türken nicht – das wäre das Ende….

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