Welche Maßnahmen die USA gegen Russland planen: Teil 10 – Innere Unruhen und außenpolitische Reputation

In diesem zehnten Teil meiner Reihe über die von der RAND-Corporation empfohlenen Maßnahmen gegen Russland geht es um Maßnahmen, die Russland im Innern destabilisieren und nach außen politisch schaden sollen.

Die RAND-Corporation ist ein enorm mächtiger Think Tank der USA, dessen Empfehlungen von den US-Regierungen sehr oft eins zu eins umgesetzt werden. 2019 hat die RAND-Corporation eine Studie mit dem Titel „Russland überdehnen – aus vorteilhafter Position konkurrieren“ (Extending Russia – competing from advantageous ground) veröffentlicht, die im Grunde eine Anleitung zu einem wirtschaftlichen, politischen und medialen Krieg gegen Russland ist. Es werden alle Maßnahmen gegen Russland erörtert und empfohlen, außer einem heißen Krieg. Man will Russland in die Knie zwingen.

Das ist insofern bemerkenswert, weil die RAND-Corporation 2019 in einer anderen Studie auch festgestellt hat, dass Russland keinerlei aggressive Absichten hat. Anstatt sich aber darüber zu freuen und nun für eine Entspannung gegenüber Russland zu plädieren, hat RAND ein sehr umfangreiches Maßnahmenpaket vorgeschlagen, mit dem Russland endlich dazu gebracht werden soll, aggressiv auf die Provokationen aus den USA zu reagieren. Die Details finden Sie hier.

Die Studie unter dem Titel „Russland überdehnen“, um die es in dieser Reihe geht, ist quasi die Fortsetzung der anderen Studie, denn sie führt im Detail auf, wie man Russland in existenzielle Not bringen und damit zu aggressiven Reaktionen provozieren kann. In dieser Reihe werde ich darauf im Detail eingehen.

Die Einleitung

Das Kapitel der Studie, das wir heute behandeln, trägt die Überschrift „Politische Maßnahmen zur Schwächung des russischen Regimes im In- und Ausland“ und die lange Einleitung, die den Ist-Zustand beschreibt, ist teilweise äußerst interessant. So erfährt man zum Beispiel, dass es in Russland keine Zensur gibt, zumindest habe ich das Wort dort nicht gefunden. Es wird stattdessen festgestellt, dass Putin die Medienimperien der Oligarchen zerschlagen hat, die mit ihren Medien die Politik beeinflussen wollten.

Heute seien die meisten Medien in „Putin-freundlichen Händen“ sagt die „RAND-Corporation, aber sie sagt auch, dass davon Ausnahmen gibt. Im Klartext bedeutet das, dass es in Russland oppositionelle Medien gibt, die gegen Putin sind und frei im Land arbeiten können.

Eine weitere interessante Aussage betrifft das Internet, denn ich behaupte ja immer, das Internet wäre in Russland wesentlich freier, als im Westen. Die westliche Presse behaupten hingegen, in Russland werde das Internet zensiert. Dass das nicht stimmt, kann man bei der RAND-Corporation nachlesen:

„Im Vergleich zu Rundfunk- und Printmedien bietet das Internet eine attraktivere Möglichkeit für Ausländer, das russische Inlandspublikum zu erreichen. Seit 2017 machen Internetnutzer etwa 70 Prozent der russischen Bevölkerung aus. Im Vergleich zu seinem Nachbarn China verfolgt Russland historisch gesehen eine relativ nicht-interventionistische Politik gegenüber der Internetregulierung. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die russische Regierung eine Politik der Online-Zensur erwägt, zum Teil, um wahrgenommenen „Informationssicherheitsbedrohungen“ durch ausländische Mächte entgegenzuwirken.“

Im Klartext: In Russland wird das Internet nicht zensiert, da der Westen aber über das Internet immer stärker versucht, Einfluss auf Russland zu nehmen, denkt die russische Regierung möglicherweise darüber nach, das Internet zu regulieren. Aber das ist – wenn es denn überhaupt kommt – Zukunftsmusik.

Man fragt sich, warum die westlichen Medien wider besseren Wissens die Lüge verbreiten, in Russland herrsche Zensur.

Das Kapitel „Politische Maßnahmen zur Schwächung des russischen Regimes im In- und Ausland“ hat mehrere Unterkapitel, in denen Maßnahmen erörtert werden. Die Unterkapitel, das wir heute anschauen, tragen die Titel „Proteste und anderen gewaltfreien Widerstand stärken“ und „Russlands internationales Standing unterminieren.“

Proteste in Russland befeuern

Das ist ein beliebtes Thema in den USA, man denke nur an die vielen Farbrevolutionen der letzten Jahre. Und natürlich ist es der Traum aller US-Geostrategen, auch in Russland eine Farbrevolution zu inszenieren, allerdings sind bisher alle Versuche in diese Richtung gescheitert und das negative Beispiel der Ukraine vor Russlands Haustür hat das noch einmal schwieriger gemacht.

