Welche Maßnahmen die USA gegen Russland planen: Teil 9 – Korruption in Russland

In diesem neunten Teil meiner Reihe über die von der RAND-Corporation empfohlenen Maßnahmen gegen Russland geht es Möglichkeiten, die das russische Volk gegen die eigene Regierung aufbringen sollen.

Die RAND-Corporation ist ein enorm mächtiger Think Tank der USA, dessen Empfehlungen von den US-Regierungen sehr oft eins zu eins umgesetzt werden. 2019 hat die RAND-Corporation eine Studie mit dem Titel „Russland überdehnen – aus vorteilhafter Position konkurrieren“ (Extending Russia – competing from advantageous ground) veröffentlicht, die im Grunde eine Anleitung zu einem wirtschaftlichen, politischen und medialen Krieg gegen Russland ist. Es werden alle Maßnahmen gegen Russland erörtert und empfohlen, außer einem heißen Krieg. Man will Russland in die Knie zwingen.

Das ist insofern bemerkenswert, weil die RAND-Corporation 2019 in einer anderen Studie auch festgestellt hat, dass Russland keinerlei aggressive Absichten hat. Anstatt sich aber darüber zu freuen und nun für eine Entspannung gegenüber Russland zu plädieren, hat RAND ein sehr umfangreiches Maßnahmenpaket vorgeschlagen, mit dem Russland endlich dazu gebracht werden soll, aggressiv auf die Provokationen aus den USA zu reagieren. Die Details finden Sie hier.

Die Studie unter dem Titel „Russland überdehnen“, um die es in dieser Reihe geht, ist quasi die Fortsetzung der anderen Studie, denn sie führt im Detail auf, wie man Russland in existenzielle Not bringen und damit zu aggressiven Reaktionen provozieren kann. In dieser Reihe werde ich darauf im Detail eingehen.

Die Einleitung

Das Kapitel der Studie, das wir heute behandeln, trägt die Überschrift „Politische Maßnahmen zur Schwächung des russischen Regimes im In- und Ausland“ und die lange Einleitung, die den Ist-Zustand beschreibt, ist teilweise äußerst interessant. So erfährt man zum Beispiel, dass es in Russland keine Zensur gibt, zumindest habe ich das Wort dort nicht gefunden. Es wird stattdessen festgestellt, dass Putin die Medienimperien der Oligarchen zerschlagen hat, die mit ihren Medien die Politik beeinflussen wollten.

Heute seien die meisten Medien in „Putin-freundlichen Händen“ sagt die RAND-Corporation, aber sie sagt auch, dass es davon Ausnahmen gibt. Im Klartext bedeutet das, dass es in Russland oppositionelle Medien gibt, die gegen Putin sind und frei im Land arbeiten können.

Eine weitere interessante Aussage betrifft das Internet, denn ich behaupte ja immer, das Internet wäre in Russland wesentlich freier, als im Westen. Die westliche Presse behaupten hingegen, in Russland werde das Internet zensiert. Dass das nicht stimmt, kann man bei der RAND-Corporation nachlesen:

„Im Vergleich zu Rundfunk- und Printmedien bietet das Internet eine attraktivere Möglichkeit für Ausländer, das russische Inlandspublikum zu erreichen. Seit 2017 machen Internetnutzer etwa 70 Prozent der russischen Bevölkerung aus. Im Vergleich zu seinem Nachbarn China verfolgt Russland historisch gesehen eine relativ nicht-interventionistische Politik gegenüber der Internetregulierung. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die russische Regierung eine Politik der Online-Zensur erwägt, zum Teil, um wahrgenommenen „Informationssicherheitsbedrohungen“ durch ausländische Mächte entgegenzuwirken.“

Im Klartext: In Russland wird das Internet nicht zensiert, da der Westen aber über das Internet immer stärker versucht, Einfluss auf Russland zu nehmen, denkt die russische Regierung möglicherweise darüber nach, das Internet zu regulieren. Aber das ist – wenn es denn überhaupt kommt – Zukunftsmusik.

Man fragt sich, warum die westlichen Medien wider besseren Wissens die Lüge verbreiten, in Russland herrsche Zensur.

