Westliche Sanktionen verhindern den Kampf gegen Coronavirus – UNO fordert deren Aussetzung

Die UNO fordert, alle Sanktionen während der Coronakrise auszusetzen, weil ansonsten die weltweite Verbreitung des Virus nicht aufgehalten werden kann. Aber haben Sie davon etwas in den „Qualitätsmedien“ gehört?

Wie sehr die „Qualitätsmedien“ Nachrichten unterdrücken, die ihnen nicht in ihre politische Linie passen, sieht man in diesen Tagen deutlich. Am Freitag habe ich aufgezeigt, wie die deutschen Medien das Versagen der EU beim letzten Gipfel zu kaschieren versuchen. In Russland wurde über der EU-Gipfel und den Eklat berichtet, in Deutschland wurde das weitgehend verschwiegen. Die Details finden Sie hier.

Nun das gleiche noch einmal: In Russland wurde schon am 24. März berichtet, dass sowohl der UNO-Generalsekretär, als auch die die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte ein sofortiges Ende aller Sanktionen fordern. Ich wusste also davon und habe gar nicht bemerkt, dass die deutschen Medien das praktisch komplett verschwiegen haben.

Dass die Sanktionen des Westens gegen Länder wie Syrien, Iran, Venezuela und andere völkerrechtswidrig sind, ist kein Geheimnis. Der UNO-Sonderbeauftragte für Sanktionen und ihre Folgen vom OHCHR, Idriss Jazairy, hat im August 2019 vor der UNO einen Bericht vorgestellt, der all die Sanktionen auf ihre Rechtmäßigkeit und auch ihre Folgen untersucht hat. Die Details finden Sie hier.

Kurz gesagt sind alle Sanktionen gegen diese Länder Verstöße gegen das Völkerrecht und weil die westlichen Sanktionen den Ländern auch den Zugang zu Medikamenten und medizinischem Gerät ganz oder teilweise verwehren, sind die Sanktionen auch Völkermord, denn sie führen dazu, dass Zivilisten – vor allem Kinder und alte Menschen – an Krankheiten sterben, die behandelbar wären, wenn der Westen nicht die Lieferung von Medikamenten unterbinden würde.

Das passt natürlich nicht in das Narrativ der „Qualitätsmedien“, daher berichten sie darüber nicht. Und so erklärt sich auch, dass es in Deutschland praktisch keine Berichte darüber, gab dass nun der UNO-Generalsekretär und die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte ein sofortiges Ende der Sanktionen gefordert haben. Dabei haben sie sich nicht einmal auf das Völkerrecht berufen, diese Appelle verhallen im traditionell Westen ungehört, sondern auf das Eigeninteresse des Westens.

Wenn die Sanktionen dazu führen, dass sich das Coronavirus zum Beispiel in Syrien oder im Iran ungehindert ausbreiten kann, dann sind alle Maßnahmen, die derzeit weltweit im Kampf gegen das Virus getroffen werden, sinnlos, weil aus diesen Ländern immer wieder Infizierte in andere – auch westliche – Länder kommen und die Krankheit mitbringen werden. Dabei ist es egal, ob sie legal oder illegal einreisen, die Erfahrung zeigt, dass sie einreisen.

Das ist absurd: Während die westlichen Länder ihre Grenzen schließen, Ausgangssperren verhängen, das Leben der Menschen einschränken, eine massive Wirtschafts- und Finanzkrise befürchten, lassen sie Sanktionen bestehen, die dazu führen, dass das Virus sich in einigen Ländern praktisch ungehindert ausbreiten kann. Was aber sind die Maßnahmen des Westens wert, wenn das Virus danach aus diesen Ländern wieder zurückkommt?

Die Sanktionspolitik, die nur den geopolitischen Interessen der USA dient, gefährdet damit Menschenleben nicht nur in den sanktionierten Ländern, sondern – etwas später – auch Menschenleben in westlichen Ländern. Warum wenden sich die europäischen Regierungen nicht von dieser selbstmörderischen Politik ab? Darauf darf jeder selbst eine Antwort suchen.