Die RAND-Corporation gesteht auch ein, dass das ein sehr schwieriges Unterfangen sein würde, da Russland sehr effektive Sicherheitskräfte habe und Kontakte zwischen westlichen Organisationen und russischen Kandidaten für die Organisation von Unruhen sofort bekannt werden würden.

Als Vorteil einer solchen Strategie führt RAND eine mögliche Destabilisierung des „Regimes“ an und stellt fest, dass der Westen Tendenzen, die in Russland vorhanden sind, verstärken könne. Unter den Risiken führt RAND das auf, was auch schon in den vorherigen Kapiteln zu lesen war: Sollte der Westen Erfolg haben, wäre die Reaktion Russlands unkalkulierbar und am Ende könnte sich ein solches Vorgehen zu einem Bumerang entwickeln. So stell die RAND-Corporation dann im Fazit fest, dass es erstens schwer für den Westen wäre, inländische Gruppen zu koordinieren und dass zweitens die Gefahr der russischen Gegenreaktion nur schwer einschätzbar ist.

Russlands internationales Standing unterminieren

Interessant ist hier, dass die RAND-Corporation als mögliche Aktion zum Beispiel vorschlägt, Russland aus der G20 zu werfen, was ich ehrlich gesagt für utopisch halte. Aber was man an dem Kapitel deutlich sieht, ist folgendes: Westliche „Experten“ erzählen uns in den „Qualitätsmedien“ immer, es wäre Unsinn und russische Propaganda, dass Russland vom Westen isoliert oder gar eingekreist werden solle. Angeblich sind Sanktionen immer an konkrete „Sünden“ Russlands gekoppelt und Ausschlüsse Russlands aus internationalen Veranstaltungen, wie aktuell den olympischen Spielen, seien auch nur mit Russlands jeweiligen Untaten begründet.

Das liest sich in der Studie der RAND-Corporation anders. Dort wird empfohlen, Russlands Image weiter zu schwächen, indem man Russland aus den G20 und anderen internationalen Organisationen ausschließt oder verhindert, dass Russland internationale „Events“ veranstaltet. Ein Schelm, wer da an die Strafen des Olympischen Komitees gegenüber Russland denkt, zu denen gehört, dass Russland eine Reihe sportlicher Großereignisse nicht im eigenen Land veranstalten darf. Es ist natürlich reiner Zufall, dass die RAND-Corporation solche Maßnahmen empfiehlt und dass sie tatsächlich umgesetzt werden.

Im Fazit kann man lesen:

„Die Bemühungen des Westens, Russlands internationales Ansehen zu beschädigen, können wirksam sein, wenn sie umfassend umgesetzt werden. Weitere Sanktionen, die Entfernung Russlands aus internationalen Nicht-UN-Foren und der Boykott internationaler Veranstaltungen einseitig umzusetzen, liegt weitgehend in der Macht westlicher Staaten und würde dem russischen Ansehen schaden. Inwieweit diese Schritte der Stabilität Russland im Inland schaden würden, ist jedoch weniger sicher.“

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

10 Gedanken zu „Welche Maßnahmen die USA gegen Russland planen: Teil 10 – Innere Unruhen und außenpolitische Reputation“

  1. Ist es nicht eigentlich unfair, „Welche Maßnahmen die USA gegen Russland planen“ zu schreiben, wenn das zugrundeliegende Paper doch nur eine Empfehlung darstellt? Ich möchte das zu bedenken geben.
    Das ist unabhängig davon, ob sich die Empfehlungen in der realen Politik niederschlagen oder nicht bzw. ob sie ursächlich für reale Politik sind.

    1. „Die Grünen haben auch pazifistische Wurzeln, waren aber noch nie eine pazifistische Partei“, sagte sie.“

      Nachdem das Ermächtigungsgesetz durch ist, brauchen diese Faschisten sich nicht mehr verstecken. Ja, die Grünen können Reichskanzlerin.

      Man kann seinen Ekel gar nicht mehr in Worte fassen. 🤢

    2. Was für eine gefährlich-dumme Kuh!

      Brechts Zitat, das einst Sevim Dagdelen KGE im Bundestag vorhielt, bestätigt sich immer wieder:

      „Wer die Wahrheit nicht kennt, der ist einfach nur ein Dummkopf. Wer sie aber kennt, und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher“.

