Söldner aus den USA versuchten über Kolumbien eine Landung in Venezuela – Was darüber bisher bekannt ist

In Venezuela hat es einen weiteren Versuch der USA gegeben, die Regierung Maduro gewaltsam zu stürzen. Was ist darüber bekannt?

Diese Geschichte ist ein gutes Beispiel um aufzuzeigen, wie der Anti-Spiegel arbeitet. Am 3. Mai versuchten bewaffnete Söldner auf dem Seeweg aus Kolumbien eine Landung in Venezuela. Ihr Plan war Venezuela bekannt und sie wurden schon am Strand festgenommen. Unter ihnen befanden sich auch US-Staatsbürger. Das erinnert an die Schweinebucht-Invasion, mit der Castro seinerzeit von den USA gestürzt werden sollte.

Am 4. Mai berichteten die Medien darüber. Aber nicht der Anti-Spiegel. Warum?

Zu dem Zeitpunkt gab es keine belastbaren Fakten. Es gab die Meldungen der venezolanischen Regierung darüber und die Äußerungen von Guaido, dass das alles von der Regierung inszeniert worden sei. Die Erfahrung zeigt, dass es in den Tagen nach solchen Ereignissen Meldungen aus anderen Quellen gibt, die es möglich machen, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Und daher habe ich einige Tage abgewartet, bevor ich über das Thema berichte. Nun sind genug Teile des Puzzles öffentlich, um die Ereignisse einzuschätzen.

Am 4. Mai berichtete der Spiegel über die Geschichte. Es ist bekannt, dass der Spiegel parteiisch ist und Guaido unterstützt und das zeigte sich wieder deutlich. Die Überschrift gab die Richtung vor: „Nachbarländer – Venezuela meldet angeblichen Angriff von Söldnern aus Kolumbien„. Der Spiegel stellte das Ganze als reine Erfindung der venezolanischen Regierung dar, die nur dem Zweck diene, härter gegen die Opposition vorzugehen.

Danach verschwand das Thema sofort wieder aus den „Qualitätsmedien“, dabei wurde es danach erst interessant. Der venezolanische Präsident Maduro beschuldigte die USA, mit Unterstützung Kolumbiens, die Söldner geschickt zu haben, um Regierungsgegner auszubilden, die dann den venezolanischen Präsidenten stürzen und gefangen nehmen sollten.

Der Spiegel und andere „Qualitätsmedien“ stellten es aber als eine Inszenierung dar. Wer der Wahrheit näher kommen wollte, musste nun auf Meldungen aus den USA warten. Wenn die USA bestätigen, dass in Venezuela amerikanische Staatsbürger festgenommen worden sind und wenn die USA sogar bestätigen, dass es diesen Vorfall gegeben hat, kann man schon mal festhalten, dass es sicher keine Inszenierung war und dass Guaido bei dem Thema lügt.

Und siehe da, genau so ist es gekommen. Am 6. Mai äußerte sich US-Außenminister Pompeo zu dem, was „US-News“ als „bizarre Berichte“ bezeichnet hatte: Ehemalige US-Elite-Soldaten sollen an der „amphibischen Landung“ beteiligt gewesen und dabei in Venezuela verhaftet worden sein. Pompeo hat all das nicht bestritten. Er sagte, die USA würden alles tun, um US-Bürger „nach Hause zu holen“ und bestritt gleichzeitig, dass die US-Regierung damit etwas zu tun hätte. Dazu gleich mehr, denn das Dementi war entlarvend.

Venezuela hat Aufnahmen der Amerikaner veröffentlicht und auch Dokumente, die sie dabei gehabt haben. Einer von ihnen ist Airan Seth Berry, der als Mitglied der US-Elite-Einheit Green Beret auch lange Jahre in Deutschland stationiert war. Er war sogar so intelligent, seinen deutschen Führerschein und seine deutsche Aufenthaltserlaubnis mit sich zu führen. Wobei: Da die USA keine Botschaft mehr in Venezuela haben, hoffte er vielleicht auf Unterstützung deutscher Diplomaten im Falle seiner Festnahme.

