Welche Maßnahmen die USA gegen Russland planen: Teil 3 – Syrien

In diesem dritten Teil meiner Reihe über die von der RAND-Corporation empfohlenen Maßnahmen gegen Russland geht es um geopolitisch motivierte militärische Maßnahmen in Syrien.

Die RAND-Corporation ist ein enorm mächtiger Think Tank der USA, dessen Empfehlungen von den US-Regierungen sehr oft eins zu eins umgesetzt werden. 2019 hat die RAND-Corporation eine Studie mit dem Titel „Russland überdehnen – aus vorteilhafter Position konkurrieren“ (Extending Russia – competing from advantageous ground) veröffentlicht, die im Grunde eine Anleitung zu einem wirtschaftlichen, politischen und medialen Krieg gegen Russland ist. Es werden alle Maßnahmen gegen Russland erörtert und empfohlen, außer einem heißen Krieg. Man will Russland in die Knie zwingen.

Das ist insofern bemerkenswert, weil die RAND-Corporation 2019 in einer anderen Studie auch festgestellt hat, dass Russland keinerlei aggressive Absichten hat. Anstatt sich aber darüber zu freuen und nun für eine Entspannung gegenüber Russland zu plädieren, hat RAND ein sehr umfangreiches Maßnahmenpaket vorgeschlagen, mit dem Russland endlich dazu gebracht werden soll, aggressiv auf die Provokationen aus den USA zu reagieren. Die Details finden Sie hier.

Die Studie unter dem Titel „Russland überdehnen“, um die es in dieser Reihe geht, ist quasi die Fortsetzung der anderen Studie, denn sie führt im Detail auf, wie man Russland in existenzielle Not bringen und damit zu aggressiven Reaktionen provozieren kann. In dieser Reihe werde ich darauf im Detail eingehen.

Das Kapitel der Studie, das wir heute behandeln, trägt die Überschrift „Geopolitische Maßnahmen“ und hat sechs Unterkapitel. Jedes der Unterkapitel werde ich in einem eigenen Artikel behandeln. In den Unterkapiteln geht es um die Ukraine, Syrien, Weißrussland, den Kaukasus, Zentralasien und Moldawien. Heute beschäftigen wir uns mit dem Kapitel über Syrien.

Das Ziel der USA ist eine Fortsetzung des Krieges

In dem Kapitel beschriebt die Studie ausführlich, wie sich der syrische Krieg nach Meinung von RAND entwickelt hat. RAND umschifft die Tatsache, dass die USA die extremistischen Islamisten vom IS, die 2015 kurz vor einem Sieg in Syrien gestanden haben, selbst bewaffnet haben. Auch wird verschämt verschwiegen, dass es den Krieg ohne die CIA-Operation „Timber Sycamore“ gar nicht gegeben hätte. Das ist bemerkenswert, denn normalerweise ist RAND weitaus ehrlicher, aber anscheinend ist das Thema „Unterstützung von Islamisten“ in den USA so heikel, dass man es nicht offen ansprechen möchte. Wenn Sie von „Timber Sycamore“ noch nie gehört haben, finden Sie hier Details darüber.

Das Kapitel der RAND-Studie zu Syrien trägt den Titel „Die Unterstützung für syrische Rebellen erhöhen“ und es behandelt ausführlich die Vor- und Nachteile solcher Maßnahmen. Um die Frage, wie man den Krieg in Syrien beenden könnte, geht es – wie schon in dem Kapitel über die Ukraine – mit keinem Wort.

Wie alle Kapitel der Studie endet es mit Zusammenfassungen der Vor- und Nachteile, mit einer Einschätzung der Erfolgsaussichten und einem Fazit. Das Kapitel über die Vorteile beginnt schon so:

„Eine Erhöhung der US-Unterstützung für die gemäßigte syrische Opposition könnte den Bürgerkrieg, der abgeflaut ist, aufrecht erhalten und intensivieren und damit sowohl für Russland als auch für den Iran zusätzliche Kosten generieren.“

Es ist in den Augen der RAND-Corporation also ein Vorteil, den Bürgerkrieg aufrecht zu erhalten und zu intensivieren. Die Studie ist ein öffentlich zugängliches Dokument, aber haben Sie davon schon mal in den ach so kritischen „Qualitätsmedien“ etwas gehört? Die behaupten immer, es wäre der böse Assad, der an all dem Elend Schuld ist, dabei sagen die US-Geostrategen ganz offen, dass sie alles tun, um das Leiden und den Krieg zu verlängern.