Das Kapitel „Politische Maßnahmen zur Schwächung des russischen Regimes im In- und Ausland“ hat drei Unterkapitel, in denen Maßnahmen erörtert werden. Das Unterkapitel, das wir heute anschauen, trägt den Titel „Verringern der Wahrnehmung, das Regime handle im öffentlichen Interesse.“

Wie kann man das russische Volk gegen Putin aufbringen?

Diese Frage beschäftigt die RAND-Corporation. Mit sichtlicher Verwunderung beginnt das Kapitel damit, dass „Putins Konfrontationskurs gegen den Westen“ mit seinen negativen Folgen wie Sanktionen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten keine negativen Auswirkungen auf Putins Beliebtheit gehabt haben. RAND fragt sich also, was man denn tun kann, um Putins Ruf oder zumindest den Ruf anderer russischer Politiker ernsthaft zu beschädigen und für Unzufriedenheit in Russland zu sorgen.

Als Schlüsselthema schlägt die RAND-Corporation das Thema „Korruption“ vor. Das ist in der Tat ein leidiges Thema in Russland, auch wenn Korruption im Alltag heute nur noch eine geringe Rolle spielt, wenn man es mit früheren Zeiten vergleicht. Aber Korruption ist ein allgegenwärtiges Thema in Russland.

RAND behauptet, das „Putin-Regime“ sei ausgesprochen korrupt, allerdings bleibt RAND dafür Belege schuldig. Das ist schade, denn man hört ja immer wieder, Putin sei längst der reichste Mann der Welt, so sehr habe er sich bereichert, aber RAND kann dazu keine Informationen liefern, nur diesen Satz, der etwas anders klingt:

„Es ist außerdem möglich, dass Putin selbst in solche Aktivitäten eingebunden war und während seiner Amtszeit enorm wohlhabend geworden ist.“

Die RAND-Corporation geht dann wieder ausführlich auf den Navalny-Film ein, in dem Navalny vor einigen Jahren dem damaligen Ministerpräsidenten Medwedew Korruption und einen enormen Reichtum vorgeworfen hat. Über den Wahrheitsgehalt des Films lässt sich nichts sagen, es gab darauf keine Reaktionen, es gibt nur den Film mit den Behauptungen, von denen man heute recht gut weiß, dass Navalny sie von Maria Pewtschich bekommen hat, die sie wiederum – von wem auch immer – in London erhalten hat.

Navalnys Film ist bekannt in Russland und hatte über 20 Millionen Klicks auf YouTube. Die RAND-Corporation schlägt daher vor, in der Richtung weiter zu arbeiten und dazu westliche Geheimdienste einzuspannen:

„Es scheint sehr wahrscheinlich, dass westliche Geheimdienste klare Beweise für Korruption und deren Umfang bei russischen Offiziellen haben oder bekommen können“

Die Idee der RAND-Corporation ist es, eine Art Analogie zu Wikileaks zu schaffen, die dann die Beweise gegen russische Regierungsvertreter leaken könnte, die die westlichen Geheimdienste zusammen getragen haben. Die Idee ist denkbar simpel und wenn es so einfach wäre, wäre das wohl schon lange getan worden. Ich halte es aufgrund der Kontakte von Pewtschich für möglich, dass der Navalny-Film genau so ein Projekt der westlichen Geheimdienste gewesen ist. Aber das ist Spekulation.

Vorteile, Risiken und Erfolgsaussichten

Die Vorteile einer solchen Strategie, wenn es denn diese systematische Korruption in russischen Regierungskreisen überhaupt gibt und wenn die Strategie aufgeht, liegen auf der Hand: es würde sich nicht nur Unzufriedenheit im Land breit machen, auch die regierenden Eliten wären verunsichert, was über wen als nächstes ans Licht kommt und ob jemand als Bauernopfer über die Klinge springen muss. Die RAND-Corporation glaubt zwar nicht, damit die russische Regierung stürzen zu können, aber im Erfolgsfall könnte man Russland schwächen, weil es mit sich selbst beschäftigt wäre.

Interessanter sind die Risiken einer solchen Strategie, die die RAND-Corporation nennt. Sie sieht drei Risiken.