Der zweite in Venezuela bei der Aktion verhaftete Amerikaner, Luke Alexander Denman, ist ebenfalls ein Ex-Green Beret. Er hat Verbindungen zu Jordan Goudreau, einem in Kanada geborenen US-Amerikaner, der die private Sicherheitsfirma Silvercorp gegründet hat und auch ein ehemaliger Green Beret ist, der in Deutschland stationiert war. In Deutschland haben sie sich schon vor Jahren kennengelernt, wie Denman bestätigt hat.

https://twitter.com/cyb3rg33k/status/1258135833078566913

Goudreau ist ein ausgewiesener Gegner von Maduro, der schon seit einiger Zeit an dessen Sturz arbeitet. In einem Interview hat Goudreau einen Vertrag mit der der Bolivarischen Republik Venezuela – vertreten durch den „Präsidenten“ Guaidó – und Silvercorp präsentiert. Demnach hat Guaido versprochen, für einen erfolgreichen Putsch über 200 Millionen Dollar an Silvercorp zu zahlen. Als Anzahlung für die Kosten war eine Überweisung von 50 Millionen vereinbart. Da aber kein Cent der Summe geflossen ist, ist Goudreau mit der Sache frustriert an die Öffentlichkeit gegangen.

CÓMO IMPIDIÓ GUAIDÓ LA SALIDA DE MADURO | EXCLUSIVA OPERACIÓN GEDEON | AGÁRRATE | 2 / 3

Goudreau ließ sich von der fixen Idee, Maduro zu stürzen, jedoch nicht abbringen, da er auch Kontakte zu aus Venezuela in die USA geflohenen Ex-Militärs hatte, die Maduro stürzen wollen. Am 4. Mai – Goudreau wusste wohl noch nicht, dass die Aktion gescheitert war – ließ er eine Journalisten ein Video veröffentlichen, in dem er zusammen mit einem venezolanischen Ex- Militär mitteilte, die Invasion habe begonnen und seine Männer stünden nun im Kampf. Über die Details der Verbindungen zwischen den Akteuren finden Sie hier einen langen Artikel von RT-Deutsch, in dem die Originalquellen fein säuberlich verlinkt sind.

Nun zurück zur Rolle der US-Regierung.

Es ist bekannt, dass das Pentagon und auch die CIA gerne mit privaten Sicherheitsfirmen (sie werden auch „Privatarmeen“ genannt) zusammenarbeitet. Das bekannteste Beispiel ist die Firma Academi, die vor einigen Jahren, als sie noch Blackwater hieß, Schlagzeilen gemacht hat, weil ihre Söldner im Irak Kriegsverbrechen begangen haben.

Diese Zusammenarbeit hat für die US-Regierung viele Vorteile. Wenn eine Operation auffliegt oder die Söldner Verbrechen begehen, kann die US-Regierung ihre Hände in Unschuld waschen, denn weder US-Soldaten, noch US-Geheimdienste haben formell etwas damit zu tun. Wenn „Angestellte“ einer Firma Mist bauen, was kann die US-Regierung dafür?

Und genau da hat sich US-Außenminister Pompeo in meinen Augen „verplappert“. Maduro behauptet, die USA stünden hinter der „Operation Gideon“, wie Silvercorp den versuchten Umsturz in Venezuela genannt hat. Das hat Pompeo mit folgenden Worten bestritten, wie man in dem oben zitierten Artikel von US-News lesen (und auch auf Videos der Pressekonferenz sehen) kann:

„Es gab keine direkte Beteiligung der US-Regierung an der Operation“

Das behauptet ja auch niemand, den USA wird vorgeworfen, sie stünden hinter der Operation. Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied.

Und das hat Pompeo nicht bestritten, sondern nur eine „direkte Beteiligung“. Die gab es ja auch nicht, „direkt beteiligt“ waren Silvercorp und einige ehemalige venezolanische Militärs in den USA.