  2. Fazit nach 10 Teilen:
    Das eigentlich Erschütternde ist die abgrundtiefe Banalität des Ganzen.
    Machen wir uns nichts vor: Wir hier, die wir eine mehr oder weniger halbwegs vernünftige Vorstellung von dieser Welt haben – von der einen oder anderen Subtilität einmal abgesehen –
    Wir würden es -Genau- -So- -Machen-.

    Und für derartig erbärmliche Trivialitäten genießen diese Kasperköpfe die Reputation von „Weisen“ und bekommen dafür zudem noch ein Schweinegeld:
    Es ist unfassbar!

  3. Ich habe gerade die deutsche Übersetzung eines Artikels von Dmitry Orlov zur US-Wahl und zum Niedergang der US gelesen: http://www.theblogcat.de/uebersetzungen/schaut-euch-das-an-11-11-2020/ und dann habe ich auch den dort am Schluss verlinkten Vortrag „Closing the ‘Collapse Gap’: the USSR was better prepared for collapse than the US“ von ihm gelesen.
    Orlov ist ein Russe, der als junger Mensch in die USA ausgewandert und inzwischen offenbar wieder nach Russland zurück gewandert ist.
    Ergänzend möchte ich auf die Prognosen der Deagel-liste hinweisen, deren Autoren letztlich, ähnlich wie Dmitry Orlov, davon ausgehen, dass die USA und andere westliche Industriestaaten in den nächsten Jahren ähnlich wie seinerzeit die UdSSR wirtschaftlich kollabieren werden, wobei dann aber die negativen Folgen für die Bevölkerungen sehr viel dramatischer sein werden als in den Nachfolgestaaten der UdSSR.
    In sofern erinnert die RAND-Corporation vielleicht eher an die Träumereien von irgendwelchen noch von der kommunistischen Weltrevolution träumenden Stabsabteilungen der UdSSR in den 80er Jahren.

  4. Zu den 10 Folgen:

    Ich denke, dass sich nach dem 14.Dezember 2020 – weltweit – NICHTS mehr wird so darstellen lassen seitens den „Denkfabriken“ , wie sie es gerne hätten. Sie alle werden neu beginnen müssen zu Denken. Diese getürkten Wahlen werden ihr Nachspiel haben. Weltweit werden es die Amis nicht mehr so einfach haben.
    Liest man zwischen den Zeilen in russischen Medien, denke ich, dass es auch ihnen fast lieber wäre, die Amerikaner bekämen mit Biden die Chance, ihr hinterforziges egoistisches Denken (in der Masse) abzulegen.

    Biden mag Präsident werden, doch der „Trumpismus“ wird bleiben.
    Байден может стать президентом, но трампизм останется
    https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=3532785606807336&id=707180039367921

    Unabhängig davon, dass ich immer noch glaube, dass Trump es schaffen kann, könnte sich erweisen, dass die Mehrheitsverhältnisse in den „USA.Parlamenten“ , sowie ein völlig verändertes Denken der Mehrheit der Amerikaner, sich letztendlich produktiver für den Frieden in der Welt würde entwickeln, als wenn Trump Präsident bleibt.

    Es würde sich auf alle Lebensbereiche auswirken in der Welt. So zum Beispiel für die Energiefrage in Europa. Wie soll Biden denn gegen die neue Pipeline argumentieren, wenn er selbst will die Klimaziele erreichen, die Frackingindustrie in den Staaten schließen etc.

    Also, ruhig Blut, es wird spannend.

    1. „Weltweit werden es die Amis nicht mehr so einfach haben.“ In der Tat, man kann nicht mehr als erster Vertreter der „freien Welt“ auftreten, wenn man selber nur mit gefälschten Wahlen zur Macht gelangt ist. Freue mich schon darauf, Mäuschen zu spielen, wenn Biden/Harris sich mit Xi, Lukaschenko oder Berdimuhamedow (Turkmenistan) unterhalten; von al-Assad oder Kim gar nicht zu reden!

      1. Doch, kann man!
        Dann nämlich, wenn man die Medien weltweit so gut im Griff hat, daß die Wahlfälschung eine „Lüge Trumps“ bleibt. Wenn man das schafft, wird Biden immer „der Gute“ sein, der uns vom Bösen erlöste.

        Und DASS man die Medien im griff hat, zeigt sich ja an der aktuellen Zensurwelle sehr eindrucksvoll. Und ja, WIR hier nehmen diese Zensur wahr – aber tut das eine Mehrheit der Bevölkerung auch? Ich fürchte, nein!

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