Erstens könnte das eine Gefahr für russische Anti-Korruptionsaktivisten bedeuten, wenn die russische Regierung als Reaktion hart gegen sie vorgehen sollte.

Zweitens befürchtet die RAND-Corporation einen Bumerang-Effekt, wenn Russland anfangen sollte, als Antwort ebenfalls kompromittierendes Material über westliche Politiker zu leaken. Die Tatsache, dass die RAND-Corporation dann „unvorhersehbare politische Folgen“ befürchtet, nehme ich als indirektes Eingeständnis dafür, dass es in gewissen Kreisen bekannt ist, dass viele westliche Politiker einige „Leichen im Keller“ haben. Aus welchem anderen Grund sollte man sonst „unvorhersehbare politische Folgen“ befürchten?

Drittens befürchtet die RAND-Corporation, dass die russische Regierung – um von den innenpolitischen Problemen abzulenken – andere Konflikte mit dem Westen im Ausland schaffen könnte. Da man nicht weiß, welche das sein könnten, wären die Folgen kaum abzuschätzen.

Die Erfolgsaussichten schätzt die RAND-Corporation als hoch ein, wenn es gelingt, Korruptionskandale der russischen Regierung zu finden und sie im Internet bekannt zu machen. Wie oben erwähnt freut sich RAND, dass das russische Internet nicht zensiert oder reguliert ist, weshalb man die Erfolgsaussichten als hoch einschätzt. Aber RAND bezeichnet die Strategie wegen der möglichen und unkalkulierbaren russischen Reaktionen als hochgradig riskant.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Gedanken zu „Welche Maßnahmen die USA gegen Russland planen: Teil 9 – Korruption in Russland“

  1. Was denn für Risiken? Wir haben jetzt gelernt, dass es möglich ist einen pädophilen, korrupten, hirntoten Mann zum Präsidenten der USA zu machen. Internetzensur in allen westlichen Staaten und eine gekaufte Berichterstattung machen das möglich.
    Die Korruptionsvorwürfe müssen nicht einmal wahr sein. Sie müssen sich nicht einmal anstrengen eine gute Lüge zu erfinden. Es reicht aus, wenn die Anschuldigungen durch die westliche MS Presse gepeitscht wird und in die russischen Medien wird es auch schon kommen. Zumindest 90% der westlichen Bevölkerung wird das alles glauben.
    Haben wir alles schon erlebt. Die russische Wahleinmischung 2016; die Scriptals und jetzt Navalinie.
    Ich kann mir vorstellen, dass Vorbereitungen in Russland für den nächsten Schritt auf vollen Touren laufen. Warten wir es ab, wenn Navalnie nach Russland zurückkommt. Kann mir gut vorstellen, dass er dann einiges im Gepäck hat, dass die Regierung angreift.

  2. »dass viele westliche Politiker einige „Leichen im Keller“ haben.« Nicht nur viele Thomas, ich hörte schon von Jahrzehnten, das man in einer „religösen, den Menschen zugetanen“ Partei 😉 von Insidern, daß selbst auf Lokalebene niemand etwas werden könne, solange diese Leichen nicht bekannt seien. Könnte sein, daß einer aus der Reihe tanzt. Die Kölner OB Rieker muß sich vorwerfen lassen, daß sich unter ihrer Führung am „Kölner Klüngel“ – das ist so was wie die bajuwarische Spezl- und Amigo-Wirtschaft oder die württembergische Vetterleswirtschaft – nichts geändert habe. Und das man mit seinen Kenntnissen vorsichtig sein sollte, konnte vor Jahre die Tochter eines großen Parteivorsitzenden erfahren, die erst mit den „Akten der Erkenntnis“ zwecks Disziplinierung der lokalen Parteiorganisation herumwedelte und kurze Zeit später ihren lokalen Führungsposten verlor.

    Und wir wissen doch von dem großen Parteivorsitzenden, daß ihm der Geruch von Bereicherung bei den Wahlen nicht geschadet hat, ganz im Gegenteil – er wurde von vielen seiner Wähler sogar ein wenig bewundert. Warum sollte das in Rußland viel anders sein, vor allem wenn die Infomationen aus dem Ausland kommen und die Denunziationsabsicht deutlich zu erkennen ist?