Wir können also zusammenfassen: Es gab die Operation „Gideon“, die deutsche „Qualitätsmedien“ wie der Spiegel als von Venezuela „inszeniert“ bezeichnen. Dabei wurden ehemalige US-Elitesoldaten in Venezuela festgenommen und organisiert wurde das alles von der US-Sicherheitsfirma Silvercorp, deren Chef sich in mindestens einem Video stolz dazu bekannt hat. Die ganze Operation hatte ihren Ursprung in den USA und es waren auch venezolanische Ex-Militärs beteiligt, die unter dem Schutz der US-Regierung in den Vereinigten Staaten leben. Kolumbien hat zugelassen, dass diese Operation von seinem Territorium aus gestartet wurde. Und die US-Regierung hat nur eine „direkte Beteiligung“ an der Operation bestritten, Verbindungen dazu zu haben, hat Pompeo nicht bestritten.

Das sind – kurz zusammengefasst – die bekannten und belegbaren Fakten. Nun darf jeder für sich einordnen, was davon zu halten ist.

Werbung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Antworten

  1. Da ganze rangiert unter :
    „“ Ich habe von einem gehört, der einen kennt, der schon mal hingefahren ist „“

    Alle spekulative Übertreibung von allen Seiten.
    „“ Er war sogar so intelligent, seinen deutschen Führerschein und seine deutsche Aufenthaltserlaubnis mit sich zu führen“ Und das in Venezuela ? Wers glaubt wird selig.
    „“Demnach hat Guaido versprochen, für einen erfolgreichen Putsch über 200 Millionen Dollar an Silvercorp zu zahlen““ Hier scheint von Grimms-Märchen abgeschrieben worden zu sein ❗️

    ❌ Schade, dass es nicht geklappt hat, den koruppti Narco-Maduro zu beseitigen.
    Dieses Datum wäre der neue venezolanische Nationalfeiertag geworden ?? ??
    Es ist unvorstellbar, was dieser Diktator für ein Leid für dieses Land gebracht hat.

    PS: Es gibt neue Tankstellen in VZL. Bezahlen kann man nur mit CreditCard auf Dollar.
    Der Liter 91/95 kostet 40 > 60 cent ❗️❗️
    Welcher Venezolaner kann da tanken, bei einem staatlichen Einkommen von 800`000 BfS = 4 Dollar
    Von Dollar-Credit- Card ganz zu schweigen. Dieses Land ist wurde total runtergewirtschaftet ,
    wie nur ein Diktator kann. Übrigens landesweiter Stromausfall war auch wieder.

      1. @TillSitter
        „laverdad“ ist wie ein BOT bei Venezuela klingelt es 😉

        Im Zusammenhang mit dem Versenken des Küstenschutz Bootes hatte ich irgendwo etwas von „unpassenden Rettungsbooten“ gelesen, die die Aufmerksamkeit der Küstenwache weckten.

        Im Jan ? wurde ein Video verbreitet wo kolum./amer. Truppen das Absetzen von Kämpfern direkt neben dem Grenzzaun trainierten.

        https://venezuela.liveuamap.com/en/2020/7-may-the-contract-drawn-up-by-goudreau-for-his-private-coup

        „Der von Goudreau für seinen „Privatputsch“ in Venezuela ausgearbeitete Vertrag ist durchgesickert – aus der Opposition heraus. Erschwert es Guaido, seine bereits unplausible Linie beizubehalten, dass er damit nichts zu tun hatte“

        https://venezuela.liveuamap.com/en/2020/6-may-jordan-goudreau-founder-of-silvercorp-involved-in-the

        Aber ja, im Grunde wurde so etwas schon lang erwartet.

      2. Jeder darf seine eigene Meinung haben. Das Dilemma ist nur, daß viele Menschen keinen Wert mehr auf Fakten legen, sondern den „Qualitätsmedien“ alles abkaufen, egal, ob es Vermutungen oder Behauptungen ohne irgendwelche Substanz sind. Und so wurde von dem Kommentator auch nur etwas behauptet, ohne es mit nachweisbaren Fakten zu belegen. Sieht mir ganz nach jemand aus dem Dunstkreis der „Qualitätsmedien“ aus. Aber es ist gut, daß diese Menschen hier auch kommentieren, denn so wird es immer wieder offensichtlich, daß bei diesen Medien etwas nicht stimmt!
        Den Artikel selbst finde ich gut recherchiert. Im Gegensatz zu den „Qualitätsmedien“ kann man hier auch selbst nachrecherchierten, da die Quellen gezeigt oder genannt werden. Vielen Dank!

