Telefonstreich: Russische Komiker verar***en Norbert Röttgen

Es gibt in Russland zwei Prankster, die sich darauf spezialisiert haben, berühmten Politikern Telefonstreiche zu spielen. Ihr aktuelles Opfer war Norbert Röttgen, der sich sehr über den Anruf von Swetlana Tichanowskaja, der selbsternannten Präsidentin von Weißrussland, gefreut hat.

Über die russischen Prankster habe ich schon mal berichtet, als sie den US-Beauftragten für Venezuela, Elliott Abrams, auf die Schippe genommen haben. Damals ist die Sache regelrecht eskaliert und Abrams hat aufgrund des Anrufes sogar eine Medienkampagne über angebliches Schwarzgeld aus Venezuela gestartet, die, als die Russen den Streich öffentlich gemacht haben, schnell wieder korrigiert werden musste. Die Details finden Sie hier.

Nun haben sie es geschafft, Norbert Röttgen in die Falle zu locken. Ihm wurde ein Telefonat mit der selbsternannten Präsidentin von Weißrussland, Swetlana Tichanowskaja, angekündigt und er war Feuer und Flamme. Röttgen ist einer härtesten Transatlantiker und Falken in der deutschen Politik, der sogar mehr US-Atombomben in Deutschland haben möchte. Die deutschen Interessen interessieren den Mann nicht, er kämpft ausschließlich für US-Interessen, auch zum Schaden von Deutschland.

In dem 15-minütigen Telefonat sagt Röttgen zum Beispiel, Nord Stream 2 wäre kein wirtschaftliches Projekt und Deutschland brauche das russische Gas nicht. Er stellt mehrmals klar, dass er bei dem Projekt eine andere Meinung vertritt, als Merkel. Und die Behauptungen des Westens, sich ja gar nicht in die inneren Angelegenheiten Weißrusslands einzumischen, straft er Lügen, wenn er offen davon davon spricht, dass man von außen alles tue, um Tichanowskaja zu unterstützen.

Die angebliche Tichanowskaja schmiert ihm dabei ordentlich Honig um den Bart und wünscht sich, dass er der nächste Bundeskanzler wird. Das gipfelt am Ende darin, dass sie ihm mitteilt, er sei der Gewinner des „Vovan-Lexusov-Preises“ der weißrussischen Opposition, der demnächst in Paris verliehen werde. Der Witz dabei: Die Prankster nennen sich Vovan und Lexus, sie bauen immer solche Running-Gags mit bestimmten Begriffen in ihre Streiche ein. Berühmt ist dabei die „Limpopo-Bank“ geworden, von der sie in dem oben verlinkten Artikel über den Streich mit Elliott Abrams einiges erfahren können. Nun gibt es also den Vovan-Lexusov-Preis, der wohl in Zukunft auch in einigen weiteren Streichen eine Rolle spielen wird, ganz so wie Limpopo.

Röttgen war so geschmeichelt, dass er erst einmal nachfragte, ob er den Preis denn auch verdient habe, weil er doch weit weg und Sicherheit sitze. Als „Tichanowskaja“ ihm erneut schmeichelt und ihm versichert, er habe den Preis wirklich verdient, nimmt er den Preis mit wirklich schleimiger Freude an und freut sich auf die Preisverleihung in Paris.

Das Gespräch muss Röttgen schwer beeindruckt haben, denn der kleine Wichtigtuer (sorry, aber hier passt das wirklich) setzte danach zwei Tweets über sein Telefonat mit Tichanowskaja ab, die ich leider nur als Screenshots zeigen kann, denn nachdem die Prankster die Verar***ung öffentlich gemacht haben, hat er die Tweets schnell wieder gelöscht.

Hier sehen Sie die zwei Screenshots der Tweets und danach finden Sie das Telefonat in voller Länge, es wurde auf Englisch geführt und hat russische Untertitel.

Prank mit Norbert Röttgen (Пранк с Норбертом Рёттгеном о Навальном и Беларуси)

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

10 Antworten

  1. …wobei die deutsche Politik und deren angeschlossene Medienanstalten nie einen Hehl daraus gemacht haben, daß man sich in Weißrussland aktiv einmischt. Allein das Schaulaufen Tichanowskajas in der letzten Woche in Deutschland und der EU inklusive des Posierens mit dem Bundespräsidenten spricht da eine deutliche Sprache. Aber wenn „wir“ das tun, ist das „ok“, und außerdem unterstützt man ja nur „das Volk“ gegen den „Diktator“.

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