  3. Ich möchte hier an zwei Beispielen zeigen, wie Putin und Russland sehr viel mehr erreichen und die Strategien ihrer Gegner im Inland und Westen durchkreuzen könnten:

    1. Im Bereich des Gesundheitswesens gibt es im Westen, und möglicherweise auch in Russland, eine unglaubliche Korruption. Siehe dazu das Buch „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität“ von Peter C. Gøtzsche. Anderseits gibt es, durch die Coronakrise verstärkt, sehr effiziente Mittel um dem medizinisch-industriellen Komplex und damit auch der dort verbreiteten organisierten Kriminalität das Wasser ab zu graben. Ich verweise dazu auf die seit Anfang Februar 2020 auf meiem Blog Freizahn.de, beginnend mit „Mehrzweckewaffe gegen Viren und Bakterien“ beginnend, erschienen Artikel, sowie auf die dort und in einigen zugehörigen Leserkommentaren erwähnten Entwicklungen in Südamerika. In Bolivien haben inzwischen beide Parlamentskammern Chlordioxid zur Behandlung von Covid-19 zugelassen, nachdem einige Abgeordnete an Covid-19 erkrankt waren und von einem Chlordioxid als Medikament nutzenden Arzt sehr schnell und nebenwirkungsfrei geheilt worden sind. Die Krankheit ist in Bolivien inszwischen offenbar weitgehend besiegt.
    Man hat jedenfalls, sehr preiswerte, extrem effizizente Mittel um nicht nur mit dem Coronavirus, sondern auch mit anderen Viren und sehr vielen anderen Krankheiten effizient fertig zu werden, sondern um zugleich auch große Teile der für die westlichen Industriestaaten sehr wichtigen Pharmaindustrie zu ruinieren, während man damit zugleich auch die Kosten im Gesundheitswesen massiv senken und dabei zugleich dessen Ertrag aus Sicht der Bevölkerung drastisch steigern kann. Wenn Putin umsetzen würde, was ich Donald Trump in http://www.freizahn.de/2020/10/dear-mr-president/ empfohlen habe, dann könnte er damit sein Ansehen bei der Bevölkerung und auch global erheblich verbessern und, das Wichtigste, er könnte damit den faktischen Wohlstand bzw. die faktische Lebensqualität der meisten Menschen in Russland massiv verbessern.
    Dazu kämen, wenn man wollte, auch noch verschiedene andere Möglichkeiten zur preiswerten und einfachen Prävention und Behandlung von Krankheiten.

    2. Im Bereich Landwirtschaft und Ernährung hat gerade auch Russland ebenfalls phantastische Chancen, um die Lebensqualität und den Lebensstandart seiner Bevölkerung, sowie seine Zukunftschancen zu verbessern UND um damit gleichzeitig auf verschiedene Weise das Ansehen Russlands in der Welt zu verbessern UND um damit zugleich wichtige Schlüsselindustrien in Westeuropa und in den USA zu schwächen. Eine gute Sammlung von Möglichkeiten und Ideen sind die vielen Links am Ende meines Artikels http://www.freizahn.de/2019/05/anmerkungen-zu-einer-gruenen-wahlkampfveranstaltung-fuer-landwirte/ , die ich gerade noch einmal auf den neusten Stand gebracht habe.

    Die Frage ist halt, wie weit Putin und seine Leute die sich ihnen bietenden Chancen sehen und als solche erkennen. Und dann fragt sich noch wie weit sie dann auch wirklich entschlossen sind die Interessen der russischen Bevölkerung und die Verbesserung von deren Lebensqualität höher ein zu stufen als die Wirtschaftsinteressen kleiner Gruppen oder Industrien. Wenn Putin und seine Leute diese Chancen geschickt nutzen, dann kann sich das voraussichtlich auch in weiteren in der Artikelserie zu den Überlegungen der RAND-Cooperation behandelten Themenbereichen wie Drainbrain, Weissrussland, Ukraine, Syrien usw. zum Vorteil Russlands auswirken.

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