        1. Rainer Hmbrg: „Sieht mir ganz nach jemand aus dem Dunstkreis der „Qualitätsmedien“ aus.“

          Rodolf Arar: „Er begreift wohl nicht, dass diese Situation ohne die USA gar nicht entstanden wäre.“

          Nein, der sieht eher wie einer aus dem Dunstkreis der Ausbeuter aus, die vor Chavez und Maduro schamlos die Ärmsten für Hungerlöhne schuften ließen. Ich habe solche Typen zuhauf kennengelernt, nachdem Correa in Ecuador den Arbeitern etwas mehr Wohlstand angedeihen ließ, wofür die Raffzähne etwas von ihren im Verhältnis exorbitanten Gewinnen abgeben mussten. Verstaatlichung, Mindestlohn und gesetzliche Krankenversicherung sind die Verbrechen, die sich Regierungen zu Schulden kommen lassen und die Raubkapitalisten auf die Barrikaden rufen. Er begreift sehr wohl, dass die Situation größtenteils auf die Drangsalierung des Westens zurückzuführen sind. Die Situation ist aber ganz in seinem Sinne, weil er hofft, dass dadurch wieder die goldenen Plünderzeiten zurückkehren. Was Kutusow unten sagt, trifft es exakt. Die Menschen liegen solchen Typen nicht am Herzen, sie wollen ihre Pfründe sichern. Deshalb wird gehetzt auf Teufel komm raus.

      3. Er begreift wohl nicht, dass diese Situation ohne die USA gar nicht entstanden wäre.

        Interessant ist außerdem, dass trotz Lockdown (Einschluss in die Zellen), die Armeen wohl kein Coronaproblem haben.

        Deutlicher kann man wohl die Lüge mit Corona nicht vor die Nase gehalten bekommen.

        Ist das Gleiche wie mit dem menschengemachten Klimawandel. Die größten CO2 Schleudern sind die Armeen. Dagegen wetterte die Hauptschülerin Greta aber noch nie.
        Mal davon abgesehen, dass CO2 noch nie für einen Klimawandel zuständig war, da es 800 Jahre hinterherhinkt.

        Es wiederholt sich doch immer wieder alles. Lügen, Lügen, Lügen und die, die diesen Mist glauben.

    1. Tja, was haben die Typen denn da überhaupt gemacht? Immerhin hat Pompeo ja erklärt, die USA stehen nicht „direkt“ dahinter. Dann also indirekt? Und was heißt indirekt? Wenn ich jetzt den Bericht von Thomas mit deiner Abhandlung, laverdad, vergleiche, dann gehört deine Abhandlung eher ins Reich von Grimms Märchen! Die üblichen Behauptungen ohne Belege, wie wir das von westlichen Politikern und Medien so kennen! Aber warum verhängen die USA überhaupt Sanktionen gegen Venezuela und stehlen X-Mrd. Dollar venezolanischen Geldes, wenn ihnen die Venezolaner so sehr am Herzen liegen? Warum heben sie die Sanktionen nicht auf, geben das gestohlene Geld zurück, leisten Schadenersatz für den von ihnen zu verantwortenden Schaden? Warum bieten sie nicht an, die Ölindustrie zu international üblichen Konditionen zu modernisieren? Weil Maduro ein Diktator sein soll? Damit haben sie doch sonst auch keine Probleme! In der Ukraine z.B. stützen sie ein korruptes, kriminelles System, das einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung führt! Im Fall Jemen liefern sie Waffen und was weiß ich nicht noch alles, damit Saudi-Arabien dort einen barbarischen Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung führen kann! Welches Problem haben sie also mit Maduro?

Schreibe einen Kommentar