Die Risiken

Allerdings scheint die RAND-Corporation sich mit dem Unvermeidlichen abgefunden zu haben: Die syrische Regierung wird nicht besiegt werden können.

Im Kapitel der Risiken wird ausgeführt, dass die Gefahr besteht, dass gelieferte Waffen in die falschen Hände geraten und es wird auch ein Beispiel genannt, bei dem von der CIA gelieferte Waffen 2016 in falsche Hände geraten sind. Hinzu kommt laut RAND, dass auch verstärkte Waffenlieferungen die syrische Regierung kaum stürzen werden, aber das Risiko besteht, weitere Flüchtlingsströme zu generieren. Das findet RAND normalerweise nicht weiter schlimm, im Fall der Ukraine waren die Millionen von Flüchtlingen der RAND-Corporation keine Erwähnung wert. Hier aber würden US-Verbündete wie Jordanien, Israel und die Türkei darunter leiden, gibt RAND zu bedenken.

Anscheinend befürchtet man bei der RAND-Corporation, dass diese Verbündeten sich von den USA abwenden könnten, wenn die USA weitere Flüchtlingsströme aus Syrien provozieren.

Die RAND-Corporation stellt weiter fest:

„Wie bereits erwähnt, ist es unwahrscheinlich, dass US-Waffen das Kräfteverhältnis zugunsten der syrischen Opposition verschieben könnten. Nur der direkte Einsatz der US-Luftwaffe, von Beratern und anderen Fähigkeiten könnten einen solchen Effekt haben“

Allerdings, das fügt RAND gleich hinzu, würde dabei die Gefahr bestehen, in direkte Kampfhandlungen mit Russland zu geraten und das will die RAND-Corporation nicht. Man hat sich also damit abgefunden, dass man Assad nicht stürzen kann, aber das Morden und den Krieg zu verlängern, um vor allem für Russland „die Kosten zu erhöhen“, das findet RAND erstrebenswert.

Erfolgsaussichten und Fazit

Allerdings ist RAND noch aus anderen Gründen skeptisch. Die öffentliche Meinung in den USA ist gegen eine Unterstützung der Islamisten Syrien, auch wenn man sie als „gemäßigte Opposition“ bezeichnet.

Hinzu kommt, dass das auch international nicht einfach wäre, da man – laut RAND – dazu die Unterstützung der Türkei brauchen würde. Diese Unterstützung ist aber kaum zu bekommen, weil die USA in Syrien mit einem Ableger der kurdischen PKK zusammenarbeiten, den die Türkei als Terrororganisation einstuft und militärisch bekämpft. Damit haben sich die USA in eine Sackgasse manövriert und wie RAND bedauernd feststellt, ist es schwierig, andere „Rebellengruppen zu finden.“

Im Fazit stellt RAND daher fest, dass ein „solcher Kurs vor einigen Jahren, als die Opposition noch nicht so radikalisiert“ war, hätte funktionieren können. Hier findet sich wieder die Umschiffung der Tatsache, dass die USA früher keine Skrupel gehabt haben, mit den radikalsten Gruppen in Syrien zusammenzuarbeiten.

Erinnern wir uns kurz zurück: „Vor einigen Jahren, als die Opposition noch nicht so radikalisiert“ war, wie die RAND-Corporation es formuliert, hat der IS in Syrien seine Erfolge gefeiert und die westlichen Medien waren voll von Gräuelgeschichten über das Terrorregime des IS in Syrien. Damals war „die Opposition noch nicht so radikalisiert?“ Das muss mir mal einer erklären.