Die „kritischen Qualitätsmedien“ in Deutschland lassen diese Aufrufe und auch die Argumente der UNO jedoch unter den Tisch fallen. Eine Google-Suche ergab, dass in Deutschland fast keine Medien darüber berichtet haben. Ich fand nur beim Fokus, dem Handelsblatt und dem Deutschlandfunk sehr kurze Meldungen zu den Aufrufen der UNO.

Warum muss ich russische Medien lesen, um derart wichtige Meldungen zu finden?

Der Spiegel hat zum Beispiel darüber berichtet, dass der UNO-Generalsekretär dazu aufgerufen hat, alle Kriege und Kampfhandlungen weltweit einzustellen und sich auf den gemeinsamen Kampf gegen das Virus zu konzentrieren. Das war dem Spiegel jedoch nicht einmal einen eigenen Artikel wert, es wurde nur ein kurzer Ausschnitt aus dem Aufruf des UNO-Generalsekretärs als Video veröffentlicht. Aber kein Wort fand sich im Spiegel über den Aufruf, alle Sanktionen für den Kampf gegen das Coronavirus auszusetzen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Gedanken zu „Westliche Sanktionen verhindern den Kampf gegen Coronavirus – UNO fordert deren Aussetzung“

  1. Iran

    https://iran.liveuamap.com/en/2020/26-march-new-us-sanctions-include-15-individuals-and-5-iranian

    Soviel dazu wie sehr es noch interessiert was die UNO zu sagen hat.

    https://iran.liveuamap.com/en/2020/26-march-iran-announces-the-death-toll-from-the-coronavirus

    the death toll from the Coronavirus to 2234 and infections to 29406

    Zu Venezuela

    https://venezuela.liveuamap.com/en/2020/26-march-us-attorney-general-announces-charges-against-maduro

    „Das Außenministerium kündigt eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar für die Verhaftung von Nicolas Maduro an, den Washington nicht als legitimen Führer des Landes anerkennt“

    Irak

    Pentagon Order to Plan for Escalation in Iraq Meets Warning From Top Commander

    https://www.nytimes.com/2020/03/27/world/middleeast/pentagon-iran-iraq-militias-coronavirus.html

    „Einige hochrangige Beamte, darunter Außenminister Mike Pompeo und Robert C. O’Brien, der nationale Sicherheitsberater, haben auf aggressive neue Maßnahmen gegen den Iran und seine Stellvertreter gedrängt – und sehen eine Gelegenheit, zu versuchen, von Iran unterstützte Milizgruppen zu zerstören im Irak als Führer im Iran werden von der Pandemiekrise in ihrem Land abgelenkt.“

    Nebenbei angemerkt, Frankreich und Deutschland ziehen ab wegen Corona. Ja Irak kämpft gegen Corona an. Syrien kann das nicht weshalb jetzt vielleicht kontaminierte Ausrüstung einfach mal nach Syrien gebracht wird inkl. vllt infizierten Personal.

  2. „Was aber sind die Maßnahmen des Westens wert, wenn das Virus danach aus diesen Ländern wieder zurückkommt? “

    Thomas, darüber wird im Westen nicht nachgedacht, bzw. wenn diese Irrationalität an die Entscheidungsträger herangetragen wird, müssten sie sich erstmal alle in der EU einig werden und dann auch noch die Zustimmung der USA einholen, denn sie müssen ja „Einigkeit“ demonstrieren. Und ein solcher Prozess erscheint mir undurchführbar und wenn sich die EU tatsächlich einig werden sollte, kommt das No aus den USA und damit ist das Thema erledigt und der Irrsinn geht weiter!

  3. Es wird wirklich höchste Zeit, diesen Quatsch mit den Sanktionen zu beenden. Diese Wirtschaftsmaßnahmen haben in der Regel einen eindeutig negativen Effekt für Länder, die vorwiegend auf der Exportwelle schwimmen, und zwingen importierende Länder dazu, eigene Wege zu gehen. Deutschland hat bei den idiotischen Russland-Sanktonen (ohne Sinn und Hintergrund) Milliarden an Wirtschaftsleistung verloren. Noch so ein paar Siege…

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