Aber wie gesagt, die Unterstützung der USA für Islamisten ist in den USA ein heikles Thema und es wird lieber verschwiegen.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Antworten

  1. Ich hoffe nur Russland bleibt wachsam.

    https://twitter.com/ShireenMazari1/status/1326426143617146887

    „Die US-Botschaft arbeitet immer noch im Trumpian-Modus, um den verurteilten Absconder zu unterstützen und dreist in unsere Innenpolitik einzugreifen! Die Monroe-Doktrin ist auch vor Jahrhunderten gestorben! Die US-Botschaft muss die Normen der Diplomatie einhalten. Wenn also eine Fälschung vorliegt, klären Sie dies durch einen Tweet. Wenn nicht, dann wird ein Entschuldigungstweet benötigt“

    Der Aufreger

    https://twitter.com/betterpakistan/status/1326223323202727936

    seine Unterstützer

    https://twitter.com/better_pak

    „Sehr inspiriert von Hon Prof #AhsanIqbal (@betterpakistan), einer ehrlichen Persönlichkeit, einem hingebungsvollen Selbst für das Wohl Pakistans. Allah segne ihn mit den größten Erfolgen“

    https://twitter.com/lindakhan03/status/1326437597418311680

    „Ma’am, Sie sind die @ GovtofPakistan. Rufen Sie den @ usembislamabad-Botschafter herbei und bitten Sie ihn zu erklären, warum sie sich zu einer Zeit, als ihre eigene Präsidentschaft ein Circus Jongleur war, in unsere Landesregierung einmischen. Offensichtlich hängt es mit ihrer Abneigung gegen das CPEC-Projekt zusammen“

    CPEC-Projekt

    https://de.wikipedia.org/wiki/China-Pakistan_Economic_Corridor#Kritik

    Und da sind Sie wieder beisammen.

    Russische Hacker, Chinas Seidenstrasse und die Terroristen in spe.
    Die, die Seidenstraße bekämpfen werden.
    Die, deren EDV Kenntnisse zum hecken aber nicht verschleiern ausreichen sollen :).
    Die, die heldenhaft gegen Russlands Hacker, Chinas Seidenstrasse einen heldenhaften gemäßigten Kampf führen werden und nebenbei gleich das ganze Land mit Terror überziehen werden, wie in Afghanistan, Irak oder Syrien.

    Du siehst @ Thomas, schnelles schreiben ist angesagt denn der Krieg zieht schon wieder weiter noch ehe du ein Thema abschießen kannst.

    Zum Friedenseinsatz Russlands
    – im armenisch/ azerbaijanischen Konflikt las ich des öfteren sinngemäß * nichts trennt Azerbaijan, Türkei und Pakistan
    – im türkisch/syrischen Konflikt scheint Russland etwas mit der Türkei etwas geregelt zu haben

    Und auf einmal sind wieder ein paar tausend „syrische“ Terroristen kampferprobt, kampfbereit und vorübergehend arbeitslos in den Startlöchern.

    Russland und China sozusagen schon in Sichtweite.

  2. Ich habe den Artikel mit Interesse gelesen. Darin findet sich der folgende Satz:

    ‚Wenn Sie von „Timber Sycamore“ noch nie gehört haben, finden Sie hier Details darüber.‘ Dem Link hinter „hier“ bin ich gefolgt: https://www.anti-spiegel.ru/2019/syrien-cia-operation-timber-sycamore-deutsche-medien-verschweigen-ihren-lesern-die-wahrheit/

    Wieder interessant. Darin fand sich erneut ein Link, und zwar folgender:

    https://www.anti-spiegel.ru/blog/ist-deutschland-ein-souver%C3%A4nder-staat-oder-eine-kolonie-der-usa

    Tja, und dieser verweist auf die Startseite, also mit den aktuellen Artikeln. Es gibt nicht mal eine Fehlermeldung, jedenfalls habe ich keine gesehen. Wurde der Artikel gelöscht?

    1. Die Seite ist Ende Januar 2019 auf eine neue Plattform umgezogen (von Wix zu WordPress) und daher funktionieren die Links zu älteren Artikeln nicht mehr. Geben Sie einfach einen Teil der Überschrift – zum Beispiel „Kolonie der USA“ – in die Suchfunktion ein und sie finden den Artikel, der jetzt folgende Adresse hat: https://www.anti-spiegel.ru/2018/ist-deutschland-ein-souverander-staat-oder-eine-kolonie-der-usa/

  3. „Damals war „die Opposition noch nicht so radikalisiert?“ Das muss mir mal einer erklären“ – Huch sind die plötzlich ganz radikal.

    Das soll wohl eher heißen „damals konnte man noch erzählen, dass wir gemäßigte Rebellen unterstützen. Heute weiß jeder, dass es IS nahe Radikale sind.“

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